Konzert Filter

LAITH AL-DEEN

Ort: Gütersloh - Stadthalle

Datum: 09.10.2009

Der Meister des deutschsprachigen Schmusepop LAITH AL-DEEN hatte zur „Session“ nach Gütersloh geladen. Nun ist die Gütersloher Stadthalle eher für den alljährlichen Zahnärztekongress denn als Konzerthochburg bekannt, von daher war es für uns nicht verwunderlich, dass OWL nur zögerlich dem Ruf folgte. Mit ca. 350 Besuchern war der große, bestuhlte Saal jedoch am Ende akzeptabel über der Peinlichkeitsgrenze besetzt. Das Publikum größtenteils Ü30 angesiedelt, leicht erhöhter Frauenanteil und wer konnte, hatte sich gleich jemanden zum Kuscheln mitgebracht. Bislang zählte ich mich noch nicht zu den Al-Deen Fans, doch sein aktuelles Album „Session“, das aus geschmackvoll ausgewählten Cover-Versionen besteht, hatte mich meine Meinung ändern lassen.

Kurz nach 20 Uhr betrat Laith dann mit seinem Mann an den Tasten Tobi Reiss die Bühne, um den Abend ruhig und harmonisch einzuleiten, doch leider machte ihnen die Technik mit lautstarken Rückkopplungen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Saallicht wieder an, das große P in den Augen des Technikers, hektische Betriebsamkeit am rechten Bühnenrand. Also zog Laith seine erst nach Stück Nr. 3 geplante Eröffnungsansage gespickt mit einigen launigen Sprüchen vor. Der zweite Versuch sollte zunächst glücken, doch nach dem Opener „Lange nicht genug“ zerriss ein ohrenbetäubendes Brummen erneut die Atmosphäre. Doch Laith blieb (zumindest nach außen hin) relativ gelassen, überbrückte mit Smalltalk erneut die Zeit bis zum nächsten Anlauf. Doch von nun an ließ der Sound für den restlichen Abend keine Beanstandungen mehr zu und sollte dieser Start für Anspannung gesorgt haben, so merkte man dies den Akteuren nicht an, die schnell zur nötigen Konzentration zurückfanden. Nach „Jedesmal“ befanden sich für das SEAL-Cover „Prayer for the dying“ nun alle 7 Musiker der „Session“, umringt von zahlreichen Instrumenten wie einem Vibraphon, diversem Schlagwerk, Trompete, Posaune, Geige und Akkordeon auf der Bühne. Als Sitzgelegenheit dienten ihnen beleuchtete Kuben, die nun bei „Alles an dir“ in sanftem Grün für stimmungsvolle Intimität sorgten. Weiter ging es beschwingt mit „Winter Sommer“ (im Original von CLUESO), ehe es bei „Dein Lied“ die ersten Fans aus den Stühlen riss. Sowieso war das Gütersloher Publikum recht schnell zu begeistern, hatte auf den Fehlstart mit wohlwollend animierendem Applaus reagiert und ging nun begeistert mit. „Kleine Helden“ bot anschließend die seltene Gelegenheit einem Bass-Solo, versiert ausgeführt von Frieder Gottwald zu lauschen. Es folgte eine BEE GEES Einlage, zunächst spaßig mit einem angedeuteten „Stayin alive“ dann mit einem mit passendem Schmalz und sehr viel Spielfreunde vorgetragenen „To love somebody“. „Der Sturm“ erzählt vom Ende einer Beziehung, was passt da besser als die Geige und damit der Einsatz von Anne de Wolff, der wir ja auch schon gerne bei ROSENSTOLZ oder POEMS FOR LAILA gelauscht haben. Nach meinem Cover-Favorit „Evelin“ hatte dann Ole Rausch mit seinem Gitarren-Solo seine große Stunde, gefolgt vom ROACHFORD-Cover „Lay your love on me“ mit ordentlichem Chorgesang aus dem Publikum. Für „If I ever lose my faith“ von STING empfahl es sich dann wieder Platz zu nehmen, andächtig zu lauschen und auf die Gänsehaut zu warten, aber nicht, liebes Gütersloher Publikum, verschleppt mitzuklatschen! Dann doch lieber zu „Worauf wartest Du“ ein wenig mit den Hüften wackeln. Mit „Leb den Tag“, „Jetzt, hier, immer“ und „Mit mir“ folgten dann das Finale aus der Feder von Herrn Al-Deen, ehe alle Musiker nach gut 2 Stunden zum ersten Mal die Bühne verließen.

Doch schnell wurde lautstark eine Zugabe gefordert und die Combo ließ sich nicht allzu lange bitten. Großes Kino bot Laith als Crooner mit SINATRAs „It was a very good year“ und nach “Keine wie Du” sollte nun auch noch der Klassiker “Bilder von Dir” auf dem Programm stehen, das Laith dann auch zu einer ausführlichen Vorstellung seiner Kollegen und Crew nutzte. Sollte dem Abend kein beschaulicher Start vergönnt gewesen sein, so gelang dies zum Schluss. Mit dem SPRINGSTEEN Cover „I’m on fire“ verabschiedeten sich die Musiker nacheinander vom Publikum, bis Laith allein mit seiner Gitarre beim Schein einer Kerze die letzten Takte für sich und das begeisterte Publikum sang.

So ging die Mission „Session“ auf, ein stimmlich brillanter LAITH AL-DEEN, umringt von weiteren Vollblutmusikern, die mit viel Spielfreude für einen entspannten und herzerwärmenden Abend sorgten. Und beim nächsten Mal bringen wir alle noch ein paar Leute mehr mit. Versprochen.

Setlist
Lange nicht genug
Jedesmal
Prayer for the dying
Alles an dir
Winter Sommer
Dein Lied
Kleine Helden
To love somebody
Der Sturm
Evelin
Lay your love on me
If I ever lose my faith
Worauf wartest Du
Leb den Tag
Jetzt, hier, immer
Mit mir

It was a very good year
Keine wie du
Bilder von dir

I’m on fire

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu LAITH AL-DEEN auf terrorverlag.com