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MELT! 2008 – TAG 1

Ort: Gräfenheinichen - Ferropolis

Datum: 18.07.2008

TAG 1

Melt! 2008. Let’s have a Party! Und was für eine – Mitte Juli trafen sich im wunderschönen Ferropolis zu Gräfenhainichen wieder Abertausende, um gemeinsam bei heißen Beats und krachenden Gitarren bis in die frühen Morgenstunden durchzufeiern. Mit einer Modifizierung des Festivalgeländes konnten die Organisatoren das Fassungsvermögen nochmals steigern und bescherten dem Festival erneut einen Zuschauerrekord. Über 20.000 Feierwütige pilgerten am Freitag und Samstag zu Bands wie FRANZ FERDINAND, den STEREO MC’S oder auch ADAM GREEN. Der Abschlusstag stand ganz im Zeichen einer großen Dame. Eine der großen Damen des Pop – der Isländischen Künstlerin BJÖRK.

Freitag 18.07.2008

Die Koffer sind gepackt und die Getränke vollzählig – es kann losgehen. Zur großen Überraschung völlig staufrei, jedoch mit dem ersten großen Regenschauer. Es sollte nicht der Letzte gewesen sein. Kurz nach Mittag glänzt unser Zelt auf der wildwüchsigen Wiese und es ist Zeit, sich mal ein wenig umzuschauen. Das übliche Bild: Grillfeste, Bierduschen, übervolle Dixies und jede Menge Musik – vermischt mit einem seltsamen Geruch, der mich das ganze Wochenende ungewollt begleiten sollte. Ausruhen ist nicht, deshalb geht es mit dem Shuttle-Bus zum Ferropolis. Diese Verkehrsmittel erweisen sich über das ganze Wochenende als zuverlässig und hilfreich. Aller paar Minuten grüßt ein freundlicher Busfahrer und lässt Klassenfahrt-Feeling aufkommen. Was sagt die Zeit? 16.30 Uhr. Ungewöhnlich für mich, dass noch keine Live-Musik erklingt – Konservenwahre ist das Stichwort. Diese liefert MTV-Guru Markus Kavka auf der Big Wheel Stage, einem Freiluftbereich direkt neben einem kleinen Spielplatz. Dicke Bässe, wildes Gezappel und das alles um halb 5. Ich fass es nicht. Die Technik offenbar auch nicht, denn die Übergänge zwischen den Krachern dauern mitunter schon mal mehrere Minuten. Aua! Also ab zurück auf den Campingplatz und für den Abend stärken.

Nachdem auf der großen Converse Main Stage FOTOS und LIGHTSPEED CHAMPION erste musikalische Akzente setzen konnten, machen sich die Engländer von BLOOD RED SHOES auf, der tanzenden Meute eine Prise Rock ’n’ Roll zu verpassen. Bisher immer mit den WHITE STRIPES verglichen, zeigen sie heute, dass sie in punkto Eigenständigkeit einiges zu bieten haben. Zwar punkten sie weniger durch ihre Performance, doch wer Ohrwürmer wie „Say Something Say Anything“ durch die Boxen jagt, darf sich über kräftigen Applaus seitens des Publikums nicht wundern. Gut, hier hat jeder dritte eine Tüte in der Hand, aber auch die cleane Fraktion hat heute ihren Spaß. Den verstehen die beiden Briten offenbar auch – hoffentlich! Denn als sie einen METALLICA-Song ankünden, der sich als „Nevermind“ entpuppt, überkommt mich zwar kurz die Übelkeit, wenig später die Vermutung, dass dies ein Hammer-Gag sein sollte. Na ja, richtig witzig war es nicht. Mit „I Wish I Was Someone Better“ endet ein schöner Auftritt einer hoffnungsvollen Band. So kann es weiter gehen.

Wer mich im Vorfeld fragte, auf welchen Künstler ich mich beim Melt! am meisten freue, stand nur einer ganz oben auf der Liste: ADAM GREEN. Das Enfant Terrible des Amerikanischen Pop legte mit seinen Alben „Gemstones“, „Jacket Full Of Danger“, „Sixes And Sevens“ wahre Meilensteine des sogenannten Anti-Folk auf den Tisch. Aus diesem Fundus an großen Songs präsentiert uns der kleine Schelm eine kunterbunte Mischung. Die scheint er auch vorher genommen zu haben, denn seine Mimik und Gestik scheint nicht von dieser Welt. Eine Wonne, diesem Mann auf der Bühne zuzuschauen. Zusammen mit seiner Band liefert er eine Perle nach der anderen, sei es das eröffnende „Caroline“, das bitterböse „Jessica“ oder das feilschnelle „Crackhouse Blues“. Aber auch „Nat King Cole“ und die letzte Single „Morning After Midnight“ dürfen natürlich nicht fehlen. Leider sind 60 Minuten bei einem Künstler wie Adam Green, eine verdammt kurze Zeit… Ein großartiger Auftritt, der wohl schwer zu toppen sein dürfte.

