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LAING – MALKY

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 25.10.2013

„Ich bin morgens immer müde – aber abends bin ich wach“ – Tja wer kennt dieses „Problem“ nicht? Was für die einen das Lebensmotto, ist für andere der Schlüssel zum Erfolg. Für LAING, das MusikerInnen-Kollektiv aus Berlin z.B., die mit dem gleichnamigen Song bei Raabs Bundesvision Song Contest erstmals in eine größere Öffentlichkeit traten. Auch mir begegneten die eigenartig unterkühlt wirkenden Ladies dort zum ersten Mal, der Song entwickelte sich zum Ohrwurm, die Performance blieb im Gedächtnis. Dabei handelt es sich eigentlich um einen uralten Titel von TRUDE – Gotthabsieselig – HERR, der hier in eine Art Electro-Soul-Gewand gesteckt worden war. Als die weiblichen KRAFTWERK werden die Künstlerinnen seitdem gerne bezeichnet, und so völlig falsch liegt der Beobachter mit dieser These nicht. Hinter LAING steckt vor allem Leadsängerin Nicola Rost, die als kreativer Kopf das Projekt begründet und vorangetrieben hat. An ihrer Seite 3 weitere, hübsch anzusehende Damen, wobei Marisa Akeny als Tänzerin fungiert, während Johanna Marshall und die seit 2012 zum Line Up gehörende Atina Tabé den Gesangskörper vervollständigen. Dazu noch ein Live Drummer, und fertig ist ein eigensinniger Bühnen Act, der heute seinen Weg nach Bielefeld gefunden hatte. Ohne weiteres Hintergrundwissen aber mit viel Neugier im Gepäck wollten auch wir herausfinden, was hinter dem Phänomen LAING steckt, und wer eigentlich die typische Zielgruppe für derart Musik sein könnte. Also auf in den Ringlokschuppen an diesem herbstlichen Oktober-Abend und investigativ arbeiten…

Dieser ist kurz nach 20 Uhr (in der kleinen Halle) eher mäßig gefüllt, was nicht besonders überrascht, letztendlich werden es aber doch an die 200 Zuschauer gewesen sein, ein ordentlicher Rahmen also für die Hauptstädterinnnen. Überwiegend jung, überwiegend weiblich und überwiegend in Partylaune. Doch Obacht, auf der Bühne stehen 2 Drumkits und ja, es gibt auch noch einen Support Act, der sich als MALKY vorstellte und mir bis dato noch nicht untergekommen war. Biographisch gibt man sich auch eher bedeckt, der Begriff „Malky“ steht im Bulgarischen für „Kleiner Junge“ und die Heimstatt der 5 Herren scheint Weinheim in Baden-Württemberg zu sein. Lasset also die Musik sprechen. Und die ist tatsächlich nur schwer in Worte zu fassen. Der Herr Sänger verfügt über eine sehr starke, recht soulig angelegte Stimme. Über die Garderobe verlieren wir mal lieber keine Worte. Dafür dirigiert er doch schon recht selbstbewusst das wohlwollende Publikum vor ihm, das den souligen Indie Pop mit Kitsch, Pathos und Art Rock-Elementen relativ positiv aufnimmt. Da gibt es den Titeltrack der just erschienenen „Diamonds“-EP auf die Ohren (eher gefühlvoll) oder das mit einem Regenwald Sample verfeinerte „Babylon Tree“ vom 2012er Debüt Longplayer „Soon“. Das alles recht verschroben dargeboten, die Saitenkünstler erinnern an vergeistigte Prog Rocker und der Keyboarder mimt Herrn Cool, während unser Freund am Mikro einige interessante Tänze aufführt. Mit der „History of broken Hearts“ verabschieden sich die nicht aus dieser Welt stammenden Herren dann nach 40 Minuten, nicht ohne die anwesenden Ostwestfalen zu loben. Nicht so ganz mein Sound aber kompetent und ungewöhnlich, was ja heutzutage eher selten ist.

