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MEGAHERZ – EXILIA

Ort: Osnabrück – Bastard Club

Datum: 20.01.2012

In der Szene der Neuen Deutschen Härte gibt es zwei markante Glatzköpfe, die beide mit der Münchner Kapelle MEGAHERZ in Verbindung gebracht werden. Der eine heißt Alexander „Alexx“ Wesselsky ist seit geraumer Zeit Fronter bei EISBRECHER und hat MEGAHERZ 1993 gegründet. Der andere ist Alexander „Lex“ Wohnhaas und hat den Job am MEGAHERZ-Mikro 2007 übernommen. Inwieweit optische Ähnlichkeiten zufällig oder gewollt sind, lassen wir mal dahingestellt, klar ist, dass EISBRECHER eindeutig mehr Erfolg haben, MEGAHERZ sich davon aber keineswegs ins Bockshorn jagen lassen. Passend zum VÖ-Termin ihrer neuen Platte „Götterdämmerung“ machten die Bayern jetzt Station im Osnabrücker Bastard Club, um die Songs der siebten Studio-Langrille unter die Schwarzkittel zu bringen. Natürlich gab es außerdem auch jede Menge altes Material auf die Ohren und selbstverständlich waren Lex und seine Mannen nicht allein an die Hase gekommen, sondern hatten sich italienische Unterstützung mitgebracht.

Die Rede ist von der Nu-Metal-Combo EXILIA, die pünktlich um 20 Uhr auf der kleinen Bühne des Bastard Clubs losrockten. Von der Urbesetzung ist inzwischen nur noch der kleine Schreihals Masha mit von der Partie, die Herren an den Instrumenten wurden im Laufe der Jahre allesamt ausgetauscht, haben aber alle bereits am kommenden Album „Decode“ mitgearbeitet, von dem es auch bereits erstes Material zu hören gab. Beispielsweise „Satellite“ (der Lieblingstrack der agilen Fronterin) und zudem noch das knackige „Emily“. Fehlen durften natürlich auf keinen Fall die beiden Hits „Stop Playing God“ und „Coincidence“, die beide auf und vor der Stage amtlich abgefeiert wurden, nachdem Masha zuvor bei „Far From the Dark“ zum Sechssaiter gegriffen hatte und für den ruhigen Start der Nummer sorgte. Ansonsten gab’s in diesen ersten 35 Minuten ziemliches Geschrammel und Geschreie, das seine großen Tage zweifellos schon etwas länger hinter sich hat, aber dennoch zu unterhalten wusste.

Setlist EXILIA
Kill Me
The Hunter
Satellite
Far From The Dark
Emily
No Colours
Stop Playing God
Coincidence

Nach dem halbstündigen Change Over nahmen dann jedoch die fünf gestandenen Männer zu einem Intro auf der Bühne Aufstellung, wegen denen der Keller des Bastards Clubs sich gut gefüllt hatte. Bereits mit den ersten Klängen von „Glas und Tränen“ ging das Publikum steil und fraß Lex aus der Hand, der gleich mal mit „Beiß mich“ und „Kopfschuss“ zwei weitere Kracher der MEGAHERZ-Diskografie nachlegte, die zu einem so frühen Zeitpunkt entstanden sind, als von der aktuellen Besetzung lediglich Christian „X-ti“ Bystron (Gitarre) und Werner „Wenz“ Weninger (Bass) mit von der Partie waren. Gleiches gilt für einen meiner Favoriten „5. März“, der als nächstes zum Vortrag gebracht wurde, ehe mit „Jagdzeit“ ein neuer Track auf der Setlist stand, für den eine „Jägerin“ die Bühne enterte, um dort den Herren den Kopf zu verdrehen und gelegentlich auch ins Mikro zu hauchen. Weiter ging’s mit ebenso knackigem wie frischen Songmaterial namens „Prellbock“, ehe der glatzköpfige Fronter für „Mann im Mond“ (ebenfalls just aus dem Presswerk gekommen) in einen weißen Gehrock schlüpfte und für einen Moment das Tempo ein wenig gedrosselt wurde – wohlgemerkt nur das Tempo, keinesfalls der Druck! Vom 2008er „Heuchler“ schloss sich das krachende „Fauler Zauber“ an, bevor Stakkatosounds und Lichtblitze beim brandneuen „Rabenvater“ folgten. Bei „Dein Herz schlägt“ (2004 auf „5“ erschienen) gab es Lex’ äußerst sonoren Gesang zu hören, der im Anschluss das Auditorium zu einem „Freiflug“ einlud. Zunächst nur mit Stahlsaiter, Drums (seit 2007 der Arbeitsplatz von Jürgen „Bam Bam“ Wiehler) und Vocals intoniert, nahm man hier etwas Gas raus und holte dann schnell die Kollegen X-ti und Neuzugang Christoph „Chris“ Klinke an den Stahlsaitern zurück auf die Stage. Belohnt wurde der Song mit viel Applaus, ehe es mit „Feindbild“ zu bunten Lichtreflexen, die acht vertikale Lichtbalken im Bühnenhintergrund produzierten, erneut rund ging. Ein Abendgebet der besonderen Art bescherten MEGAHERZ ihren Fans dank „Gott sein“, um sich nach dieser Nummer um 22.10 Uhr am Ende ins Off zu verabschieden.

Mit Wunderkerzen und einem Barhocker bewaffnet kehrte Herr Wohnhaas jedoch schon bald zurück und verkündete, dass es zu „Licht am Ende der Welt“ eine Premiere bei MEGAHERZ gäbe – ein Meer aus Wunderkerzen, das umgehend den vergleichsweise getragenen Song visuell begleitete und im Anschluss olfaktorisch erhalten blieb. Im Anschluss durfte unterm „Abendstern“ getanzt werden, bevor der „Heuchler“ Vollgas gab. Es folgt ein weiterer kleiner Break, um schließlich „Heute Nacht“ und natürlich die Hymne „Miststück“ abzufeiern, die sich bekanntermaßen MEGAHERZ und EISBRECHER teilen. Auch wenn MEGAHERZ üblicherweise vor kleineren Kulissen spielen als die Kollegen von EISBRECHER, so lassen doch weder Bühnenpräsenz noch Musik bei den Erstgenannten etwas vermissen. Demnächst läuft der EISBRECHER mit der neuen Full Length „Die Hölle muss warten“ wieder aus, dann darf verglichen werden, wer seine Sache unabhängig von der Größe der Location besser macht.

Setlist MEGAHERZ
Intro
Glas und Tränen
Beiß mich
Kopfschuss
5. März
Jagdzeit
Prellbock
Mann im Mond
Fauler Zauber
Rabenvater
Dein Herz schlägt
Freiflug
Gott sein

Licht am Ende der Welt
Abendstern
Heuchler

Heute Nacht
Miststück

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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