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MAGIC CIRCLE FESTIVAL 2008

Ort: Bad Arolsen

Datum: 10.07.2008 - 12.07.2008

Die „Kings Of Metal“ haben geladen. Und alle sollten sie kommen. Aus Australien, aus Brasilien, aus Kanada, Israel und was weiß der Geier noch – die Welt zu Gast bei Freunden. Die Welt zu Gast bei MANOWAR – im beschaulichen Bad Arolsen. Zum zweiten Mal nach 2007 öffnet das Magic Circle Festival seine Pforten. Betrug letztes Jahr der Ticketpreis noch unschlagbare 10 Euro, so schoss der Preis in diesem Jahr in die üblichen Regionen. 80 Euro musste der Fan auf den Tisch legen. Dafür sollten aber auch 20.000 Liter Freibier und 20.000 kostenlose Singles verteilt werden. Übertroffen nur noch von dem Versprechen, dass MANOWAR die ersten sechs Alben live darbieten würden. Los ging es bereits am Montag mit der Zeltplatzöffnung. So konnten besonders enthusiastische Fans bereits wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung, gemeinsam mit anderen Cracks, bei Songs wie „Hail And Kill“ und „Herz aus Stahl“ für mächtig True Metal Feeling sorgen.

DONNERSTAG

Unsere Reise startet Donnerstag. Die Koffer sind gepackt – ab geht der wilde Ritt. Der Ferienbeginn in einigen Bundesländern versprach bereits im Vorfeld volle Autobahnen. So kommen wir erst im Laufe des Nachmittags auf dem noch unübersichtlichen Gelände an. Schnell die Toiletten inspiziert – urgs… schnell wieder raus! Wurden die seit Montag nicht geleert, oder was? Von Fans für Fans eben! Hey super, der Feuerwehr-MANOWAR-Wagen wohnt gleich neben uns. Was gibt es schöneres als auf einem MANOWAR-Festival auch in den MANOWAR-Freien Stunden mit den Klängen von Joey, Eric und Co. versorgt zu werden? Richtig, ein frisches Bier! Als rauf auf das Festivalgelände, welches bereits am Mittwoch von Mr. Metal persönlich eröffnet wurde. Der wahnsinnige MANOWAR-Fan durfte buchstäblich die Ketten sprengen.

BENEDICTUM verabschieden sich gerade, als wir die erste Runde auf dem Gelände drehen. Noch erscheint es recht leer, das soll sich jedoch noch ändern. Plötzlich eine Durchsage: Freibier! Jung und Alt stürmen die Bierbuden, um sich eine Exemplar des Gerstensaftes zu besorgen. Holsten knallt eben am dollsten. Mit dem Bier in der Hand kann MSG ja nur punkten.

Michael Schenker und seine Truppe zeigen dem jungen Gemüse, was Gitarrenkunst bedeutet. Der Mann spielt nicht, er zelebriert den Sechssaiter. Wer als Opener ein minutenlanges Gitarrensolo durch die Boxen jagt, der hat entweder Mut oder außergewöhnliche Fähigkeiten. Bei Schenker trifft zweites zu und so bekommt er frühzeitig den Jubel den er verdient. Bei Fritten, Bier und Currywurst lassen sich die Fans MSG schmecken. Mit dem großartigen „Doctor Doctor“ sagen Schenker und Konsorten Good Bye.

Gewehr bei Fuß folgt TED NUGENT. Busenfreund von Georg W. Bush Jr., Waffennarr, Hobby-Rassist und sogar Vorstandsmitglied der NRA (National Riffle Association). Nebenbei ist er leider auch ein verdammt guter Gitarrenspieler. Mir egal, ich verzieh mich, bevor ich noch abgeballert werde – Fuck TED NUGENT! Pünktlich zum Headliner des Abends zieht es uns auf das ehemalige Militärgelände zurück. Die Bühne ist zwar mit einem Kabuki geschmückt, jedoch blöd, dass die Bühne dermaßen groß ist, dass der gute Stoff nur die halbe Bühne bedeckt.

