Konzert Filter

KVELERTAK – TRUCKFIGHTERS – EL DOOM & THE BORN ELECTRIC

Ort: Hamburg – Markthalle

Datum: 29.03.2013

Es ist 20:20, viel zu früh beglücken EL DOOM & THE BORN ELECTRIC das überraschte Publikum mit Ihrer Anwesenheit, wo doch eigentlich von 21 Uhr die Rede war, aber wenn man den Gig schon vom Knust in die Markthalle verlegt, was soll man da noch erwarten… man man man.

Wie hießen die Vögel jetzt noch gleich? Aber der schräge Name ist Programm, wie sich schnell herausstellt. Völlig hypnotisiert starren ungelogen alle auf den Waldschrat am siebziger Jahre Mikro und ich frage mich, was ich mit diesem breiigen Sound, dem Genuschel und surrealen Verrenkungen anfangen soll. Vielleicht bin ich einfach auch noch nicht in Stimmung, aber das wird sich ändern, bei dem Stoff hier in der Luft wird man auch unfreiwillig schnell Teil der Rausch-Gemeinde. Also gut, wir fangen einfach noch mal von vorn an: El Doom, so das Pseudonym von Ole Petter Andreassen, macht seinem Namen alle Ehre, ist dem langsamen Genre wahrlich nicht abgeneigt, was der Rest der Band irgendwie metallisch zu überspielen versucht. „Kick Ass Prog Rock“ bezeichnen sie ihren Stil auf ihrer Facebook Seite. Aha! Alles klar soweit. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und vorausgesetzt, man gibt Andreassens eindringlicher Predigerstimme eine Chance, klingt das Ergebnis dieser Mischung aus sperrigem und manchmal sogar ziemlich knackigem Hardrock, untersetzt mit kleinen Funken von Jazz und Gothrock, dann auch gar nicht mehr so übel. Unweigerlich fragt man sich, ob nun auf der Bühne der Perserteppich, der schwarze Kerzenleuchter oder doch eher die Pyro fehlt, um dem Doom-Kauz in Schlaghosen und Cowboyhut mitsamt Statisten in Szene zu setzen. Jedenfalls grooven sich Ole und Co. gehörig ein und am Ende des 40-minütigen Gigs ist das Sound-Desaster des Anfangs vergessen und irreführende Andeutungen über dubiose Verwandtschaftsverhältnisse zu den Jungs von KVELERTAK tun ihr übriges, um die Stimmung aufzuheizen. Fazit: EL DOOM & THE BORN ELECTRIC passen in keine Schublade und sind damit einfach ordentlich Rock ‚ n ‚ Roll.

Und weiter geht’s mit komischen Gestalten und lustigen akrobatischen Verrenkungen. Um 21:15 entern die TRUCKFIGHTERS die Bühne, das schwedische Stoner Rock Trio zündet innerhalb von Sekunden, was nicht zuletzt auch an Gitarrist Dango liegt, der mit nacktem Oberkörper wie ein Flummi über die Bühne hüpft und es dabei auch noch schafft, den Seiten seines Instruments ein paar ordentliche Melodien zu entlocken. Respekt! Das Publikum geht steil, versucht sich an gleichsam spektakulären Akrobatik-Übungen, sieht aber ehrlich gesagt längst nicht so gut aus wie bei diesem durchtrainierten Gitarrenhalter on stage. Auch Sänger und Bassist Ozo bemüht sich, mitzuhalten, während seine Bandkollegen inkl. Drummer-Neuzugang Poncho sich durch die Setlist prügeln. Dreckiger, gitarrenlastiger, teilweise psychedelischer Stoner Rock ist das Ergebnis. Aber wie so oft leidet der Gesang unter der Performance und mich beschleicht die leise Ahnung, dass die Nummern auch gut ohne Mikro-Gekreische auskämen. Denn dass die Jungs wissen, wie es sich wüstentechnisch ordentlich rockt und dabei auch noch ne Menge Spaß haben, ist ja schon länger klar. Die improvisierten Gitarrenrock-Passagen während des Gigs sind mir die liebsten und sorgen auch im Publikum der Markthalle für viel Applaus. Als nach kurzweiligen 45 Minuten auch schon wieder Schluss ist mit den durchgeknallten Jungs aus Schweden, sind die Haare verschwitzt und die staubtrockene Kehle verlangt Nachschub für den fordernden Hauptakt des Abends.

