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MARILYN MANSON – ESOTERICA

Ort: Köln - Palladium

Datum: 19.11.2009

Was für ein Donnerstag! Kurz zuvor hatten wir die Bestätigung für MARILYN MANSON bekommen und mich hatte ausgerechnet an dem Tag, an dem es soweit sein sollte, eine Erkältung in einen nebeligen Dämmerzustand versetzt. Dennoch wollte ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen, da dies mein erstes MANSON Konzert sein sollte. Und so bestieg ich tapfer mit jeder Menge Taschentüchern bewaffnet um 17 Uhr das Auto meines mitreisenden Fotographen und wir machten uns auf den beschwerlichen Weg nach Köln. Beschwerlich deshalb, weil Baustellen und Staus sich die Hände reichten und wir gute 3 Stunden brauchten für eine Strecke, die man sonst auch locker in 100 Minuten schaffen könnte. Am Eingang des Palladiums verlief dann aber alles reibungslos und wir konnten relativ pünktlich zum ersten Stück von ESOTERICA den Saal entern.

Mein mitgereister Fotograph verschwand sofort dahin, wo er hingehört, nämlich in den Fotograben und ich suchte mir ein schönes Plätzchen in der Nähe der Bühne. Das war auch problemlos möglich, denn allzu viele Zuschauer hatten sich an diesem Abend nicht eingefunden. Die Briten von ESOTERICA begleiten MARILYN MANSON auf seiner kompletten Europatour und rockten an diesem Abend ordentlich nach vorne. Interessant auch zu erwähnen, dass man eine Bassistin mit an Bord hatte. Doch eher eine seltene Erscheinung. Und auch Sänger Tobias war durchaus interessant anzuschauen, ähnelte er doch vom Aussehen sehr einem jüngeren MANSON. Jüngst ist das zweite Album mit dem Namen „The Riddle“ erschienen und so hatte man sich für die 30minütige Spielzeit eine gute Mischung aus alten und neuen Songs zurecht gelegt. Unter anderem „Silence“ und „Watch this drive“ vom Debüt „The Fool“, außerdem „Samples“ und „Life is lonely“ vom aktuellen Longplayer. Die Show wirkte zwar zeitweilig noch etwas unbeholfen, wusste aber insgesamt zu gefallen und unter kräftigem Applaus verabschiedete man sich.

Zunächst wurde dann ein schwarzer Vorhang vor die Bühne gezogen und man konnte nur anhand der Nebelschwaden, die dahinter hervorquollen, erahnen, was gleich passieren würde. Man hörte die Fotographen schon fluchen und auch ich war nicht unbedingt begeistert als zu „Cruci – Fiction in Space“ der Vorhang fiel und man nichts, aber auch wirklich gar nichts sah, außer Nebel (Die Fotobedingungen waren wirklich eine Unverschämtheit, da kann man doch gleich darauf verzichten, Fotopässe [für einen Song] zu vergeben – der doch leicht erzürnte mitgereiste Fotograph). Zum Glück sollte sich das im Laufe des Konzerts noch ändern, aber so richtig lichteten sich die Schwaden nicht, so dass man erst sehr spät erahnen konnte, dass es auf der Bühne auch einen Drummer und einen Keyboarder gab. Und auch die wechselnden Banner im Hintergrund waren zumeist nur schemenhaft zu erkennen. Aber das sollte der Stimmung keinen Abbruch tun. Zwar hatten sich inzwischen auch nicht viel mehr Zuschauer als bei ESOTERICA eingefunden, die großen Zeiten von MANSON sind einfach vorbei und der Herr ist definitiv nicht mehr so „shocking“ wie noch vor ein paar Jahren, aber immerhin so an die 2000 Hardcorefans hatten sich doch auf den Weg Richtung Köln gemacht. Weiter ging es mit „Disposable Teens“ und „Pretty as a Swastika“ vom aktuellen Album „The High End of Low“. Dabei holte Herr MANSON dann auch gleich das erste „Schock“Element aus seiner Trickkiste, denn im Hintergrund wurden Flaggen gehisst, die recht offensichtlich der Nazizeit entlehnt waren – nur die Hakenkreuze wurden durch Dollarzeichen ersetzt. Es folgten die älteren „The Love Song“ und „Irresponsible Hate Anthem“, welche mit einer Deutschlandflagge um die Schultern und einem Stahlhelm auf dem Kopf intoniert wurden und zum Schluss gab es noch einen dekadenten Konfettiregen. Nachdem man mit den Nazianspielungen durch war, ging es dann zu den beiden neuen Titel „Four Rusted Horses“ und Devour“ weiter mit der „Wir sind gegen Kirche und Religion“-Anspielung in Form von umgedrehten Kreuzen, die mit Hilfe eines Scheinwerfers auf MANSONs Mantel projiziert wurden und einer Bibel die in seinen Händen in Flammen aufging usw. usf. Von allem etwas und für alle was dabei. Während der Fronter vorne seine Show abzog, standen die restlichen Musiker meist etwas unmotiviert auf ihren Plätzen und schienen gar nicht so richtig dazu zu gehören. Es folgten dann noch einige ältere Sachen wie „Coma White / Coma Black“ und „The Dope Show“ sowie „We’re from America“ (stilecht mit Amerikaflagge im Hintergrund) vom aktuellen Silberling. Und damit ging es dann auch schon dem Ende zu. Zum Abschluss gab es dann noch die beiden Coverversionen „Sweet Dreams“ (EURYTHMICS) und „Rock n Roll Nigger“ (PATTI SMITH) auf die Ohren, bevor man zunächst die Bühne verließ. Unter reichlich Applaus und lauten MANSON-Rufen konnte man sich dann aber noch zu einer Zugabe bestehend aus „If I was you´re Vampire“ und „The Beautiful People“ hinreißen lassen. Aber da machten wir uns schon auf den Heimweg, in der Hoffnung diesen möglichst schnell hinter uns bringen zu können. Immerhin saßen uns die Müdigkeit und die nicht vorhandene Gesundheit im Nacken.

Was das Konzert anbetraf, bin ich bis jetzt etwas zwiegespalten. Musikalisch war es einwandfrei und auch showmäßig bekam man durchaus etwas geboten, so dass mir das insgesamt ziemlich gut gefallen hat. Doch auf der anderen Seite muss man sagen, das MARILYN MANSON seine besten Tage wohl hinter sich hat und daran auch nicht mehr wird anknüpfen können, wenn er sich nicht einen „neuen Skandal“ einfallen lässt. Irgendwie wirkte die ganze Symbolik etwas ausgelutscht und nur halbherzig umgesetzt. Selbst mich als Erstbesucher konnte das nicht mehr wirklich in Erschrecken versetzen. Außerdem muss ich sagen, dass mir doch der eine oder andere Titel gefehlt hat. Besonders, dass man das „The Golden Age of Grotesque“ Album, für mich eines der Besten, völlig außen vor gelassen hat. Dennoch würde ich mir wohl jederzeit wieder ein Konzert des Herren Warner anschauen, da es musikalisch wirklich top war. Über alles andere könnte man sicher eine ganz eigenständige Abhandlung schreiben.

Setlist MARILYN MANSON
Cruci-Fiction in Space
Disposable Teens
Pretty as a Swastika
The Love Song
Irresponsible Hate Anthem
Four Rusted Horses
Devour
Dried Up, Tied an Dead to the World
Coma White/ Coma Black
The Dope Show
We’re from America
Rock is dead
Sweet Dreams (EURYTHMICS)
Rock n Roll Nigger (PATTI SMITH)

If I was you’re Vampire
The Beautiful People

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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