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LAURA IMBRUGLIA – BLACK RUST

Ort: Hamburg - Zum Grünen Jäger

Datum: 20.02.2008

Ja, das ist DIE Schwester!

Hätten wir das also schon einmal erledigt. Schließlich baut jedweder Artikel auf diesem Fakt auf. Habe ich hiermit also meine Pflicht getan und bin genauso vorhersehbar wie jeder andere Musikjournalist auch… Allein der Name hat nicht ausgereicht, den Indie-Schuppen am Pferdemarkt, auch nur annähernd in die Bedrängnis eines ausverkauften Konzertes zu bringen. Grob geschätzte 50 Leutchen fanden sich ein, um die Künstlerin zu begutachten, die in Australien zehntausende von CDs verkauft. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie auf dem Tour-Plakat eher nach einem „Spoilt Brat“ ausschaut, als nach der Schwester des „Thorn“-Mäuschens und Ex-Ehefrau von SILVERCHAIR Sänger Daniel Johns. Aber dieses „Yellow-Press-Geschwafel“ hat natürlich nichts mit dem aufregenden Indie-Rock zu tun, dem Laura schon seit ihrem Achtzehnten Lebensjahr verfallen ist. Den Abend begannen aber die Newcomer BLACK RUST, die gelinde gesagt, mein manchmal zweifelndes Musikliebhaberherz zum glühen brachten.

BLACK RUST

Da stehen also fünf relativ junge, und ein nicht mehr ganz so junger Mensch, auf der Bühne und klingen wie die nächsten skandinavischen Senkrechtstarter, deren Album zumindest auf Glitterhouse oder Stickman Records herauskommen müsste. Tut es aber nicht, denn die Herrschaften kommen ursprünglich aus dem westfälischen Ahlen und der Erstling wird auf dem Dortmunder Indie-Label Silversonic Records erscheinen. Und wenn es noch eine gerechte Welt da draußen gibt, sollten die Jungs, vom Indie-Mädchen bis zur Hausfrau bis hin zum beinharten Rocker, alle Herzen brechen. Was der Sechser da live in der guten Stube zum Besten gab, klang, zumindest wenn man die Augen zumachte, nach einer gestandenen Band, die aus Musikern von LAMBCHOP und den CARDINALS zusammengestellt sein müsste. Es werden Erinnerungen an die SHIVERS, RAY LAMONTAGNE, ALEJANDRO ESCOVEDO und most of it all RYAN ADAMS geweckt. Man sieht also, dass die Truppe musikalisch nichts anbrennen lässt. Aber auch das Songwriting ist ebenfalls schon in einem Stadium, das man normalerweise nicht mit dem ersten Album erreicht. Und da die musikalische Umsetzung auf der Bühne ebenso tight herüberkommt, zolle ich hiermit meinen tiefsten Respekt. Frontmann Jonas Künne, dessen Vater für die Percussion zuständig ist, wirkt durch seine manchmal etwas unbeholfenen Zwischenansagen einfach authentisch aufgeregt. Sobald er anfängt die Gitarre zu zupfen, wirkt er wie ausgewechselt und gibt den authentischen Singer-Songwriter. Julian Osthues wechselt neben der Gitarre manchmal an die Mandoline und hält sich ansonsten sehr zurück. Christoph Seiler rockt das Keyboard und spielt nebenbei überzeugend das Akkordeon. Rockendes Fundament und Blickfänge der Band sind aber Bassist Julian Jacobi und Schlagzeuger Adrian Hemley. Ersterer bearbeitet die Double Bass, als ob es keine Morgen geben würde. Mit einem Bogen bewaffnet, entlockt er dem Instrument aber ebenso fragile Klänge. Letzterer spielt einen recht harten und präzisen Beat und könnte zweifellos auch so in einer Hardcore-Band überzeugen. Aber das Wichtigste ist, dass es unheimlich Spaß macht, den Jungs zuzusehen. Selbst die penetranten Fotografen, die den Eindruck machten, auf ihrer Privatveranstaltung zu sein, konnten die Atmosphäre nicht zerstören. Beendet wurde der rundum überzeugende Auftritt, mit einer rockenden Akustik-Version von NEIL YOUNGS „Rocking in the free world“. Die Band erwähnte ja oft, dass sie ihre Scheibe in Hamburg aufgenommen hätten und sich dementsprechend freuen würden, wieder hier zu sein. Von mir aus können sie bald wiederkommen, dann vielleicht sogar schon in der Fabrik? Ich drücke ihnen die Daumen!

