Konzert Filter

LIFE OF AGONY – BREED 77

Ort: Nottingham - Rock City

Datum: 08.11.2003

Bin ich wirklich schon so alt? Sind es echt schon 8 Jahre her seit ich LIFE OF AGONY das letzte Mal live gesehen habe? Wenn ich mich recht erinnere, zusammen mit PRO PAIN und den SPUDMONSTERS im Sommer ’95 in Coesfeld (Rate mal, wer noch da war! – Anm. der Redaktion) (Richtig, wir waren gemeinsam da! – Anm. Ralph). Die Location ist diesmal eine andere, mal sehen wie sich der Wahl-Amsterdamer Keith und Band verändert haben. An diesem (in England mittlerweile sehr kalten) Samstagabend machen wir uns also auf den Weg ins Rock City nach Nottingham, der Wagen ist voll, dass Hotel gebucht, Fluppen und Geld gezogen.

140 Meilen und 2 Stunden später erreichen wir Nottingham in den Midlands, persönlich war ich ja noch nicht da, allerdings hätte ich mir die Stadt nach den vielen Geschichten dann doch etwas anders vorgestellt. Außer dem Maid Marian Place hat die Stadt anscheinend nicht mehr viel von ihrem alten Glanz zu behalten (wenn sie ihn wirklich jemals besessen haben sollte), englische Städte im Allgemeinen sind ja nicht die hübschesten, aber diese ist, ehrlich gesagt, ein Dreckloch. Aber man soll ja ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen, am Hotel angekommen wurden viele Vermutungen allerdings bestätigt. Das erste, was uns der Portier vorschlug, wir sollten doch am besten das Auto auf der Hauptstrasse unter einer Kamera parken, da hier alle Hauptstrassen polizeilich überwacht würden, verspräche das am meisten Sicherheit. Weiter ging es mit Anweisungen zum Verhalten gegenüber Taxifahrern und Plätzen, die man meiden sollte, und als ob das alles noch nicht reichen würde, hat es anscheinend 2-3 Stunden vor unserer Ankunft ’ne handfeste Schiesserei 200 Meter von unserem Hotel gegeben. Es deutete also als auf einen netten Abend hin! Auf die Ratschläge des Portiers gehört baten wir also den Taxifahrer doch sein Taxometer einzuschalten, woraufhin er uns zwar etwas verdutzt anguckte, wir aber letztendlich nur £3 zahlen mussten, fairer Preis. Rock City liegt etwas außerhalb des Stadtkerns, ein Alternative-Club auf 2 Ebenen mit recht großer Bühne. (Im Ticketpreis von £11 war noch der Aufenthalt nach dem Konzert inbegriffen.)

Aus diesem Grund war der Einlass um 18.30 Uhr auch nicht wirklich verwunderlich (Man bedenke an dieser Stelle, dass ja die meisten Clubs in England um 2 Uhr die Pforten schließen, oder für richtig teures Geld eine Lizenz kaufen müssen, was sich dann in Eintrittspreisen von bis zu £15 niederschlägt, nein, Freigetränke gibt’s dafür nicht!).

Gegen 9 machten dann BREED 77 den Anfang. Bei den Jungs waren Olaf und ich geteilter Meinung. Zugegeben, der Frontman verhielt sich wie eine Kurzhaar-Version von Jim Morrison mit Nippelringen (unglaublich albern), hat aber den schmalen Grad zwischen Gesang und Shouten gut gemeistert, wie ich empfand. Der Sound war lupenrein und die Musik erinnerte teilweise etwas an SEPULTURAs „Kiowas“. Wie gesagt, mir gefielen sie ganz gut, dem Dicken waren sie wohl nicht grob genug, worauf er dann auch während Ihres Auftritts immer freiwillig zur Bar ging. Die Spielzeit war sehr begrenzt, dürften nicht mehr als 30-40 Minuten gewesen sein, reichte auch, da ich mittlerweile echt „LIFE OF AGONY-hungrig“ war.

