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LONG DISTANCE CALLING – MOTOROWL

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 20.12.2018

Meinen musikalischen Jahresabschluss bestritten in diesem Jahr LONG DISTANCE CALLING, die während des zweiten Teils ihrer Boundless-Tour in Bielefeld halt machten. „Boundless“ ist das sechste Album der westfälischen Post-Rock-Urgesteine Dave Jordan (Gitarre), Flo Füntmann (Gitarre), Janosch Rathmer (Drums) und Jan Hoffmann (Bass) aka LONG DISTANCE CALLING, das im Februar in die Plattenläden gekommen ist und eine sehr gute 24.Position in den Charts erreichen konnte. Seit zwölf Jahren gibt es LDC, bereits 2007 erschien das Debüt „Satellite Bay“ und über die Jahre haben sich die Instrumental-Herrschaften, die sich zwischenzeitlich immer wieder mal Vokal-Unterstützung geholt und mit Martin „Marsen“ Fischer von 2012 bis 2015 sogar ein Sänger im festen Personalstamm hatten, eine treue Fan-Base geschaffen und so überraschte es nicht, dass der Parkplatz des Forums nicht nur ziemlich voll war, sondern auch allerhand unterschiedliche Autokennzeichen zu sehen waren. Ansonsten scheint der Liebhaber instrumentalen Post-Rocks und -Metals tendenziell eher männlich und schon ein paar Jahre älter zu sein.

Dafür sorgten die fünf Jungs von MOTOROWL, die überpünktlich um 20 Uhr die Bühne enterten, für einen jugendlichen Touch im Forum. Die langhaarigen Zausel Max Hemmann (Gitarre & Gesang), Vinzenz Steiniger (Gitarre), Martin Scheibe (Drums), Tim Camin (Bass) und Daniel Dettlev (Keys) machen seit 2014 gemeinsame Sache und haben im vergangenen Sommer mit „Atlas“  bereits ihre zweite Langrille veröffentlicht. Auf ihre Fahnen haben die Jugendfreunde aus Leipzig und Jena psychedelischen Doom Metal geschrieben, der von Bands wie BLACK SABBATH , den frühen PENTAGRAM, über deutsche Krautrock-Veteranen wie  KRAAN und GURU GURU bis zu  RUSSIAN CIRCLES und BARONESS inspiriert wird. In der Leineweberstadt ließen es die Sachsen zunächst langsam angehen, doch aus dem ruhigen Fluss wurde alsbald ein reißender Strom, in dem allerdings Max‘ Vocals ein wenig untergingen. Mit „To Take“ stand ein doomiges Grummelmonster vom aktuellen Longplayer auf der Setlist, der dank Orgelsounds ein ganz spezielles Antlitz bekommen hat, bevor der Titeltrack „Atlas“ unter Lichtblitzen in die Vollen ging und viel Zuspruch vom Auditorium bekam. Dies freute die Band ganz besonders, weil sie in Ostwestfalen noch gänzlich unbekannt sind und mit einem Hinweis aufs Merch nahm sich das Quintett das finale „Norma Jean“ vor und servierte so auf der Zielgeraden ein brachiales Doom-Schwergewicht, das den 40-minütigen Auftritt monumental beendete.

Setlist MOTOROWL

  • Spiritual Healing
  • To Give
  • To Take
  • The Highest City Pt. 1
  • Atlas
  • Norma Jean

20 Minuten später war die Stage für LONG DISTANCE CALLING gerüstet und als erster nahm Janosch Rathmer seinen Arbeitsplatz hinter der Schießbude ein. Unter seinen Trommelwirbeln kamen dann auch die Kollegen an den Saiteninstrumenten dazu, um gemeinsam das eröffnende „Into The Black Wide Open“ vom selbstbetitelten Album aus 2011  zum straighten Vortrag zu bringen. „Ascending“ übernahm punktgenau und mit viel Drive, ehe sich das coole „Trauma“ (2016 auf „Trips“ erschienen) mit metallischem Krachen ins Hirn fraß. Währenddessen umgab grünes Licht die sphärischen und immer drängender werdenden Klänge von „In The Clouds“. „Black Paper Planes“ („Avoid The Light“ – 2009) folgte mit einer absolut zwingenden Melodieführung, was mit viel Beifall bedacht wurde, bevor das Publikum der Aufforderung zum Klatschen nachkam, die mit einer geheimnisvollen Stimme vom Band einherging, die den Auftakt von „Ductus“ (vom 2013er „The Flood Inside“) markierte. Was zunächst ein wenig verträumt begann, entwickelte rasch die LDC-typische Energie, die sich auch im schwurbeligen „I Know You, Stanley Milgram!“ entlud. Gewisse Dissonanzen und schweres Geschütz gehörten zu dieser Nummer und machten sie sehr facettenreich, was auch den Ostwestfalen und Zugereisten gefiel. In diesem Sinne machte auch „Out There“ keine Gefangenen, während die Stage in diffusem blauem Licht lag und von weißen Lichtblitzen erhellt wurde. Zwischendrin gab es auch leise Passagen, in denen Janosch Pause hatte und Dave mit metronom-artigen Gitarrenspiel für Verzückung sorgte. Dank „Skydivers“ stand ein weiterer neuer Song auf dem Zettel, der eine massive Wall of Sound im Gepäck hatte und zurecht mit tosendem Applaus bedacht wurde. „Arecibo (Long Distance Calling)“ darf man wohl als Klassiker bezeichnen – und zwar als einen, der das gesamte LDC-Spektrum abbildet und von hart bis zart das ganze Post-irgendwas-Instrumental-Universum ins Forum holte. Vom 2007er Erstling „Satellite Bay“ stammte „The Very Last Day“, das ebenso verhängnis- wie geheimnisvoll daherkam, Jans Bass noch einmal in den Fokus rückte und sich schließlich zu einem fetten Zieleinlauf aufschwang. Der Track war bereits als letztes Stück angekündigt worden und so verließ zunächst der Schlagzeuger die Bühne, wohingegen die Saitenfraktion noch ein bisschen gniedelte, um dann schließlich auch für einen kurzen Moment im Off zu verschwinden.

Das war’s aber natürlich noch nicht, LONG DISTANCE CALLING kehrten noch einmal ins blaue Licht zurück, hatten zudem ganz tief in der bandeigenen Plattenkiste gekramt und mit „The Metulsky Curse“ ein Lied ausgewählt, das erstmals 2006 auf dem limitierten Demo „DMNSTRTN“ zu hören war. Nach einem beinahe lieblichen Einstieg sorgte der Song für proggige Momente und zu guter Letzt auch noch einmal für eine volle Breitseite. Ein toller Schlusspunkt nach kurzweiligen und energiegeladenen 90 Minuten, die mit letzten Verbeugungen und einem Foto der restlos begeisterten Zuschauerschaft endeten. LONG DISTANCE CALLING hatten einmal mehr bewiesen, dass Gesang nicht unbedingt von Nöten ist und mit ihrem instrumentalen Prog-Post-Rock für absolute Begeisterung gesorgt.

Setlist LONG DISTANCE CALLING

  • Into The Black Wide Open
  • Ascending
  • Trauma
  • In The Clouds
  • Black Paper Planes
  • Ductus
  • I Know You, Stanley Milgram!
  • Out There
  • Skydivers
  • Arecibo (Long Distance Calling)
  • The Very Last Day
  • The Metulsky Curse

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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