Konzert Filter

LONG DISTANCE CALLING

Ort: Hannover – Béi Chéz Heinz

Datum: 26.11.2015

“Die neue CD ist fertig und es wird wieder Zeit, auf die Bühne zu gehen!“ – haben LONG DISTANCE CALLING uns wissen und ihre kleine Herbst-Tour im gut gefüllten Keller von Chez Heinz in Hannover beginnen lassen. Seit nunmehr neun Jahren kracht es bei den Westfalen nach allen Regeln der Post-Rock-Metal-Kunst und mit ihren bislang vier Alben haben sich Dave (Dave), Flo (Gitarre), Janosch (Drums) und Jan (Bass) zwischenzeitlich zu einer festen Genre-Größe gemausert. Seit dem letzten Longplayer „The Flood Inside“ aus 2013 setzen LDC verstärkt auf Gesang, weshalb Marsen (Vocals & Keys) neu in die Mannschaft aufgenommen wurde. An diesem Donnerstag in Hannover war er allerdings nicht mit von der Partie war, denn die Herrschaften spielten sich instrumental durch ihre absolut hörenswerte Diskografie und hatten dabei sichtlich Spaß!

Zunächst einmal nahm um 20.15 Uhr der Kollege Rathmer seinen Platz hinter der Schießbude ein, um dort ziemlich schnell klar zu machen, dass heuer keine Gefangenen gemacht wurden. Die hinzueilende Langaxt-Fraktion sah das nicht anders und so wurde mit „Into The Black Wide Open“ vom 2011er „Long Distance Calling“ auf der rot ausgeleuchteten Bühne gleich richtig Alarm geschlagen. Das nachfolgende „The Figrin D’an Boogie” stand dem in nichts nach und auch „I Know You, Stanley Milgram!“, das 2009 auf „Avoid The Light“ das Licht der Plattenläden erblickt hatte, wusste mit seinem unterschwelligen Pluckern und mitunter ruhigeren Passagen restlos zu begeistern. Wobei es doch sehr relativ ist, bei LDC von ruhigeren Momenten zu sprechen. Die unbändige Energie brodelt immer im Hintergrund, so auch beim vielfältigen „Ductus“ vom letzten Studio-Silberling, das von einer prägnanten Rhythmus-Abteilung getragen wurde, geheimnisvolle Gitarren Platz bot und im Laufe des Vortrages erneut amtlich was auf die Mütze gab. Mit „Fire In The Mountain“ ging’s schließlich ganz weit zurück zu den Anfängen der Kapelle, denn dieses Stück vom 2007er Debüt „Satellite Bay“ war die erste Nummer, die überhaupt als Band entstanden ist und zweifellos zeigt der Song auch heute keinerlei Abnutzungserscheinungen! Neueren Datums ist hingegen „NH 0713“, das im vergangenen Jahr auf der Jam-EP „Nighthawk“ veröffentlicht wurde. Das Grummelmonster spielte gekonnt mit den Geschwindigkeiten, während die Stage in kühlen blaues Licht getaucht wurde, bevor der temperamentvolle Kopfnicker „Black Paper Planes“ für Abwechslung sorgte. Einen kleinen Ausblick auf die neue Langrille, die fürs erste Halbjahr 2016 avisiert wurde, gab’s dank „Trauma“ auch bereits und während Lichtgewitter über die Bühne zuckten, durften sich die Anwesenden vermittels ausufernder Gitarrenbreitseiten davon überzeugen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Das knackige Lied machte Lust auf mehr, läutete nach einer Stunde Spielzeit jedoch zunächst einmal eine kleine „Rauchpause“ ein.

Ein Viertelstündchen später eröffnete „Jungfernflug“ die zweite Halbzeit zunächst ein wenig verhaltener, um am Ende aber natürlich wieder ab durch die Mitte zu gehen, wohingegen das krachende „Invisible Giants“ aus dem Stand in die Vollen ging und „Timebends“ gehörig groovte. Mit „Arecibo“ stand derweil ein liebgewonnener Klassiker mit jeder Menge Schmackes auf der Setlist, dem die eruptiven Sounds von „Metulsky Curse Revisited“ – ein wahrer Gänsehaut-Garant – in nichts nachstanden. Blieben noch die sphärischen Klänge von „Apparitions”, die sich in gewaltigen Klangkaskaden entluden, ehe sich der Vierer abermals für einen kurzen Break ins Off verabschiedete.

Für die Nachspielzeit hatten sich LONG DISTANCE CALLING einen Song aufgehoben, den sie erst einmal live gespielt hatten. Das war am 18.02.2011 im heimischen Skaters Palace und ich hatte das Vergnügen, dabei zu sein. Es war mir auch heute wieder eine Freude, den vertrackten Melodien der ausufernden Nummer zuhören zu dürfen, mit der sich LDC schließlich um 22.45 Uhr von ihren begeisterten Fans verabschiedeten. Drummer Janosch spielte noch kurz weiter, während die Mannen in der ersten Reihe ihre Instrumente zum Zwecke einer finalen Rückkopplung vor den Verstärkern platzierten. So ging ein großartiger Konzertabend zu Ende, der ganz dringend nach einer Wiederholung verlangt! LONG DISTANCE CALLING haben glücklicherweise versprochen, im kommenden Jahr viel häufiger zu spielen – schließlich will ja auch das neue Baby präsentiert werden. Ich bin dabei, so viel steht fest!

Setlist
Into The Black Wide Open
The Figrin D’an Boogie
I Know You, Stanley Milgram!
Ductus
Fire In The Mountain
NH 0713
Black Paper Planes
Trauma

Jungfernflug
Invisible Giants
Timebends
Arecibo
Metulsky Curse Revisited
Apparitions

Beyond The Void

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu LONG DISTANCE CALLING auf terrorverlag.com