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MATT ROEHR

Ort: Dortmund - Live Station

Datum: 06.01.2008

Nun sollte es also soweit sein. Zweieinhalb Jahre nach dem grandiosen Abschied am Lausitz-Ring traute sich der erste „Böhse Onkel“ zurück auf deutsche Bühnen. Matthias „Gonzo“ Röhr, früher Gitarrist der BÖHSEN ONKELZ, hat im Oktober 2007 sein erstes Solo-Album „Barra da Tijuca“ herausgebracht, zusammen mit Sänger Charlie Huhn (früher u.a. TED NUGENT, VICTORY), Stephan Weiler (war schon bei ONKELZ-Konzerten als Keyboarder dabei) sowie mehreren südamerikanischen Musikern, und wollte dies nun auch live präsentieren. Dortmund, wo der Mann ja schon Großes erlebt hat, war als Tourauftakt auserkoren worden, nachdem man einige Tage zuvor Gerüchten zufolge einen geheimen Warm-Up Gig in einer kleinen Frankfurter Kneipe gespielt hatte.

Nach etwas längerem Warten am Einlass betraten wir gegen 19:30 Uhr die Live Station. In diese Location direkt am Dortmunder Hbf war das Konzert von MATT ROEHR wegen des schleppenden Kartenverkaufes, der wohl auch durch den recht hohen Ticket-Preis bedingt war, von der Westfalenhalle 2 kurzfristig verlegt worden. Also mal eine ganz neue Situation für den Ex-Gonzo, auch wenn von den ca. 400 Besuchern bestimmt 80 % mit Onkelz-Merchandise bekleidet waren. Da ein Support-Act weder angekündigt noch vorgesehen war, wurden die „Gonzo“-Rufe allmählich immer lauter und als die Musiker schließlich gegen 20:30 Uhr die Bühne betraten, brandete natürlich Jubel auf. Matt begrüßte seine Fans mit der Aussage, dass es ein schönes Gefühl sei, wieder zu Hause zu sein und gleich darauf legten die Musiker mit „Just be yourself“, „Best day of my life“ und „Garbage man“ auch los. Das Publikum ging recht gut auf die Songs ein und feierte mit, allerdings aufgrund der für viele doch eher ungewohnten Musik nicht so stark, wie es früher auf ONKELZ-Konzerten üblich war.

Charlie Huhn stand mittig auf der Bühne und trug die Titel, die live doch einiges rockiger wirken als auf dem Album, mit Elan vor. Gonzo, mit Baseball-Cap auf, glänzte dabei gut gelaunt mit seinem Gitarrenspiel, wobei er sein Können insbesondere bei den Soli zeigen konnte. Noch zu Beginn erläuterte er, dass auf dem Konzert alle Lieder vom neuen Album, aber auch alte Stücke aus der Karriere von Charlie Huhn und natürlich auch ihm selber gespielt würden. So ging es weiter mit „Master of destruction“ und „Pawn shop. Die Stimmung zwischen Band und Publikum war locker und gelöst. Auf die Ansage von Gonzo etwa, dass er ja mittlerweile in Südamerika lebe, rief jemand aus dem Publikum spontan „Mexicoooo!“, worauf er entgegnete: „Na, so weit nördlich nun auch nicht.“ Es folgte dann der spanische Song „Hasta un qualquier dia“, bei dem vor allem die südamerikanischen Musiker an Bass, Drums und Percussions mehr in den Vordergrund rückten. Auch Stephan Weiler am Keyboard kam dadurch, dass er im Vergleich zu ONKELZ-Konzerten direkt auf der Bühne platziert war, wesentlich besser zur Geltung und man konnte sehen, wie er bei den Songs richtig mitgeht.

Aus dem Publikum kamen immer wieder mal „Gonzo“-Rufe und sogar auch einige „Charlie“-Rufe, was zeigte, dass die Fans seine Gesangsleistung honorieren. Der Sound war sehr gut eingestellt und durch ein paar Stufen in der Live Station hat man auch von weiter hinten eine sehr gute Sicht auf die Bühne. Zwischendurch wurden dann auch Songs von anderen Bands gecovert, allen voran BOB DYLANs „All along the watchtower“, so dass genug Abwechslung zwischen den weiteren Nummern vom eigenen Album wie „Come back (another time)“, „Wheel of fortune“ oder „Sarcastic gutter blues“ entstand, bevor die Musiker nach dem ausschließlich instrumentalen Titelstück „Barra da Tijuca“ aber vorerst die Bühne verließen.

Wohl auch ein Grund für das Erscheinen der ONKELZ-Fans war die Hoffnung, wieder mal in den Live-Genuss einiger alten Klassiker ihrer Helden zu kommen. Im Publikum wurde auch prompt der Refrain von „Mexico“ angestimmt. Schon nach nur kurzer Pause kehrte die Band dann auf die Bühne zurück und spielte zunächst aber einen Titel aus der Karriere von Charlie („Weekend warrior“), auf den schließlich der von vielen sicherlich ersehnte erste ONKELZ-Song folgte, und zwar „Ein langer Weg“. Die Fans stimmten natürlich lauthals in den Gesang von Gonzo, der die Stücke seiner früheren Band vortrug, ein. Nach einem weiteren Song aus Huhns Vergangenheit, HUMBLE PIEs (bei denen Charlie ja auch mal aktiv war) 1971er „I don`t need no doctor“, folgte mit „Erinnerungen“ die nächste ONKELZ-Nummer, die jetzt für Gonzo selber auch sehr passend ist. Nachdem noch kurz die Textkenntnisse der Fans getestet wurden, erklang zum großen Finale mit „Mexico“ abschließend einer der größten ONKELZ-Hits überhaupt, was im Publikum natürlich zu noch größerer Begeisterung führt.

Mit der Vorstellung aller Musiker endete sodann ein gelungenes, zweistündiges Rock(´n´Roll) Konzert, das auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Für alle, die die Tour nicht begleitet haben, daher vielleicht der wertvolle Hinweis, dass die Show in Hannover einige Tage später für ein Live-Album aufgezeichnet worden ist. Es geht also weiter, zumal der Weidner auch schon fleißig an seinem Solo-Werk bastelt…

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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