Der Vorhang fällt und mit „No More Mister Nice Guy“ fängt der Großmeister des Schockrocks traditionell an. ALICE COOPER hängt sich rein, um die Massen zu begeistern. So richtig krachen kann die Show jedoch nicht. Zwar sorgen Songs wie „Schools Out“ oder „Feed My Frankenstein“ für gute Laune, aber Ausflippen tut hier keiner. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Gelände überraschend leer ist. Die anvisierten 30.000 Fans sind jedenfalls noch nicht gesichtet worden. Mit „Poison“ und „Elected“ endet ein nur durchschnittlicher Gig und der erste Tag des Magic Circle Festivals. Jedoch startet der Freitag dermaßen früh, dass wohl nur wenige Fans den Auftritt von DEATH ANGEL bemerkt haben. Früh um drei Uhr zocken sie auf einer Nebenbühne. Fragt mich nicht warum. Die Aussage Joyes, dass alle Slots bereits besetzt waren und die Legenden daher um solch unchristliche Zeit aufspielen mussten, tröstet auch nicht hinweg. Also ist es Zeit für das Zelt. Dank geht an dieser Stelle an die Typen vom Feuerwehr-Wagen. Blöd, wenn man nicht merkt, wann man den Leuten auf die Nerven geht.

FREITAG

Der nächste Morgen graut und meine Leber jault. Also ab zum Festivalgelände, wo mit den Kollegen von powermetal.de und dem Metal Hammer erstmal gefrühshoppt wird. So muss das sein. Als erste Band hat sich KOBUS angemeldet. Vor vielleicht gerade einmal 80 Fans an der Bühne rumpeln sich die Südafrikaner durch die Gegend, wie ich bei einem Müslifrühstück. Sänger Francois Breytenbach Blom schnauft wie DARKTHRONEs Nocturno Culto bei Heuschnupfen. Einzig Video-Meister Neil Johnson geht hier ordentlich seiner Arbeit nach. Doch auch Gitarrist Theo Crous liefert Höchstleistung ab, indem er in Dauerrotation seinen Schädel durch den Fleischwolf jagt. Die ersten Fähnchen gesellen sich zu dem eher belanglosen Treiben, der Metal Hammer verlangt mehr VENOM, andere wollen STRIPER! Ich will meine Ruhe!

Mit STORMWARRIOR folgt eine Deutsche Kultcombo, die sich dem traditionellen Metal, Marke HELLOWEEN, verschrieben hat. Auf Grund ihres viel umjubelten Auftritt im Vorjahr, war es keine Frage, ob die Hanseaten dieses Jahr wieder für wackelnde Jeans-Kutten sorgen sollten. Totally True schlägt man sich mit „Into the Battle“, „Heavy Metal Fire“ oder „The Axewielder“ durch die fast zehnjährige Bandgeschichte. Netter Gig, der Lust auf den Headliner macht. JACK STARR’S BURNING STARR muss leider auf uns verzichten, da MANOWAR zur großen Pressekonferenz geladen haben und wir uns natürlich in Schale werfen müssen. Also auf zum Presse-Bereich, der erst nach etlichen Verhören ausfindig gemacht werden kann. Neben MANOWAR (Rhino statt Scott Columbus, der aus privaten Gründen in den Staaten blieb) gesellen sich noch DORO, HOLY HELL und MAJESTY ans Pult, die jedoch nur schmückendes Beiwerk sind. Gut, wir erfahren, dass MAJESTY sich von nun an METALFORCE nennen und HOLY HELL mit der Produktion ihres Debüt-Albums abgeschlossen haben. Ansonsten kommen wir in den Genuss einer typischen Joey DeMaio-Show: wenig Infos, aber unterhaltsam und witzig wir immer. Leider bestätigt der Chef, dass WHITESNAKE und DEF LEPPARD nicht spielen werden – Schade!

Nachdem DORO und W.A.S.P. für einen musikalisch gemütlichen Nachmittag gesorgt haben und für mächtig Stimmung sorgten, sollten die Schweizer Helden von GOTTHARD die Fans für MANOWAR noch einmal richtig heiß machen. Und das gelingt ihnen beispielhaft. Hier sitzt jeder Ton, jedes Solo. „Let It Be“ oder „Top Of The World“ machen richtig Spaß. Denn hat nicht jeder, denn so mancher Chef der Kollegen versinkt dabei schon mal im Tiefschlaf. Aufwachen! MANOWAR sind an der Reihe. Vor der Bühne hat sich ein gigantisches Meer aus Fahnen gebildet. Großartig!

