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M. WALKING ON THE WATER – PATRICK RICHARDT

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 03.03.2016

Wenn die Krefelder Indie-Urgesteine M. WALKING ON THE WATER eines ihrer seltenen Konzerte gleich um die Ecke geben, dann ist das für jemanden wie mich, der seine musikalische Sozialisation in den 1980/ 90ern im Ruhrgebiet genossen hat, wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Ihre Alben „Pluto“ und „Elysian“ gehören fest zum Soundtrack meines Lebens und auch das Spätwerk „Flowers for the departed“ rotiert bis heute gerne in meinem Player. Doch würden die „Balkenmänner“ mehr als ein paar versprengte Fans aus der Ü40-Fraktion ins Forum locken können? Ich wurde angenehm überrascht, denn mit ca. 150 Leuten war das Forum kommod gefüllt. Ein Blick auf den Parkplatz ließ Rückschlüsse auf einen größeren Einzugsbereich zu, vereinzelt wurde schon die nächste Generation mitgebracht, da kann man seinen Kids mal zeigen, wozu Mama und Papa vor über 25 Jahren so gezappelt haben.

Doch zunächst galt es den eher ruhigen Klängen von PATRICK RICHARDT zu lauschen, der um 21 Uhr mit Schiebermütze und Akustikklampfe die Bühne betrat. Der Liedermacher stammt auch aus Krefeld, darf sich über einen Plattendeal bei Grand Hotel van Cleef freuen, und hat neben KETTCAR oder den SPORTFREUNDEN STILLER auch schon für den Label-Chef persönlich THEES UHLMANN eröffnet. Für die M’s arbeitete der Endzwanziger heuer am Licht und nutzte nun die Gelegenheit, einige Songs aus seinem bald erscheinenden zweiten Album zu promoten, die vermutlich auf Namen wie „Farblos“, „Leinen los“ und „Hand auf’s Herz“ hören – kleine Alltagsbeobachtungen, charmant vorgetragen und mit warmherzigem Applaus bedacht.
 
Doch nun Bühne frei für M. WALKING ON THE WATER: Der Fünfer in langjähriger Stammbesetzung (Markus Maria Jansen und Mike Pelzig am Mic, Martell Beigang an den Drums, Axel Ruhland an der Violine und tja, an dieser Stelle streiten sich die Gelehrten eigentlich, Konrad Mathieu am Kontrabass, aber war der Herr mit Hipsterbart nicht vielleicht eher Jansenkumpel Philip Lethen?) spielte sich mit „Melitaah“ erst einmal ordentlich an seinen Instrumenten warm, dann schnappte sich Mike sein Akkordeon für „Adventures and narrations“. Das Publikum ging sofort begeistert mit, auch wenn sich die Songauswahl eher auf die ruhigeren Stücke des Bandrepertoires konzentrierte. Mit „Wooden lady“, „Sing Sally“ oder „Magic Forest“ waren alte, mittelalte und uralte Stücke gleichsam vertreten oder um es mit Markus Maria zu sagen: „Alte Geschichten von neulich“. Doch es gibt auch eine aktuelle Veröffentlichung, die man heute zu Gehör brachte: Das VISAGE-Cover „Fade to grey“ (als Verbeugung vor Sänger Steve Strange, der letztes Jahr mit 55 verstorben ist) natürlich – und für meinen Geschmack sehr gelungen- in den M.-Klangkosmos transferiert. Da alle fünf M’s über Deutschland verteilt wohnen und jeder noch seine eigenen Projekte am Laufen hat, gibt es keine offiziellen Probetermine mehr, doch die alten Klassiker wie „Holy night of Rosemarie“ oder „Misery“ klappten noch aus der Hüfte und fanden auch einige Mitsänger im Publikum. Mit „Pink pinks“ und „Soldiers of love“ hatte man weitere Asbach-uralt-Songs im Gepäck, die ich lange nicht gehört hatte und für die Mike sich an seiner Mundharmonika mächtig ins Zeug legte, ehe das Set im Hit „Party in the cemetery“ seinen Höhepunkt fand. Danach überließen Mike und Markus Maria ihren Mitstreitern die Bühne und Schlagzeug, Kontrabass und Violine tobten sich in jeweiligen Soli aus, mit entsprechendem Applaus vom Publikum goutiert.
 
Natürlich wurden umgehend Zugabenrufe laut und da durfte der kommerziell größte Erfolg „Poison“ nicht fehlen, gefolgt von „The dead presidents‘ waltz“, ehe Markus Patrick Richardt zurück auf die Bühne bat und mit „Himmel“ aus dem JANSEN-Repertoire der Abend einen eher traurig-melancholischen Abschluss fand. „Früher haben wir das schneller gespielt, oder?“ hatte Markus Maria zwischendurch gefragt. Wohl wahr! Aber wir sind halt gemeinsam älter geworden und wir haben uns für diesen Abend wieder ein Stückchen jünger gefühlt. Das zählt. Ach ja… und den Bad-taste-Contest für Eure Hemden habt Ihr an diesem Abend auch gewonnen…
 
Setlist M. WALKING ON THE WATER (ohne Gewähr)
Melitaah
Adventures and narrations
Wooden lady
Sing Sally
Magic Forest
Lovesong for you
Love is on your side
The rain will fall
Bury me upright
Fade to grey (VISAGE Cover)
Holy night of Rosemarie
Misery
Linda Lee
Anymore
Pink pinks
Necessary
Soldiers of love
Party in the cemetery
Pluto
 
Poison
The dead president’s waltz
 
Himmel (JANSEN)
 
Copyright Fotos: Karsten Thurau

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