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MAMBO KURT (10 JAHRE CROSSNIGHT)

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 12.02.2011

Man kann nun wahrlich nicht behaupten, dass Gütersloh zu den kulturellen Zentren unseres schönen Landes gehört, insbesondere das Programm für den Nachwuchs schaut doch eher dürftig aus. Umso lobenswerter sind hier zarte Pflänzchen wie beispielsweise der Verein Crossnight, der mit schöner Regelmässigkeit Alternative/ Rock/ Metal Parties zelebriert (in der Webe, wo sonst?!) und auch den einen oder anderen Live Act in die Stadt an der Dalke lotsen konnte. Mittlerweile hat man bereits 10 Jahre auf dem Buckel (in unserer schnellebigen Zeit eine durchaus bemerkenswerte Leistung) und diesen Geburtstag wollte man natürlich gebührend feiern, Stargast inklusive. Wer könnte den Crossover-Gedanken besser personalisieren als Rainer Limpinsel, den sie sicher besser unter seinem Künstler-Namen kennen: MAMBO KURT was in Town!

Nach einem anstrengenden Tag erreichte die Terror-Abordnung kurz nach 21 Uhr den Ort des Grauens äh Geschehens und fand einige bereits stark feierwütige (aka auch „leicht“ alkoholisierte Menschen) vor, die zu den letzten Zügen der eigens zusammengestellten Vorband pogte, was das Zeug hielt. Unter dem Namen CRO:NIX coverten stadtbekannte Musiker zünftige Härtner-Klassiker in sehr ansprechender Art und Weise, die Zugabe „Davidian“ vom 94er MACHINE HEAD-Klassiker „Burn My Eyes“ unterschied sich nur in der PA vom Original und wurde mit genauso viel Inbrunst vorgetragen. Doch dann war es an der Zeit für die Yamaha D-85-Electone Heimorgel, mit welcher der Hagener Alleinunterhalter im beigen Seventies-Look seit den 80ern die Massen elektrisiert. Nun gut, vielleicht eher analogisiert. Kommt der Mambo, der Kurt, zunächst eher wie ein biederer Postbeamter daher, so explodiert er bei seinen Live-Darbietungen geradezu und bietet eine fast genial zu nennende Mischung aus Comedy und musikalischen Fähigkeiten. Wie sonst hätte er auch das komplette Wacken Open Air in seinen Bann ziehen können?

Der Einstieg an diesem Abend erfolgte mit VAN HALENs „Jump“ und sogleich verwandelte sich die brechend volle Location in ein Tollhaus, tanzende und feiernde Leiber allenthalben. Mit EUROPEs Megahymne „The Final Countdown“ wurde dann gleich noch ein Brikett nachgelegt, dabei drehte der Meister uns den Rücken zu, doch das sollte natürlich nicht lange so bleiben. Zu jedem Stück gab es eine launige Einleitung, nicht zu vergessen natürlich die Lobgesänge auf sein im Grunde gar nicht so cooles Spielinstrument, welches erstaunliche Klänge zu erzeugen vermag. DEPECHE MODEs „Just can’t get enough“ hörte sich gar recht originalgetreu an, während Metal-Hammer à la METALLICAs „Enter Sandman“ (als Walzer) oder SLAYERs „South of Heaven“ in ganz neuem „Bar/ Lounge“-Licht erstrahlten. Da musste ich doch unwillkürlich an HEINZ STRUNK und seine Lebensgeschichte „Fleisch ist mein Gemüse“ denken, MAMBO KURT hätte noch bestens zur Tanzband TIFFANYS gepasst. Während also das Geschehen immer weiter hochkochte, enterten immer mehr feierwillige Ostwestfalen die Bühne, wobei sich „leider“ nur die Herren entblätterten und ich mir die Frage stellte, ob unsere Jugend nur noch aus Hüft- und Brustgold besteht, da besteht optisch sicher noch Potential nach oben… Dafür war der Spassfaktor allerdings enorm, so divte der Anzugträger beherzt ins Publikum, während eine junge Dame mit Sonnenbrille fast talentfrei herumorgelte, ein anderes Mal wagte er den Nahtanz mit einer mutigen Freiwilligen. Mit „Paradise City“ von Äggsl und Co. gab es auch eine Hommage an die Konzertstadt, die MAMBO gerne als weibliche Reinkarnation wiederbesuchen wollte – Bei dem Männer-Angebot würde ich mir das ja noch mal überlegen… Neben seiner Heimorgel kamen auch noch andere interessante Instrumente zum Einsatz. Der berühmt-berüchtigte Commodore 64 etwa, dessen Speicher mal gerade für „Krawall und Remmi Demmi“ (DEICHKIND) reichte, dem Titel wurden die Crossnighter dann natürlich auch gerecht. Aber auch mit einem Umhängekeyboard à la MODERN TALKING lassen sicht tolle Ergebnisse erzielen. SNAPs „Rhythm is a dancer“ war ein schönes Beispiel für dieses digitale Audiogerät der ersten Stunde. Erstaunlich auch, wie weltoffen das doch angeblich so engstirnige Metal/ Rock-Publikum auf Genrefremdes wie etwa SCOOTER („Maria“) reagierte, alles wurde abgefeiert, alles schien bekannt. Hier wurde der Begriff „Crossover“ richtig gelebt! Passend dazu der Wunsch des Veranstalter-Duos: „Sing Hallelujah!“ von DR. ALBAN, ein wirklich cheesiges Stück Musik im Original, bei MAMBO KURT hingegen ein echter Partykracher. Das Ende des regulären Sets war natürlich der Song, mit dem alles begann: „Musik ist Trumpf“ von HAZY OSTERWALD, wenn ich mich nicht irre, zu dem sich eine vortreffliche Polonaise tanzen liess. Mit diesem Stück gewann der noch sehr junge Kurt/ Rainer 1982 den Titel des besten Heimorgelspielers in der Altersklasse bis 14 Jahre. Ob man damit damals viel Erfolg bei den Frauen hatte, ist leider nicht überliefert…

Doch die Gütersloher hatten natürlich nicht genug, Jung und Alt forderten vehement eine Zugabe, ergo kehrte der Mambo mit seiner Disco Kugel zurück und brachte nun auch noch einen Gameboy ins Spiel, der in der Lage war, genau 2 Takte abzuspeichern. Reicht gerade für das supernervige „Lass uns noch ein bisschen tanzen“, das ich selbst in der Comedy-Variante recht unerträglich finde. Allerdings der einzige Ausrutscher eines rundum unterhaltsamen Abends, der mit RAMMSTEINs „Engel“ ein würdiges „Live-“Ende fand. Denn danach wurde ja noch richtig zu Mucke aus der Konserve abgefeiert, doch das überließen wir der nachfolgenden Generation. MAMBO KURT hatte gerockt, so viel ist sicher. Dieser Herr würde auch morgens um halb 4 in der Fussgängerzone von Kaunitz den Putz rieseln lassen. Ein Dankeschön an das Crossnight-Team und auf viele weitere Jahre und illustre Gäste!

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