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LINKIN PARK – HIM – N.E.R.D. – THE USED – THE BRAVERY – INNER PARTY SYSTEM

Ort: Düsseldorf - LTU Arena

Datum: 28.06.2008

Projekt Revolution

Kaum hatte ich mich vom Hurricane erholt, da stand auch schon das nächste musikalische Großereignis vor der Tür. Diesmal ging’s auf der A1 Richtung Süden in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, wo LINKIN PARK zum „Projekt Revolution“ eingeladen und gleich mal fünf weitere Bands mitgebracht hatten. Hinter dem „Projekt Revolution“ verbarg sich eine Art Mini-Festival, bei dem LINKIN PARK verschiedene Musikstile zusammen gebracht haben. Wie beispielsweise Rock und Hip Hop, zwei Genre, denen LINKIN PARK ja nun selbst sehr verbunden sind. So sind dann z.B. auch N.E.R.D. mit ins Line Up gekommen, von denen man zwei Mitstreiter vor allem als Produzenten-Duo namens The Neptunes kennt. Aber zurück auf Anfang: Nachdem ich trotz Ferienbeginns problemlos und ohne Verzögerungen bis ans Ziel gekommen war, hieß es erst noch mal, sich in Geduld zu üben, da leider 30.000 Fans nicht auf einen Schlag in der Arena unterzubringen waren. Nachdem ich sämtliche Schleusen passiert hatte und endlich im Innenraum stand, war auf diese Weise auch locker eine Stunde vergangen und INNER PARTY SYSTEM auch schon mitten in ihrem Set.

Bedauerlich, dass ich die erste Hälfte des Auftritts der vier Jungs aus Mohnton/ Pennsylvania verpasst hatte, denn der rockige, mit Electrofrickeleien gespickte Sound von Patrick Nissey (voc.), Jared Piccone (dr. & voc.), Kris Barman (guit., synth & voc.) und Jesse Cronan (synth, samples & voc.) wusste wirklich zu gefallen. So startete ich mit „The Way We Move“, das bislang nur auf der digitalen EP des Quartetts zu erhalten ist, doch im Herbst soll das Debütalbum erscheinen. Bedenkt man, dass es INNER PARTY SYSTEM schon seit Beginn des Jahrtausends gibt, haben sich die Herren mit ihrer ersten Langrille wirklich Zeit gelassen. Die war allerdings in Düsseldorf knapp und so war nach der aktuellen Single „Don’t Stop“, die ebenfalls Laune machte, auch schon bald Schluss. Ihren Job als Einheizer haben INNER PARTY SYSTEM, die sich nach der höchsten sozialen Klasse in George Orwells Klassiker „1984“ benannt haben, auf jeden Fall hervorragend gemacht. Oft werden sie allerdings auch nicht über eine so ausgefeilte Lichtshow, große Leinwände, perfekten Sound und Zehntausende Zuschauer verfügen. Bange machen haben sie sich von diesen Vorgaben jedenfalls nicht.

Bei THE BRAVERY kam der Gesang 15 Minuten später leider nicht ganz so glasklar rüber, vielleicht lag das aber auch an den stimmlichen Kapazitäten von Sänger und Gitarrist Sam Endicott, der die Konzertstätte noch aus 2006 kannte. Damals waren THE BRAVERY als Support von DEPECHE MODE in Düsseldorf, inzwischen haben die New Yorker eine neue Platte draußen, von der sie natürlich auch Songs dabei hatten. Etwa das melodische „Time Won’t Let Me Go“ oder das bassbetonte und sehr treibende „Believe”. Auch hier waren rockige, teils auch punkige Parts mit elektronischen Versatzstücken kombiniert worden, was einen sehr tanzbaren Sound ergab, der auch mit freundlichem Applaus bedacht wurde. Deutlich frenetischer viel der Jubel aus, als Endicott seine Vermutung äußerte, Deutschland werde Fußball-Europameister. Einen Tag vor dem Endspiel schien diese Frage die Massen sehr zu bewegen, die zu späterer Stunde auch immer wieder in „Finale“-Gesänge ausbrachen. THE BRAVERY bestritten ihr Finale unterdessen mit einem Song ihres selbstbetitelten Erstlings aus 2005. Lichtgewitter begleiteten „Unconditional“, mit dem das Quintett noch mal in die vollen ging, bevor sie um 18.10 Uhr sang- und klanglos von der Bühne verschwanden.

