Konzert Filter

MARCUS WIEBUSCH – PINK LINT

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 28.10.2014

Wenn MARCUS WIEBUSCH solo (ohne KETTCAR) unterwegs ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass er allein praktiziert. Vielmehr stehen bei diesen Gelegenheiten live gleich acht Personen auf der Bühne und wenn die Supportband auch noch sechs Köpfe zählt, lohnt sich auch schon mal ein Nightliner. Solcherlei Busse sieht man am Bielefelder Forum sonst eher selten, doch an diesem Dienstagabend war ein Großteil des Parkplatzes für eben jenes Gefährt reserviert. Der Mitbegründer des Indie-Labels Grand Hotel van Cleef hat am 18. April des Jahres sein Solo-Debüt „Konfetti“ veröffentlicht (#9 der Album-Charts) und ist momentan erneut auf Konzertreise, die ihn diesem DVB-Pokal-Spieltag in die ostwestfälische Puddingstadt führte, wo die Arminia Hertha empfing, während im heimischen Hamburg Borussia Dortmund am Millerntor erwartet wurde. Im Mittelpunkt steht beim Terrorverlag aber natürlich die Musik und dazu erfolgte um 20.35 Uhr der Anpfiff.

PINK LINT aus Mainz, Franfurt und Berlin haben Anfang September bei GHvC ihren Erstling „You Might Lose A Few Teeth But It’s Fun“ rausgebracht und hatten die Aufgabe, das Auditorium schon mal in Stimmung zu bringen. Nun, die Aufmerksamkeit der Zuschauerschaft hatten Oliver Burghardt, Anne-Louise Hoffmann, Martin Born, Chris Iskandar, Benjamin Sickel und Raid Iskandar zweifellos, allerdings war es nicht ganz so einfach, dem Indie-Rock der Truppe zu folgen. Immerhin haben PINK LINT selbst acht Jahre gebraucht, bis ihre Platte in die Läden kommen konnte. Es brauchte definitiv ein fortgeschrittenes Indie-Gehör, um die Qualitäten der Musik zu erkennen. So startete „3 ½“ ein wenig dissonant, bevor „Monsters of Age“ sich eingängiger präsentierte und „Too Much Fun“ getragen übernahm. Oliver überzeugte dabei mit eindringlichen Vocals, zu denen auch die Lautmalereien von Anne-Louise passten, insgesamt hätte ich mir jedoch etwas mehr Drive gewünscht. Den gab es zumindest stellenweise beim rhythmusverliebten „The Great Ballloon of All Things“, während sich „Foam“ verspielt zeigte und sich „Mmxi“ als beschwingter Song über die Fruchtfliegenplage entpuppte. Mit „Bill of Demands“ und „The Cast of Port Marathon“ verabschiedete sich der Sechser vergleichsweise verkopft und packte nach 40 Minuten das umfangreiche Equipment (u.a. Xylofon und Trompete) wieder ein, nachdem er zuvor mit dem freundlichen Applaus der Bielefelder bedacht worden war.

Setlist PINK LINT
3 ½
Monsters of Age
Too Much Fun
The Great Balloon of All Things
Foam
Mmxi
In The Belly of A Whale
Bill of Demands
The Cast of Port Marathon

