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M. WALKING ON THE WATER – SISTER DEW (ESSEN ORIGINAL)

Ort: Essen - Kennedyplatz

Datum: 22.08.2008

Nachdem ich Tags zuvor noch bei angenehmen Temperaturen und niederschlagsfrei in Gütersloh Umsonst & Draußen–Musik genossen hatte, sollte es keine 24 Stunden später und 150 km weiter westlich ganz anders aussehen. Der Freitag ist bei Essens 3-tägigem Stadtfest „Essen Original“ traditionell der „Rock-Tag“ und in den letzten Jahren hatten hier in lauen Sommernächten z.B. DIE HAPPY den zum Bersten vollen Kennedyplatz gerockt. Doch heute präsentierte sich uns gegen 17 Uhr ein ganz anderes Bild. Der Platz vor der riesigen Hauptbühne gähnend leer und nur vielleicht 100 tapfere, interessierte Zuhörer, die unter den Bier- und Fressbuden ein wenig Schutz suchten. Wir waren eigens für SISTER DEW schon so früh erschienen, die nun gleichfalls tapfer in sommerlichen Outfits ihr Set mit „Kill the night“ eröffneten. Seit Andreas Suse am Schlagzeug ersetzt, setzt das Quartett zwar nicht mehr auf geschlossene Girl-Power, eine Umbenennung oder etwaige Power-Einbußen standen damit aber nicht auf dem Programm. Und so rockte sich Frontröhre Olga flankiert von ihrer Saitenfraktion Annett und Britta tight durchs Set, „Flachwitze“ inklusive. Neben den Sahnetücken aus dem 2006er Album „Comrades in solitude“ („Second skin“, „Papercut“, „Not there“) gab es mit „Great choice“ und „Out of reach“ auch neueres Material auf die Ohren, allen nicht Anwesenden sei hierfür ein Besuch der Myspace-Seite anempfohlen. Die angereiste Anhängerschaft der Schwestern spendete begeisterten Applaus und auch wenn man den Vieren mehr Zuspruch gewünscht hätte, schienen diese auch so ihren Auftritt auf der großen Bühne zu genießen (letztes Jahr war man noch auf einer der kleineren Nebenbühnen angetreten) und so zelebrierte Olga eine kleine Hommage an Elvis – The King. Nach einer halben Stunde war dann mit „Prince of the appletreetown“ leider auch schon Schluss. Wir werden die Schwestern weiterhin im Auge behalten und ihnen gerne mal wieder in Clubatmosphäre unsere Aufwartung machen.

Nachdem wir uns gute 2 Stunden für Aufwärmen und Trocknen, Tratsch und Nahrungsaufnahme zurückgezogen hatten, ging es nun auf der Main Stage mit einem Gig weiter, auf den ich mich besonders freute: M. WALKING ON THE WATER, einst die Indie-Heroen des Ruhrpotts, gaben nach gut 10 Jahren Bühnenabstinenz mal wieder ein Konzert. Dafür war mir keine Anfahrt zu lang. Neben Gründungsduo Markus Maria Jansen und Mike Pelzer waren auch Axel Ruhland, Martell Beigang und Konrad Mathieu aus der letzten aktuellen Besetzung mit an Bord. Zwar gehen 10 Jahre an niemandem von uns spurlos vorbei, doch hatte hier noch niemand Patina angesetzt. Voller Spielfreude brachten die Jungs ihre einst als „Short-Distance-Psycho-Folk“ bezeichnete Indie-Mucke unters Volk und ein paar Hundert waren trotz des miesen Wetters gekommen, um die Helden ihrer Jugend mal wieder live zu erleben. Da wurde nicht viel gequatscht, sondern lieber zu Fiedel und Akkordeon gegriffen und Mike und Markus teilten sich den Job am Mikro. Das Set kann denn auch nur als „Best of“ betitelt werden. Eingerahmt von den Frühwerken „Melitaah“ und ihrem ersten großen Hit „Party in the Cemetery“ gab es einen Querschnitt durch alle Erfolgsalben aus den Jahren 1988 – 1997. Sei es „Poison“, „Misery“ oder „Anymore“, es waren genügend mitgealterte Fans anwesend, um längst verloren geglaubtes Liedgut mal wieder lauthals mitzugrölen und ein wenig das Tanzbein zu schwingen. Und so schlug für einen Moment mit fast 40 in mir das Herz einer 20-jährigen. Das schafft wohl nur Musik (oder ein jugendlicher Liebhaber :)). Eine Stunde verflog wie im Sturm und eifrige Zugabenrufe konnten leider nicht erhört werden, denn mit dem letzten Ton von M. WALKING ON THE WATER enterten schon zahlreiche Helfer die Stage, auf der eine Viertelstunde später bereits POHLMANN seinen Auftritt haben sollte.

Setlist M. WALKING ON THE WATER
Melitaah
Skin on the cacao
Linda Lee
Elysian
Wooden lady
Adventure by boat
Dead president’s waltz
Holy night of rosemarie
Poison
Adventures and narrations
Misery
Soldier of love
Anymore
Party in the cementery

Zu Verdanken hatten wir diesen Reunion-Gig der Wirtin der Krefelder Kneipe „Blauer Engel“, einst Stammkneipe und Headquater der Ms, die zu ihrem 25-jährigen Kneipenjubiläum alle Jungs zusammengetrommelt hat mit der großen Bitte „Ihr müsst spielen“. Da hat man wieder Blut geleckt, wie mir Markus Maria anschließend erzählte. Nun folgt auch eine Club-Tour und da auch mir diese Stunde nicht reichte, werde ich diesbezüglich Augen und Ohren offen halten.

Wir überließen nun den Platz vor der Bühne den jungen, weiblichen Fans von POHLMANN („Ey, SIE da, können Sie mal den Schirm zu machen, ich kann ja gar nichts sehen“), der sein Set mit „Zwischen Heimweh und Fernsucht“ begann. Das hatte ich auch vor genau 24 Stunden schon in Gütersloh gehört. Und ewig grüßt das Murmeltier…

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