LAURA IMBRUGLIA

Da huscht eine kleine unscheinbare Frau durch das Publikum, um letztendlich damit zu beginnen, ihre Gitarren einzustöpseln. Verfolgt wird sie dabei von der Hamburger Pest, in Gestalt eines speziellen Fotografen, der sie selbst beim Set-Up mit Blitz ablichtet, als wenn es sich um einen seltenen Shot von Jennifer Lopez Zwillingen handeln würde. Dieser unangenehme Zeitgenosse brachte schon einmal NEKO CASE in arge Bedrängnis wegen seiner dummdoofen Penetranz. Nach den ersten Takten zogen dann die Herren Fotografen insgesamt eine dermaßen widerliche Show ab, dass sie zwangsläufig von den Besuchern erst einmal derbst angepogt werden mussten. Durch ihr dämliches Verhalten durften die Herren ihre teuren Apparate gleich nach dem ersten Song wieder einpacken, da es dem Tourmanager zuviel wurde und er eigentlich den Blitz-Einsatz von vorne herein untersagt hatte. Die Seuche, dieses Volk. Während unsereins verschüchtert vom äußeren Rand ein paar Fotos schießt und die Kamera danach zur Seite legt, legen diese Geier es darauf an, den Besuchern den Abend zu versauen. So, das musste mal raus und jetzt geht es weiter mit Laura. Mit einem herzlichen „Wo geiht di dat!?“ wurde das nordische Publikum von der jungen Dame begrüßt. Die 23-jährige interpretiert ihren kleinen Indie-Ditties mit einer ergreifenden Quirkiness, die sie rundherum sympathisch macht. Natürlich wird sie die Welt mit ihren Songs nicht verändern, aber es wäre ein Verlust, wenn sie die Gitarre an den Nagel hängen würde. Ihre gleichnamige CD macht nach ein paar Durchläufen nämlich regelrecht Spaß. Sie ist ja bekannt dafür, dass sie öfter mit dem Gitarrentuning auf dem Kriegsfuß steht und auch heute Abend wollte die elektrische Gitarre nicht so klingen, wie sie es sollte. Da half es auch nicht, dass sie erst ihrem Bassisten die Schuld an den kleinen Misstönen in die Schuhe schieben wollte. Trotzdem bekam sie diese Probleme in den Griff und freute sich obendrein diebisch darüber, dass ihr an diesem Abend keine Saite riss. Zwischendurch stellte die Australierin fest, dass das Publikum in Deutschland sich in zwei Punkten von dem in ihrer Heimat unterscheiden würde: Erstens würden die Deutschen länger klatschen und zweitens wären sie danach gleich still. Das änderte natürlich nichts daran, dass sich einige Besucher während der Songs immerwährend unterhielten. Manchmal fragt man sich echt, ob es noch einen genuinen Respekt gegenüber dem Künstler gibt. So etwas bringt mich gleich immer in meine menschenfeindliche Stimmung… Aber egal, zwischendurch schickte sie einen Besucher zum Bier holen, da BLACK RUST Drummer Adrian (der für vier Auftritte mal eben die Drum-Parts von Lauras Songs gelernt hat) Durst auf ein Becks hatte. Highlights des Konzerts waren das countryeske „Tear Ducts“, das hard-rockige „I wanna throw stones“, das post-punkige “Looking for a rabbit”, das groovige “It’s getting worse”, das leicht schräge “Hurt my feelings“, sowie die erste Single der aktuellen CD „My dream of a magical Washing-Machine“.

Mich erinnerte dieser Indie-Cocktail öfter an SALAD (mit Marijne van der Vlugt am Mikro. Das wären noch selige MTV Zeiten…) oder an die CARDIGANS. Über dem thront aber natürlich die charakteristische Stimme von Laura, die dem Ganzen den eigenen Stempel aufdrückt (von den Klasse-Texten mal abgesehen). Als Zugabe gab es noch einmal drei rein akustische Songs, da nicht mehr Band-Songs geprobt wurden, darunter ein Cover des SYD BARRET Songs „Here I go“. Man sieht die Dame hat Geschmack!

Ein alles in allem kleiner, aber feiner Konzertabend!

Copyright Fotos: Michael Päben

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