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LA VELA PUERCA

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 16.11.2007

Nachdem sowohl Homepage als auch lokale Presse den Konzertbeginn mit 20 Uhr angekündigt hatten und ab 22 Uhr die SwingSkalaBim-Party folgen sollte, war ich pünktlich 10 Minuten vorher an der Kleinen Freiheit und stand erst einmal im Kalten. Aus dem Club klangen aufgeregte Rufe und vereinzelte Bassläufe, der Soundcheck war also noch im vollen Gange und so hieß es erst einmal 20 Minuten ausharren, bis man wenigstens in den noch leeren Raum gehen konnte, der sich, nachdem der Schwung der Wartenden eingelassen worden war, nur spärlich füllte.

LA VELA PUERCA gehören in ihrer Heimat Uruguay zu den ganz großen Bands, ihre CDs erreichen Platin-Status, ihre Konzerte füllen Fußballstadien und eine nicht ganz unbedeutende Band aus Berlin (DIE ÄRZTE) freute sich, als Opener LA VELA PUERCAs spielen zu dürfen. In Deutschland sieht die Sache eher anders aus, hier waren LVP Vorband der „Doktoren“ auf deren letzten Tour, konnten dabei auf ganzer Linie überzeugen und spielten anschließend im Jahre 2006 auf dem Hurricane und Southside Festival, wo sie das Publikum auch zu begeistern wussten. Wie viele Fans sie als Headliner ihrer Deutschland Tour zu den Konzerten würden locken können, war für mich schwer abzuschätzen, und so war ich zunächst etwas enttäuscht über das noch recht spärliche Publikum. Und so hieß es auch erst einmal abwarten und, für die meisten, Bier trinken. Einige junge Damen versuchten sich mit Desperados auf das Konzert einzustimmen, aber mexikanisches Bier bei einer uruguayischen Band? Was für ein faux pas, aber so lange es schmeckte… Irgendwie war dann die Kleine Freiheit auf einmal doch proppenvoll, als kurz nach 21.30 Uhr die Band versuchte sich durch die Zuschauer auf die kleine Bühne zu drängeln. Ich hatte mir mit meiner Kamera einen Platz in der ersten Reihe erkämpft, musste aber bald feststellen, dass mir vernünftige Konzertfotos an diesem Abend kaum gelingen würden (siehe den Beweis in der Foto-Galerie).

LA VELA PUERCA starteten sofort temporeich mit „Llenos de magia“, „Haciendose pasar por luz“ und „Alta magia“ von ihrem 2005er Album „A contaluz“. Das Publikum erkannte die Songs sogleich und begann ab dem ersten Ton zu tanzen und zu feiern. Viele konnten (was bei spanischen Songs nicht unbedingt selbstverständlich ist und mich etwas erstaunte) die Stücke oder zumindest deren Refrains lauthals mitgröhlen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass sämtliche Austausch-StudentInnen aller spanisch-sprachigen Länder an diesem Abend hier versammelt waren. Sogar vereinzelte Flaggen Uruguays wurden geschwenkt. Mittlerweile platze die Kleine Freiheit aus allen Nähten und immer mehr Menschen versuchten sich Richtung Bühne zu tanzen, was ziemlich aussichtslos war, lagen die ersten 3-4 Reihen doch schon halb übereinander auf die Monitor-Boxen gestützt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt den genialen Plan, einfach mal ein paar Reihen weiter nach hinter zu gehen und von dort das Konzert zu verfolgen und mir Notizen für dieses Review zu machen. Im hinteren Drittel des Saales angekommen, war dann ziemlich schnell klar, dass dieses Vorhaben aussichtslos sein würde, denn der freie Wille, zu entscheiden, wann man tanzen wollte, war nicht mehr gegeben. Entweder man tanzte oder man wurde getanzt; und da ich gern eigene Entscheidungen treffen wollte, tanzte ich also nur noch mit.

Sehen konnte ich ebenfalls nichts mehr, nur erahnen, dass bei einigen Songs ein zusätzlicher Trompeter auf die Bühne kam, vielleicht hatten auch nur 2 Bandmitglieder die Instrumente getauscht, aber wer wollte sich an solchen Kleinigkeiten hochziehen. LA VELA PUERCA hatten das Publikum auf jeden Fall zu jeder Zeit fest im Griff und spielten eine gute Auswahl der älteren, temporeicheren Latin-Ska-beeinflussten Songs, sowie eine Menge neuer, des im Mai diesen Jahres erschienenden Album „El impulso“ Lieder, die insgesamt rockiger waren, aber mindestens genauso gut ankamen. Nicht wenige hatten sich beim Diven den Kopf an einer der zahlreichen an der niedrigen Decke hängenden Disko-Kugeln gestoßen und nicht selten wollte man wetten, wie viele Stöße die Disko-Kugeln noch auszuhalten vermochten. Von Song zu Song steigerte sich nicht nur sichtlich die eh schon enorme Spielfreude der Jungs aus Montevideo, wahrscheinlich fühlten sie sich dank stetig steigender Temperaturen immer heimischer und konnten immer noch mal etwas mehr Energie in ihre Titel stecken. Der schwitzende Mob dankte es ihnen nach jedem Song mit ausgiebigem Applaus und lauten Sprechchören.

Nach ca. 1.25 Std. ging die Band dann von der Bühne wurde aber bald mit tosenden „Puerca“-Sprechchören zurückbeordert, um einige weitere Klassiker in die Menge zu schmettern. Die Fans nahmen die Möglichkeit weiterzufeiern dankbar an und so sprang der komplette Saal zu der Midtempo-Hymne „El viejo“, tanzte zu „Radio“ und „Manama“ und pogte dann zum schnellen „De tal palo, tal astilla“ die letzte Kraft aus den verschwitzten Körpern.

Nach mehr als 90 Minuten ging dann ein weiterer genialer Auftritt von LA VELA PUERCA zuende und dürfte dafür sorgen, dass sich ihr Ruf als hervorragende und mitreissende Live-Band noch weiter verbreiten dürfte.

Setlist LA VELA PUERCA
Llenos de magia
Haciendose
Alta magia
X dentro
Rebuscado
Me pierdo
El Senor
Huracan
Gavilan
Paren hoy
Caldo
De atar
Doble filo
Clones
Sin Palabras
Colabore
La sin razon
Zafar

El viejo
Radio
Manana
De tal palo
Profeta

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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