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LORD OF THE LOST – JESUS ON EXTASY

Ort: Hamburg – Headcrash

Datum: 15.09.2011

Es ist der Auftaktgig der Tour, die LORD OF THE LOST als Headliner geben. Direkt nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Antagony“ waren sie noch als Support für MONO INC. unterwegs, jetzt sind es die wiederauferstandenen JESUS ON EXTASY, die bei ihnen die Ehre haben, den Aufwärmer zu geben. Von der JOE-Urbesetzung ist nur noch Gitarrist Chai Deveraux übrig, und für Sängerin Manja (sehr sexy im schwarzen Lack-und-Lace-Einteiler) und Bassist Chris ist es heute der erste richtige Auftritt mit der Band. JESUS ON EXTASY nutzen die Gelegenheit, um ihr demnächst erscheinendes neues Album „The Clock“ ausführlich vorzustellen. Die Klangfarbe der Band hat sich geändert, schon allein deswegen, weil es jetzt weiblichen Leadgesang gibt, aber es klingt insgesamt auch etwas härter – das mag allerdings auch daran liegen, dass das Schlagzeug im Mix sehr dominiert und alles sehr wuchtig klingt. Manjas Stimme kommt manchmal schwer gegen den harten Soundteppich an und klingt auch streckenweise reichlich schrill, als Frontfrau kann sie allerdings ohne weiteres überzeugen. Kleine Unsicherheiten sind zwar noch zu spüren, aber insgesamt kommt ihr melodischer Darkwave gut an. Ein Großteil der neuen Songs ist der dunklen Melancholie verhaftet, aber bei „Freak Me Out“ geht es mit harten, treibenden Rhythmen voran, und beim ruppigen „Vendetta“ klatschen schnell alle mit. „Vielen lieben Dank, ihr seid ein ganz tolles Publikum“, bedankt sich Manja, bevor JESUS ON EXTASY mit „Heartless“ den letzten Song anstimmen.

Setlist JESUS ON EXTASY
Forever Now
Freak Me Out
Lost In Time
Nothing To Care For
Vendetta
Pulse
Heartless

Wenig später kündigt eine neue Stadion-Dosis Trockeneisnebel dann die Headliner des heutigen Abends an. Inzwischen ist es im Headcrash gesteckt voll: Wahrscheinlich hätten LORD OF THE LOST zumindest hier in ihrer Heimatstadt auch ohne weiteres einen größeren Club ausverkauft. Wenn man die Band schon mal auf einer größeren Bühne gesehen hat, kommt man nicht umhin zu bedauern, dass die sechs Musiker heute recht wenig Platz haben, um sich auszutoben. Chris „The Lord“ Harms macht das Beste aus der bierdeckelgroßen Fläche hinter dem Mikrofon – er hat das Publikum sofort im Griff. Frisch blondiert, wie seine Mitstreiter mit viel Farbe großflächig angeschwärzt, wirkt er tatsächlich wie der fleischgewordene Herr der Verlorenen, dem man auch charmante Absichtserklärungen wie „undead or alive, I’ll fuck you to death“ ohne weiteres abnimmt. Ein paar der Ladies ganz vorn vor der Bühne halten passend dazu die frisch am Merchandise-Stand erworbenen LORD-OF-THE-LOST-Höschen hoch. Den Anfang macht allerdings zunächst „We Are The Lost“, das sich als idealer Opener nicht nur für das zweite Album, sondern auch für die Show erweist. Wie schon bei JESUS ON EXTASY ist der Sound auch jetzt reichlich schlagzeuglastig, und Harms’ Growls kommen streckenweise nur sehr leise rüber. Der Dynamik und Energie, die von der Bühne rüberschwappt, tut das keinen Abbruch. Großartig und berührend kommt bei „Prison“ der hymnische Refrain „What is heaven for“, und dass Harms sich inzwischen aus der Fetzenjacke gepellt hat und nun im strategisch zerrissenen T-Shirt weitersingt, stört auch niemanden, schon gar nicht den weiblichen Teil des Publikums. Bei den etwas langsameren Songs wie dem düsteren „Antagony“ sind dann auch alle Blicke auf ihn gerichtet. Bei „Death Doesn’t Kill You But I Do“ zieht das Tempo jedoch wieder mächtig an, und damit rücken vor allem Gitarrist Sebsta Lindström und Bassist Class Grenayde mehr in den Mittelpunkt.

Der Set steht ganz im Zeichen des aktuellen „Antagony“-Albums, aber die Band stellt auch schon wieder einen ganz neuen Song vor, „The Pendulum Of Death“, der mit seinem leisen Orgelintro, Akustikgitarrensound und schwingender Melodie durchaus neugierig darauf werden lässt, wie sich solche gängigen Töne auf dem nächsten LOTL-Werk machen werden, Totenglocke hin oder her. „Ihr könnt die Zunge in eurem Partner drin lassen“, rät Harms, bevor mit „Till Death Us Do Part“ dann wieder etwas Vertrautes kommt, eine herrlich schwergängig romantische Nummer, bei der sich Harms gelungen dramatisch inszeniert, indem er zwischendurch immer wieder seine Bandkollegen singen lässt und währenddessen mit zurückgelegtem Kopf und ausgebreiteten Armen still am Mikrofon steht. LORD OF THE LOST wissen genau den richtigen Mix zwischen harten, tanzbaren Songs und melancholischer Tristesse zu zelebrieren und beherrschen die Kunst, das Publikum peinlichkeitsfrei mit einzubeziehen (bei „Dry The Rain“ singt der ganze Club auch ohne Extraaufforderung mit). Die echten Höhepunkte haben sie sich natürlich für den Schluss aufgehoben: Ihre Version des Lady-Gaga-Hits „Bad Romance“ hat längst Kultstatus, und „Sex On Legs“ schickt sich an, die LOTL-Hymne überhaupt zu werden.

Zur Zugabe kommt erst einmal Keyboarder und Perkussionist Gared Dirge allein auf die Bühne: „Wollt ihr das wirklich“, fragt er rhetorisch, „wirklich wirklich?“ Und um das begeistert „Jaaaa“ brüllende Publikum erst einmal wieder ein wenig abzukühlen, folgt das ruhige, klavierdominierte „Sober“, zu dem dann schließlich auch Chris Harms zurückkehrt, um getragen und gefühlvoll auf der fast dunklen Bühne vom eigenen Scheitern zu singen. Das ist Gänsehaut pur. Aber: „Einen haben wir noch!“ „Revelation 13:18“ bildet einen fulminanten Schlussakkord, vom stimmungsvollen Orgelintro bis zu den Schlagzeugattacken, bei denen sich Any Wayst die Seele aus dem Leib trommelt. Das Headcrash bebt. Noch einmal tauchen alle in das Soundinferno ein, das LORD OF THE LOST so gekonnt entfesseln.

Eine letzte Verbeugung, und dann sind sie weg. Wie jetzt – das sollen 105 Minuten gewesen sein?

Setlist LORD OF THE LOST
We Are The Lost
Do You Wanna Die Without A Scar
Undead Or Alive
Fragmenting Facade
Prison
Antagony
Son Of The Dawn
Death Doesn’t Kill You But I Do
Inferior
The Pendulum Of Death
Till Death Us Do Part
Prologue
Epiphany
Break Your Heart
Last Words
Dry The Rain
Bad Romance
Sex On Legs

Sober
Revelation 13:18

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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