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MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER – COOL KIDS OF DEATH

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 02.11.2006

Ganz offenbar hatte Väterchen Frost inzwischen den Weg nach Norddeutschland gefunden – draußen bibberte man bei den ersten Minusgraden, da ist es doch perfekt, wenn man sich in geschlossenen Räumen warm tanzen kann. Eine gute Gelegenheit dazu bot der flotte Zweier, der die Leute in Scharen in die Kleine Freiheit gelockt hatte.

Nach einer halben Stunde gespannten Wartens auf die Vorband aus Polen betraten allerdings zuerst einmal die Jungs der MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER die Bühne. In der Hand jeweils ein Schnapsglas – hm… hatten die beiden etwa COOL KIDS OF DEATH unter den Tisch gesoffen? Das Rätsel sollte sich umgehend klären, denn die sechs Herrschaften aus Lodz, die seit 1991 zusammen Musik machen, betraten ebenfalls die Stage und gemeinsam wurde auf den anstehenden Abend mit Wodka angestoßen und die TELEKOMMANDER erklärten, dass sie eine lange Freundschaft mit unseren östlichen Nachbarn verbindet und man sich gern gegenseitig in der jeweiligen Heimat supportet. Nun wollten wir aber auch mal was hören und so legten COOL KIDS OF DEATH mit heftigem Punk Rock los, der beim Publikum gut ankam und den ein oder anderen bereits zum Tanzen animierte. Der erste Song „Martwe Disko“ wurde auf dem 2004er Album „C.K.O.D“ zusammen mit anderen älteren Titeln noch einmal komplett in Englisch eingespielt. Überwiegend aber brachte Krzysztof Ostroswski, der sich in Polen auch einen Namen als Comic-Zeichner gemacht hat, die Stücke in seiner Muttersprache zu Gehör. Zur Hälfte der Show hin hatte Jakub Wandachowicz, der als Autor des Kultartikels „Generation Nothing“ über die polnische Jugend bekannt wurde, seinen großen Auftritt am Bass, der heftig durch die Kleine Freiheit waberte. Insgesamt ging der Sound nun mehr Richtung Stoner Rock und wurde noch tanzbarer. Ordentlich abrocken kann der Sechser definitiv, kein Wunder, dass die Band zuhause als ganz heißer Scheiß gehandelt wird. Nach etwa einer dreiviertel Stunde war in Osnabrück aber für unsere neuen EU-Mitbürger Schluss und erneutes Warten setzte ein.

Und nun also meine dritte Begegnung mit der MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER nach Bielefeld und Münster, heute zu einer vernünftigen Uhrzeit und natürlich wieder heiß erwartet von der lässigen Indie Kundschaft. Gestreiftes scheint ja momentan total im Trend zu sein und alte Pullunder, gut, dass ich die 70er Sachen im Keller aufbewahrt habe. Florian Zwietnig und Gerald Mandl legten alsbald in ihrer altbekannten Art voller Power los, mal mit Gitarre und Bass ausgestattet, mal im Hip Hop Style freilaufend und hüpfend auf der sehr niedrigen Stage. Der Laden war brechend voll und die Meute extrem feierwillig, zunächst machten nur die ersten Reihen Dampf, doch im Verlaufe des Sets breitete sich die Bewegungswelle bis nach hinten aus. Natürlich präsentierte man fast alle Songs der beiden Alben „Die ganze Kraft einer Kultur“ (2004) und „Näher am Menschen“ aus dem aktuellen Jahrgang. So etwa die neuen „Loft oder Liebe“, das selbstironische „Bild dir deine Meinung“, „Ein kleiner Widerstand“ oder „Mach das leiser“, was natürlich niemand wollte. Der „Sprengkörper“ wurde kurzerhand zum „Springkörper“ und das ganze Auditorium machte mit. Doch was war das? Relativ zeitig verschwand das Duo, das sollte doch wohl noch nicht alles gewesen sein? Ganz im Gegenteil, in einer Art Discokugel-Glitzer-Ganzkörperkleid mit Kapuze kehrten Flo und Gerald zurück, um jetzt erst richtig Dampf zu machen, die Single „Bis zum Erbrechen schreien“ war da natürlich der optimale Track. Überhaupt gefällt mir das Debüt eine Ecke besser, aber das habe ich ja an anderer Stelle schon verlauten lassen. „Trend“, „Panzer“ und natürlich die Hymne „Kommanda“, die am Ende des Hauptteils zelebriert wurde, sind ganz einfach fette Crossover Brecher und nun wurden sogar die ersten Stage Diver gesichtet. So ging es eigentlich fast nahtlos mit der ersten Zugabe los, „Was sie schon immer über die Mediengruppe wissen wollten“ in einer Art EBM-Version mit Stahlkuhglocke und Rassel am Ende. Doch auch das war es noch nicht, entgegen aller Anfeuerungsrufe wurde auf den Titel „Camouflage Yuppie“ von der ersten EP verzichtet, auch „Ausziehen“ war heuer nicht im Set. Doch die beiden noch ausstehenden Erstlingsstücke „Was ganz feines“ sowie „Fantastisch automatisch“ erfüllten ebenso perfekt ihren Zweck und entließen die Meute gegen Mitternacht ins eiskalte Freie oder auch nicht, denn anschließend stand noch die Donnerstägliche Disco auf dem Programm. Wenn die Chemie zwischen Fans und Band weiterhin so hervorragend funktioniert und die beiden jungen Herren ihre charmant jugendliche Art behalten, wird der Siegeszug der Mediengruppe sicher noch eine Weile anhalten.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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