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LUXUSLÄRM – REDWEIK

Ort: Delbrück – Stadthalle

Datum: 11.04.2014

Wenn in der direkten Nähe des Terrorverlag-Headquarters schon mal ein Act von überregionaler Bedeutung aufschlägt (Bielefeld sei jetzt mal außen vor gelassen), ist Anwesenheit natürlich Pflicht. Und so begab es sich, dass der wackere Redakteur nach einem gelungenen Konzertabend mit DIARY OF DREAMS am Vorabend den Weg in das beschauliche Delbrück antrat. Ein nettes kleines Städtchen mit gut 30.000 Einwohnern zwischen Lippstadt, Paderborn und Gütersloh. Und mit einem recht interessanten Kulturprogramm, die Verantwortlichen scheinen mit viel Engagement zu arbeiten. Vor 5 Jahren war ich dort bereits Zeuge der MÜNCHENER FREIHEIT (ja, das stehe ich zu), dieses Mal sollte es aber ein wenig zeitgeistiger werden. LUXUSLÄRM aus Iserlohn hatten sich angesagt, bzw. Paderborn, der Heimat des seit 2011 im Line Up befindlichen David Müller. Aufgrund von privaten Verpflichtungen erreichte ich die örtliche Stadthalle erst gegen 20 30 Uhr, so dass der durchaus interessante Opener leider schon in den letzten Zügen spielte.

„REDWEIK – Deutsche Texte, internationaler Sound“. So wird die noch recht junge Münchener Band im Weltnetz beschrieben. Dahinter verbergen sich der Namensgeber Robert Redweik (Gitarre, Gesang), Christoph Werner (Gitarre 2), Severin Gasteiger am Schlagwerk und Bassist Tom Rohloff. Das optisch nett anzusehende Quartett wurde offensichtlich von den anwesenden Mädels bestens angenommen, für einen Support Act war die Stimmung in der gut gefüllten Halle (500 plus) bereits sehr beachtlich. Die Süddeutschen haben Ende Februar ihr Longplayer Debüt „Keine Liebe“ veröffentlicht. Zudem existiert noch eine EP namens „Maschine“ aus dem Vorjahr. Neben Auftritten in Vorabend-Reality-Serien konnten REDWEIK bereits bekannte Kollegen wie BAKKUSHAN oder STANFOUR begleiten, womit auch der Soundkosmos ausreichend beschrieben ist. Die Musikwelt wird man nicht revolutionieren, doch für Achtungserfolge in der Zielgruppe könnte es reichen.

Die anstehende Pause erlaubte ein wenig den Blick in das weite Rund. Wie sieht der gemeine LUXUSLÄRM-Fan aus? Auf jeden Fall eher weiblich und eher jung. Die eine oder andere hatte auch den Freund als Verstärkung mitgebracht. Jini Meyer und Co. konnten sich in den letzten Jahren ganz offensichtlich in der deutschen Musik-Szene etablieren, die Chartplatzierungen der Alben verbesserten sich von Mal zu Mal, das frische Werk „Alles was du willst“ erreichte immerhin Rang 4. Sobald der 5er sich auf der Bühne präsentierte, wurde auch klar warum. Die Combo spielt sich live den Arsch ab, man gibt offensichtlich 110 Prozent, um seine Fanbase zufriedenzustellen. Auch die Lautstärke war mehr als ordentlich, und das wo der Schreiber zum ersten Mal seit langer Zeit seinen Alters-Gehörschutz vergessen hatte. Nun denn – konnte man sich dann auch am nächsten Tag noch dran erfreuen… Was mir bei LUXUSLÄRM auf Platte bereits aufgefallen war, setzte sich live fort. Im Vergleich zu weiblich gefronteter deutschsprachiger Konkurrenz wie SILBERMOND, JULI und Co. besitzen die Sauerländer einen leichten Proll Metal Touch. Das hört sich jetzt etwas despektierlich an, ist aber gar nicht böse gemeint. Jini bekommt von mir den DORO PESCH-Gedächtnis-Preis und die beiden posenden Klampfer David und vor allem Freddy Hau könnten problemlos auch bei MANOWAR am Start sein oder zumindest in einer abgerissenen Grunge Combo. Durchaus nicht unsympathisch und eben sehr down to earth. Musikalisch gab man überwiegend Vollgas mit einer bunt durchgemischten Setlist, die alle bekannteren Titel der Luxuslärmer beinhaltete. Wie natürlich der erste große Erfolg „1000 km bis zum Meer“, „Mehr Gewicht“, wo Herr Müller den „coolen“ Rap Part übernahm (auf Platte ja ein Feature von CULTURE CANDELA) oder den Seitensprung-Bitch-Song „Liebt sie dich wie ich?“, bei dem die anwesenden Mädels ihren Hass auf womögliche Nebenbuhlerinnen in lautstarken Chorgesang ummünzen konnten. Dazwischen launige Ansagen zwischen Mitgefühl und Kumpelei. So machte man dem Auditorium den Vorschlag, die Band doch als Support in der nächsten Woche zu begleiten und dafür allesamt Urlaub zu nehmen. Aber hier und da gab es auch nachdenkliche bzw. ruhige Töne. So präsentierten Jini und Keyboarder Christian Besch gegen Ende des Sets einen Track ganz intim auf einer kleinen Bühne inmitten des begeisterten Publikums. Dazu wurde natürlich auch ein Selfie geschossen, offensichtlich der aktuelle Megatrend. Mit dem BACKSTREET BOYS-Klassiker „Everybody“ im hart gerockten Gewand bewies man erneute Wandlungsfähigkeit.

Die großen Stärken von LUXUSLÄRM: Authentizität, Bühnenschweiß, vergleichsweise „harte Gitarren“ und eine sich abrackernde Fronterin mit einer Power-Röhre, die sich gewaschen hat. Damit gewinnt man keinen Originalitätspreis, sichert sich aber eine eigene kleine Nische in der deutschen Musiklandschaft. Delbrück war an diesem Abend überzeugt und das lag nicht daran, dass sich ansonsten kaum namhafte Konkurrenz in die katholische Tiefebene verirrt…

Setlist LUXUSLÄRM
Intro/ Gib‘ mir einen Grund zu bleiben
Weisse Fahne
Ein neuer Morgen
Atemlos
Durchdrehen
Liebt sie dich wie ich?
…, dass du bleibst
1000 km bis zum Meer
Mehr Gewicht
Everybody (BACKSTREET BOYS Cover)/ Leb‘ deine Träume
Verschenkt
Nach einer wahren Geschichte
Du hältst die Zeit an
An dich
Regen, der nach oben fällt
Das letzte Mal
Einmal im Leben

Nichts ist zu spät
Unsterblich
Yeah, Yeah, Yeah (So könnte es immer sein)

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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