Zu dieser frühen Stunde klappte die zeitliche Abfolge der in den Pausen auf den Leinwänden angekündigten Running Order auch noch hervorragend. Entsprechend ging’s um 18.30 Uhr auch schon mit THE USED weiter, die deutlich härtere Töne als ihre Vorgänger anschlugen. Glücklicherweise hatte Sänger Bert McCracken sich in den 35 Minuten Spielzeit nicht so sehr verausgabt, dass es wie schon öfter geschehen zu spontanem Erbrechen oder Kollabieren auf der Bühne kam. Stattdessen benutzte er ausgiebig sein Lieblingswort „Fucking“ (kein Wunder dass die Mormonen THE USED in Salt Lake City nicht mehr sehen und vor allem hören wollen) und schwankte zwischen Gesang und Geschrei. Mit Songs wie „Take It Away“ vom 2004er „In Love And Death“ gab’s auch derbes Gebretter mit stampfenden Drums , während „Liar Liar (Burn In Hell) vom aktuellen Longplayer „Lies For The Liars“ mit einem ruhigen Start aufwartete, um dann aber doch wieder zu heftigem Geknüppel umzuschwenken. Höhepunkt des Gigs war zweifelsohne die THE USED-Hymne „The Taste of Ink“ vom ersten Album. Hier wurde es dann auch mal richtig melodiös und mitsingbar, bevor der Ex-Freund von Kelly Osbourne sich bei „Hospital“ zu zuckenden Lichtblitzen ein letztes Mal die Lunge aus dem Hals schreien durfte.

Für die Hip Hopper von N.E.R.D (Kurzform für NO ONE EVER REALLY DIES) war wohl die eingeplante Umbaupause zu kurz, denn der Auftritt von Pharell Williams und Chad Hugo, die mit großer Live-Kapelle angetreten waren, verzögerte sich um verschmerzbare zehn Minuten. Dann knallten uns die Jungs fetten Ami-Hip Hop um die Ohren, der erstaunlich gut in Düsseldorf ankam. Den Anfang machte „Yeah You“ vom jüngst erschienenen Silberling „Seeing Sounds“, aber auch auf die N-E.R.D-Anfangstage griff man zurück: „Rock Star“ war so ein Song, bei dem schweres Hip Hop-Geschütz aufgefahren wurde, bevor sich die LTU-Arena zum ersten Mal in ein Meer aus wogenden Armen verwandelte, auf denen einer der beiden Sänger sich zum Crowdsurfen niederließ, während auf der Stage wild gerappt wurde. Ausgelassenes Tanzen war dem Titel folgend zu „She Wants To Move“ angesagt. Für diesen Track vom vier Jahre alten „Fly Or Die“ fand sich auch eine bewegungsfreudige Dame auf der Bühne ein, aber auch die Zuschauer zeigten sich ebenso gesangs- wie tanzbegeistert. Wahre Begeisterungsstürme lösten die Rapper mit ihrer Version des WHITE STRIPES-Krachers „Seven Nation Army“ aus, dessen Hauptriff dank König Fußball ja zurzeit in aller Munde ist und auch an diesem Abend immer wieder mit Oohohoho-Gesängen angestimmt wurde. Um 20.10 Uhr verabschiedeten sich N.E.R.D dann auch unter den allgegenwärtigen „Finale“-Skandierungen – ich gebe zu, mich lässt das Ganze ziemlich kalt, Fußball ist mit all seinen Begleiterscheinungen definitiv nicht meine Welt.

