Konzert Filter

MELT! 2011 – TAG 3

Ort: Gräfenheinichen - Ferropolis

Datum: 17.07.2011

Der Himmel ist bewölkt. Sehr untypisch für das Melt! Aber zumindest ist es (noch) trocken. Dadurch konnte man wenigstens im Zelt ausschlafen. Um richtig wach zu werden, eignet sich wieder der Sprung in den Gremminer See. Und siehe da, der Strand ist recht leer und kein Mensch im Wasser. Wir wagen es trotzdem – es ist recht angenehm und wir sind wieder fit für Tag 3. 15 Uhr geht es los auf das Festivalgelände, vorbei am Sleepless-Floor, wo immer noch oder schon wieder getanzt wird. Vor der Mainstage finden sich zahlreiche Besucher zusammen, ohne dass eine Band spielt. Diese Mal sind die Fans selber die Attraktion. Es geht darum, den „We are Melt!“-Schriftzug aus Menschen darzustellen. Nicht gerade einfach. Wir stehen im E von are und sind zu dick. Als das E passt, stimmt das W nicht mehr, und dann das A. Irgendwann steht alles und wir sind Teil eines großen Ganzen, für die Ewigkeit gebannt auf einem Foto aus luftiger Höhe. Während der Fotosession fängt es an zu regnen, aber nur leicht. Leider hört es nicht auf und die Feuchtigkeit wird immer stärker. Fast vergessen: Wir haben noch die Lesung von David Schumann besucht. Sehr witzig. Da könnte man sich glatt mal das Buch von ihm kaufen. Und dann passiert das Unfassbare: Deutschland verliert im Fußball gegen Österreich. Beim Tischkicker machen uns zwei Jungs vom Kleinen Bruder platt.

Unseren musikalischen Auftakt machen heute die COLD WAR KIDS aus Kalifornien. California Dreaming-Texte gibt es aber nicht zu hören. Stattdessen spielen die Jungs ruhigen Pop mit Gitarre, Bass und Schlagzeug sowie der prägnanten Stimme von Sänger Nathan Willett, zu hören sind Blues-Einflüsse und verzerrte Gitarren. Die COLD WAR KIDS gibt es bereits seit 2004, drei Eps sollten folgen. Aber erst mit dem Debütalbum „Robbers & Cowards“ erhielten sie auch hierzulande Aufmerksamkeit. Seit Januar steht nun ihr dritter Longplayer in den Läden.

Mit FOTOS geht es deutschsprachig weiter, das Intro-Zelt dabei sehr gut gefüllt. Die Jungs aus Hamburg dürften sich über den stärker werdenden Regen sicherlich gefreut haben angesichts der Zuschauerzahlen. Angefangen beim Indie-Rock haben sich FOTOS mittlerweile eher Richtung Pop entwickelt und zeichnen sich duch feinsinnige Texte aus. Auf dem Melt! haben sie in diesem Jahr ihre Premiere, die definitiv gelungen ist.

Es folgt der erste Hauptact des Tages. WHITE LIES gehören zu den „Vielspielern“ dieser Festivalsaison. Daher dürfen sie natürlich auch auf dem Melt! nicht fehlen. Die Londoner Band promotet gerade ihr neues Album „Ritual“ und so haben sie natürlich alle Hits daraus gespielt – inklusive der Hymne „Bigger than us“. Das kommt gut an, und so wandert auch gleich ein Exemplar in die heimische Plattensammlung. WHITE LIES sind eine Mischung aus Post-Punk und Dark-Wave mit Texten von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Erst 2009 erschien ihr gefeiertes Debütalbum und mit „Ritual“ haben sie einen würdigen Nachfolger produziert. Zu recht ist die Bühne trotz des widrigen Wetters gut besucht und die Zuhörer tanzen ganz einfach im Regen. Ponchos wurden ja ausreichend von diversen Sponsoren verteilt. Dank eines Bekannten sitzen wir im Trockenen mit bestem Blick auf die Bühne im Techniktower.

