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LACUNA COIL – MOTIONLESS IN WHITE – DEVILMENT

Ort: Herford - Club X

Datum: 15.11.2014

Erst vor knapp einem Jahr gastierten die sympathischen Italiener LACUNA COIL im Herforder Club X. Damals war die Band um die hübsche Ausnahme-Sängerin Cristina Scabbia mit hochrangiger Gesellschaft namens KATATONIA und PARADISE LOST unterwegs. Nun sind sie mit ihrem aktuellen Album wieder hier, dieses Mal als Headliner! Unverständlicherweise füllt sich die Location nur langsam und im gesamten auch nur übersichtlich, so dass man zu Konzert-Beginn sicherlich keine Platzangst befürchten musste.

Der Abend startet aber mit einer Band, dessen Fronter eigentlich die Headliner-Position gewöhnt ist. So ist CRADLE OF FILTH-Frontkreischer Dani Filth mit seiner noch recht neuen zweiten Band DEVILMENT auf Reisen und muss daher seit langem mal wieder bei einer Tour die Show eröffnen. Dies bewältigen die Briten aber trotz der spärlich besetzten Location mit Spielfreude und guten Songs! So bietet das Debüt „The Great and Secret Show“ angeschwärzte Grusel-Brocken, von denen live neben der Single „Even your Bloodgroup rejects me“ u.a. noch das garstige „The Stake in my Heart“ und das groovige „Mother Kahli“ zum Zuge kommen. Natürlich weisen Songs und insbesondere Dani Filths Vocals deutliche Parallelen zu der Hauptband des Sängers auf, was aber der Qualität der Tracks sicher nicht schadet. So rockte sich die Band solide durch ihr Set, was ihnen durch wohlwollende Reaktionen der von Mr. Filth selbst gezählten gut 26,5 Leutchen in der Halle (wobei er selbst die halbe Person markieren würde, wie er meint) gedankt wurde. Das Potenzial einen Status auf dem Niveau von COF zu erreichen, liegt bei DEVILMENT sicher nicht vor, aber Spaß machen die Briten auf alle Fälle!

Ich muss gestehen, dass mir MOTIONLESS IN WHITE im ersten Moment etwas suspekt waren. So traten die Amis optisch wie eine Kopie von MARILYN MANSON in Erscheinung, wobei Fronter Chris „Motionless“ Cerulli tatsächlich eine leichte Ähnlichkeit mit Mr. Manson aufweist und auch der Rest der Band könnte direkt von einer Halloween-Party kommen! Musikalisch geht die Band, die live weiterhin von seinem Session-Drummer unterstützt wird, allerdings deutlich deftiger zu Werke. Mit einem wuchtigen Mix aus Emo/ Metalcore und Gothic Metal grooven, rocken und pumpen sich die Jungs u.a. durch Songs wie das eingängige „Reincarnate“, der elektronisch-durchsetzte „“Generation Lost“ und das kantige „Devil’s Night“. Dabei weiß besonders Shouter Cerulli durch seine stimmliche Vielseitigkeit aus Growls, energischen Shouts und packender, cleaner Stimme zu überzeugen. So markierten MOTIONLESS IN WHITE eine wirklich positive Überraschung für diesen Abend und werden nicht nur von ihren nicht wenigen Anhängern an diesem Abend verdient abgefeiert! Nicht schlecht, gar nicht schlecht!!

Zum Release des aktuellen Albums „Broken Crown Halo“ verließen die langjährigen Mitglieder Cris „Pizza“ Migliore (Gitarre) und Cristiano „CriZ“ Mozzati (Drums) LACUNA COIL. Während der Posten am Schlagzeug durch den bisherigen Aushilfs-Drummer Ryan Blake Folden besetzt wurde, macht die Band nun mit nur einer Gitarre weiter. Passt die dadurch erfolgende rauere Live-Performance recht gut zur verstärkt düsteren Ausrichtung der letzten beiden Alben greift man bei älteren, komplexeren Nummern auf die Unterstützung von Backing Tracks zurück. Das alles tut der Energie der Live-Shows aber keinen Abbruch, wie die Italiener gleich mit dem deftigen Opener „Trip the Darkness“ beweisen. Dabei steht natürlich Ausnahme-Fronterin Cristina Scabbia sofort im Fokus, bietet die immerhin 42-jährige Sängerin nicht nur was fürs Auge, sondern trumpft auch mit ihrer Stimme heute wieder groß auf. Dazu wirbelt die Dame über die Bühne, posiert theatralisch und fesselt ihre Fans mit ihrer Performance wie kaum eine andere. Aber auch ihr oft unterschätztes männliches Pendant Andrea Ferro weiß sich mit energischen Vocals und ebenso theatralischen Posen gekonnt in Szene zu setzen! Der verbliebene Gitarrist Marco Biazzi und der auf dieser Tour für den verhinderten Marco „Mauss“ Coti Zelati einspringende Bassist rockten dabei eher im Hintergrund. So kommt das grandiose „Heaven’s a Lie“ auch heute wieder als ganz großes Kino daher, das mitreissend-düstere „Victims“, das kantige „Zombies“ und das treibende old school-Stück „To the Edge“ kamen live deutlich packender als auf Platte und die ans Ende des regulären Sets gestellte, live deutlich rockiger dargebotene Cover-Version von DEPECHE MODEs „Enjoy the Silence“ erwies sich als wahres Highlight! Und wenn sich Frau Scabbia ausführlich bei ihren Fans für die Unterstützung während der mittlerweile fast 20jährigen Karriere bedankt, dann glaubt man ihr das auch! Wenn man bei einer am Ende zwar halbwegs, aber für dieses Band nicht ausreichend gefüllten Halle so eine motivierte Show bietet, dann hat man das auch verdient!

Nach einer kurzen Pause pumpten LACUNA COIL dann die aktuelle, packende Single „Nothing stands in our Way“ von der Bühne und mit dem abschließenden Knaller „Our Truth“ bleiben eigentlich kaum mehr Wünsche offen. Ok, doch schon: Nämlich, dass die sympathischen Italiener bald wieder in unsere Breitengrade kommen!

Copyright Fotos: Michael Werneke

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