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MEGAHERZ – COPPELIUS (UMSONST & DRAUSSEN PORTA 2008)

Ort: Veltheim -Weserwiese

Datum: 01.08.2008

Porta Westfalica? Dort ein Terror-kompatibles Konzert? Bisher haben wir das „Umsonst und Draussen“-Festival im engeren Einzugskreis etwas außer Acht gelassen. „Leider“ muss man fast sagen, denn schon allein die (zugegebenermaßen neue) beeindruckende Location direkt vor dem Kraftwerk birgt ein besonderes Flair, das auch einige Bands in den Bann zog. In diesem Jahr brachen wir auf, um die Auftritte von COPPELIUS und MEGAHERZ an diesem ersten Festival-Abend erleben zu dürfen. Unproblematische Parkplatzsuche ob der guten Organisation und ein paar leckere Essensstände später standen wir pünktlich um 21:30 vor der Hauptbühne der Veranstaltung. Allerdings zögerte sich der Beginn dann wegen einiger technischer Probleme noch eine ganze Weile hinaus, in der allerdings die Herren von COPPELIUS ihre Interaktivität und ihr Improvisationstalent bewiesen. Denn zur Überbrückung der Wartezeit verteilte man mit einigen witzigen Sprüchen ein Bier in der ersten Reihe. Allerdings waren alle Protagonisten des Abends noch in Band-Kapuzenshirts gewandet und hatten allesamt selbige über den Kopf gezogen. Schade, denn ich hatte COPPELIUS bereits als Support der LETZTEn INSTANZ erlebt und freute mich nicht nur auf den musikalischen Genuss, sondern auch auf gute Foto-Motive.

Doch meine Zweifel diesbezüglich verschwanden, als nach einem kurzen Intro der „Diener“ auf der Bühne in feinstem Zwirn mit Gehrock und Zylinder gekleidet erschien, in der Hand eine Laterne, die nach und nach die Bühne erhellte und somit konnte die Vorstellung beginnen. Es folgten ihm alle Mitglieder des Ensembles – ebenfalls alle „fein“ gekleidet und gruselig geschminkt: Gepuderte Gesichter, schwarze Augenringe und hier und da meinte man, Blut aus einer Mundecke laufen zu sehen. Mag auch der unvorbereitete Zuschauer zunächst gedacht haben, dass ein Konzert eines Kammerorchesters bevorstand wegen des Kontrabasses, des Cellos und der zwei Klarinetten, so straften die Herren dieser Eingebung mit den ersten Takten Lügen. Denn „gesittet“ ging es von nun an auf der Bühne nicht mehr zu: Die Hauptstädter haben eine besondere Affinität zu IRON MAIDEN, die sie in ihrer unnachahmlichen Weise, die stark an APOCALYPTICA erinnert, covern. Wie beschrieb mein Kollege bei einem vorhergehenden Bericht so passend: COPPELIUS wirken wie eine Mischung aus APOCALYPTICA und TIM BURTON. Wobei sich die aus Berlin stammende Band allerdings viel Eigenständigkeit bewahrt hat und neben Cover-Versionen auch einiges an eigenem Liedgut aufführt. Die beiden Männer an den Klarinetten sorgten dabei abwechselnd mit dem „Diener“ für den Gesangspart, aber auch Klarinettensoli kamen nicht zu kurz. Gemosht wurde, was das Zeug hielt, und so hatten nach kurzer Zeit Max Coppella (Klarinette, voc), Graf Lindorf (Cello, voc), Nobusama (drums), Comte Caspar (Klarinette, voc), Sissy Voss (Baß) und Diener Bastille (voc) die Leute vor der Bühne in ihren Bann gezogen und lockten sogar immer mehr Begeisterte an. Ein kurzes, nasses Intermezzo von oben konnte den Spaß nicht trüben und so wurden zu guter Letzt sogar zwei nicht geplante Zugaben gespielt. Hier paarten sich wahrlich Kurzweil, Spielfreude und musikalisches Können zu einem Gesamtkunstwerk. Letztes Jahr ist die längst überfällige CD „Time-Zeit“ erschienen. Aber man sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen, den „Heavy Wood“ (angelehnt an Heavy Metal) von COPPELIUS einmal live zu erleben. Empfohlen sei noch ein Klick auf die wirklich gut gemachte Homepage der Band: www.coppelius-band.de
(JR)

Setlist COPPELIUS (ohne Gewähr)
Transylvania
Schöne Augen
Operation
I’d rather be dead
Time-Zeit
Morgenstimmung
Creator
Ouvertüre
Phantom of the Opera
Amulett
Urinstinkt
Killers
I Get Used to it
Zugabe:
Escapade I
?

Was will man mehr? Sternenklarer Himmel, angenehm warme Temperaturen, keine Eintrittskosten, begleitet von der Liebsten/ guten Freunden und auf der Bühne eine Band, die in diesem Fall MEGAHERZ heißt und in ihrer mittlerweile 15jährigen Bandgeschichte die eigene Jugend musikalisch entscheidend mitgeprägt hat! Pünktlicher Beginn wäre da so ziemlich der einzige Malus, der mir einfällt, denn statt wie angekündigt um 23:30 Uhr die Weser-Bühne des Umsonst & Draußen Festivals mit Liederklang zu erfüllen, legte das Münchener Quintett erst um 00:25 Uhr los.

