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MADSEN – MONTREAL

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 09.02.2016

MADSEN wird man 2016 ganz sicher nicht das Prädikat „Sexiest Band Alive“ verpassen, die allerbesten Zeiten scheinen – zumindest verkaufstechnisch – vorbei zu sein. Das wurde auch an diesem Abend in Bielefeld ersichtlich, wo man zum mittlerweile 6ten Male aufspielte und nur ganz knapp in der größeren der beiden Hallen performte. Um die 1000 Zuschauer füllten dann die Location (die man bereits durch eine vorgezogene Bühne verkleinert hatte) auch nur ordentlich, was der späteren Stimmung aber nicht abträglich war. Sicher spielte auch der Wochentag eine Rolle, sowie die Tatsache, dass die Niedersachsen auf ihrer ausgedehnten „Kompass“-Tour schon einige „Nachbarstädte“ beackert hatten. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf den Abend, live sind die Brüder MADSEN plus Anhang immer eine sichere, energiegeladene Bank, und noch dazu hatte man sich einen sehr guten Support Act gesichert.

Dieser hörte auf den Namen MONTREAL und ist zumindest in der Heimat Hamburg dazu fähig, ebenfalls relativ große Hallen zu füllen. Schnell war klar, dass die Herren Hirsch, Yonas und natürlich Schlagwerker Max Power über eine eigene kleine Fanbase vor Ort verfügten. Bzw. die Schnittmenge zwischen den beiden M und M’s ist ja musikalisch recht groß, von daher Hut ab vor dem Selbstbewusstsein MADSENs, sich solche Rampensäue ins Vorprogramm zu holen. Neben dem lyrisch ansprechenden Punk Rock mit klarer (linker) politischer Haltung begeistern vor allem die Ansagen des Dreiers, die sich für keinen Schabernack zu schade waren und immer wieder die Athmo in Bieletown lobten. Songs wie der „Drogen-Spaß“ „Neues aus der Hobbythek“, die Mitgröhl-Hymne „Max Power“ (O-Ton: angeblich der schlechteste jemals geschriebene MONTREAL-Track) oder auch das leicht melancholische „Das falsche Pferd“ sorgten schon für ordentliche Stimmung unter den Anwesenden. Für die älteren Semester, die in den 80ern bereits musikalisch sozialisiert waren, dürfte der STEINWOLKEn-Klassiker „Katharine Katharine“ ein Höhepunkt gewesen sein. Sehr sympathisch auch die Ansage, dass man an diesem Abend die beiden letzten Alben für nur 5 Euro verkaufen würde, Eigenlabel sei Dank! Das führte letztendlich dazu, dass man sogar eine Art Zugabe spielen „durfte“. Das herrlich groovende „Endlich wieder Discozeit“ verführte dann auch so manchen Anwesenden zu einer leicht modifizierten Discofox-Variante. Sehr sympathischer Auftritt, der fast Headliner-Charakter besaß und mit einem gemeinsamen, natürlich gar nicht gestellten Selfie ein würdiges Ende fand.

Setlist MONTREAL (ohne Gewähr)
Großstadtrevier
Auf der faulen Haut
Ubahnlinie 2
Max Power
Neues aus der Hobbythek
Katharine Katharine (STEINWOLKE)
Das falsche Pferd
Zum allerersten Mal
Tag zur Nacht