Nur leider ist der Wetter-Gott kein MANOWAR-Fan, denn anders ist es nicht zu erklären, dass kurz vor Beginn ein unglaublicher Regen-Schauer vom Himmel kracht. Die Fans flüchten nach Walhalla (wahlweise zur Bierbude) und die Organisatoren machen das einzig richtige: Warten! Dann aber ist es soweit. Nachdem die beiden schicken Regenbögen für strahlende Gesichter gesorgt haben, der Regen sich beruhigt und sich der Flitzer bekleidet hat, soll es losgehen. Nun sind die Ohren an der Reihe. Mit „Manowar“ starten die Amerikaner auf gewohnte Weise ihr Set. Doch was ist das für ein gigantischer Sound? Fett, fett, fett und dermaßen laut, dass meine Kollegin mal eben die Ohrstöpsel sucht – und das in mindestens 50 Meter Entfernung zur Bühne. In der Folge glänzen die Kings Of Metal mit der chronologischen Abarbeitung ihrer ersten drei Alben. Für viele die beste Zeit ihrer langjährigen Karriere. Ungewöhnlich zurückhaltend zeigt sich Joey heute. Doch gleich die erste Ansage sitzt. Will hier jemand WHITESNAKE oder DEF LEPPARD sehen? Alle rufen „Ja“! Falsche Antwort Leute, daher wiederholt Joey das Spiel, bis im ein kollektives „Nein“ entgegenbrandet. Joey schimpft über Missmacher und den Metal Hammer, der angeblich zu tief rumstochern würde. Dumm nur, dass bei der Pressekonferenz die Frage zu den beiden Bands nicht mal vom Metal Hammer kam. „Fuck The Cocksuckers!“ – eben! Ob sich Joey damit viele Freunde gemacht hat, sei dahingestellt, denn die Kollegen waren auf Grund dieser Ansage, kurz davor, das Festival in die Tonne zu kicken und nach Hause zu fahren. Klugerweise sahen sie darüber hinweg.

Nach dem Debütalbum „Battle Hymns“ folgt „Into Glory Ride“ und für viele die erste Gelegenheit, Songs wie „Warlord“ oder „Hatred“ live zu erleben. Drei Stunden schwelgen die Fans in Erinnerungen und in einem Sound, der noch in zehn Kilometer Entfernung die Bewohner aus dem Häuschen treibt. Als Bonbon gibt es mit „Warriors Of The World United“ und der neuen Single „Die With Honor“ zwei aktuelle Stücke geboten, bevor mit dem wunderschönen „Bridge Of Death“ der erste Abend beschlossen wird. „The Crown And The Ring“ ertönt und schickt die Anwesenden direkt zur nächtlichen Zeltplatzparty. Prost!

SAMSTAG

Uhhhh… der Kopf schmerzt. Wenn auch nach drei Stunden Live-MANOWAR, der Spaß, dank unserer Nachbarn, nicht aufhört, kann das schon mal an den Nerven zerren. Also raus aus dem Zelt und mit stählerner Brust in die Luft geschaut. Freundlicherweise haben die Organisatoren endlich auch dem letzten Fan mittels kleinen Aushängern mitgeteilt, dass WHITESNAKE und DEF LEPPARD nicht spielen werden. Dafür rutscht der Ablauf etwas nach hinten und mit KRYPTERIA springt kurzfristig eine neue Band ein. Zu nachmittäglicher Stund springen diese auf die Bühne – zur Freude der vielen männlichen Fans natürlich mit ihrer bildhübschen Sängerin Ji-In. Diese wirbelt energisch über die riesengroße Bühne, die mal wieder um einiges zu groß für hüftsteife Musikakrobaten ist. Die Bühnenpräsenz der weiteren Mitglieder ist gleich Null. Songs wie „Scream“ oder das abschließende „I Can’t Breathe“ zeigen jedoch nicht mehr als solide Female-Fronted-Metal-Hausmannskost, der das gewisse Etwas fehlt. Ji-In verabschiedet sich freudestrahlend von den Fans, beschreibt ihren Auftritt als kurz und knackig (an das dachte ich auch die ganze Zeit) und sagt brav Ciao.

Wegen eines unbemerkten Tauschs stehen nun BRAZEN ABBOT (feat. Joe Lynn Turner) auf dem Plan. Joe Lynn Turner? Who the Hell? Kurz nachgefragt – ui, ein ehemaliger Sänger von DEEP PURPLE und RAINBOW. Wieder was gelernt. Was folgt ist eine Stunde Old School Hard Rock vom Feinsten, gekrönt mit der fulminanten Cover-Version des RAINBOW-Klassikers „Surrender“.