Dies versucht im Anschluss die gebürtige Londonerin KATE NASH. Doch zunächst peitscht ein unglaublicher Wolkenbruch dazwischen. Die Leute versuchen sich irgendwie in Sicherheit zu bringen – oftmals vergeblich. Der Regen verursacht offensichtlich nicht nur Probleme mit der Kleidung, denn der geplante Auftritt wird um eine Stunde nach hinten verschoben. Ob es nun am schlechten Wetter lag, oder die offizielle Version von technischen Problemen der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Nach der besagten Stunde hat sich der Regen wieder verzogen und die junge Sängerin kann am Klavier Platz nehmen. An diesem trällert sie sich durch ihr Album „Made Of Bricks“, ohne für große Jubelarien zu sorgen, „Foundation“ lässt das leicht geschrumpfte Publikum wieder etwas aufleben, das ansonsten eher unterkühlt und durchnässt auf die Sonne zu warten scheinen. Um die Mitternachtszeit ein schier unmögliches Unterfangen.

Mit DEUS soll es nun aber wieder rockiger werden. Überraschend abwechslungsreich und filigran zocken sich die Belgier durch 20 Jahre Bandgeschichte. Mal Jazz, mal Heavy Metal, mal Punk und auch mal Indie. Nebenbei zaubern die Bagger des Ferropolis eine beeindruckende Laser- und Lichtshow. Geile Musik plus ein geiles Ambiente – was will man mehr? Die Baggermasten spucken Feuerfontänen in den Nachthimmel, während Tom Barman sich um Kopf und Kragen singt und auch schon mal den Sechssaiter malträtiert. Tom zeigt sich vom Publikum überaus begeistert. In Belgien würden die Fans lieber Baden gehen, als der Musik zu lauschen. Schon klar, nachts um 1 Uhr gehen die Belgier ins feuchte Nass – komisches Volk. Mit fortlaufender Dauer gerät die Show jedoch etwas aus den Bahnen. Zu progressiv, zu verspielt tönt es aus den Boxen. Das klingt zwar immer noch nach richtig starker Musik, doch in ihrer Gesamtheit sind die komplizierten Strukturen kaum noch aufnehmbar. Dennoch eine gelungene Show und genau die richtige Einstimmung für die EDITORS.

Diese lassen sich auch nicht lange lumpen und zeigen, wie man als Headliner aufzutreten hat. Große Melodien, energische Gitarrenläufe und das wilde Rumgezappel von Sänger Tom Smith lassen die Augen keine Sekunde von der Bühne weichen. Höchstens die kreativen Ausdruckstänze einiger Drogenopfer lenken kurzzeitig ab. Wieso kauf ich mir für ein Musikfestival eine Karte, wenn ich außer bunten Osterhasen sowieso nichts sehe? Nicht mal den schicken Anzug, den Gitarrist Chris Urbanowicz zu Beginn trägt. Da sich die Temperaturen auf der Bühne sicherlich nicht im einstelligen Bereich befinden, überlebt dieser nicht lange – man entkleidet sich. Tom hat vorher nachgedacht und sich für den Schlabberpullover entschieden. Es kann gerockt werden. „Sparks“ lässt erste große Jubelarien aufkommen. Das Melt! rockt gegen viertel drei kräftig und schaut bei den gelegentlichen Klavier-Soli fasziniert dem unterhaltsamen Treiben zu. Als Metaller ist man Crowd-Surfer gewöhnt. Indie-Rocker haben diese Form der Fortbewegung noch nicht im Blut, wie anders ist es zu erklären, dass der erste Crowdsurfer in die falsche Richtung getragen wird. Ups…Nach dem Titelsong des aktuellen Albums „An End Has A Start“ verabschieden sich die Briten in die Nacht und wir uns mit der Vorfreude auf Tag 2 ins Zelt.

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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