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KURT KRÖMER

Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle (Kongress-Saal)

Datum: 19.10.2010

KURT KRÖMER alias Alexander Bojcan war mal auf dem besten Wege, Herrenausstatter zu werden. Das muss irgendwann vor ca. 20 Jahren gewesen sein. Damals waren die Anzüge, die er heute trägt, wahrscheinlich gerade ziemlich angesagt. So wie KURT KRÖMER heute. Zahlreiche Auszeichnungen und jährliche Nominierungen für den Grimme-Preis zeugen ebenso davon wie ausverkaufte Hallen. So blieb dann auch im Osnabrücker Kongress-Saal kaum einer der knapp 800 Plätze unbesetzt als der leicht cholerische Typ aus Berlin-Neukölln zu seiner „Kröm De La Kröm“-Abschiedtour geladen hatte. Vor vier Jahren spielte er noch in der deutlich kleineren Lagerhalle, doch auch wenn seine „Internationale Show“ donnerstags erst zu später Stunde im Ersten läuft, hat der Hornbrillenträger zweifellos ein Publikum gefunden.

Das ist eher in den Zwanzigern und Dreißigern und bekam an diesem Dienstagabend einiges zu lachen. Ob Katharina und Alexander aus dem 30 Kilometer entfernten Hunteburg (oder hieß der Ort „Hundgeburt“?) auch immer uneingeschränkten Spaß hatten, weiß ich nicht, aber zumindest hatten sie ein exklusives Plätzchen auf der Bühne und wurden reichlich mit Merchandise-Geschenken versorgt. So ist das halt, wenn man sich unvorsichtigerweise meldet, wenn gefragt wird, ob man auf dem VIP-Couch Platz nehmen möchte, dann muss man auch schon mal damit rechnen, dass der liebestolle Krömer „Somethin’ Stupid“ singend über einen herfällt und man vom Sofa gerissen wird. Die Zuschauer quittierten es mit viel Gelächter – schließlich waren sie ja auch nicht betroffen. Als SCHULKINDER-erprobte Osnabrückerin, schreckten mich auch Kurts Andeutungen nicht, ob ich schon von Prinz Ernst-August gehört habe, als ich im Terror-Auftrag Fotos von ihm schoss und so konnte der Anarcho-Abend seinen vergnüglichen Lauf nehmen. Offensichtlich hatte sich der Herr im weinroten Doppelreiher schon ein wenig in der Hasestadt umgesehen und war bereits auf das einschlägige Etablissement in der Eisenbahnstraße gestoßen; aber schließlich kannte er Osnabrück ja auch noch aus der Zeit nach dem Krieg, da hat er die Stadt nämlich wieder aufgebaut. Und seine Mutter suchte er hier. So schilderte er es wenigstens der Dame bei der Telefonauskunft, da die Freundin von Philipp aus dem Publikum, die ja eigentlich gefragt werden sollte, warum sie nicht bei Krömer war, nicht ans Telefon ging. Dran glauben musste (neben den beiden 11880-Damen) schließlich die offensichtlich etwas betagte Gattin von Heinz Müller, die jedoch auf den Enkeltrick nicht hineinfiel und sich am Fernsprecher wacker schlug.

