Konzert Filter

MARC ALMOND

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 14.03.2009

Wer heute so um die 40 ist, für den gehörte MARC ALMOND als eine Hälfte von SOFT CELL zur musikalischen Grundsozialisation. Zusammen mit dem Kollegen David Ball hatte er Anfang der 80er viele große Hits wie „Tainted love“ oder „Where did our love go?“. Doch Almonds Weg war nicht nur mit Goldstaub bestreut. 2004 wurde er bei einem Motorradunfall lebensgefährlich verletzt und seine Genesung nahm lange Zeit in Anspruch. Doch inzwischen ist er wieder musikalisch aktiv und hat in den letzten Jahren auch nichts verlernt, wovon wir uns bei seinem Clubkonzert im Osnabrücker Rosenhof überzeugen konnten.

Ohne Support ging es gegen 20.30 Uhr gleich los. 4 Mitmusiker, allesamt jeder für sich ein wenig „quirky“ (sei es die Sturmfrisur des Gitarristen oder die roten Socken des stoisch agierenden Drummers) betraten mit dem Schlachtruf des Gitarristen „Let’s rock this place“ die Bühne, auf der wenige Sekunden später MARC ALMOND mit warmherzigem Applaus seiner Fans begrüßt wurde. „Glorious“ hieß der Opener des Abends und machte gleich deutlich, warum Almond zu den großen Pop-Diven gezählt wird: Neben seiner volltönenden Stimme machen ihn vor allen Dingen die Gesten unverwechselbar. Betont agil nahm er die ihm Hintergrund mit einem silberfarbenen, gerafften Vorhang dekorierte Bühne ein, wobei seine schwarze Rüschenbluse zu rotem Lurexschal gekonnt den leichten Bauchansatz kaschierte. Nun ist Herr Almond ja auch schon jenseits der 50 und die Fans sind mit ihm gealtert, die etwa 400 Anwesenden auch alle nicht mehr taufrisch und bunt gemischt. „A cute place“ kommentierte er gleich das plüschige und mit viel Retro-Chi-Chi ausstaffierte Ex-Kino, in das das Repertoire mit jeder Menge Revue-Charme wie das folgende „I have lived“ prima reinpasste. Statt Keyboard fand heute ein schwarzer Flügel auf der Bühne Platz, die zahlreich mit künstlichen Teelichtern dekoriert war. Mit „A lover spurned“ stand der erste große Knaller auf dem Programm und wurde dementsprechend beklatscht. Nach der lässig vorgetragenen Dampfwalze „The Idol“ bekamen wir mit “Variety“ einen gänzlich neuen Titel präsentiert, der vielleicht seinen Weg auf ein für 2010 geplantes Album findet. Nächstes Jahr feiert Almonds erste Veröffentlichung sein 30-jähriges Jubiläum und als das Publikum diese Tatsache mit anerkennendem Applaus bedachte, reckte sich Almond zu voller Größe und rief: „Yes, and I’m still here!“. Für „Child Star“ drehte sich dann die große Diskokugel im Rosenhof und hinterließ so den Eindruck eines Highschool-Abschlussballs aus den 60ern. In diese Dekade passten natürlich auch vorzüglich das sehr dynamisch vorgetragenen „The days of Pearly Spencer“ und Gene Pitneys „Something’s gotten hold of my heart“, zwei Hits, die entsprechend textsicher vom Publikum abgefeiert wurden. Doch mit „The Devil OK“ wurde Almond zum großartigen Geschichtenerzähler und lud wieder mehr zum Zuhören ein, voller Dramatik vorgetragen hielt er sich am Ende des Songs seinen sichelförmigen Schellenkranz als Teufelshörner hinter den Kopf – großes Kino! Auch mit dem Schunkler „In Bluegate fields“, in dem er die schmuddeligen Ecken von London besingt, wo Nutten, Penner und Kleinganoven ihr Zuhause haben, bewies er sich als Chansonnier, ehe mit „Tears run rings“ das Tempo wieder anzog und vom Publikum mit entsprechender Bewegungsfreude goutiert wurde. „Ruby Red“ und die beiden Soft-Cell Titel „Torch“ und „Bedsitter“ hielten das Tanzbein am Schwingen, um am Ende des Sets mit „I close my eyes and count to ten“ nochmals eine dramatische Darbietung mit entsprechender Piano-Unterstützung zu bieten.

Mit den deutschen Worten „Danke meine Lieben“ verabschiedete sich das Mandeltörtchen, doch die Fans verlangten unter großem Getöse gleich mehr und so gab es mit „A Friedship“ noch einen lockeren Groover und „Mother Fist“ sogar Latein-Amerikanische Rhythmen. Nochmals verlies Almond die Bühne, doch kann so ein Konzert zu Ende gehen ohne „Tainted love“? Für mich eins der abgenudelsten 80er Songs, doch nun live so spritzig und pointiert präsentiert, dass es auch mir in den Füßen kribbelte. Zum Finale nahm Almond dann auf einem Barhocker Platz und was würde nun besser passen als „Say hello wave goodbye“, dessen Refrain er dem frenetischem Auditorium überlies.

Was für ein wunderbarer Auftakt zur anschließenden Ü30-Party! Ein „Älternabend“ zwischen Revue und Cabaret, Pianobar und Disko. Und selbst wenn mittlerweile auf der Bühne heißer Tee gereicht wird, Marc Almond ließ mit verschwenderischen Gesten und gewohnt toller Stimme, aber dennoch fannah und ohne Allüren wissen, dass mit ihm noch weiterhin zu rechnen ist.

Setlist
Glorious
I Have Lived
A Lover Spurned
Tragedy
The Idol
Variety
Hand over my heart
Child Star
The Days of Pearly Spencer
Something’s Gotten Hold on My Heart
The Devil OK
Bluegate Fields
Tears Run Rings
Ruby Red
Torch
Bedsitter
I Close My Eyes and Count to Ten

A friendship
Mother fist

Tainted Love
Say Hello Wave Goodbye

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu MARC ALMOND auf terrorverlag.com