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THE KVB – DRANGSAL

Ort: Leipzig - Institut für Zukunft (IFZ)

Datum: 18.07.2015

Ein warmer Sommerabend, allerdings wolkenverhangen und die stete Gefahr auf Regen und Gewitter. Aber Risiko muss sein und so entschieden wir uns für das Fahrrad als Reisemittel, besser gesagt zwei Fahrräder für drei Personen. Wie zu Teeniezeiten. Aber wir kamen pünktlich und unversehrt an. Der Kohlrabizirkus war leicht zu finden. Mit einer Spannweite von jeweils 75 Metern waren die Massivkuppeln der ehemaligen Markthalle bei ihrer Fertigstellung in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schließlich die größten der Welt und nach wie vor unübersehbar. Das Institut für Zukunft war schon schwerer aufzufinden. Neben einigen Autos standen an einer Ecke zahllose Fahrräder. Vorbildliche Besucher. Ein kleines Licht wies von dort den Weg über eine versteckte Treppe in die Kelleretage des riesigen Gebäudes. Und schließlich gelangten wir in den ehemaligen Kühltrakt der Markthalle. Was für eine sensationelle Location, weit verwinkelt und über mehrere Treppen mit anderen Etagen für Bar, diverse Séparées und Toiletten verbunden ist hier der industrielle Charme der alten Zeit noch spürbar. Nur eine fette Musikanlage deutet auf die Gegenwart. Das erste Highlight gibt’s also schon vor den Bands.

Mit etwas Verspätung beginnt dann die erste Band des Abends. Aus den zahlreichen Nischen des IFZ füllte sich der Konzertraum mit einem bunt gemischten Publikum. Die 531 bei Facebook angekündigten Teilnehmer waren es wohl nicht, aber der Saal war voll. Licht aus. Und hiermit ist wirklich Licht aus gemeint, denn außer einer spärlichen Beleuchtung auf der Bühne war es finster. Für die Stimmung perfekt, für Fotografen eher nicht. DRANGSAL aus Berlin wurden als Brachialpop und neues Projekt von Max Gruber angekündigt. Scheinbar gibt es noch keine Veröffentlichungen und auf Soundcloud finden sich nur zwei Songs. Wobei „Allan Align“ schon beim ersten Hören zum Ohrwurm mutiert. Neben dem Herrn Gruber (Gesang, Gitarre) standen drei weitere Jungs auf der Bühne, Drummer, Gitarrist und Gitarrist/ Keyboarder. Musikalisch kann man DRANGSAL weitestgehend als elektronisch unterstützten Indie-Rock/ Post Punk bezeichnen. Davon gibt es sehr viele Acts, aber DRANGSAL waren geil und für viele Besucher der eigentliche Höhepunkt. Mit einer Mischung aus JOY DIVISION, alten THE CURE und modernen Sounds schaffen die vier Jungs einen energetischen, tanzbaren DRANGSAL-Sound, der nach mehr schreit. Leider war der Auftritt viel zu kurz … bleibt aber noch lange in Erinnerung.

Nach einer Pause stehen dann bereits zum zweiten Mal bei White Circles THE KVB auf der Bühne. Mir war bisher nur der Hit „Never enough“ bekannt, eine wahre Cold Wave-Hymne. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Kat Day und Nicholas Wood die Bühne betraten. Und wie erwartet ging es dann auch mit dumpfem, psychedelischem Drone Post-Punk weiter. Der elektronische Anteil und die Drum Computer traten sehr in den Hintergrund, stattdessen bildeten übersteuerte Gitarren den Löwenanteil, in dem auch die Stimme nahezu unterging. Seitens der Band war das so gewünscht, viele Besucher hätten sich einen klareren Sound gewünscht. So war die Stimmung ziemlich gedämpfter, aber trotzdem noch stromgeladen. THE KVB machen eben keinen Sound für jedermann und das haben sie bei White Circles wieder einmal unter Beweis gestellt. Für die Fans war es auf jeden Fall ein interessanter Auftritt, der den typischen Sound der Briten auf die Spitze trieb.

Im Anschluss gab es noch eine After-Show-Party mit den Jungs von White Circle und deren typischem Sound von Minimal, Cold Wave und Co. Als Special Guest brachte schließlich IFZ-DJ Subkutan mit Technosound einen Cut in die Party. Einige Konzertbesucher gingen, einige tanzten einfach weiter und einige kamen neu dazu. Fusion geglückt, allen kann man es eh nie recht machen. Wer sich drauf eingelassen hat, hatte einen großartigen Abend mit zwei tollen Bands in einer sensationellen Location. Ein großer Dank an die Jungs von White Circles für einen ungewöhnlichen Abend.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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