Gleiches galt auch für die Katharina und Alexander, die sich wahrlich nicht sicher sein konnten, was ihnen wohl noch widerfahren würde. So durfte die blonde Hunteburgerin schnell noch einen Witz erzählen, nachdem Kurt sich die Klamotten vom Leib gerissen hatte und er sich doch fix einmal umziehen musste. Wenig später stand er als Batman wieder auf der Bühne und Katharina verschwand in einer Trockennebelwand, während sie erneut vom schnoddrigen Hauptprotagonisten des Abends angesungen wurde. Der wohnt übrigens wieder bei Mama, weil seine Frau ihn rausgeschmissen hat und nutzt jetzt auf Tour jede Gelegenheit, Frauen kennenzulernen. Deshalb war wohl auch Philipps Freundin Elisa, die bekanntermaßen telefonisch nicht zu erreichen war, nach der Pause auf Krömers Kosten in die Stadthalle und insbesondere auf die Stage gekommen. Eine Begrüßung vom Schlage „Hallo, ich bin Illusionist, ich kann Körperteile von mir in Ihnen verschwinden lassen.“ sollte man sich zweifelsohne merken. Ansonsten machte KURT KRÖMER das was er am besten kann: Stänkern und große Fresse haben. Beides auf hohem Niveau und zum Schreien komisch! Die Beschreibung seines Berliner Fahrradunfalls war ebenso grandios wie die Ausführungen zum gemeinsamen Hissen der Regenbogenfahne mit Klaus Wowereit am Roten Rathaus. Schlagfertig ist der 35-jährige sowieso, das bewies nicht nur die spontane Geschichte, die er aus den Nomen bildete, die die Zuschauer während der Pause auf extra dafür bereit gelegten Blätter schreiben durften. Auch seine Reaktionen auf Einwürfe aus dem Auditorium sorgten stets für Erheiterung, wie natürlich schon sein gesamtes Auftreten und die Berliner Schnauze, des Neuköllners, der jetzt nach Kreuzberg verzogen ist. Dabei hatte er in seinem Geburtsstadtteil doch 165 verschiedene Nationen (pardon, ich muss mich verbessern: 167, nebenan war ein Pärchen eingezogen – er Eskimo, sie aus dem Phantasialand!) gelebt. Aber dafür freut er sich in Kreuzberg jedes Jahr am 01. Mai über den lustigen Faschingsumzug und schaut morgens gern seinem Nachbarn Arslan zu, wenn der seinen Gebetsteppich am Fenster ausschüttelt und fragt auch schon mal, ob er nicht anspringt. Es war sehr kurzweilig mit Herrn Krömer, der uns allerdings mitteilen musste, er litte am Burn-Out-Syndrom, sei „fertig auf der Bereifung“. Deshalb hat er jetzt auch einen Altenpfleger namens „Schtewen“, der ihm morgens um 6.00 Uhr aus dem Bett hilft. Ob Johannes Heesters wohl auch so einen ambulanten Pflegedienst hat? KURT KRÖMER wusste zumindest, dass er als nächstes seine eigene Körperwelten-Ausstellung – quasi einen Querschnitt seines Lebens – erhalten soll. Wo Heesters doch nicht nur den ersten und zweiten Weltkrieg, sondern auch den Urknall mitgemacht hat!

Damit und mit einem Dank an seinen unbekannten Vater und seine stadtbekannte Mutter wollte Kult Klömel (in China ist er halt schon „Kult“) den Abend eigentlich mit ein paar ergreifenden Worten nach knapp zwei Stunden beenden, aber natürlich hatte der Hauptstädter da die Rechnung ohne seine weitgereisten Fans gemacht, die sogar aus Bad Oeynhausen gekommen waren, um ihres Idols ansichtig zu werden, weshalb sich Kurt schon die Frage stellte, ob wohl überhaupt Menschen aus Osnabrück da seien. Es wurde Nachschlag verlangt und den gab es natürlich auch. Zuletzt unter weiterer Publikumsbeteiligung und wie der Zufall es wollte, meldete sich ausgerechnet eine Dame mit vorsintflutlicher Kleinbildkamera auf die Frage, ob denn jemand mit Fotoapparat auf die Bühne kommen möge. Spitze Kommentare und weitere Lacher waren natürlich vorprogrammiert und als es im Finale noch zu einem kurzen Duett mit dem Keyboarder (Enrico Mombasa aus Kenia- der uneheliche Sohn von Howard Carpendale, der leider kein Deutsch verstand, aber den Text „Danke für meine Arbeitsstelle“ toll auswendig gelernt hatte) und einer grandiosen Nummer mit verzerrten Mikros kam, gab es endgültig kein Halten mehr in der Kongress-Halle. Es folgten nochmals lang anhaltende Akklamationen, doch um 22.10 Uhr war Feierabend für KRÖMER, schließlich musste er auch noch zu einer Autohaus-Eröffnung in den Schinkel und zumindest eine Dame Zeichen gegeben, ein Kind von ihm zu wollen – die zwei Minuten wollte er sich auch noch nehmen. Ein absolut unterhaltsamer Abend mit handfestem Humor, der niemals unter die Gürtellinie rutschte und ganz einfach nur bestens zu unterhalten wusste. Bravo!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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