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MELT! 2010 – TAG 1

Ort: Gräfenheinichen - Ferropolis

Datum: 16.07.2010

Knapp einen Monat vor dem Melt!-Festival kam dieses Jahr die traurige Nachricht für viele potentielle Besucher: Alle Karten restlos ausverkauft. Im vergangenen Jahr war dies „erst“ zwei Wochen vor Beginn der Fall. Die letzte Hoffnung, eine Karte vor Ort zu organisieren, war kurze Zeit später auch verflogen, als die Veranstalter ankündigten, dass der Zeltplatz ab diesem Jahr nur noch für Ticketbesitzer zugänglich ist. Der war bisher immer für alle zugänglich. Die Neuerung hatte aber auch sein Gutes, es soll wesentlich weniger Diebstähle gegeben haben.

Nun stand das Melt!-Wochenende vor der Tür und die Spannung auf viele gute Konzerte und eine einmalige Atmosphäre stieg. Über 100 Bands hatten zugesagt. Neben einigen bekannten und auch größeren Acts waren auch zahlreiche Geheimtipps gelistet. Das ist immer das Schöne am Melt!, der Besucher hat hier die Möglichkeit, viel Neues kennenzulernen und das Prinzip des Verschmelzens von Rock und elektronischer Musik ermöglicht vielen auch jenseits ihrer musikalischen Ausrichtung Konzerte zu besuchen. Im vergangenen Jahr hatten ich und viele andere (bekennende Fans elektronischer Musik) das Gefühl, dass es sehr rocklastig angelegt war und das ganze Gelände war von Emos mit Leggings, schlecht sitzenden Klamotten und komischen Haaren bevölkert. Dieser Style hatte sich dieses Jahr abgesehen von ein paar Verirrten scheinbar komplett aufgelöst und rein subjektiv betrachtet war das musikalische Verhältnis wieder bei 50:50 angekommen. Überhaupt muss man zugeben, dass die komplette Veranstaltung perfekt organisiert war, das Konzertgelände, auch wenn man es nicht mehr für möglich gehalten hätte, optisch und vor allem lichttechnisch noch besser ausgestattet war. Lediglich eine Band hatte wegen Krankheit absagen müssen und das Wetter war auch Spitze.

So sind wir also am Freitag gegen 20 Uhr endlich eingetroffen, haben unser Zelt aufgebaut, das erste Bier eingenommen und sind dann mit dem Shuttlebus zum Gelände gefahren, der hier rund um die Uhr zwischen Zeltplatz und Festivalgelände pendelt. Ein kurzer Rundgang über das Gelände zeigte, dass bezüglich der Bühnenanordnung alles beim Alten geblieben war und eine angenehme Zuschauerfrequenz herrschte.

Für unser erstes Konzert hatten wir uns JÓNSI auf der Hauptbühne ausgesucht, auf den mich erst Vorab-Recherchen via MySpace gebracht haben. Denn Jon „JÓNSI“ Birgisson ist kein Geringerer als der Sänger und Gitarrist der isländischen Kultband SIGUR RÓS. Nun auch auf Solopfaden unterwegs hat er sich die aber dennoch die Melancholie in Stimme und Musik bewahrt, aber eine ordentliche Stufe Pop-Attitüde, Rock und Instrumentalisierung zugelegt. Allerdings klingen die einzelnen Songs sehr ähnlich. Zum Ende hin versank JÓNSI regelrecht im Nebel der Bühne und ließ es dann richtig rocken. Ein schöner Ging zum Start.

Die insgesamt fünf Bühnen des Melt! waren 2010 musikalisch großteils getrennt. Auf der Hauptbühne fanden sich vorzugsweise die eher poppigeren Bands. Eine Bühne weiter, die Gemini Stage spielte Elektro-Pop, die Big Wheel Stage im hinteren Bereich war für Techno-Sets reserviert, auf der coolsten Bühne, dem Melt!-Selektor Beach direkt am Strand kam vorrangig elektronisches Querbeet und das inzwischen gigantische Intro Zelt lieferte ausschließlich Rock. So wusste man immer ungefähr, was einen wo erwartet.

Weiter ging es dann für uns zu der überdachten Gemini Stage zu GROOVE ARMADA. Das britische Duo war mit personeller Unterstützung angereist und rockte das zahlreiche Publikum mit tanzbaren elektronischen Klängen verschiedenster Facons mit Wave-, Rock- und Popelementen.

Dann haben wir noch eine Weile auf der Big Wheel Stage abgezappelt und sind schließlich zum Strand, aber nicht zum Entspannen. Denn auf der Bühne dort rockte gerade MODESELEKTOR feat. BONAPARTE. Bei der Kombination tut sich zwangsläufig die Frage auf, wer hier nun wem die Show stiehlt? Abgefahren sind beide Acts und zusammen haben sie eine krank-geniale Freakshow aus Punk und Bass zelebriert: heiße Bikini-Girls mit Monitoren auf dem Kopf, Affen, Pferde und viele andere Verrücktheiten verwandelten die Bühne in eine Zirkusarena der Kuriositäten. Der Sound dazu ließ keinen Besucher ungerockt und so verwandelte sich der Platz vor der Bühne in eine brodelnde Masse.

Danach haben wir dann noch ein wenig am Strand gechillt und diverse Bühnen und Konzerte gerockt, bis wir im Hellen leicht erschöpft zu unseren Zelten wankten. Tag 2 konnte kommen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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