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MAXIMO PARK – THERAPY? – JAPANESE VOYEURS (VISIONS WESTEND 2011)

Ort: Dortmund - FZW

Datum: 29.10.2011

Die Kollegen vom VISIONS Magazin luden am letzten Wochenende erneut nach Dortmund ins FZW zum VISIONS WESTEND Festival ein und… keiner kam, zumindest nicht pünktlich. Dabei hatte man den detaillierten Zeitplan des Festivals frühzeitig bekannt gegeben und den Beginn des samstäglichen Konzertes auf 19.45 Uhr festgesetzt.

Dennoch mussten die Jungs und ihre Frontfrau Romily Alice von JAPANESE VOYEURS kurze Zeit später vor fast leerem Saal die Bühne betreten und wirkten zunächst etwas verloren. Dabei war das, was die Londoner musikalisch präsentierten, durchaus hörenswert. Die Band existiert erst seit dem Jahre 2007 und hat 2011 ihr erstes Album „Yolk“ veröffentlicht. Die Songs dieses Albums, die musikalisch stark an die Grunge Welle der 90er Jahre erinnern, aber gerade in den instrumentalen Passagen dann auch gern einmal in Richtung Stoner Rock abdriften (dabei hatte es bestimmt rein gar nichts zu bedeuten, dass der Gitarrist ein KYUSS-Shirt trug…), stellten JAPANESE VOYEURS auch fast komplett an diesem Abend vor. Glücklicherweise füllte sich die Halle während des 30minütigen Auftritts und so gab es dann letztendlich doch noch einen ganz ordentlichen Applaus für einen recht beachtlichen Opener.

Setlist JAPANESE VOYEURS
Milk teeth
Blush
Dumb
Double cheese
Cry Baby
You´re so cool
Feed
Get hole
Closer
Smother me

Gekommen waren die Zuschauer an diesem Samstag jedoch wegen der beiden anderen Bands. Nach einer kurzen Raucherpause füllte sich der Saal vor der Bühne recht schnell und eine erwartungsvolle Stimmung lag in der Luft. Angekündigt waren nun folgend THERAPY? und diese hatten mit einem Special Set ihres Über-Albums „Troublegum“ geworben. Dieses gehörte und gehört schlichtweg in jede Plattensammlung eines über 30jährigen und dementsprechend war das Publikum, das vor der Bühne ausharrte, auch ein paar Tage älter (zumindest als das spätere von MAXIMO PARK). Besonders lustig war dies von hinten anzusehen, blitzten doch mittig vor der Bühne einige kahle Hinterköpfe auf. Dann war es endlich soweit – die Iren stürmten die Bühne des FZW und legten mit „Knives“ und „Screamager“ mächtig los. Die Setlist war natürlich keine großartige Überraschung, umso größer die (Vor-)freude auf den jeweils folgenden Song und THERAPY? bewiesen rein spielerisch auch anno 2011, dass sie keineswegs in den Ruhestand, sondern weiterhin auf die Bühnen dieser Welt gehören. Auch wenn die Songs von „Troublegum“ bereits 15 Jahre auf dem Buckel haben, konnte das Trio um Sänger Andy Cairns nicht nur die alten Fans in Nostalgie schwärmen lassen, sondern sicher an diesem Abend noch einige junge, neue Anhänger hinzugewinnen. Nicht nur die Qualität der Songs stimmte, auch hatte die Band sichtbar Spaß am Spielen und dieser Spaß übertrug sich schnell auf das Publikum. Sänger und Gitarrist grinsten um die Wette und heiterten die Ansagen mit Einlagen wie z.B. das Ansingen von „Nowhere Man“ zu ihrem eigenen folgenden Song „Nowhere“ auf. Etwas makaber, aber mit einem Zwinkern in den Augen widmeten sie dann auch ihren Song „Die laughing“ Amy Whinehouse. Noch eine Widmung gab es dann in Form des JOY DIVISION-Covers „Isolation“ für die anderen beiden Bands.

