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LONG DISTANCE CALLING – SÓLSTAFIR – AUDREY HORNE

Ort: Münster - Sputnikhalle

Datum: 01.03.2013

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, seit das dritte, selbstbetitelte LDC-Album in die Läden gekommen ist. Damals wurde natürlich zu einer heimischen Record-Release-Party eingeladen, genauso wie heuer, da es den vierten Longplayer der Münsteraner Post-Rocker zu feiern galt. Ausgetragen wurde das Konzert dieses Mal in der Sputnikhalle am Hawerkamp, wo sich bei meiner Ankunft gegen 19.20 Uhr eine lange Schlange Richtung Einlass wand, denn der Laden war komplett ausverkauft, weshalb es auch noch ein bisschen dauern sollte, bis ich mich tatsächlich in dem alten Industriegemäuer wiederfand.

Als es dann endlich so weit war, hatten AUDREY HORNE schon zu spielen begonnen. Die Norweger haben Anfang Februar ihre vierte Full Length „Youngblood“ veröffentlicht und präsentierten den Westfalen zu Beginn den krachenden Opener der Langrille. „Redemption Blues“ wurde vom Titeltrack gefolgt, der es etwas weniger hart angehen ließ, ehe „Pretty Little Sunshine“ Classic-Rock-Sounds in den Mittelpunkt rückte. Das druckvolle „This Ends Here“ ging umgehend ins Bein, bevor das knackige „That Goes A Lady“ den anwesenden Damen gewidmet wurden, die heute übrigens deutlich in der Minderzahl waren. Mit „The King Is Dead“ legten die Nordmannen einen wummernden Start hin und taten alles, um das Auditorium auf Betriebstemperatur zu bringen. So machten die drei Herren an den Langäxten (Bassist Espen Lien ist erst seit dem vergangenen Jahr mit am Start und betätigte sich mitunter auch als Sänger), hinter der Schießbude und der Mann am Mikro mit „Straight Into The Grave“ erneut Tempo, um im Anschluss schnell noch ein Foto vom Publikum zu schießen. Nach einer guten halben Stunde endete das Set mit „Blaze of Ashes“, das als einziger Track nicht vom aktuellen Silberling stammte, sondern dem selbstbetitelten Vorgänger aus 2010 entnommen war. Verbunden war der Song mit der Aufforderung des Sängers Torkjell Rød: „Put your dancing shoes on!“ und in der Tat machten der hauptamtliche Tätowierer und seine Mitstreiter auch auf der Zielgeraden keine Gefangenen und lieferten ein fettes Finale ab. Es war ein gelungener Auftakt, den die seit 2002 agierende Kapelle da abgelegt hatte. Wer sich fragte, woher ihm der Bandname bekannt vorkam, hat vermutlich in den Neunzigern mit Begeisterung „Twin Peaks“ gesehen, dort gab es nämlich eine Person, die AUDREY HORNE hieß und den Fünfer inspiriert hat, sich ebenso zu nennen.

Setlist AUDREY HORNE
Redemption Blues
Youngblood
Pretty Little Sunshine
This Ends Here
That Goes A Lady
The King Is Dead
Straight Into Your Grave
Blaze of Ashes