Ob Ville Valo wohl was mit dem runden Leder anfangen kann? Bei ihm habe ich ja eher die stete Befürchtung, dass er diversen berauschenden Mittelchen zu sehr zuspricht, was sich dann auch schon mal negativ auf den Ablauf eines HIM-Konzertes auswirken kann. Diesmal sah es so aus, als hätte das blasse Nordlicht sich einigermaßen im Griff, auch wenn es gesanglich an der einen oder anderen Stelle etwas zwickte. Nicht fehlen durfte am Rhein natürlich das Heartagram, das im Hintergrund der Bühne auf einem riesigen Backdrop prangte, als die Finnen um 20.30 Uhr unter großem Jubel die Stage enterten. Auf dem Programm stand nun 50 Minuten Love Metal – so nennen HIM ihren Düster Rock, zu dem das Bandlogo aus einem Pentagramm und einem Herzen natürlich bestens passte. Herr Valo war gewohnheitsmäßig mit Strickmütze, Gehrock und Kippe angetan und begrüßte zunächst seine Fans – zumindest vermute ich das, von seinem Genuschel war mal wieder nicht viel zu verstehen, dafür klappte es mit der Darbietung des ersten Songs „Passion’s Killing Floor“ vom letztjährigen „Venus Doom“ aber umso besser, was vom Auditorium auch mit kräftigem Klatschen belohnt wurde. Der Klassiker „Right Here In My Arms” wurde dann auch schon vielfach mitgesungen, so richtig abgefeiert wurde allerdings der Smasher „Join Me“ vom gleichen Album „Razorblade Romance“. Gleiches galt auch für das BILLY IDOL-Cover „Rebel Yell“, mit dem sich HIM bei LINKIN PARK bedankten, beim Projekt Revolution dabei gewesen sein zu dürfen. Sollte beim einen oder anderen Anwesenden jetzt ob der melancholischen Songs (die ja durchaus mit knackigen Gitarrenriffs verbrämt wurden) Trübsal blasen angesagt gewesen sein, gab es alsbald Abhilfe.

In Einstimmung auf den lang ersehnten Hauptact wurden schon mal La Ola-Wellen geübt und weitere Fußball-Chöre abgehalten, bevor es um kurz nach 22.00 Uhr endlich so weit war: LINKIN PARK nahmen ihre Positionen auf der Stage ein, wo Joseph „Joe“ Hahn an den Turntables und Rob Bourdon hinter seiner Schießbude erhöht im Hintergrund Aufstellung genommen hatten, während vorne die Saitenfraktion und natürlich die beiden Vocalisten Chester Bennington und Mike Shinoda ihre Plätze einnahmen. Ihnen bot sich ein Blick über ein wahres Lichtermeer, denn vielfach hatten die Fans ihre Kameras und Handys gezückt, um Fotos ihrer Helden zu machen, die mit „No More Sorrow“ von ihrem 2007er Album „Minutes To Midnight“ auch gleich ordentlich durchstarteten. Das Auditorium ließ sich ebenfalls nicht lang bitten und sang von der ersten Minute an jede Zeile mit. bei „Something I Belong“ brachen regelrechte Begeisterungsstürme los, was sicherlich nicht nur an dem Song lag. LINKIN PARK hatten sich wirklich nicht lumpen lassen und eine perfekte Light- und Videoshow auf die Beine gestellt. Besser hätte man die druckvollen Lieder der Kalifornier, die übrigens erst Anfang des Jahres in Köln waren, gar nicht präsentieren können. Zudem gab auch die Band selbst ein perfektes Bild ab. Die immense Spielfreude der Nu Metal-Heroen war unübersehbar und übertrug sich umgehend auf die Zuschauerschaft, die inzwischen auch schon aus zwei Generationen besteht. So konnten die Highspeed-Stakkato-Sounds von „Given Up“ nur abgefeiert werden, ebenso wie die Klassiker „Papercut“ und „Points of Autority“, die beide bekanntermaßen mit starken Hip Hop-Elementen aufwarten und kongenial von den beiden Herren an den Mikros intoniert wurden. Für „In Pieces“ griff Shinoda in die Tasten eines E-Pianos, das sehr zur Freude des Publikums mit einer Deutschland-Flagge verschönert war. LINKIN PARK sehen Deutschland schon als Europameister und haben sich nach eigenem Bekunden alle Spiele mit deutscher Beteiligung angeschaut, womit sie mir einiges voraus haben. Nach einem ruhigen Start war bei diesem Song jedenfalls wieder ne Menge Drive angesagt. Ganz zu schweigen von „Numb“ vom 2003er „Meteora“, das mit einem begeisterten Aufschrei begrüßt wurde und für eine kollektive Gänsehaut in der LTU-Arena sorgte. Lautstark ging’s auch bei „Breaking The Habit“ zu. Während auf der großen Leinwand im Hintergrund eine Cartoon-Band den Titel performte, zeigten erneut auch die begeisterten Zuschauer ihr stimmliches Können, an dessen Lautstärke schon mal nichts auszusetzen war. Mit „Shadow of The Day“ ging’s zurück in neuere Gefilde, aber auch hier wurde heftigst abgerockt und der eingängige Track lauthals mitgesungen, wozu im Hintergrund eine gleißende Sonne erschien. Im Anschluss waren auf den Bildschirmen rechts und links der Bühne die Schattenumrisse der Turntables und Drums zu sehen, die den visuellen Auftakt von „Crawling“ bildeten. Bei diesem Ausflug in die Anfänge der LINKIN PARK-Diskografie konnte natürlich nur eine riesige Party herauskommen, aber auch das stimmungsvolle „Leave All Out The Rest“ sorgte für beste Stimmung. Es ging wahrlich Schlag auf Schlag, denn mit „What I’ve Done“ schloss sich der nächste Burner an, der von leisem Klaviergeklimper eingeläutet wurde. Unnötig zu erwähnen, dass das entsprechende Video ein Übriges tat, um die Halle zum Kochen zu bringen. Zum Sprechgesang vom grandiosen „In The End“ vom „Hybrid Theory“-Longplayer gab’s für den wuschelköpfigen Bassisten David „Phoenix“ Farrellein textiles Geschenk in Form eines T-Shirts mit der Aufschrift „I love PHX“, das aus dem Publikum geflogen kam und zunächst von Mike übergestreift wurde. Das druckvolle „Bleed It Out“ beendete die reguläre Spielzeit um 23.15 Uhr mit allerlei Singspielchen, bei denen die Fans noch mal ihre Textsicherheit beweisen konnten, aber natürlich war noch an kein Ende zu denken.

