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M`ERA LUNA 2007 – TAG 1

Ort: Hildesheim

Datum: 11.08.2007

Für 2 Tage verlagerte sich das schwarze Herz der Republik wieder nach Hildesheim-Drispenstedt, um gothischen Klängen aller Art zu lauschen oder einfach nur alte bzw. neue Freundschaften zu pflegen. Das M’era Luna 2007 stand vor der Tür und der Wettergott hatte tatsächlich ein Einsehen, denn trotz einer Regenwahrscheinlichkeit von 65 Prozent blieb es den ganzen Tag über bemerkenswert trocken. Sogar Sonnenbrandgefahr bestand dann und wann, wie der Schreiber dieser Zeilen nur bestätigen kann. Früh hatten wir uns auf den Weg gemacht, und im Gegensatz zu dem einen oder anderen Musiker erreichten wir dann auch stau- und problemlos das bekannte Areal. Sage und schreibe 39 Bands warteten auf uns!

THE LOVECRAVE

Den etwas undankbaren Anfang machten THE LOVECRAVE aus der Nähe von Mailand, die seit dem Jahre 2003 gothisch-metallene Klänge erzeugen. Das Quartett wurde angeführt von einer Chanteuse namens Francesca Chiara Casellati, mit so einem wohlklingenden Namen geradezu prädestiniert für einen Sangesposten. Lediglich ihre modischen Ansichten wurden nicht von jedermann geteilt, insbesondere der schwarze BH ÜBER den anderen Kleidungsstücken wirkte etwas gewöhnungsbedürftig. Ansonsten hatte die Dame alle wichtigen Posen drauf, während die Instrumentalfraktion unauffällig aber solide für ein ordentliches Fundament sorgte. Vom aktuellen Longplayer „The Angel and the Rain“ ist mir insbesondere “Vampires (The Light that we are)” im Gedächtnis geblieben.
(TK)

PESTICIDE

Im Hangar hatten kurzfristig (wie schon auf dem Amphi) die Jungs von BLOODPIT abgesagt, so dass eine Formation mit dem schönen Namen PESTICIDE in den Genuss kam, den noch nicht so zahlreichen Fans einzuheizen. Dabei handelte es sich nicht um die Berner Rockband sondern um 6 Herren aus Kiel, die schon rein optisch ein wenig auf der SLIPKNOT-Schiene fuhren. Weiße Overalls und blutig-skurriles Make Up machten in Verbindung mit den harten Gitarrenklängen durchaus etwas her. Songtitel waren mir (und wahrscheinlich den meisten anderen) nicht geläufig, aber das harte Gebrettere inkl. einiger Elektronikeffekte überzeugte nicht wenige Fans – und das noch vor der Mittagspause. Insofern darf man auf (zukünftige) PESTICIDE-Konserven gespannt sein.
(TK)

LOLA ANGST

Nicht weniger freakig sollte es nun im Außenbereich zugehen: LOLA ANGST aka Alexandar Goldmann und Reiner Schirner nebst wild gewordener Kirchenorgel hatten schon das Amphi 2006 gerockt und auch zu dieser frühen Stunde bot man einiges an Schau- und Hörwerten. So buhlten 2 anmutige Balletttänzerinnen ein ums andere Mal erfolgreich um unsere Aufmerksamkeit und die Höllenmaschine spuckte artgerecht gerne mal etwas wohliges Feuer. Die gleichermaßen gekonnte wie lässige Performance der beiden Protagonisten tat ihr Übriges hinzu, sich von anderen Elektronik Acts gebührend abzusetzen.
(TK)

DOWN BELOW

Als zweite Kapelle standen am späten Vormittag DOWN BELOW auf der Hangar-Bühne. Offensichtlich verfügen die Herrschaften aus dem Osten der Republik bereits über einen respektablen Fanclub, war doch die Konzertstätte trotz der recht frühen Stunde schon gut gefüllt. Zu einem Intro aus der Konserve trudelte die Mannschaft um Sänger Neo Scope dann auch unter Jubel auf der Stage ein und legte mit „Sinfony 23“, dem Titelstück des aktuellen Debütalbums (aus vermutlich marketingtechnischen Gründen wird eine bereits existierende VÖ nicht mehr erwähnt), auch gleich einen ordentlichen Rocker hin. Modisch setzten die Herren auf Einheitslook und trugen schwarze Anzüge, die mit kobaltblauen Finessen versehen waren, musikalisch konnte das Kleeblatt, das nach dem Amphi wiederum von Live-Keyboarder Henning (UNHEILIG) ergänzt wurde, glücklicherweise dem Einheitsbrei trotzen und gefiel mit kraftvollem Goth Rock skandinavischem Schlages, der von einer starken Saiten-Fraktion und der beeindruckenden Stimme des charismatischen Fronters getragen wurde. „From The Highest Point“ startete etwas ruhiger, legte alsbald jedoch sehr druckvoll nach und wurde von der aktuellen Singleauskopplung „Private Soul Security“ mit viel Schmackes gefolgt. Für DOWN BELOW war es der erste Gig auf dem M’era Luna, was die Jungs besonders zu freuen schien. Immerhin können sie drei Jahre nach Bandgründung schon auf über 100 Auftritte zurückblicken, u.a. auch als Support für TYPE O NEGATIVE, SCHANDMAUL, UNHEILIG und PROJECT PITCHFORK. „Lovely Places“ gefiel mit einem Mix aus treibenden Gitarrenriffs und kurzen ruhigen Passagen, dann kamen die Düster-Rocker, die sich inzwischen ihrer Jacken entledigt hatten, während Neo Scope ob der besseren Beweglichkeit seinen Gehstock, mit dem er den Auftritt dandylike begonnen hatte, ebenfalls an die Seite gelegt hatte, mit dem Song „Down Below“ nach eigener Aussage zu ihrem emotionalsten Werk, welches sehr großen Zuspruch beim begeisterten Publikum fand. Mit „Question of Time“ gab’s eine Verbeugung Richtung DEPECHE MODE, die enorm viel Spielfreude zum Ausdruck brachte und bei der Neo Scope abermals mit seiner Stimme punkten konnte. Das von Keys und Gitarren dominierte „Runaway“ setzte auf einen harten Einstieg, wonach „Dark Queen“ sehr melodiös mit fast orchestralem Charakter ausfiel. Ein wirklicher Knaller, bei dem die alten und möglicherweise neuen Fans ein letztes Mal zahlreich die Gelegenheit zum Mitklatschen und Tanzen nutzen. Ein gelungener Einstieg ins M’era Luna-Wochenende, der den Kreislauf auch ohne Kaffee ordentlich auf Touren brachte.
(ump)