Endlich wieder Discozeit

Nach einer gut halbstündigen Pause – viel umzubauen gab es nicht, insgesamt war der Bühnenaufbau recht minimalistisch, nur ein paar Strahler sorgten für nette Lichteffekte – war es dann an der Zeit für die Invasion aus dem Wendland. Johannes, Sebastian und Sascha Madsen plus Lockenkopf Niko Maurer waren die Protagonisten, doch man hatte sich live noch an 2 Positionen verstärkt. Die bereits „bekannte“ Lisa Nicklisch (aka Lisa Who) bearbeitete das Keyboard, sollte später aber auch noch gesangstechnisch in Erscheinung treten. Dazu hatte man links im Hintergrund noch einen weiteren Gitarristen an Bord, der auch nicht ganz unbekannt ist. Martin „Mücke“ Krüssel stand früher bei den leider verblichenen EL*KE in Lohn und Brot und steht für Schweinerock par Excellence. Damit war ein fettes Brett natürlich geradezu vorprogrammiert. Mit Kapitänsmützen ging es auf die Stage und das Publikum war vom ersten Moment an präsent, kein Wunder bei der Energie, die MADSEN immer noch verströmen. Noch dazu nimmt man sich nicht allzu ernst, abgesehen von dem klaren linken Gestus und der entsprechenden Ansage zu „Du schreibst Geschichte“. Nun muss ich zugeben, dass mir gerade das aktuelle Werk in meiner persönlichen Discographie fehlt, welches immerhin Platz 5 in den Charts erreicht hat. Eine richtige „Single-Band“ waren die Herren sowieso nie, dafür gibt es zu viele Ecken und Kanten in dem Trademark-Sound von Sebastian und Co. Dieser überließ gesangstechnisch übrigens immer wieder mal seinen Brüdern das Feld. So durfte Johannes das bierselige „Kein Mann für eine Nacht“ aber auch das ÄRZTE-Cover „Zu spät“ intonieren, was er inbrünstig und charmant unperfekt bewerkstelligte. Selbst „Heimlich-Bietrinker“ Sascha kam einmal hinter seinem Kit nach vorne und gröhlte mit den Fans die erste Strophe der „Perfektion“. Der Sound-Cocktail MADSENs ist sehr vielfältig, neben den bekannten Stompern gab es in Form der gefühlvollen Ballade „So cool bist du nicht“ (als Duett von Lisa und Sebastian dargeboten) auch mal leise Töne für die Pärchen im Auditorium. Auf der anderen Seite standen Abrissbirnen wie „Love is a Killer“, die zum Pogen animierten. Überhaupt wurden sämtliche Konzerttechnischen Standards geboten. Hinsetzen und Aufspringen, Circle Pit und Wall of Death, kurzerhand in eine „Wall of Love“ umbetitelt, da MADSEN ja eigentlich ganz liebe Jungs sind. Ebenfalls sehr sympathisch die Vorliebe für Cover-Songs aller Couleur, da wurden auch mal die QUEENS OF THE STONE AGE und – sehr gut gesungen – NIRVANAs „Smells like Teen Spirit“ in die Setlist integriert. Man nimmt der Combo die Spielfreude einfach ab, die mittlerweile angenehm unzeitgeistig unterwegs ist und auf eine treue Basis-Fanschar blicken kann, die eher etwas jünger ist, wie Nachfragen bewiesen. Zumindest jünger als meiner einer, was aber auch nicht schwer ist. Mit dem energetischen „Nachtbaden“ und den obligatorischen wilden letzten 30 Sekunden war dann der Hauptpart auch beendet, aber logischerweise konnte es das noch nicht gewesen sein…

„Leuchttürme“ als erste Zugabe begeisterte dann schon mit fast metallisch-doomigen Riffs, die richtig fett durch den Ringlokschuppen wehten. „Wo es beginnt“ setzte die Verlängerung fort und passenderweise wurde „Lass die Musik an“ (ein Motto, das Genre-übergreifend gelten sollte!) als Rausschmeißer angekündigt. Das war unser Stichwort und wir zogen uns langsam zurück, wurden aber noch einmal überrascht – und das eiskalt. Es hatte draußen mittlerweile ordentlicher Schneefall eingesetzt, der zumindest bis zur Stadtgrenze von Bielefeld die Rückreise erschwerte. Aber das sollte den Konzertabend zweier sehr engagierter, irgendwie „ehrlich“ wirkender Bands nicht schmälern. MADSEN dürfen gerne ein 7tes Mal nach OWL kommen!

Setlist MADSEN
Intro
Sirenen
Ich trink nur eben aus
Du schreibst Geschichte
Vielleicht
Kein Mann für eine Nacht
Mein Herz bleibt hier
Love is a Killer
Kompass
Die Perfektion inkl. No One Knows (QUEENS OF THE STONE AGE)
Zu spät (DIE ÄRZTE)
Smells Like Teen Spirit (NIRVANA)
So cool bist du nicht
Leichter
Nachtbaden

Leuchttürme
Wo es beginnt
Lass die Musik an

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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