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MEGAHERZ – EISBRECHER

Ort: Paderborn - Unifest

Datum: 23.06.2005

Allergeilstes Wetter und die Aussicht zwei im wahrsten Sinne des Wortes coole Bands zu erleben sollte Grund genug sein, dieses Jahr das Paderborner Unifest zu besuchen. Vor allem bot die Konstellation „Erst EISBRECHER, dann MEGAHERZ“ schon im Vorfeld Raum für Spekulationen, welche Überraschungen denn heute auf uns warten könnten. Und so machten wir uns bereits gegen 15 Uhr auf in die katholischte aller Städte, da wir Alexx und die übrigen EISBRECHER auf keinen Fall verpassen wollten. Nachdem die Jungs im Vorjahr das Konzert an selber Stätte kurzfristig absagen mussten, sollte dies nun also unsere erste Begegnung mit den Süddeutschen sein, meiner Meinung nach war dies auch der allererste Gig in NRW überhaupt.

Überpünktlich gegen 16 Uhr ertönten auch schon die ersten Klänge auf der etwas abseits gelegenen Bühne „P“, wofür auch immer dieser Buchstabe stehen mag. Aber hier handelte es sich noch um einen kurzen Soundcheck. Was allerdings bereits deutlich wurde: Herr Wesselsky hatte ein Bein in Schienen gelegt und eine Krücke dabei (stilecht komplett schwarz getaped), wie bereits einen Tag vorher in Heidelberg. Eine kurze Nachfrage ergab, dass es sich um ein chronisches Leiden und keine akute Verletzung handelte. Jedenfalls war das schon lustig mitanzusehen, wie der braungebrannte, glatzköpfige Hüne auf einem Barhocker Platz nahm, in Krachlederner und Bajuwarenhemd ein „perfekter“ Botschafter seines Bundeslands. Neben ihm positionierte sich Noel Pix an der ersten Gitarre, der ja maßgeblich für die Kompositionen verantwortlich zeichnet. Dazu kamen dann noch 1 Keyboarder, 1 leicht abgespacter zweiter Mann an der Gitarre, ein Herr mit glitzerndem Bass und der Zitat „schönste“ Drummer der Welt, natürlich oben ohne. Elektronischer Trip Rock, so nennen es die Jungs selber, live hört sich das ganze aber schon wie eine leicht modifizierte Neue Deutsche Härte Darbietung an. Die Gitarren braten stampfende Riffs, die Keyboards blubbern dezent, und der gute Alexx verwöhnt die Ohren mit seiner bekannt markig sonoren Stimme. Aber das ist noch längst nicht alles! So wie man es von ihm gewohnt ist, brachte der Powerbayer mit seinen Sprüchen die noch nicht allzu zahlreiche Menge in Wallung und zum Klatschen. Dabei war offensichtlich, dass eine Handvoll Grufties sowie einige eingefleischte Fans neben den neugierigen Studis das Rückgrat der Audience bildeten. Über unseren Bildungsnachwuchs hatte AW immer einen netten Spruch auf Lager, wie etwa: „Duckt euch und lasst euch verhauen wie immer, ihr seid ja nicht mehr die 68er“. Oops, der war ja gar nicht so nett, hat aber kaum jemand bemerkt. Sprüche gegen Ratzinger und die Kirche im allgemeinen fehlten natürlich ebenso wenig wie ein Haufen Selbstironie: „Jetzt kommt einer unserer größten Hits“ – „Tu doch nicht so, als ob du das Stück kennen würdest“ – „Mit unserer Brachialmusik können wir bei den Mädels heutzutage einfach nicht mehr punkten“. Usw usw… Musik wurde auch gespielt, die natürlich vornehmlich vom selbstbetitelten Album stammte. Neben ein paar etwas belangloseren Nummern konnten Stücke wie „Willkommen im Nichts“ oder natürlich die „Schwarze Witwe“ voll punkten. Dazu kamen – Überraschung – 3 MEGAHERZ-Songs, das heftige „Du oder ich“ sowie die Klassiker „Beiss mich“ und „Miststück“ in der Zugabe. Folgende Gedanken schossen mir durch den Kopf: Würden MEGAHERZ jetzt im Hintergrund zitternd einen Song nach dem anderen aus IHRER Setlist streichen? Aber es sollte später noch etwas bizarrer kommen! Jedenfalls konnten EISBRECHER mit ihrer fast 70 minütigen Performance sehr ordentlichen Beifall einheimsen, und am Ende bildete sich sogar ein Minipit.