Nachdem das Album „Troublegum“ in voller Länge präsentiert war, füllten THERAPY? die restliche Spielzeit mit anderen Klassikern wie „Teethgrinder“, präsentierten aber auch mit „Living in the shadow of a terrible thing“ einen brandneuen Titel ihres 2012 erscheinenden neuen Albums, bevor sie mit „James Joyce“ dann nach etwas über einer Stunde Spielzeit die Bühne unter großem Applaus und zu dem Sesamstraßen-Song „Manamana“ verließen. Man darf sich auf jeden Fall auf eine Rückkehr der Band im Jahre 2012 freuen.

Setlist THERAPY?
Knives
Screamager
Hellbelly
Stop it, you´re killing me
Nowhere
Die laughing
Unbeliver
Trigger inside
Lunacy booth
Isolation
Turn
Femtex
Unrequited
Brainsaw
?
Living in the shadow of a terrible thing
Teethgrinder
Before you, with you, after you
James Joyce

MAXIMO PARK standen nun vor der nicht ganz leichten Aufgabe, die gute Stimmung aufrecht halten zu müssen oder sie als Headliner des Abends gar zu toppen versuchen. Für viele Bands eine schwierige Aufgabe, nicht jedoch für die Briten um ihren ungestümen Frontmann Paul Smith. Extra für das VISIONS WESTEND hatte die Band die Band ihren Studioaufenthalt unterbrochen und war exklusiv für eine Show in Deutschland angereist. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, begannen MAXIMO PARK ihr Set direkt mit „Girls who play guitars“ und schon hatten sie das Publikum auf ihrer Seite und in den folgenden 1 ¼ Stunden fest im Griff. Sichtlich genossen alle die Abwechslung zum Studio und gerade Paul Smith, der noch nie auch nur eine Minute auf der Bühne ruhig stehen konnte, schien an diesem Samstag einen noch größeren Bewegungsdrang zu verspüren.

Auch wenn MAXIMO PARK offensichtlich als Band agieren und blind miteinander kommunizieren, zieht Paul Smith dennoch immer wieder die größte Aufmerksamkeit auf sich und legte auch in Dortmund unglaubliche Strecken auf der Bühne zurück. Dazu bewies er auch in seinen Ansagen, dass er der perfekte Entertainer ist, gerade die immer wieder eingesprenkelten Deutsch-Kenntnisse (die nach seiner Auskauf nicht mehr wirklich vorhanden seien) kommen gut an und so war es dann auch „Time for a Liebeslied“. Nicht, dass dieses Smith dazu bewegen konnte, ruhiger zu agieren, zwar sprang er nicht mehr über die Bühne, aber Mimik und Gestik zeigten, dass er auch hier komplett in seinen Songs aufging und mitlitt. Beim folgenden „Kiss you better“ brach er dann plötzlich ab und entschuldigte sich, die erste Zeile vergessen zu haben, fragte aber nett beim Publikum nach, wer ihm helfen könne. Ein beherzter Sprung in den Graben, eine Souffleuse namens Nora und weiter ging‘s im Programm und der kleine Patzer war galant aus der Welt geschafft. Erwähnt wurde dann noch der Hochzeitstag des Schlagzeugers, weshalb die Band sich so schick gemacht und Blumen an die Anzüge gesteckt habe. Als dann eine sehr unterhaltsame Stunde vorbei war, wurde die Band noch einmal lauthals zurück auf die Bühne beordert und zu weiteren 3 Zugaben überzeugt.

Setlist MAXIMO PARK
Girls who play guitars
Wraithlike
The coast is always changing
Our velocity
Questing, not casting
Postcard of a painting
The kids are sick again
Graffiti
I want you to leave
In another world (You´d have found yourself by now)
The unshockable
Kiss you better
The penultimate clinch
Limassol
Bocks from boxes
Going missing

Waves of fear
By the monument
Apply some pressure

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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