SÓLSTAFIR wiederum ist isländisch und heißt „Strahlenbündel“. Womit wir auch gleich geklärt hätten, woher die nächste Truppe kam, die um 20.30 Uhr nach einer kurzen Umbaupause die Stage enterte. Die Namen der vier Reykjaviker sind ebenso unaussprechlich wie einige ihrer Songtitel: Aðalbjörn Tryggvason (Gesang & Gitarre) und Guðmundur Óli Pálmason (Drums) haben SÓLSTAFIR 1994 aus der Taufe gehoben, 2002 kam am zweiten Sechssaiter noch Sæþór Maríus Sæþórsson hinzu, außerdem wurde die Bassposition mit Svavar Austman (heute Abend mit neckischen Zöpfen angetan) neu besetzt. Im gleichen Jahr erschien auch das Debüt „Í Blóði og Anda“, dem bislang noch drei weitere Platten folgen sollten. Zuletzt wurde 2011 „Svartir Sandar“ veröffentlicht, das in einer ehemaligen Schwimmhalle in der Nähe der isländischen Hauptstadt aufgenommen wurde und dessen Opener nach einem Intro auch als atmosphärisches Entree in den SÓLSTAFIR-Live-Kosmos diente. Schon bald ging das Quartett in die Vollen und servierte spannungsreiche Instrumentalkost, die hier und da vom (Schrei-)gesang des Herrn Tryggvason garniert wurde. Damit hatten die Jungs das Publikum ruckzuck in ihren Bann gezogen und ernteten reichlich Applaus, den es auch für das folgende, blitzschnelle „Svartir Sandar“ vom genannten Konzeptalbum gab. Die Bühnenbeleuchtung hatte vom kühlen Blau inzwischen ins warme Rot gewechselt, was beim bärtigen Sæþór Maríus Sæþórsson jedoch für keinerlei Änderung der stoischen Mimik sorgte – vermutlich war er auch einfach zu sehr damit beschäftigt, sein Instrument zu bearbeiten und das Plektron im Mund zu behalten. Mit ihren Krachlatten hatten die Isländer seit ihrer Ankunft in Deutschland eh Pech, da beide Gitarren kaputt gegangen waren, sodass Aðalbjörn sich seinen Sechssaiter schließlich bei AUDREY HORNE borgen musste, weshalb ihnen aber auch gleich die wirklich geile Nummer gewidmet wurde. Mit Begeisterung wurde von den Anwesenden wenig später das fette „Fjara“ aufgenommen, das noch einmal alle Metal-, Pagan-, Post- und Psychedelic-Rock-Register zog, bevor es bereits an den letzten Song des Abends ging. Nun war es keineswegs so, dass die Isländer nur eine Spielzeit von vielleicht 20 Minuten bekommen hätten; ihre Lieder sind einfach ein wenig länger als üblich und so kamen die Herrschaften mit einer doch eher übersichtlichen Tracklist mit vier Stücken auf insgesamt 45 Minuten, die sie wahrlich zu nutzen wussten. Nach einem großen Schluck aus der Jim-Beam-Flasche gab’s mit „Goddess of The Ages“ noch einmal die volle Breitseite, für die der Mann am Mikro sein Instrument weglegte und sich stattdessen die Island-Fahne schnappte, die jemand im Publikum dabei hatte, um im Anschluss noch einmal zum Whiskey zu greifen, von dem auch der Bassmann etwas eingeflößt bekam, ehe Kollege Tryggvason noch einmal auf Tuchfühlung mit den Fans ging. Eine großartige dreiviertel Stunde, die eindeutig Lust auf mehr machte. Insofern passt es gut, dass SÓLSTAFIR versprochen haben, nach ihren Gigs mit LONG DISTANCE CALLING irgendwann auf Headliner-Tour zurück nach Deutschland zu kommen.