22:25, ein freies Plätzchen zum Rocken, hotten und Haare schütteln suchen Nachzügler in der Markthalle jetzt vergebens. Ausverkauft, voll bis unters Dach, heiß und verraucht, in dieser Atmosphäre harren wir also dem heißesten schwarzmetallischen Hardcore Punk/ Rock’n’Roll Export, den Norwegen großzügig der Welt präsentiert. Der Titel des neues Albums „MEIR“, bedeutet so viel wie „mehr“ und wenn die Jungs damit halten, was sie versprechen, dann heißt es jetzt Haare in Position bringen, Bierchen festhalten und anschnallen. Und los geht’s mit einer guten Stunde purer Energie, eingeläutet durch den Opener „Apenbaring“ (deutsch Offenbarung – was für eine Metapher) vom neuen Album, zu dem Sänger Erlend Hjelvik mit nicht viel mehr als einer Eule auf dem Kopf die Bühne betritt. Das ausgestopfte Vogelvieh kann von Glück reden, es überhaupt das erste Drittel des Songs zu überleben, bevor es zugunsten permanenter energetischer Eruptionen seitens Sänger und Gitarristen an die Beweisführung geht: Schließlich haben KVELERTAK ihren Ruf als eine der besten Live-Krachcombos zu verteidigen. Ganz brav gehen die Norweger dann auch ans Werk, allen voran Sänger Erlend, der fröhlich T-Shirts, Bier- und Wasserflaschen und irgendwann schließlich sich selbst ins Publikum schmeißt. Da weiß ich gar nicht, was ich zuerst machen soll: selber Haare schütteln, den Haaren der Konzertkollegen oder wahlweise dem Bier ausweichen, sich unter dem Gewicht des Sängers ducken oder die drei Gitarristen bewundern, wie sie bei dem Chaos auch noch die Boxen mitsamt Equipment erklimmen und munter weiterklimpern. Als KVELERTAK endlich mit „Mjod“ einen der Songs des gleichnamigen Debüts anstimmen, gibt es kein Halten mehr und die explosive Stimmung erreicht schließlich mit „Ulvetid“ ihren vorläufigen Höhepunkt. Straighter, brachialer Sound schlägt einem dank der drei (!) Gitarristen um die Ohren und Drummer Kjetil Gjermundrød traue ich auf aufgrund seiner schmächtigen Statur so viel Schlagkraft gar nicht zu. Mit „Bruane Brenn“ und „Nekrokosmos“ sorgen zwei Songs der erst seit einer Woche veröffentlichten Scheibe „MEIR“ für eine winzig kleine Verschnaufpause. Das neue Album ist doch um eine Spur ruhiger, gediegener, nicht so stumpf brachial wie die Killersongs der ersten Scheibe. Letztere finden dann auch schnell wieder den Weg durch die Orange-Boxen auf die Ohren der Anhängerschaft. Mit einem ekstatischen Erlend, getragen auf den Händen seiner völlig verausgabten Fans und dem Knaller „Blodtorst“ endet Kvelertak Part 1.

Puh, völlig geplättet, wie am Ende eines Marathons an ziemlich heißen Tag, wohl wissend, da kommt jetzt noch der letzte Kilometer, so fühl ich mich gerade, aber keine Zeit für Gejammer, die Zugabe steht an und erweist sich mit „Ultrydd“ und dem Hymnen-verdächtigen „Kvelertak“ vom neuen Album als würdiges Ende dieses punkigen, schwarzmetallischen Großaufgebots. Wer bei diesem Gig nicht ins Schwitzen gekommen ist, noch alle Klamotten am Leib trägt und seine Haare ohne vorherige Intensivkur fürs nächste Haare-Fotoshooting in die Kamera schütteln kann, war entweder dauernd auf dem Klo oder ist nur die Vorzeige-Begleitung eines trendbewussten Konzerthoppers, die sonst auf Black Music steht.

Vom Konzert gelernt: Also, norwegisch ist echt geil! Kuttenträger sind eine schützenswerte Spezies und wer zur Hölle hat hier eigentlich kein Riesenloch im Ohr?

Männeranteil: 70 %
Frauenanteil: 30 %
Sound: yoah
Location: schwitzig, heiss, verpeilt

Setlist KVELERTAK (ohne Gewähr)
Åpenbaring
Spring
Mjød
Fossegrim
Ulvetid
Bruane Brenn
Nekrokosmos
Sjøhyenar
Evig Vandrar
Nekroskop
Månelyst
Offernatt
Blodtørst

Utrydd
Kvelertak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu EL DOOM & THE BORN ELECTRIC auf terrorverlag.com

Mehr zu KVELERTAK auf terrorverlag.com

Mehr zu TRUCKFIGHTERS auf terrorverlag.com