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KVELERTAK – ÅRABROT – GERILJA

Ort: Nürnberg – Hirsch

Datum: 05.10.2013

Also Leute, 19 Uhr … 19 Uhr!!!! Da ist man doch noch nicht mal aufgestanden! Und dann noch Samstagabend? Was soll denn das werden? Kein Wunder also, dass der Hirsch gegen 19 Uhr eine noch sehr überschaubare Anzahl langhaariger Personen beherbergt und sich sich an der Deko-Wand des Merch-Stands mehr T-Shirts tummeln als augenscheinliche KVELERTAK-Fans an der Bar. Doch unerbittlich naht der Startschuss zum heutigen Musikantenstadl mit Schwerpunkt Norwegen und spuckt der noch schlaftrunkenen Meute Kuttenträger GERILJA vor die Füße. Dass KVELERTAK’sche Vorbands einen völlig eigenen Charme versprühen, ist der Die-Hard Fan ja schon mehr als gewohnt. Aber diese drei skurrilen Gestalten da oben auf der Bühne entpuppen sich samt Sound als extrem sperrig im Gehörgang. Aleksander, Ottar und Simon aus Oslo scheinen gar nicht zu verstehen, warum das Fußvolk da unten vor der Bühne so irritiert reagiert oder kennen wahrscheinlich keine andere Reaktion auf Ihre musischen Ergüsse. Jedenfalls verliert sich das Trio in einer ungewöhnlichen Mischung aus Psychedelic und Alternative inkl. feiner Prise 80er Hip Hop. Damit wirken GERILJA ein bisschen wie das lang geforderte aber nicht wirklich gewollte Familientreffen zwischen MÖTLEY CRÜE und HELGE SCHNEIDER. Letzterer hat dem Trio wohl auch seinen antiken Synthesizer überlassen. Tja – auch damit kann man ordentlich Krach machen. Denjenigen vor der Bühne, denen diese irrwitzige Mischung ein entrücktes Grinsen ins Gesicht treibt, taumeln dann zu „Animals“ oder auch „The Source“ vom aktuell zum promotenden Album „Step Up Your Game“ brav an den Bühnenrand. Zu mehr reicht der fränkische Enthusiasmus aber leider nicht. Schade.

Nach einer kurzen Umbauphase geht die Freakshow gegen 19:45 in die nächste Runde: Die vier Gestalten, die da mitsamt nacktem Oberkörper und Hotpants auf die Bühne schleichen, zählen mit Sicherheit zu den unansehnlichsten Bands, die den Hirsch je bespielt haben. Aber: Vorsicht vor Vorurteilen. Menschen, die tote Tiere auf dem Kopf balancieren, könnten ja gute Musik machen! Das haben schließlich auch KVELERTAK schon mehrfach bewiesen. Also Lauscher auf und genau hingehört, was ÅRABROT aus dem Ochsenhut zaubern. So richtig „harter“ Metal ist das nicht, was die norwegischen Grammi-Gewinner aus 2012 dem erfreulicherweise leicht angewachsenen metallenen Publikum um die Ohren knallen. ÅRABROT stehen für lauten, doomigen und dreckigen Noise Rock, der in den Songs der neuen selbst betitelten Scheibe eine Spur härter ausfällt und irgendwie klingt wie eine (mal mehr, mal weniger gute) SONIC YOUTH-Kopie. Leicht uninspiriert und ausgebremst wirkt die Truppe rund um den kauzigen Fronter Kjetl Nernes, dessen brummeliger Gesang das verzögerte Gitarren-Experiment begleitet. Da hilft auch kein Terminator-Blick des Keyboarders, um das Publikum in Ekstase zu ängstigen. Zum Glück gibt’s da aber Erbarmen fürs Profigehör, denn Drummer Vidar Evensen befreit mit seinem perfekten groovig-pumpenden Trommelfeuer den Psychohammer aus dem Soundbrei des heutigen Abends. Ergebnis: 45 Minuten Gekrächze, psychedelisch-wirres Gezupfe und ein vor Anstrengung fast vom Hocker gefallener Drummer. Dankeschön.

