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LONG DISTANCE CALLING – MAYBESHEWILL

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 18.02.2011

Dieser Freitag war ein ganz besonderer Tag für LONG DISTANCE CALLING und ihre Fans. Endlich war das verdientermaßen hoch gelobte selbstbetitelte dritte Album in den Läden – ein Ereignis, das mit einem Record Release Konzert gefeiert werden sollte, zu dem die Band aus Münster/ Dortmund/ Berlin im Skaters Palace rund 600 Fans begrüßen konnte. Damit war der Gig die größte bisherige Headliner-Show der Post-Rocker, die zudem für den samstäglichen Auftritt im Kölner Underground ein „Sold Out“ meldeten und mit ihrem jüngsten Silberling immerhin im Focus die „Platte der Woche“ stellen. Damit dürfte klar sein, dass der seit 2006 aktive Fünfer in der ersten Liga angekommen ist. Dass sie dort musikalisch unbedingt hingehören, konnten David Jordan (Gitarre), Janosch Rathmer (Drums), Florian Füntmann (Gitarre), Jan Hoffmann (Bass) und Reimut van Bonn an den Samples vor begeistertem Publikum zweifelsfrei unter Beweis stellen.

Bevor es jedoch mit dem Ferngespräch der besonderen Art losging, brachten MAYBESHEWILL aus Leicester/ UK die Westfalen ab 20.30 Uhr auf Betriebstemperatur. Das Quartett verzichtete ebenfalls auf Vocals, wenn man mal von den gelegentlichen Textfragmenten absah, die Schlagzeuger James Collins dem Laptop entlockte, für dessen Bedienung er neben dem Job an der Schießbude zuständig war. Daneben gab’s noch die eine oder andere Ansage von Gitarrist John Helps, ansonsten setzten die Engländer voll auf die Wirkung ihrer Musik, die perfekt zum Hauptact passte und mit viel Druck und Intensität für Stimmung sorgte. Etwa bei der kommenden Single „Critical Distance“, die schon einen vielversprechenden kleinen Ausblick auf das dritte Album bot, das im Laufe des Jahres erscheinen soll. „Red Paper Lanterns“ ließ es zunächst etwas ruhiger und frickeliger angehen, um schließlich wieder in die Vollen zu gehen, bevor es mit „Co-Conspirators“ einen weiteren neuen Track auf die Ohren gab, das sich als wahres Post-Rock-Monster entpuppte. Für das fette Gitarrenfundament der letzten Single „To The Skies From A Hillside” wurden die Effektgeräte von John, Robin Southby (ebenfalls am Sechssaiter zuhause) und Jamie Ward (begnügte sich mit drei Stahlsaiten) noch einmal nach allen Regeln der Kunst zum Einsatz gebracht, bevor es MAYBESHEWILL mit dem Titeltrack „Not For Want of Trying“ vom im letzten Jahr wieder veröffentlichten Debütalbum aus 2008 noch einmal krachen ließen. Die Jungs mucken seit fünf Jahren zusammen und wussten ihr Münsteraner Publikum mit ihrer 45-minütigen Auswahl bestens zu unterhalten, sodass am Merch-Stand auch noch einige Silberlinge und Shirts der Kapelle den Besitzer wechselten.

Selist MAYBESHEWILL
Opening
Take This To Heart
The Paris Hilton Sex Tape
This Time Last Year
Critical Distance
Red Paper Lanterns
Co-Conspirators
To The Skies From A Hillside
Not For Want of Trying