Setlist SÓLSTAFIR
Ljós I Stormi
Svartir Sandar
Fjara
Goddess of The Ages

Zunächst stand aber erst einmal der Headliner des heutigen Abends auf dem Programm: LONG DISTANCE CALLING brauchten ebenfalls nur kurz für den Change over und schon standen die Heimspieler auf der Bühne. Neu dabei war Martin „Marsen“ Fischer, der die Tasten und Regler des ausgeschiedenen Reimut van Bonn übernommen hat und zudem der erste Sänger ist, den LONG DISTANCE CALLING fest engagiert haben. Bis der Herr seinen ersten Einsatz am Mikro hatte, dauerte es jedoch noch ein bisschen, denn LDC starteten zunächst in schöner instrumentaler Tradition und ließen mit „Nucleus“ von ihrem jüngsten Baby auch gleich mal nichts anbrennen. Das sich anschließende „The Figrin D’an Boogie“ war mit der Aufforderung zum Klatschen verbunden, was sich die Fans wiederum nicht zweimal sagen ließen. Auf und vor der Stage war man bester Stimmung und so wurde auch der abwechslungsreiche Titeltrack „Inside The Flood“ mitsamt Gesang abgefeiert. Marsen blieb dabei im Hintergrund, machte seine Sache jedoch ausgesprochen gut, ehe er beim Klassiker „Black Paper Planes“ vom 2009er „Avoid The Light“ seine Stimme wieder schonen konnte. Wer bei diesem Stomper nicht mit dem Kopf nickte, war definitiv bereits tot, gemessen am Beifall, den es für die Nummer gab, war die Zuschauerschaft in der Sputnikhalle jedoch äußerst lebendig. Das ebenfalls neue „Ductus“ begann derweil zunächst etwas ruhiger, nahm dann aber schnell wieder Fahrt auf, genau wie es auch bei „Tell The End“ nach einem langsamen, aber knackigen Start schon bald wieder amtlich (und mit Gesang) was auf die Fresse gab. „Aricebo (Long Distance Calling)“ vom s/t-Silberling aus 2011, der bis auf #36 der Charts vorrücken konnte, brachte Bewegung ins Spiel und bekam reichlich Applaus, ehe die Bühnenausleuchtung ins unterkühlte Blau wechselte, was hervorragend zur Stimmung von „Aurora“ passte, das dem ersten LDC-Longplayer „Satellite Bay“ (2007) entliehen war. Die beiden Gitarren von David Jordan und Florian Füntmann hielten sich an dieser Stelle ebenso wie der Tieftöner von Jan Hoffmann und die Schießbude von Janosch Rathmer zurück, um am Ende doch wieder Gas zu geben. In diesem Sinne schloss sich auch The Man Within“ mit einer vollen Breitseite an, wobei der „Neue“ auch hier noch einmal seine Vocals hören ließ. Mit „Metulsky Curse Revisited“ gab es noch einen rhythmusbetonten alten Bekannten auf die Ohren und schon waren 80 Minuten wie im Flug vergangen. Tosender Jubel und Zugaberufe begleiteten das Quintett von der Stage, die sie natürlich alsbald wieder betraten, um mit „Apparitions“ groovig nachzulegen. Der Abschied wurde lang und grandios und trotzdem die Deadline 23.00 Uhr inzwischen überschritten war, entschlossen sich die Jungs, noch einen Song rauszuhauen,, weshalb sich die Fangemeinde noch über das allererste Lied freuen durften, das LONG DISTANCE CALLING überhaupt als Band geschrieben haben: „Fire In The Mountain“ war angesagt und fand größtmögliche Zustimmung unter den Anwesenden, die sich über einen emotionsgeladenen Abschluss mit jeder Menge Dynamik freuen konnten.

Setlist LONG DISTANCE CALLING
Nucleus
The Figrin D’an Boogie
Inside The Flood
Black Paper Planes
Ductus
Tell The End
Arecibo (Long Distance Calling)
Aurora
The Man Within
Metulsky Curse Revisited

Apparitions

Fire In The Mountain

Besser kann ein Wochenende gar nicht eröffnet werden, als mit so einer Trilogie, wie sie AUDREY HORNE, SÓLSTAFIR und LONG DISTANCE CALLING abgeliefert haben. Die Umbaupausen waren angenehm kurz (dafür war es bei den ersten beiden Bands noch ziemlich eng auf der Stage, weil LDC schon wesentliche Teile ihres Equipments aufgebaut hatten) und was musikalisch geboten wurde, war sowieso über jeden Zweifel erhaben. LONG DISTANCE CALLING wissen auch mit Sänger zu gefallen und was instrumental an diesem Abend abgeliefert wurde, konnte sich absolut hören lassen. Alle drei Kapellen sollte man auf jeden Fall im Auge behalten!

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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