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LAITH AL-DEEN – DIANE WEIGMANN

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 28.10.2007

Welcome to the Mainstream Part 2: Nach meiner Begegnung mit CULCHA CANDELA in der Vorwoche gab es nun ein musikalische Rendezvous mit dem Pop Sänger LAITH AL-DEEN an gleichem Ort mit gleichem Frauenanteil. Lediglich der Altersschnitt lag um 20 Jahre höher und die Besucherzahl mit 1500 Besuchern deutlich unter den „Hamma-Hauptstädtern“. Wobei die deutsch-iranische Fanbase über die Jahre hinweg doch wesentlich stabiler sein sollte. Zunächst sollte ein interessanter Opening Act die Fans in Feierlaune bringen. DIANE WEIGMANN, vielen sicher noch von den LEMONBABIES bekannt, mittlerweile aber seit geraumer Zeit solo unterwegs, präsentierte mit ihrer 5-köpfigen Begleitband charmanten Mädchen Pop mit Schmuse Attitüde.

Bevor es allerdings mit der rothaarigen Schönheit losging, gab es noch einen kleinen Anfangsgag für die angereisten Ostwestfalen. Ein Scherge auf der Bühne hatte sich hinter einem überdimensionalen Laith Papp-Konterfeit versteckt, während dieser von hinten aus dem Publikum per Sender eben jenes ansprach. Kurzzeitige Verwirrung, dann wurde herzlich über diese überraschende Begrüßung geschmunzelt. Jetzt aber konnte es mit der Berlinerin losgehen, die ihr aktuelles Album „Im Zweifelsfall noch immer“ promoted, von dem es einige Stücke zu hören gab wie etwa „Genauso“ oder „Ein Drittel bis zu mir“. Daneben wurde aber auch ihr Debüt „Das Album“ aus dem Jahre 2005 bedacht, bei dem die 33-Jährige noch ohne Nachname aufgetreten war. Klingt wohl ausgeschrieben etwas erwachsener, dabei hat sich die Lady ihren Spieltrieb durchaus nicht nehmen lassen. Ausgelassen tollte sie auf der Bühne herum und scherzte mit ihren Mitstreitern. Der bekannteste Song ist sicherlich ihr kleiner Hit „Das Beste“, der dann auch ausgiebigst von den Zuschauern mitgesungen wurde. Eine Fanschar war offensichtlich nur wegen der Hauptstädterin angereist, was ihr sichtlich gefiel. Für eine evt. avisierte Zugabe reichte es aber dann doch nicht.

Setlist DIANE WEIGMANN
Genauso
Hand aufs Herz
Die Welt dreht sich
Kein Wort (Album Version)
Von Hier ins Jetzt
Ein Drittel bis zu mir
Das Beste
Von Zeit zu Zeit

Gegen 21 Uhr war dann der gesamte Bühnenbereich freigeschaufelt, immerhin wollten nun neben Laith auch 6 weitere Musiker ihr Können beweisen. Und es wurde schnell deutlich, dass wir es hier mit Profis zu tun hatten. Während der mittlerweile etwas korpulentere Herr über eine wirklich vorzügliche Stimme und ebensolche Entertainment-Qualitäten verfügt (er erinnerte mich diesbezüglich an seinen Landsmann Steve Naghavi/ AND ONE), bewiesen die Herren an Bass, Gitarre, (analogem) Keyboard und der jugendlich wirkende Drummer eine ausgezeichnete Instrumentenpflege. Nicht zu vergessen die 2-köpfige Bläserfraktion um den charismatischen Rob Solomon an der Posaune, die ab dem dritten Stück die Setlist veredelte. Im Gegensatz zu den CD-Versionen übrigens wurden die Kompositionen so in einen neuen Kontext gesetzt, insbesondere die aktuellen Songs von der „Liebe zum Detail“-Scheibe erfuhren zusätzlichen Pep. Kein Wunder, dass im Verlauf der immerhin 120 Minuten währenden Show jeder einzelne zu einem ausgiebigen Solo kam. Nicht zu vergessen die hervorragenden Lichteffekte und der kristallklare Sound, der mittlerweile zum Markenzeichen des Ringlokschuppens avanciert ist. So hangelte sich der Vorstreiter für den deutschen Pop durch eine Tracklist, die neue Titel immer wieder mit bekannten Single Erfolgen kreuzte und mit „Fließende Wasser“ gar einen Uralttitel vom Debüt enthielt. Dieser sei laut eigener Aussage bisher nur einmal gespielt worden und dann mangels Erfolg in der Versenkung verschwunden. Selbstironie gehört zweifellos zu den Stärken des Sängers, der sich auch um den „männlichen Begleitschutz“ sorgte. Die „armen“ Herren also, die mehr oder weniger zwanghaft ihre Lebensabschnittsgefährtinnen an diesem Abend begleiten mussten und doch viel lieber die Sportschau goutiert hätten. So schlimm war es aber beileibe nicht… Nach 14 Titeln und bereits knapp 90 Minuten Zeitreise durch 5 Alben wurde zunächst eine kurze Pause eingelegt, doch das mit Wunderkerzen und Leuchtarmbändern ausgestattet Auditorium gönnte nur eine kurze Pause.

Die erste Zugabe „Nie gesagt“ wurde als intimes Duo von Laith und seinem Keyboarder Toby Reiss präsentiert, der Herr hat übrigens kürzlich eine eigene Solo CD herausgebracht, die es auch käuflich zu erwerben gab. Danach kehrten die übrigen Musiker zurück, um ein paar weitere Schmankerl zu präsentieren. So agierte der Basser auch an einem elektronischen Kontrabass und der Schlagzeuger nahm zu guter letzt hinter dem Keyboard Platz. Davor hatte man den größten Hit „Bilder von dir“ mit einem endlosen Backgroundchor weiblicher Anhänger zum Besten gegeben. Nach einer kleinen Jamsession und einer ausführlichen Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder fand dann auch dieser gelungene Abend kurz nach 23 Uhr ein spätes Ende. Selbst wenn man dem gefühlvollen Pop mit Rock und Synthie Elementen nicht unbedingt fanatisch zugetan ist, muss man LAITH AL-DEEN dennoch Kunst und Unterhaltung auf höchstem Niveau zugestehen und kaum jemand dürfte an diesem Sonntag unzufrieden nach Hause getigert sein.

Setlist LAITH AL-DEEN
Alles unter diesem Himmel
Dein Lied
Es wird nicht leicht sein
Die Liebe zum Detail
Du
Alles an dir
Fließende Wasser
Worum es dir geht
Wo du bist
Leb den Tag
Damit ich wieder schlafen kann
Jetzt, hier, immer…
Stille
Keine wie du

Ich hab‘ dir nie gesagt
Frag nicht
Bilder von dir
Noch lange nicht genug
Jedesmal

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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