Mit HOLY HELL folgt eine Band, die bereits bei der letzten MANOWAR-Tour für Furore sorgte und auch beim ersten Magic Circle Festival von sich Reden machte. Warum dies so war, zeigen sie heute. Spritzig, energievoll und mit jeder Menge starken Melodien zeigen sie Bands wie KRYPTERIA, dass man auch in scheinbar ausgelutschtem Terrain noch mächtig punkten kann. Mit „Ressurection“ schießen Sängerin Maria Breon und ihre Crew feurig aus den Boxen. Das Publikum klebt an ihren Lippen und beschert dem Nachmittag seinen großen Höhepunkt. Zwei neue Songs (u.a. „Prophecy“) vom bald erscheinenden Album haben sich auch ins Set geschlichen und auch die beiden Cover „Rising Force“ sowie „Holy Diver“ verzücken die Masse. Leider müssen wir auf das wunderschöne „The Phantom Of The Opera“ (im Duett mit Eric Adams) verzichten. Sei es drum – das Magic Circle Festival feiert die Band rund um den ehemaligen MANOWAR-Drummer Rhino tierisch ab. Bei „Apocalypse“ setzt der Regen ein – ein Schelm, wer da einen Zusammenhang sieht. Leckerer Auftritt, der Lust auf viel viel mehr macht.

Nun sollte es erneut ultra-true werden. MAJESTY bzw. METALFORCE machen sich auf, die Meute vor dem zweiten MANOWAR-Auftritt mächtig einzuheizen. Und das gelingt spielend. Im selben Fahrwasser schwimmend, setzt man auf viel Stahl, noch mehr Tränen und jeder Menge Pathos. Allein die Namen der Tracks verraten, in welchen Sphären wir uns hier bewegen. „Epic War“, „Metal Law“, „Son Of Metal“ sowie das obligatorische „Hail To Majesty“ sind echt Live-Granaten und schwören glanzvoll auf den Höhepunkt das Abend ein.

MANOWAR – der 2. Akt. Diesmal ohne Regen, aber erneut mit einem gigantischen Fahnenmeer. „From The United States Of America – All Hail! Manowar!“ Mit „Manowar“ eröffnen sie abermals das Set, um im Anschluss das komplette „Sign Of The Hammer“ Album durchzuspielen. Der Sound ist erneut fantastisch, auch wenn die Lautstärke wohl etwas heruntergeschraubt wurde. Göttlich! „Mountains“ ertönt und wie schon bei der letzten Tour kann man sich gegen Gänsehaut nicht wehren. Was für eine Wucht, was für eine rohe Kraft, die sich durch die Boxen quält. Die Biere fließen, die Fahnen schwenken und Eric singt sich den Teufel aus dem Leib. Mit „Fighting The World“ folgt das fünfte Album in all seiner Schönheit. „Carry On“ lädt zum Singen ein, „Defender“ zum Träumen und „Holy War“ zum Bangen. Mit „Black Wind, Fire And Steel“ verlassen wir die poppigste aller MANOWAR-Scheiben und kommen zu „Kings Of Metal“. Die Motorräder ertönen! Was folgt ist klar: „Wheels Of Fire“ knattert durchs weite Rund, legt die Bahn frei für „Kings Of Metal“, bis es bei „Heart Of Steel“ was zum Mitsingen gibt. Vor „Pleasure Slave“ erfreuen wir uns an einem niedlichen Heiratsantrag, der typisch MANOWAR-Style mit halbnackten Frauen und viel Feuer gefeiert wird. Nach „Blood Of The Kings“ schnappt sich Joey ein letztes Mal das Mikro, verkündet das nächste Magic Circle Festival und verrät, dass die neue Scheibe im nächsten Jahr vorgestellt wird. Obendrauf wird es parallel zum Album, einen Film, ein Buch und ein Videospiel geben. Für das Buch soll niemand anderes als der berühmte Deutsche Autor Wolfgang Hohlbein verantwortlich sein, der es sich nicht nehmen lässt, die Bühne zu betreten und die ersten Auszüge vorzutragen. Na da freuen wir uns aber!

Mit der Live-Weltpremiere von „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“, inklusive eines stimmgewaltigen Chors, endet die zweite Ausgabe des Magic Circle Festival gebührend. Bis zum nächsten Jahr! Hail And Kill!!

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