Nach kurzem Intro schmetterte man gleich mal eben den Knaller „Glass und Tränen“ über das für die Zeit noch recht gut besuchte Festivalgelände und entschädigte das erwartungsvolle Warten meinerseits genau so, wie es meine Befürchtungen zerschlug, aufgrund des Sängerwechsels möglicherweise „nur“ die neuen Sachen auf die Ohren zu bekommen. Doch davon keine Spur, denn nach kurzer Begrüßung, bei der die „geile Kulisse“ vor dem Kraftwerk in Porta (zurecht!) gewürdigt wurde und man die Freude über das Touren zum Ausdruck brachte, schickte man mit „Tanz auf dem Vulkan“ ein noch früheres Stück hinterher. Unter den noch zahlreich verbliebenen Besuchern waren so einige echte Mit-MEGAHERZ-Fans auszumachen, doch auch die nicht ganz so mit der Materie Vertrauten kamen langsam in Fahrt. Die Single-Auskopplung „Mann von Welt“ von dem erst vor knapp einer Woche erschienenem Album „Heuchler“ änderte daran nichts: „Diesen Song widmen wir allen Egomanen, die aus allem Geld machen und für den Profit über Leichen gehen. Wenn man sich umsieht, steckt wohl in vielen um uns herum ein kleiner Mann von Welt; nehmen wir zum Beispiel den Chef, der immer mehr von dir fordert für immer weniger Geld. Druck, Druck, Druck und der obligatorische Tritt nach unten. Wir strecken dieser ganzen Geht-nicht-gibt’s-nicht-Gesellschaft den Stinkefinger ins Gesicht und sagen: Geht nicht gibt’s doch, Arschloch!“

Mit dem neuen Sänger Lex hat man scheinbar nun endlich den passenden Ersatz für „Alexx“ Wesselsky gefunden. Auch wenn ich anfangs ziemlich skeptisch war, finde ich ihn allemal besser als den Versuch mit dem Herren Elsholz und bin nun nach diesem Auftritt in dieser Hinsicht zufrieden gestimmt. Die mal tiefe, mal kratzige Stimme kommt live sowohl bei den neuen Sachen sehr gut wie auch bei dem folgenden „Herzblut“ aus der Wesselsky- und dem anschließenden „Ja Genau“ aus der Elsholz-Zeit. Auch der neue Schlagzeuger Jürgen Wiehler, dessen Spitzname „Bam Bam“ durchaus Programm ist, bewies seine Qualitäten bei neuen Stücken wie „Fauler Zauber“ oder Klassikern wie „Beiss mich“. Als nächstes gab es dann „I.M. Rumpelstilzchen“, begleitet mit den vom Album bekannten Sprachsamples, was der nun wirklich ausgelassenen Stimmung weiteren Grund zur Erheiterung gab. Die „Herzen“ spielten sauber und trotz der Besetzungswechsel routiniert und der Sound fand ordentlich und kräftig wummernd seinen Weg in die ihn gierig aufsaugenden Gehörgänge der feiernden Meute vor der Bühne: Wirbelnde Haare, nickende Köpfe, gestreckte Fäuste und reichlich Gepoge, während auf ihr auch Lex in Freddie-Mercury-Manier performte und gut abging. Dabei scheint er die neuen Kompositionen wie „Ebenbild“ und „Heuchler“ genau so zu leben wie er sich auch mit Altbekanntem wie „Gott sein“ identifiziert. Jenes wurde an diesem Abend wie eine Mischung aus dem Original von 1997 und der sieben Jahre später folgenden Neuinterpretation vorgetragen – was sehr zu gefallen wusste.

Für einen kurzen Augenblick verschwanden die Münchener dann von der Bühne, nur um eine halbe Minute später den lauten, umgehend einsetzenden „Zu-ga-be! Zu-ga-be!“-Rufen nachzukommen: „Wir haben euch am Anfang so lange warten lassen müssen, da sparen wir uns das jetzt einfach!“. Lex lobte die „geile Stimmung trotz der späten Stunden“ und kündigte das vielerorts geforderte „Miststück“ an, welches dann richtig abgefeiert wurde! Dem folgte das gnadenlos gute „Kopfschuss“, bei dem die Anwesenden noch mal alles gaben, um den Abend dann mit dem neuen Stück „L’Aventure“ und „5. März“ ausklingen zu lassen, bis die Jungs von MEGAHERZ um 1:45 Uhr nach einem mega Auftritt dann mit mega Applaus verabschieden wurden. Mega-gut!
(AV)

Setlist MEGAHERZ
Glass und Tränen
Jordan
Mann von Welt
Herzblut
Ja genau
Fauler Zauber
Beiss mich
Rumpelstilzchen
Freiflug
Ebenbild
Heuchler
Gott sein

Miststück
Kopfschuss
L’Aventure
5. März

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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