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KURT KRÖMER

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 02.11.2011

„Ausverkauft“ hieß es in der großen Ringlokschuppen-Halle – sieht ganz so aus, als hätte es KURT KRÖMER nicht geschadet, dass er sich nach seinem Burnout Ende letzten Jahres für eine Weile rar gemacht hat. Tatsächlich hat der 37-jährige Komiker und Schauspieler in den vergangenen Jahren kaum mal eine Pause gemacht. Egal ob im Fernsehstudio, auf der Theaterbühne, im Film oder auf Tournee: Alexander Bojcan alias KURT KRÖMER lief unablässig auf Hochtouren und brauchte ganz offensichtlich eine Auszeit. Jetzt ist der hornbebrillte Berliner mit der großen Klappe und dem derben Humor wieder unterwegs und mit ihm „Der nackte Wahnsinn“. Der frisch gekürte Grimme-Preisträger (nach fünf Nominierungen hat es 2011 endlich geklappt) versprach nichts, denn das aktuelle Bühnenprogramm setzt nach eigenem Bekunden nicht auf durchgeplante Gags. Stattdessen ist Spontanietät gefragt – nicht nur beim Künstler, sondern auch beim Publikum und wer bei Krömer zu laut lacht oder auf andere Weise die Aufmerksamkeit des Neuköllners auf sich zieht, findet sich ganz schnell im Mittelpunkt des Geschehens wieder.

So war’s auch in der Leineweberstadt, in die Kurti mit einer To-Do-Liste mit 13 wichtigen Punkten gekommen war. Übrigens fand der Abend nur deshalb nicht in der Schüco-Arena stattfand, weil der Herr Künstler sich als weltweit einziger seiner Zunft runtergebumst hat und jetzt mit Locations wie dem Ringlokschuppen vorlieb nehmen muss. So ähnlich ist es ja auch mit Westerwelle und der FDP, die jetzt in den Wahlhochrechnungen nur noch „sonstige“ heißt. Außerdem musste die Frage geklärt werden, ob Krömer an Depressionen leidet, was zumindest für das Auditorium sehr stimmungsaufhellend war. Auf jeden Fall war der sonst so renitente Haudrauf sehr anlehnungsbedürftig und verliebte sich auf dem Weg zur Theke direkt in einige der Anwesenden (beiderlei Geschlechts) und ließ es sich nicht nehmen, die Betreffenden ausgiebig zu herzen. Dann noch schnell einen Schluck eines fremden Bieres (das Glas dabei großzügig ablecken) und schon ging’s zurück auf die Stage, um einen Blick „behind the face KURT KRÖMER“ zu werfen. Als erheiternder Beitrag zu diesem Thema fungierte u.a. eine Geschichte, die der Protagonist des Abends mit der Telekom erlebt hatte. Übrigens ist das Telkommunikationsunternehmen neben Lidl und der Deutschen Bahn der direkte Nachfolger der Stasi – nur für den Fall, dass dies unseren Lesern noch nicht bekannt war. Das sind Hintergrundinfos, wie man sie nur von einem KURT KRÖMER bekommen kann, der eigentlich um 20.45 Uhr Pause machen wollte, aber sein Publikum nicht aus dem Saal bekam. Also hat er sich stattdessen nach und nach ein paar Mädels auf die Stage geholt, die sich mit ihm fotografieren lassen durften, was die Damen ob der damit verbundenen körperlichen Nähe wohl unterschiedlich erstrebenswert fanden. Wie gesagt: bei KURT KRÖMER sollte man sich gut überlegen, ob man auffallen möchte oder nicht…

Dann war aber tatsächlich erst einmal Pause, um sich die Lachtränen auf den Augenwinkeln zu wischen, bevor Kollege Krömer einen wahren Aggressionsausbruch erlebte. Gekoppelt war selbiger natürlich mit wüsten Beschimpfungen, von denen man einige immer mal gebrauchen kann (Beispiel: Wenn Arschlöcher fliegen könnten, wäre das hier ein Flughafen!). Sehr schön waren auch Kurts Erlebnisse auf dem Amt, als er bei Frau Hass seinen bürgerlichen Namen in den bekannten Künstlernamen ändern lassen wollte. Natürlich war’s ne Berliner Amtsstube und da die Hauptstädter die Freundlichkeit geradezu erfunden haben, ging’s dort auch ähnlich charmant zu. Auch der Erwerb eines Druckers scheint an der Spree deutlich komplizierter zu sein – zumal, wenn man als Käufer auch noch spezifische Informationen vom Handelspartner wünscht. Da muss man ggfs. auch zu härteren Bandagen greifen, aber auf dem Gebiet kennt sich Herr Krömer aus und dass seine Führungsqualitäten auch ganz spezieller Natur sind, weiß nicht nur Herr Weißgerber, der den ganzen Abend hinterm Vorhang versteckt blieb und angeblich von besonderer Hässlichkeit ist, die der Mann auf der Bühne sehr bildlich zu beschreiben wusste. Auch Beleuchter Damian bekam sein Fett weg, wie es auch immer mal wieder einen Gast erwischen konnte, wobei die Sprüche nicht wirklich unter die Gürtellinie zielten. Schließlich weiß KK, was politisch korrekt ist und würde deshalb auch nie von „Negerküssen“ sprechen. Und Witze über seine Frau gibt’s deshalb auch nicht mehr. Selbst beim „Schneckenwitz“ hat er sich geziert, den Klassiker dann aber als Zugabe doch noch rausgehauen, ehe das „Ave Maria“ mit dem Krömerschen Gesang eindeutig zum tragischen Finale schritt. Mit dem Hinweis, dass der Applaus das Brot des Künstlers sei und er womöglich ohne Abendbrot ins Bett gehen müsse, ebnete die Kodderschnauze den Weg zu heftigen Akklamationen, die er mit einem sehr speziellen Strip auf die Spitze trieb. Nach einem blanken Oberkörper (Waschbär- statt Waschbrettbauch), Krömer in Shorts und Raubtierdruck-Bademantel, gab’s am Ende tatsächlich noch „nackte Tatsachen“ – nämlich die unverpackte Rückenansicht des umtriebigen Schwerenöters, der sich schließlich nach gut zwei Stunden gutgelaunt von seinen Bielefelder Fans verabschiedete.

Schwer zu sagen, wie viel des Programms tatsächlich Improvisation ist. Schlagfertig ist der Mann allemal und zu lachen gab’s ebenfalls ne Menge. Der Humor bleibt Krömer-Style – es darf ruhig ein bisschen derber zugehen, aber hinter der rauen Schale steckt selbstredend ein weicher Kern. Mal ganz davon abgesehen, dass KURT KRÖMER unübersehbar ein unglaublicher Womanizer ist – oder etwa nicht? Wir sollten vielleicht Marnie fragen, der er nicht nur eine romantische Liebeserklärung gemacht hat, sondern ihr auch mal so richtig schön durchs Gesicht geleckt hat…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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