Battle of the Bands, Teil 2: MEGAHERZ hatten gerade 15 Minuten Zeit, die Bühne zu präparieren, und da auch ein neues Drumkit platziert werden musste, war dies eine sportliche Aufgabe. Dann gab es erst mal ordentlich Probleme mit der Technik, so dass der verlängerte Soundcheck den eigentlichen Gig erst um 18 15 beginnen ließ, eine halbe Stunde verspätet. Man verzichtete daraufhin auf die geplanten 5 Zugabensongs, soviel nehme ich schon mal vorweg. Diese Bayern hatte ich in Osnabrück zu später Stunde bereits einmal gesehen, und ich war gespannt, ob sich mein damaliges Urteil über den neuen Sänger Mathias Elsholz bestätigen würde. Der gute Mann hat stimmlich einiges drauf, aber leider (noch) kein besonders großes Charisma auf der Bühne. Vor allem versteht er es nicht, die Zuschauer mit packenden Ansagen zu animieren, irgendwie wirkt er da ein wenig schüchtern und verloren. Manchmal fängt er einfach Sätze an, ohne sie zu beenden, und manchmal erzählt er merkwürdig missverständliche Sachen. Typisches Beispiel kurz vorm Ende: „Noch 2 Lieder und ihr könnt zu JULI gehen.“ Erstens waren JULI Stunden später angesetzt, zweitens hörte sich das extrem unselbstbewusst an. Die Zuschauer pfiffen offensichtlich gegen JULI, das verstand der Grauhaarige dann aber falsch, und schob fast hilflos ein „Das war nett gemeint, ich wollte JULI nichts böses…“ Wenn der Herr sich aber aufs Singen beschränkt, beweist er absolute Klasse bei neuen und alten Songs. Noch merkwürdiger aber gestaltete sich die Szene, als Alexx sich vorne zu den Zuschauern gesellte und für Fotos posierte, während sein Nachfolger SEINE Texte zum besten gab, die Wesselsky dann als Zuschauer hinter dem Wellenbrecher wiederum lauthals mitsang. Zudem wurden 2 der bereits einmal intonierten Songs („Miststück“ und „Beiss mich“) nun noch mal gespielt, wobei man das letztgenannte beim ersten Versuch instrumental versemmelte, und es noch einmal von Beginn an wiederholte. Das hört sich jetzt aber sicher alles schlimmer an, als es war. MEGAHERZ fingen sich und konnten mit einigen frischen NDH-Rockern á la „Hurra wir leben noch“ die Stimmung zum Guten drehen. Allerdings für mich unverständlich, warum man Zugaben-Hits wie „Gott sein 04“ oder „Jordan“ nicht ins reguläre Set einbaute, wenn man schon genau wusste, dass die Zeit nicht für eine Zugabe reicht.

So ging der direkte Vergleich zweier im Ansatz sehr ähnlicher Kapellen an diesem Abend zugunsten EISBRECHERs aus, ohne dass die „Herzen“ enttäuscht hätten. Richtig geil wäre es natürlich gewesen, wenn man noch ein Duett dargeboten hätte, zumal man sich ja offensichtlich „versöhnt“ hat. Beide Acts wirken aber sicherlich in kleinen verrauchten Clubs besser als im hellsten Sonnenschein. Damit waren die härtesten 2,5 Stunden in Paderboring auch schon wieder vorbei, und während viele sich jetzt von JOACHIM DEUTSCHLAND, DEICHKIND oder JULI berieseln lassen wollten, traten wir die Heimreise an. Bei dem Aussehen der Studentinnen heutzutage kam auf der Rückfahrt bei mir leise Wehmut auf, dass meine akademische Zeit schon ein paar Tage hinter mir liegt…

Setlist EISBRECHER
Polarstern
Herz steht still
Willkommen im Nichts
Angst
Dornentanz
Taub – stumm – blind
Du oder ich
Eisbrecher
Beiss mich
Schwarze Witwe
Zeichen der Venus

Mein Blut
Miststück

Setlist MEGAHERZ
Dein Herz schlägt
Göttlich
Beiss mich
Liebestöter
Herzblut
Komm rüber
Ja genau
Glas & Tränen
Rumpelstilzchen
Hurra wir leben noch
Es tut weh
Zeig mir dein Gesicht
Miststück

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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