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LOSTALONE – THE STRAND ARCADE

Ort: Herford - X

Datum: 01.12.2007

LOSTALONE dürfen sich ohne Zweifel zu den Abräumern der diesjährigen Festival-Saison zählen. Leider fiel der Großteil ihrer Performance beim Serengeti-Festival ins Wasser, so dass wir dem quirligen britischen Trio bei der nun laufenden Clubtour gerne nochmals unsere Aufwartung machten. Gleichgesinnte konnten wir an diesem Abend in etwa 70 bis zum Anschlag durchgestylten Emo-Girlies finden, plus ein paar Versprengte, die die Zuschauerzahl aber noch im zweistelligen Bereich beließen. Eine Menge also, die sich im Herforder X doch als recht mickrig ausmacht, am Abend zuvor hatte man Osnabrück jedoch vor etwa gleicher Anzahl gerockt.

Für sicherlich ihr eigenes wie unseres Vergnügens haben sich die Jungs ein paar Kumpels aus der Nachbarschaft mitgenommen. THE STRAND ARCADE, die pünktlich um 20 Uhr die Bühne betraten, stammen auch aus Derby, UK, und bislang noch ohne Plattenvertrag. Eine auf 100 Stück limitierte EP mit handgemaltem Cover wurde am Merch heftigst angepriesen und fand an diesem Abend auch einige Abnehmer. Zu Recht, denn das Quartett wusste 25 Minuten lang munter einzuheizen. Los ging es mit zwei fluffigen Titeln im Stile der FALLOUT BOYS oder PLAIN WHITE T’s, gefolgt von „Broken morning“, das etwas düsterer und mit leichtem Wavetouch ausfiel. Dabei agierten Jimi, Jon, Lee und Andy selbstbewusst, aber mit der nötigen Zurückhaltungen, dem Headliner nicht die Show zu stehlen. Mit „Demons“ hatte man auch eine emotionale Hymne im Gepäck, bei der besonders Drummer Lee eine gute Performance ablieferte. Bei der abschließenden Upbeat-Nummer „Out tonight“ wippten die Mädels der ersten Reihe schon mal schön mit. Ein kurzer, aber gelungener Einstand eines fitten Vierers und damit auch ein Gegenbeweis zur These, in Derby bekäme man nicht ausreichend zu Essen. Eine Befürchtung, die man beim Anblick der spindeldürren Lostalone-Boys nach wie vor nicht los wird.

Setlist THE STRAND ARCADE
Holiday show
Ghosts
Broken morning
Stitches
Demons
Out tonight

Nach kurzen Umbauaktivitäten hieß es trotzdem noch bis 21 Uhr warten, ehe der Headliner unter Gejohle und Gekreische loslegte und jedem gleich klar wird, warum kein Gramm Fett an die Jungs kommt. Sänger und Gitarrist Steven Batelle rannte von der ersten Sekunde an wie ein Derwisch über die Bühne, diesmal mit einer breitgestreiften schwarz weißen Jacke bekleidet, das rechte Knie zum Schutz oder Spaß mit Knieschoner versehen. Mark Gibson und Bassist Tom Kitchen machten es dem Fronter im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach, wobei Tom sich mehrmals in seinem Kabel zu verheddern drohte. Mit „Genevieve”, “Unleash the sands of all time” und “Elysium” brach gleich ein Hitgewitter über die kreischende Emoschar herein, die dem energetischen Fronter sofort verfallen zu sein schien. Erwähnt seien hier 3 weibliche Die-Hard-Fans, die sich eine jede einen Teil des Albumtitels aufs T-Shirt geschrieben hatten und somit ihre Positionen nicht verändern durften, um den Slogan „Say no to the world“ lesbar zu machen. Mit großer Pose entledigte sich Steven alsbald seiner Jacke und bei „Music and warm bodies“ unterbrach er, um auch noch die letzten zurückhaltenden Zuhörer näher an die Bühne zu bitten. Nun werden dem Trio fast alle verfügbaren Hände im X zugereckt, ehe „Ethereal“ ein wenig das Tempo drosselte. Aber auch hier ist der Fronter um keine große Geste verlegen, lieh sich beim Support eine Bierflasche, um mit dieser weiter seine Gitarre zu bearbeiten. Und trotzdem alle Drei ja ihre Gesichter zum Großteil unter ihren schwarzen Matten verstecken, man spürte, dass die Jungs jede Sekunde der Euphorie genießen. So wurde sich Schlag auf Schlag weiter durchs Debutalbum gerockt, dass wir nach einer knappen Stunde fast vollständig zu Gehör bekommen hatten. Zu „Standing on the ruins of a beautiful empire“ wurde noch mal alles gegeben, Steven verlor im Eifer des Gefechts seinen Sneaker, wurde von seinen Support-Kumpeln mit Gegenständen vom Bühnenrand beworfen – eine musikalische Kissenschlacht.

Und die Mädchen wollten natürlich noch weiter ihre Haarschleifchen fliegen lassen und forderten lautstark eine Zugabe, die mit „Honey“ und dem gar nicht leisen „Silence“ nur allzu gerne gegeben wurde. Während sich der restliche Laden auf den nun folgenden Diskobetrieb vorbereitete, harte ein beachtlicher Teil der Mädchen mit Kamera und Edding in zitternden Händen auf Treffen mit ihren Idolen. Mark und Tom waren alsbald dicht umlagert, Steve jedoch ließ divenhaft auf sich warten. An dieser Stelle klingten wir Altvorderen uns aus dem Geschehen aus, um den Abend in gemäßigteren Dezibelbereichen ausklingen zu lassen.

Setlist LOSTALONE
Genevieve
Unleash the sands of all time
Elysium
Escape
Music and warm bodies
Ethereal
Gospel
Our bodies will never be found
Lost Alone
History
Blood is sharp
Standing on the ruins of a beautiful empire

Honey
Silence

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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