Danach dauerte es einige Minuten, bis die Bühne für den Mainact hergerichtet war. Was im wesentlichen nur bedeutete, dass 3 Bürolampen mit Glashalterung bereitgestellt wurden. Dazu rechts hinten das Drumkit des Herrn Milian Vogel (mit analogen und digitalen Komponenten), während links die freie Fläche hin und wieder für Marisas Tanzeinlagen genutzt werden sollte. Noch bevor die Band überhaupt die Bühne enterte, wurde schon lauthals der Refrain des eingangs erwähnten Hits skandiert, der sollte aber erst gegen Ende des regulären Sets präsentiert werden. Gegen 21 45 ging es dann endlich los und die sehr hübsch anzusehenden Damen traten an den Bühnenrand, während der Quoten-Herr für das musikalische Rückgrat sorgte. Schnell wurde klar, dass LAING eine Mischung aus Club Sounds und Impro Theater darbieten, gewürzt mit viel Choreo und tänzerischen Elementen. Nebenbei haben die Ladys auch wirklich tolle Figürchen, wenngleich man vielleicht die eine oder andere Mahlzeit mehr zu sich nehmen könnte. Mit dem Titeltrack des Debüt Albums „Paradies Naiv“ präsentierte man schnell einen Anheizer, der in meinen Ohren noch von „Maschinell“ getoppt wurde, ein sowohl mimisch wie auch musikalisch stark an die Electro-Pioniere KRAFTWERK angelehnter Track. Wirklich Respekt für die tänzerische Ausdruckskraft, da dürfte nicht eben wenig Arbeit hinterstecken. Auch das in der Urversion eher nervige „Alles nur geklaut“ (von den PRINZEN) brachte in der LAINGschen Version die Beine in Bewegung, zudem enthält der Titel im Kontext der Berliner eine Menge Selbstironie, da man sich selbst im weiten Feld der Populärkultur mehr als nur bedient. Es folgten eine Solo Tanzeinlage mit doppelter Gesichtsmaske sowie eine eigenwillige Lyrik Darbietung von Frau Rost, die ich mangels tiefer gehender Kenntnisse nicht einordnen kann. Also eine Art künstlerisches Happening mit dem Schwerpunkt auf Musik. Dazu noch ein paar Späße mit den Zuschauern sowie untereinander, und fertig ist ein sehr unterhaltsamer Cocktail, den man auch als „Barbarella auf Speed“ bezeichnen konnte. Natürlich wurde auch das Thema „Sex“ angesprochen, Lyrik der Sorte „Ich weiss wie du beim Ficken klingst“ (aus „Mit Zucker“) spricht für sich. Dabei ist das Songmaterial durchaus vielfältig und beizeiten auch ein wenig sperrig, vor allem aber immer verspielt. Irgendwann war dann natürlich auch „Morgens immer müde“ dran, das ausgiebigst zelebriert wurde, mit Geschlechter-spezifischen Sing-Spielen und vielen Variationen garniert. Ein echter Ohrwurm, der nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen ist.

Die Zugabe wurde dann noch für eine launige Bandvorstellung genutzt, bei der auch der Schlagwerker seine tänzerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Der obligatorische „Korn“ zum gleichnamigen Heinz Erhardt-Klassiker rundete dann schlussendlich die Darbietung süffig-amüsant ab, gegen 23 Uhr war der Ringlokschuppen dann wieder den „normalen“ Freitagabend-Freizeit-Tänzern vorbehalten. Doch Nicola kündigte bereits an, dass dieser erste Besuch in Bieletown nicht der letzte gewesen sei und dass man mit dem neuen, fast fertigen Album auch 2014 wieder in OWL aufschlagen würde. Meiner einer hat wirklich nichts dagegen, denn diese eigenwillige Mixtur aus Musik, Schauspiel, Erotik und Tanz ist definitiv eine Bereicherung der deutschen Konzertlandschaft. Hoffentlich ohne Abnutzungsgefahr…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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