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MAYHEM – DIMENSION F3H – ALTAR OF PLAGUES

Ort: Essen - Turock

Datum: 28.02.2008

Auch nach 25 Jahren Existenz und gut 15 Jahre nach den dramatischen Ereignissen schwebt der Name MAYHEM noch immer über allem, was mit Black Metal zu tun hat. Doch daran sind nicht nur alleine die Schlagzeilen der Vergangenheit Schuld, sondern auch und mittlerweile hauptsächlich starke Alben, wie „Chimera“ oder „A Grand Declaration of War“, die musikalisch neue Standards im Genre gesetzt haben. Und auch „Ordo ad chao“ wird ein Klassiker des Genres werden, woran neben der songwriterischen Klasse eines Blasphemers (Gitarre) und dem Ausnahme-Drummer Hellhammer insbesondere die grandiose Vocal-Performance von Attila Csihar „schuld“ ist, welcher ja schon den Meilenstein „De Mysteriis Dom Sathanas“ eingesungen hat und nun den Ur-Fronter Maniac fest ersetzt. Neben eindrucksvollen Alben sind MAYHEM natürlich für kontroverse und provokative Live-Shows bekannt, so dass nicht nur ich diesen Abend mit Spannung erwartete.

Eröffnet wurde die Show allerdings von den Iren ALTAR OF PLAGUES. Diese waren mir bis zu diesem Tag völligst unbekannt und die etwas schluderigen Aufbauarbeiten und die an den Gitarren befestigten Lämpchen (als Hilfe, damit man auch richtig die Saiten greift?) ließen mich etwas skeptisch werden. Und los ging es dann mit hypnotischen, verzerrten Riffs, etwas hölzern bretternden Drums und eingestreuten/ etwas schräg klingenden Soli. Die Vocals übernahm dabei der Drummer. Das 30 Minuten Set wurde dann allerdings doch recht langatmig, was vor allem an den monotonen und sich immer wiederholenden Sounds der Kollegen lag. Minutenlang die gleiche Rifffolge und die krächzenden Vocals des Drummers drangen recht unverständlich aus dem Hintergrund. Dazu schien das gesamte Set aus einem langen Song zu bestehen und da weder ich noch die bisher Anwesenden die Band und ihre Tracks kannten, war es recht schwer zu entscheiden, ob man in den eingeschobenen Pausen in/ zwischen den Songs nun Höflichkeits-Applaus spenden sollte, oder nicht. Zudem hatten AOP noch etwas mit ihrem Equipment zu kämpfen. So standen die einzelnen Teile des Drumkits nicht unbedingt sicher und auch fiel mal einem Gitarristen das Kabel aus der Buchse seines Instruments. Ich will gar nicht bezweifeln, dass die Songs von ALTAR OF PLAGUES auf Platte eine bedrückende und bedrohliche Atmosphäre erschaffen können, aber an diesem Abend und mit diesem Headliner, auf den die meisten Gäste hauptsächlich fixiert waren, war die Aufgabe diese Stimmung umzusetzen, kaum zu meistern.

Deutlich routinierter und versierter erwartete ich die Show von DIMENSION F3H, der Nebenband von LIMBONIC ARTs Morfeus. Die Band arbeitet derzeit an ihrem neuen Album und nutzt diese Tour, um wieder richtig in Fahrt zu kommen. Und so legten die vier Norweger auch gleich amtlich mit ihren Cyber-Thrash/ Black Metal los. Dabei präsentierten die Nordlichter Songs von ihren bisherigen Alben „Does the Pain excites you?“ und „Reaping the World Winds“, wie eben die jeweiligen Titelstücke oder das gefällig pumpende „Ecochamber“. In einer Pause erklärte Morfeus, dass man sich schon bewusst sei, dass man den meisten Leuten hier recht unbekannt ist und man diese Skepsis am ehesten mit einer Coverversion lockern könnte. Doch wer nun einen SLAYER-Song o.ä. erwartete, lag komplett falsch. Denn nun erklangen die Samples zu „Breathe“ von THE PRODIGY! Eine aussergewöhnliche Wahl, welche sich aber in der stampfenden Version von DIMENSION F3H richtig gut machte und damit gar zu ihrem besten Song avancierte. Auch ein neuer Titel wurde vorgestellt, welcher sich mit seinen walzenden Black/ Thrash-Riffs und den Elektrosamples gut in die bisherige Gangart einfügt, allenfalls ein Brickett direkter nach vorne geht. Gefälliger Auftritt der Norweger, die allerdings genauso wenig Zuspruch bei den deutlich auf MAYHEM fixierten Fans hatten, wie der Opener.