Kurze Umbauphase sowie Soundcheck und los ging’s. Irgendwie hatte ich Herrn Caputo so klein nicht in Erinnerung, davon abgesehen sah er schlimmer aus als jeder Münsteraner Bahnhofspenner, der dich total besoffen nach ’nem Euro fragt. (Gut, randvoll war er auch, offensichtlich aber weder betrunken noch stoned [Was denn dann? Hast du keine Blutprobe gemacht? – Anm. der Redaktion]). Dachte eigentlich seinem Solo Album entnommen zu haben, dass er nun endgültig den Konsum harter Drogen aufgegeben hat. Anyway, singen kann er noch und das sogar ziemlich gut. Die folgenden zwei Stunden waren das komplette Brett der 3 LOA-Alben: „River Runs Red“, „Soul Searching Sun“ und „Ugly“, wobei von „Ugly“ definitiv am wenigsten gespielt wurde, weise Entscheidung. Die Setlist bestand in etwa aus den Songs der gerade bei SPV veröffentlichten Live-CD. Im Gegensatz zu den Openern brauchten LOA weniger als 10 sec, um die Menge zu begeistern. Interessant an dieser Stelle auch der Altersdurchschnitt des Publikums. Wenn man bei LINKIN PARK oder LIMP BIZKIT Horden von 16-18 jährigen Kiddies trifft, war es an diesem Abend ganz anders.

Grob geschätzt war der Grossteil der Besucher 25+, was ich persönlich doch als sehr entspannend empfand. Irgendwie auch nicht verwunderlich, woher soll ein heute 16jähriger LOA auch kennen, in deren Blüte war er gerade mal 8-10. Aber wie gesagt, bei einem solchen Altersdurchschnitt hätten die Security Leute die Fans im Pit durchaus auch gewähren lassen können, so nicht hier, jeder Versuch Stage zu diven oder sich tragen zu lassen wurde im Keim erstickt. Die Betreiber hatten da wohl unglaublich Angst, nach einem Unfall verklagt zu werden. Der Stimmung tat es aber auch keinen Abbruch, LOA machten eine wahnsinns Show und die Menge tobte. Ausnahmslos jeder Besucher fand sich irgendwann in den vorderen Reihen wieder. Knapp 120 Minuten später war es dann auch leider wieder vorbei. Etliche „We want more“ Rufe blieben leider Ergebnislos. Mein Tinnitus meldete sich (Merken: Nächstes Mal Ohropax!) und Olaf musste bestimmt 5 mal nachfragen, ob wir noch bleiben sollten. Kurz vor zwei haben wir uns dann auf die Suche nach einer neuen Bar gemacht, angeblich sollte es ja die eine oder andere hier geben, die bis vier aufhat. Zu diesem Zweck also Taxi gerufen, aber diesmal natürlich den Taxometer-Hinweis vergessen. Nun ja, aufpassen hätte Geld gespart. Als ob es nicht genug gewesen wäre, dass der Kerl uns eine Strecke gefahren hat, die man zur Not noch betrunken hätte torkeln können, da wollte er doch im gebrochenem Englisch mit pakistanischem Akzent allen Ernstes £15! Ja „Ne“ dachten wir uns, und die Diskussion begann, hartnäckig war sie, lange dauerte sie und verloren haben wir sie auch. Bevor er dann seine Taxi Fahrer Freunde ruft, entschlossen wir uns ihm das verdammte Geld zu geben, hoffentlich kauft er sich ’nen Kebap und erstickt dran.

Davon abgesehen ein sehr netter Abend, leider habe ich das genialste LOA Lied „Plexiglass Gate“ vom „EAST COAST Assault Sampler“ an diesem Abend vermisst, wäre auch zu schön wenn man immer alles haben könnte. Am nächsten Tag und bei Licht sah die Stadt dann auch nur noch halb so schlimm aus und ich machte mich voller Vorfreude auf mein Date mit einer lecker Engländerin (Vielen Dank für die Randinfos – Anm. der Redaktion) (Gerngeschehen – Anm. Ralph) am Abend zurück auf den Weg nach Hause, in guter Hoffnung, dass die Begegnung mit Ihr nicht so flüchtig sein würde wie unser Besuch in Nottingham!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BREED 77 auf terrorverlag.com

Mehr zu LIFE OF AGONY auf terrorverlag.com