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M. WALKING ON THE WATER

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 19.03.2011

Vor 20 Jahren, es wird wohl der Sommer 1991 gewesen sein und ich befand mich am Ende meiner Adoleszenz, war ich auf einem Festival in Paderborn. Der Headliner waren die RED HOT CHILI PEPPERS, aber an deren Auftritt habe ich keinerlei Erinnerungen mehr. Ganz anders geht es mir mit M. WALKING ON THE WATER, die bei Sonnenschein irgendwann nachmittags den Festivalbesuchern ordentlich eingeheizt hatten und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen. Damals hatte ich die Vorstellung, in 20 Jahren wäre ich steinalt und würde meine Samstag Abende auf dem Sofa verbringen und „Wetten, dass…?“ schauen, aber es sollte zum Glück anders kommen. Jahrelang hatte man nichts mehr von den M.s gehört, bis Anfang des neuen Jahrtausends einige versprengte Konzerte die Hoffnung aufkeimen ließen, dass sich auch in Markus Maria Jansens „Dachapparat“-Studio was tun könnte. Und richtig, Anfang des Jahres erschien nach 15 Jahren mit „Flowers for the departed“ ihr zehntes Album, das sowohl Kritiker wie Fans begeistern konnte. Und nun sind sie wieder auf Tour, und das in ihrer Besetzung aus den 90ern: Sänger und Gitarrist Markus, der zwischenzeitlich mit Projekten wie JANSEN und COLLIE ELECTRIC am Start war und Theatermusik macht, Sänger und Akkordeonspieler Mike, der zwei Platten mit GLOSS aufnahm und alte Segelschiffe restaurierte, Drummer Martell, der mit DICK BRAVE tourte und sein erstes Buch „Unverarschbar“ veröffentlichte, Axel an der Geige, der mit James Last durch China reiste und Bassist Konrad, der eine Werbeagentur gründete und Jazz spielte.

Heute Abend stand die Lagerhalle Osnabrück auf dem Programm, in der sich gegen 20 Uhr ca. 200 Interessierte (u.a. XOTOX-Mastermind Andreas Davids) eingefunden hatten, darunter erwartungsgemäß wenig Jüngere als ich, mal abgesehen von der Tatsache, dass der ein oder andere Fan gleich seine Kids mitgebracht hatte. Pünktlich zur „Wetten, dass…?“ – Zeit ging es dann zunächst gemäßigt mit „Sundowndraft“ vom neuen Album los. Noch standen die Leute erwartungsvoll, aber mit 2 Meter Sicherheitsabstand vor der Bühne, doch diesen Raum sollten bei „Dust in the suitcase“ gleich ein paar bewegungsfreudige Menschen für sich in Beschlag nehmen – die Party war eröffnet. Bei „Adventure and narration“ vom 1991er Album „Elysian“ gesellten sich dann auch ein paar Nostalgiker dazu, die zu „Linda Lee“ weiter in Erinnerungen schwelgen konnten. Der Sound heute im Gegensatz zu Bremen top, die Band in bester Spiellaune und so ging es mit neuem Material in Form des psychedelischen „Questionmark“/ des ruhigen „Glitter“ weiter. Es reichten die ersten Takte von „Holy night of Rosemarie“ und die Fans feierten den Klassiker textsicher ab. Doch die neue Scheibe scheint ebenfalls schon Einzug in so manchen Haushalt gefunden zu haben, denn auch „Sing Sally“ kam gut an. Nun wurde es Zeit, mal die Glühbirnendeko an- und die Beine zu „Melittah“ ordentlich in die Luft zu werfen. Für ein wenig Abkühlung sorgte dann „Twist your head“. Markus hielt sich mit Ansagen sehr zurück, auch der Aufforderung, doch mal zu sagen, von welchem Album die alten Songs denn stammen würden, kam er in Ermangelung korrekter Erinnerung nur ungern nach, aber wozu hat man denn Anhänger in der ersten Reihe, die mit der Diskographie bestens vertraut sind? Und so ging es weiter mit „Fis“ und „Keep a file on“, beide vom 1997er Album „File“. Für „Misery“ ging dann mal Axel an die Keys, die neben dem Akkordeon ansonsten von Mike bedient wurden, so auch beim nun folgenden „Candle blue“. Doch mit „Anymore“ war der Tanz erneut eröffnet und es ging wieder zurück in die goldenen Zeiten vom 1989er Album „Pluto“. Auch „Soulmouth“ ist schon seit 1992 im Repertoire, während den Schluss wieder ein aktuelles Stück, nämlich „Bury me upright“ machte.

Die Jungs verließen die Bühne und Markus stolperte dabei unglücklicherweise über sein Gitarrenkabel, womit er so unspektakulär und ganz ohne Rockerattitüde mal eben seine Gitarre schrottete – shit happens! Doch zum Glück war noch ein weiteres Instrument mit im Gepäck (das war doch nicht etwa das Preisschild, das noch am Kopf baumelte?) und so ging es mit „Wooden Lady“ und „Soldier of love“ in den ersten Zugabenblock. Nochmals verließen die M.’s die Bühne, aber ein paar Klassiker standen ja noch aus. Sie sollten dann im zweiten Zugabenblock in Form von „Poison“ (einer meiner Alltime-Favs) sowie ihrem ersten großen Hit „Party at the cemetery“ folgen, garniert mit Solos aller Bandmitglieder. Doch die Fans sind von früher lange Konzerte gewohnt und noch hatte man die 2 Stunden-Marke noch vor sich, also auf in die dritte Runde, mit der man den Abend mit „True sun“ und dem „Dead president’s waltz“ locker ausschwingen ließ.

Gut, das hatten wir alles schon mal schweißtreibender und noch ausgedehnter erlebt, trotzdem ließ der Abend keine Wünsche offen. Die Balkenköpfe hatten um es mal mit Herrn Strunk zu sagen „geil abgeliefert“, alte wie neue Songs wurden gleichermaßen vom Publikum abgefeiert und vielleicht bin ich nicht der Einzige gewesen, der mit der tröstlichen Erfahrung nach Hause gefahren ist, dass das Leben jenseits der 40 noch eine Menge schöner Dinge bereit hält…

Sundowndraft
Dust in the suitcase
Adventure and narration
Linda Lee
Questionmark
Glitter
Holy night of Rosemarie
Sing Sally
Melittah
Twist you head
Fis
Keep a file on
Misery
Candle blue
Anymore
Soulmouth
Bury me upright

Wooden lady
Soldiers of love

Poison
Party at the cemetery

True sun
The dead president’s waltz

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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