Während auf den Fußballfeldern der Republik die Dramen ihren Lauf nahmen, präparierte der Hauptact des Abends seinen Arbeitsplatz, der schließlich um 21.40 Uhr zu den Klängen eines Intros eingenommen wurde. Neben MARCUS WIEBUSCH war eine dreiköpfige Bläsersektion mit von der Partie, darüber hinaus natürlich auch Bass, Gitarre, Schlagzeug und ein Keyboard. Beim Opener „Off“ lag die Stage zunächst weiter im Dunkeln, aber schließlich wurde es Licht und auch wenn der Fronter nach eigenem Bekunden etwas unter Schock stand (auf der Alm hatten die Gastgeber 4:2 gewonnen und St. Pauli lag 0:2 zurück), wusste er mit dem knackigen „Das Böse besiegen“ doch Tempo zu machen und outete sich wenig später als „Fußballproll“ (O-Ton Marcus), der sich auch ohne seine geliebte Akustikgitarre on stage wohlfühlte. „Jede Zeit hat seine Pest“ groovte mitsamt Tuba wie die Sau, bevor „Wir waren eine Gang (inklusive Querflöte) deutlich nachdenklicher war. Mit „Balkon gegenüber“ stand ein alter KETTCAR-Song auf dem Programm, der nicht nur mit Gebläse aufgepeppt wurde, sondern auch eine weitere Strophe erhalten hatte, in der der Typ vom Balkon gegenüber endlich eine Stimme bekam. Mit „Springen“ ging’s ab durch die Mitte und „Schwarzes Konfetti“ war ebenso düster wie kraftvoll. „Nur einmal rächen“ wünschte sich der besungene Computer-Nerd und tat dies äußerst treibend, ehe „Was wir tun werden“ zum Klatschen animierte und den Drummer kaum noch auf seinem Hocker hielt. Die Antwort des Herrn Wiebusch auf Hass ist sexy Dancing – sagte der 46-jährige und performte entsprechend „Haters Gonna Hate“, um wenig später zum elektrischen Sechssaiter zu greifen. Die Setlist sah hier ein weiteres KETTCAR-Stück vor, das seinerzeit auf dem Debüt „Du und wieviel von deinen Freunden“ erschienen ist: „Lattenmessen“ wurde allerdings zehn Jahre nicht mehr gespielt, doch jetzt war die Stimmung „emomäßig“ genug für die Nummer. Noch weiter zurück ging es mit „Vergiss den Quatsch“, einem …BUT-ALIVE-Track ohne Blasinstrumente, der stattdessen mit reichlich Punk-Attitüde daherkam. Was natürlich überhaupt nicht fehlen durfte, war „Der Tag wird kommen“, ein wunderbares Lied gegen Homophobie insbesondere im Fußball, das von einem Konfettiregen begleitet wurde.

Nach 65 Minuten war an dieser Stelle das reguläre Set abgehakt, doch es gab natürlich noch einen Nachschlag. Begleitet wurde MARCUS WIEBUSCH bei „Was hätten wir denn tun sollen“ (von der 1994er Solo-Kassette „Hippiekacke“) zunächst ausschließlich von der Bläsersektion, bevor alle Mann beim schwungvollen „Der Fernsehturm liebt den Mond“ wieder ihre Plätze einnahmen. Den grandiosen Abschluss bildete kurz nach 23.00 Uhr „Deiche“ mit kräftigem Gebläse und erneutem Schnipselflug.

Schön war’s mal wieder mit MARCUS WIEBUSCH und seinen Mannen. Aus Hamburg kamen zwar keine guten Nachrichten, denn die Jungs von Trainer Thomas Meggle mussten sich am Ende der Klopp-Elf 0:3 geschlagen geben. Aber Fußball sollte ja eigentlich auch gar nicht das Thema sein, selbst wenn es im Laufe des Gigs immer mal wieder angekratzt wurde. So oder so: es war mir ein Vergnügen und bis bald!

Setlist MARCUS WIEBUSCH
Off
Das Böse besiegen (der Exorzismus des David R.)
Jede Zeit hat ihre Pest
Wir waren eine Gang
Balkon gegenüber (KETTCAR-Song)
Springen
Schwarzes Konfetti
Nur einmal rächen
Was wir tun werden
Haters Gonna Hate
Lattenmessen (KETTCAR-Song)
Vergiss den Quatsch (…BUT-ALIVE-Song)
Der Tag wird kommen

Was hätten wir denn tun sollen
Der Fernsehturm liebt den Mond
Deiche (KETTCAR-Song)

Copyright Fotos: Holger Ebert

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu MARCUS WIEBUSCH auf terrorverlag.com

Mehr zu PINK LINT auf terrorverlag.com