Nachdem Mr. Hahn einige Sratchings hingelegt hatte, kehrte auch der Rest der Truppe zurück und es konnte mit „A Place For My Head“ in die Verlängerung gehen.. Der Aufforderung zum Klatschen kamen die Anwesenden zweifelsohne gern nach, während der absolute Höhepunkt des Abends noch ausstand: Der allererste Hit „One Step Closer“ fehlte noch in der Setlist! Nachdem Geburtstagsglückwünsche für ein Crew-Mitglied ausgesprochen worden waren, konnte das Finale dieses gelungen Abends mit stampfenden Beats in Angriff genommen werden. Auf der Stage gaben LINKIN PARK ebenso noch mal Vollgas wie im Innenraum und auf den Rängen die 30.000 restlos begeisterten Fans, die ein erstklassiges Konzert erleben durften.

Mag sein, dass LINKIN PARK Nu Metal dank massiver Bravo-Präsenz auch in den Kinderzimmern salonfähig gemacht haben. Bei den Hallen, die sie füllen, mag auch der Vorwurf des Mainstreams nicht ganz abwegig sein, aber wen stört das, wenn das Ergebnis einfach nur geniale Musik ist, die beim Konzert und in Videos spektakuläre visuelle Unterstützung erfährt? In Düsseldorf machte niemand einen unzufriedenen Eindruck und auch ich habe begeistert den geordneten Rückzug angetreten und im Auto gleich noch mal eine LINKIN PARK-Scheibe in den CD-Player geschoben. Momentan arbeiten die Amis neben ihren Gigs übrigens auch schon wieder an neuen Stücken, die im nächsten Jahr konserviert werden sollen. Dann sollten die Herrschaften aus Los Angeles allerdings auch wieder Station in Deutschland machen, um ihre fantastischen Live-Qualitäten erneut unter Beweis zu stellen.

Setlist LINKIN PARK
No More Sorrow
?
Somewhere I Belong
Given Up
Papercut
Points of Authority
Faint
In Pieces
Numb
?
Breaking The Habit
Shadow of The Day
Crawling
Leave Out All The Rest
What I’ve Done
In The End
Bleed It Out

A Place For My Head
?
One Step Closer

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