Und zum Schluss die Sensation des Jahres, exklusiv auf dem Melt! Viele Fans haben sehnlichst darauf gewartet, seitdem Jarvis Cocker und Band die Reunion bekanntgegeben haben. Und nun ist es soweit. Die Originalbesetzung von PULP stürmt die Bühne. Und Cocker begrüßt das Publikum: „Es ist das erste Mal, dass wir auf diesem Festival spielen. Und es ist das erste Mal, dass wir an einem 17. Juli spielen. Zwei besondere Sachen. Das ist etwas sehr Besonderes. Ich spüre es. Ich fühle es. Etwas Besonderes liegt in der Luft.“ Recht hat er und die Fans sind begeistert. Auch sonst zeigt sich der Herr von einer sehr witzigen Seite und springt kreuz und quer auf der Bühne. Auch nach fast 10 Jahren Pause haben PULP ihr Handwerk nicht verlernt. Ein neues Album ist noch nicht erschienen und so können sich die zahlreichen Fans über Hits wie „Common People“, „Disco 2000“ oder „This is Hardcore“ freuen. Dazu eine beeindruckende Bühnenkulisse, Lasershow… und ein Delphin. Eine tolle Show, bei der sogar Petrus ein Einsehen hat und der Regen endlich aufhört. Inzwischen ist es 0:30 Uhr und für uns heißt es Abschied nehmen. Allerdings will uns das Melt! nicht gehen lassen, denn wir müssen eine 3/4 Stunde auf den Shuttlebus warten. Der ist anscheinend im Matsch stecken gelieben.

Drei Tage mit mehr als 150 Bands auf sechs Bühnen zogen die Besucher des 14. Melt!-Festivals in der außergewöhnlichen Stadt aus Eisen Ferropolis in ihren Bann. Über ein Drittel der 20.000 Besucher kam aus dem Ausland. So früh wie noch nie, bereits Ende Mai, war das Melt! Ausverkauft. Wer dabei war, weiß warum. Wie immer war es ein tolles Wochenende mit feiner Musik, tollen feierwütigen Besuchern, einem Badesee vor der Haus- … ähm Zelttür und einem umfangreichem Rahmenprogramm. Direkt auf dem Zeltplatz gab es eine Bühne, die von sportlichen Gästen mit Strom versorgt wurde. Mittels Muskelkraft durch Radfahren kam der Saft in die Technik der Nachwuchsmusiker. Ein Tritt zu wenig und schon war Ruhe. Auch die täglichen MeltNews! fanden großen Anklang. So konnte man gleich am nächsten Tag lesen, was man am Vorabend gesehen oder aber auch verpasst hat. Am Sonntag konnten die Besucher sich noch zum Teil des Melt! machen, mit einem riesigen „We are Melt!“-Schriftzug aus Menschen. Auch wenn es ab Sonntagnachmittag bis in die Nacht durchregnete, tat das der riesigen Party keinen Abbruch und die Besucher tanzten einfach im Regen weiter. Regencapes wurden ja zu Hauf verteilt.

Die positiven Eindrücke teilte auch Melt! Chef-Booker Stefan Lehmkuhl: „Ich hätte es kaum für möglich gehalten, es noch mal sagen zu können, doch erneut: Vielleicht war es das beste und abwechslungsreichste Melt! aller Zeiten. Der tolle, internationale Vibe, der breit gefächerte Musikgeschmack, die friedliche Stimmung und die vielfältigen Kooperationen haben mich absolut begeistert und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr!“ 2012 wird das Melt! vom 13. bis 15. Juli stattfinden.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu COLD WAR KIDS auf terrorverlag.com

Mehr zu FOTOS auf terrorverlag.com

Mehr zu PULP auf terrorverlag.com

Mehr zu WHITE LIES auf terrorverlag.com