Schon eine viertel Stunde später war die Stage bereits für LONG DISTANCE CALLING präpariert und auf der Leinwand kündete das Cover der neuen Langrille davon, was das Auditorium in den nächsten 65 Minuten erwarten sollte. Auf dem Programm standen abgesehen von „Middlevile“ (für diese Nummer fehlte Gastsänger John Bush, seines Zeichens Fronter bei ARMORED SAINT und Ex-Member von ANTHRAX) sämtliche Stücke der brandneuen Scheibe, die samt und sonders den Geschmack der Fans trafen. Während farbiger Nebel über die Bühne waberte, krochen die Songs unaufhaltsam in die Hirne der Zuhörer, was zu unweigerlichem Kopfnicken führte. Ein Höhepunkt der ersten Hälfte war zweifelsohne „Arecibo“, das mit seiner etwas härteren Gangart einem gewissen Costa gewidmet war, der während des gesamten Konzertes ganz besonders steil ging. „Beyond The Void“ beendete die Hinrunde mit einem ruhigen Start, dem sich sphärische Klangwelten mit viel Gefrickel und Schmackes anschlossen. Bleibt also festzuhalten, dass die neue Langrille nicht nur als Konserve begeistert, sondern insbesondere beim Live-Vortrag zu überzeugen weiß.

Aber damit war es natürlich noch nicht getan! LONG DISTANCE CALLING haben noch zwei weitere Alben mit musikalischen Köstlichkeiten, von denen es zu kosten gab. Wie es sich gehört, natürlich in aller Ausführlichkeit, denn unter acht Minuten Spielzeit geht nur selten was bei LDC. Die zweite Halbzeit begann entsprechend mit „Fire In The Mountain“ vom 2007er Debüt „Satellite Bay“ zunächst ruhig, bevor die Band langsam Tempo aufnahm und mit viel Applaus belohnt wurde. Bei „I Know You Stanley Milgram!” vom 2009er Vorgänger „Avoid The Light” stand fettes Geschrammel epischen Ausmaßes auf dem Zettel – keine Frage, dass auch hier seitens des Publikums nicht mit zustimmendem Beifall gespart wurde, bevor es mit „Aurora“ ein ganz altes Schätzchen zu hören gab, das lange nicht mehr live gespielt wurde, mit seinen jaulenden und kreischenden Langäxten aber absolut hörenswert war. Entsprechend war Münster zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich aus dem Häuschen, was auch zu einem „Scheiße, ist das geil!“-Zwischenruf führte, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Das eindringliche„Metulsky Curse Revisited” ist inzwischen drei Jahre alt und auf dem Split-Album „090208“ mit LEECH zu finden. Der explosive Sound, der sich in gleicher Weise auf der aktuellen VÖ wiederfindet, machte ganz einfach Spaß, weshalb LONG DISTANCE CALLING natürlich auch noch einen Nachschlag abliefern mussten, nachdem sie um kurz vor 23.00 Uhr die Stage verlassen hatten.

Zunächst gab’s von Rotschopf Florian Füntmann eine kleine Showeinlage, indem er seine Interpretation eines Moonwalks vorführte, ehe es wieder grandiose Musik auf die Mütze gab. Den Anfang machte „Black Paper Planes“, mit dem das Quintett noch mal alles gab, um schließlich nach weiteren 20 Minuten Spielzeit mit „Apparitions“, das wie der Vorgänger „Avoid The Light“ entnommen war, zu enden. Ein knackigeres Finale hätte man sich wohl nicht wünschen können und nachdem auch diese Nummer sich unweigerlich durch die Gehörgänge gefressen hatte, blieb nur noch der Gang zum Merchandising, um sich mit womöglich noch fehlenden LONG DISTANCE CALLING-Tonträgern zu versorgen. Das neueste Baby scheint übrigens insbesondere in der Vinyl-Ausführung viele Freunde gefunden zu haben, vielleicht wirkte das aber auch nur so, weil sich eine LP nun mal nicht so handlich wie eine CD in der Tasche verstauen lässt. Wie auch immer: Grandioses Konzert und grandiose neue Konservenkost!

Setlist LONG DISTANCE CALLING
Into The Black Wide Open
The Figrin D’an Boogie
Invisible Giants
Timebends
Arecibo
Beyond The Void

Fire In The Mountain
I Know You Stanley Milgram!
Metulsky Curse Revisited

Black Paper Planes
Apparitions

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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