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L’ÂME IMMORTELLE – CHAMBER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 13.10.2004

Lange vorher mit Sonja und Thomas von L’ÂME IMMORTELLE bereits über deren Gezeiten-Tour im Oktober gemailt und gesprochen ging ich voller Erwartung zum Konzert in den Bielefelder Ringlokschuppen. Auch aufgrund der Vorgruppe CHAMBER war ich mächtig gespannt auf den Abend. Bereits auf dem Vorplatz der Disco stellte ich wie erwartet fest, das viele sogenannte Grufties aber auch „Normalos“ ihren Weg in die Halle fanden. Immerhin waren die Wiener ja relativ hoch in die Media Control Charts eingestiegen. Beginnen sollte das Event lt. Flyer um 20.30 Uhr, wir trafen allerdings etwas früher ein und konnten uns so ganz auf die Vorgruppe einstimmen.

Bis hierhin waren mir CHAMBER nur von einem Lied bekannt, umso neugieriger war ich auf ihre Live-Performance und Songs. Um ca. 20.40 Uhr betraten dann sechs der eigentlich acht Bandmitglieder die Bühne. Marcus Testory, sich selbst Max nennender Sänger (und seit 1999 Chorknabe von ASP, dieses Engagement wurde allerdings am 26.9. feierlich beendet) begrüßte das Publikum und fragte zunächst, wer denn wohl seine Band bereits kennen würde. Wie von mir schon fast erwartet, gingen nur vereinzelte Hände von den ca. 300 Anwesenden in die Höhe. Nichts desto trotz erzählte Max sichtlich enthusiastisch, dass sie nun ihr neues Album „Solitude“ vorstellen würden und schon ging es mit dem Song „Torn“ los. Schnell ließ sich das Publikum dann von Cello, Kontrabass, Violinen, Gitarren und Drums begeistern. Max’ voluminöse Stimme passte sich dabei perfekt an die fast schon klassisch anmutenden Instrumente an, mit denen man einige Irish Folk-artige Stücke präsentierte, die zum Tanzen einluden. Songs wie „Sleep, Sweet Sleep“, „Solitude“ oder „Another Conversation“ ließen dann sogar für einige wenige Minuten Kuschelcharakter aufkommen. Max lockerte mit seinen Showeinlagen und Sprüchen die Performance zwischenzeitlich immer wieder auf. Als ihm nach dem dritten Song in seiner Jacke zu warm wurde, zog er diese aus und erwähnte, dass sich das Publikum nun auch legerer kleiden dürfe und löste damit die von mir empfundene Steifheit der Anwesenden auf.

Da Max trotz alledem noch das Empfinden hatte, dass das Publikum nur mit Liebesliedern zu gewinnen sei, kam als nächstes der Track „Hometown“. Alles in allem hat mich CHAMBER davon überzeugt, dass sie sehr gute Live-Musiker sind, die ihr Handwerk an diesen doch etwas ungewöhnlicheren Instrumenten bis zur Perfektion gelernt haben. Mit dem Rammstein-Cover „Engel“ rundeten sie ihren Auftritt ab und brachen letztendlich alle Barrieren, welche die Zuhörer vorher vielleicht noch geplagt haben. Danach waren die letzten Zweifler überzeugt, dass CHAMBER mit ihren kraftvollen, energischen Beats mit irischem Folkeinfluss zwar teilweise romantisch anmutende Songs spielen, jedoch genauso gut mit heftig krachenden Cover- oder auch Eigenkreationen ihre Zuhörer bezaubern können. Abschließend stellte Max dann die Bandmitglieder vor und ging mit ihnen von der Bühne. Viele werden mir beipflichten, dass es sich alleine wegen CHAMBER schon gelohnt hat, zu diesem Konzert zu tigern.

Nach einer kurzen Umbauphase betraten dann die Mitglieder von L’ÂME IMMORTELLE die Bühne und eröffneten mit „Es zieht dich davon“ und Sonjas Stimme ihre Live-Performance zum Gezeiten-Album. Unterstützt wurde sie dabei von Ashley Dayour an der E-Gitarre, der auch seit Jahren bereits mit WHISPERS IN THE SHADOW in der Musikwelt zu Hause ist. Francis an der Bass-Gitarre stand zur linken Sonjas, Martin Parzer am Keyboard rechts hinter ihr. Thomas Rainer in diesem Moment als zweiter Keyboarder sowie Markus Adamer an den Drums rundeten das Gesamtbild der Österreicher ab. Insgesamt 16 Songs gaben sie ab dann zum Besten und ihre Fans waren begeistert. Da das Gezeiten-Album von einer verflossenen Liebe erzählt, ging es mit ihren einfühlenden Texten einigen Zuhörern doch sichtlich unter die Haut. Ob nun die Pärchen das Händchenhalten anfingen, oder die Umarmung festigten, die Lieder rissen mit. Nicht ganz die Reihenfolge des Albums einhaltend performten sie ihre Songs perfekt.

Bei Liedern wie „Stumme Schreie“ „Fallen Angel“ und „Masquerade“ merkte man die stumme Begeisterung der Fans. Sonjas Stimme klang kraftvoll und wurde zudem häufig von Thomas’ kräftigem Organ unterstützt. LAI ließen es sich auch nicht nehmen, dass Gastsänger Ashley ans Mikro durfte. Nicht nur er, sondern 50 % der Band WHISPERS IN THE SHADOW standen mit Sonja und Thomas auf der Bühne, um deren Songs zum Besten zu geben. Dies gelang ihnen sichtlich und so wippten und schaukelten die Körper im Takt der Lieder. Thomas bewegte sich oftmals springend, während Sonja eher stumm in der Mitte der Bühne stand und an die Decke starrte, als sei sie gedanklich weit weg bei ihrer besungenen verflossenen Liebe. Bei Rainer hat man ja manchmal den Eindruck, er wäre auch gerne Mittelpunkt einer Metal-Kapelle. Besonders nett der Einfall, Sonjas Augen zu verbinden und ein wenig SM anzudeuten…

Schade fand ich, dass sie außer ein paar kurzen Bemerkungen lediglich „stumpf“ ihre Lieder spielten. Man verlangt zwar nicht, dass andauernd geredet wird, aber ein wenig mehr Kommunikation mit dem Publikum hätte die Sache noch mehr aufgelockert – erst recht, wenn man an die traurigen Lyrics denkt. Wie gesagt, es wurden fast alle Songs des neuen Albums gespielt, aber auch ältere Stücke wie „Bitterkeit“ fehlten nicht. Ansonsten von Sonjas Stimme dominiert brachte Thomas aber auch das Stück „Believe in me“, das auf dem neuen Album als Bonustrack zu hören ist, eindrucksvoll zu Gehör.

Nach verrichteter Arbeit verließen L’ÂME IMMORTELLE die Bühne mit dem Song „Ohne dich“. Daraufhin stimmte das Publikum mit überzeugenden Rufen eine Zugabe an, und so ließen es sich die Bandmitglieder nicht nehmen, doch noch einmal die Bühne zu betreten und die Songs „Fear“ und „Life will never be the same again“ eindrucksvoll zu performen. Ein gelungenes Konzert, das nach den Kommentaren der Zuschauer allerseits zufrieden in Erinnerung behalten wird.

SETLIST CHAMBER
Torn
Miles Away
A Dead Man’s Song
Sleep, Sweet Sleep
Ceremony after a Fire Raid
Solitude
I hate falling in Love
Hometown
Another Conversation
Uninvited
Scream
Engel

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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