Also lieber auf zum angenehmen und damit Party-tauglichen Teil des Abends. Den läuten KVELERTAK gegen 20:45 ungewöhnlich früh ein. Aber wenn im Hirsch ab 22 Uhr die METAL NIGHT ruft, müssen sich eben auch schwarzmetallische Superstars sputen. Die erfolgreiche Suspension aus Hardcore Punk, Rock ’n’ Roll und einer ordentlichen Portion Black Metal tourt bereits seit Anfang des Jahres durch die Lande und begeisterte bereits auf diversen Festivals mit ihrer unglaublichen Energie und Spielfreude. Da spricht doch nichts gegen eine Wiederholungstat! Gedacht – Gemacht! Denn als Erlend Hjelvik mitsamt ausgestopften Zombie-Eulenfreund zum passenden „Åpenbaring“ die Bühne betritt, sucht man vergebens ein kleines plauschiges Plätzchen zum Pogen und Moshen. Ordentlich voll ist es zum Auftritt der wohl gegenwärtig besten Live-Kombo geworden. Gut so, denn wie sonst sollte Rampensau Hjelvik sein gewohntes Bad in der Menge nehmen? Die jedenfalls tut, wie ihr aufgetragen, schüttelt ordentlichst Haar wie Haupt und rumpelt sich zu Blastbeats mit Stroboskopblitzen in Form. Der Titel der im Frühjahr erschienen Scheibe „MEIR“, bedeutet so viel wie „mehr“. Noch mehr aufs Metaller-Köpfchen gibt’s aber auch dank älterer Hymnen wie „Ulvetid”, was die zahlreichen Die-Hard Fans grölend wie zirkulierend goutieren. Leider weiss mancher anwesende fränkische Kuttenträger den norwegischen Einsatzeifer kaum zu würdigen. Ist der gemeine KVELERTAK‘sche Anhänger doch ein weit höheres Maß an Crowdsurfing und Bierdusche gewohnt, will sich im Hirsch dieses sportliche Zusatz-Ereignis nicht so ausufernd einstellen wie sonst üblich.Dabei geht der schwarzmetallische Hardcore Punk/ Rock’n’Roll Export gewohnt brachial zu Werke. Dass die Norweger eine Band zu Anfassen sind, beweist nicht nur Sänger Erlend gern. Auch die Gitarristen Vidar Landa, Bjarte Lund Rolland und Maciek Ofstad suchen die Nähe zu Ihren Fans. Das gelingt im Hirsch dank der nahegelegenen Theke, auf die die Bühnenshow prompt ausgelagert, wird zum Glück ganz unkompliziert. Herrlich! Mit „Bruane Brenn“ und „Nekrokosmos“ sorgen Songs der jüngsten Langgrille zwischendurch für winzig kleine Verschnaufpausen im KVELERTAKshen Chaos. Also schnell ein Bier eingeflößt und weiter geht’s im schwarzmetallischen Express, der sich mit „Blodtørst“ leider schon rasant der Endstation METAL NIGHT nähert. Nach einer guten Stunde verabschieden sich die Jungs vom mittlerweile auf Betriebstemperatur gespielten Publikum. Zugabe! Bitte! – „Ultrydd“ und das Hymnen-verdächtige „Kvelertak“ vom neuen Album beenden gegen kurz nach 22 Uhr und damit zu einer unfassbar unmetallischen Zeit dieses Großaufgebot norwegischer Explosivität.

Sound: na ja, Schwamm drüber
Publikum: Wo sind denn die sonst üblichen TURBONEGRO-Fans? Oder trägt man jetzt statt Ohrtunnel wieder Kutten und lange Haare? Und warum sind die so träge?
Vom Konzert gelernt: Schräge Outfits sorgen auch nicht für bessere Musik, das gilt leider nicht nur für DSDS.
 
Setlist KVELERTAK
Åpenbaring
Spring fra livet
Mjød
Fossegrim
Ulvetid
Bruane Brenn
Nekrokosmos
Sjøhyenar (Havets herrer)
Evig Vandrar
Nekroskop
Månelyst
Offernatt
Blodtørst

Kvelertak
Utrydd dei svake

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