Die Black Metal-Legende stellte die Geduld der mittlerweile sicherlich über 350 Fans dann allerdings doch auf etwas auf die Probe. Fast 45 Min. dauerte es, bis sich das Licht dämpfte, beinahe der gesamte Raum mit Nebel zugeräuchert wurde und „Silvester Anfang“, das Intro der „Deathcrush“-EP, welches damals von TANGERINE DREAM & Conrad Schnitzler (KLUSTER) eingespielt wurde, erklang. Viele Bilder und Videos der letzten MAYHEM-Liveshows kursieren bereits im Internet und in denen sieht man Fronter Attila Csihar (SUNN O))), TORMENTOR) als Mumie, Diktator „Chaplin“ (der einer gewissen Person der deutschen Vergangenheit etwas sehr ähnlich sieht), Spiegelmonster, Sklaventreiber oder gar im Hasenköstum auftreten. So durfte man gespannt sein, welches Outfit der Ungar dieses Mal wählen würde. Mit den ersten Vocals des Openers „Deathcrush“ bahnte sich dann aus dem Hintergrund eine in eine Kapuzen-Robe gewandete Gestalt ihren Weg zur Bühne. Als sich der Nebel lichtete und Attila zum Bühnenrand schritt konnte man die die Augen verdeckende Maske und die unter der Kapuze hervor ragenden Kieferknochen eines Tierskeletts erkennen. Das monströse umgedrehte Kreuz um den Hals vervollständigte das heute Erscheinungsbild des legendären Fronters. Es ist immer wieder erstaunlich, welch düstere, ja fast greifbar schwarze Atmosphäre diese Band live entfaltet. Während Gitarrist Blasphemer und Basser Necrobutcher sich zurückhaltend um den druckvollen, brutalen und urtümlich kalten Sound kümmern und Hellhammer an seinem, für seine Verhältnisse recht kleinen, Drumkit wahre Meisterleistungen vollbringt, sorgen besonders die markerschütternden Vocals und die imposante Gesamterscheinung Csihars für mehrmaliges Erschaudern. Dabei intonierte der Sänger die älteren, von Vorgänger Maniac eingesungenen Stücke wie „View from Nihil“, „Ancient Skin“ oder das umjubelte „My Death“ genauso inbrünstig, wie die neueren „Anti“ oder das eindrucksvolle „Illuminate Eliminate“. Am meisten erwarteten die gut mitgehenden Fans neben dem Klassiker „Deathcrush“ natürlich den Song, der das Black Metal-Genre prägte, wie kaum ein anderer und noch immer als Standard für heutige Verlöffentlichungen steht: „Freezing Moon“. So gingen die Fans richtig steil, als die packenden Lyrics „Darkness is growing… The Eternity opens…“ durch die Halle wallten und der Sound noch mit passenden Projektionen auf der Leinwand untermalt wurde. Dieses Feature nutzten MAYHEM generell, um den Songs mit nicht ganz leicht verdaulichen Kriegs- bzw. Todes-Bildern mehr Nachdruck zu verleihen. Schweine-Köpfe gab es allerdings genauso wenig zu sehen, wie den zuletzt eingesetzten Tisch mit allerlei Utensilien, wie z.b. einen brennenden Globus.

Wie zum Anfang „Deathcrush“ darf am Ende eines MAYHEM-Sets natürlich „Pure Fucking Armageddon“ nicht fehlen, welcher das Turock noch mal richtig zum beben brachte. So war es allerdings doch ein recht kurzes 60 Min.-Set für eine Band, die mit „Pagan Fears“, „Carnage“, „Necrolust“ oder den grandiosen „Fall of Seraphs“/ „Psychic Horns“ locker Stoff für eine 90 Minuten-Show parat gehabt hätte. Dennoch haben sich MAYHEM mit „Ordo ad chao“ und den packenden Live-Shows einmal mehr als Vorreiter des Black Metal-Genres manifestiert. Auf Platte und insbesondere live setzen die Urväter der nordischen Black Metal-Welle weiterhin neue Standards in Sachen Musik und Atmosphäre, die nur von wenigen anderen Formationen erreicht werden können!

Setlist MAYHEM
Silvesteranfang
Deathcrush
Ancient Skin
Illuminate Eliminate
View from Nihil
Freezing Moon
Symbols of Bloodswords
Time to die
My Death
Anti
Pure Fucking Armageddon

Copyright Fotos: Sebastian Steinfort

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