Setlist DOWN BELOW
Intro
Sinfony 23
From The Highest Point
Private Soul Security
Lovely Places
Down Below
Question of Time
Runaway
Dark Queen

JESUS ON EXTASY

Mit JESUS ON EXTASY folgte ein weiterer aufsteigender Stern am Industrial Rock Himmel, der in diesem Jahr bereits in allen einschlägigen Medien gefeatured wurde. Der Bekanntheitsgrad dürfte insbesondere auch der Optik der Bandmitglieder geschuldet sein, allen voran Sänger Dorian Deveraux, welcher dieses Mal seinen schicken silbernen Pulli anbehielt. Dennoch waren seine körperlichen Vorzüge wie auch das auffällige Tattoo über der Jesus-Gürtelschnalle nicht zu übersehen. Alicia an der Gitarre (ihre Ex-Mitstreiter PAIN standen später ja auch noch auf dem Parkett) und Keyboarderin Ophelia Dax (nicht böse gemeint, aber das wäre sicher auch ein gutes Pseudonym im Hardcore Business) sorgten bei den männlichen Fans für Augenfutter. Wie bereits bei der Support Tour mit der LETZTEn INSTANZ hatte man wieder einen Drummer an Bord, was den Sound gehörig aufwertete. Überhaupt muss ich den Ruhrgebietlern aufsteigende Form attestieren, so machte der Gig rund um Stücke wie „Assassinate me“ oder „Alone“ unerwartet viel Spaß. Die Herrschaften haben insbesondere live in den letzten Monaten offensichtlich hart gearbeitet.
(TK)

FAIR TO MIDLAND

In Amiland waren sie als Support für die jüngst wiedervereinten SMASHING PUMPKINS am Start, in Deutschland präsentierten sich FAIR TO MIDLAND diesen Sommer auf etlichen großen Festivals, nach Rock am Ring/ im Park und Wacken nun am Mittag hier im noch mäßig frequentierten Hangar. Dabei bewegte sich das Quintett aus Texas mit seinem Progressive Art Rock eher am Rande des insgesamt angebotenen schwarzen Musikspektrums. Erst im Juni ist ihre aktuelle LP „Falls from a Mayfly: What I tell you three times is true“ als erstes Signing auf dem Label von SYSTEM OF A DOWN–Sänger Serj Tankian erschienen. 6 Songs gab es heute live auf die Ohren, darunter „Kyla cries Cologne“, „Tall tales taste like sour grapes“ und „April Fools and Eggmen“, die sich nicht nur durch ausgefallene Songtitel, sondern auch durch frickelige Arrangements mit vielen Breaks zwischen melodischen Passagen und Noise-Attacken auszeichneten. Sänger Darroh Sudderth wechselte dabei ständig zwischen cleanem Gesang, wilden Shouts und Growls, unterstützt von einer wahrlich exaltierten Bühnenperformance, die auch Gitarrist Cliff Cambell mit einschloss, der offensichtlich gerne in Woodstock mit dabei gewesen wäre. So schüttete sich Darroh mehrfach Wasser über den Kopf, sprang im wilden Veitstanz über die Bühne und hätte sich fast selbst mit dem Mikrokabel erdrosselt. Am Ende der halbstündigen Spielzeit kletterte er gar zu „Dance of the manatee“ in die Scheinwerferaufbauten, hangelte sich wie ein Äffchen weiter, um dem Auftritt mit einem beherzten Sprung zurück auf die Bühne ein Ende zu setzen. Doch auch ohne diese waghalsige Artistikeinlage vermochten FAIR TO MIDLAND musikalisch zu überzeugen und die Anwesenden zollten gebührend Applaus.
(CS)

NECRO FACILITY

Ein sehr interessanter elektronischer Act wollte uns nun seine Aufwartung im hellen Sonnenschein machen. Sehr interessant, weil das schwedische Duo NECRO FACILITY live noch nicht wirklich oft in unseren Breiten in Erscheinung getreten ist, auf Konserve aber höchstes Kritikerlob einfahren konnte. Die beiden Alben „The Black Paintings“ und „The Room“ (beide erschienen bei Progress Productions) orientieren sich am kanadischen EBM der Marken SKINNY PUPPY/ FRONTLINE ASSEMBLY, also relativ harte relativ komplexe Kost. Leider wurde schnell deutlich, dass Oscar Holter und Henrik Bäckström heute nicht zu den Gewinnern zählen würden. Der blutjunge Shouter hetzte zwar wie ein wildes Tier über die Stage, bemüht die Anwesenden anzuheizen, aber irgendwie wollte der Funke bei den Meisten nicht so recht zünden. Zu verloren wirkten die beiden Skandinavier da oben, zu wenig eingängig die Tracks wie beispielsweise „Tuxedo“ (was ja im Grunde kein Nachteil ist) und zu wenig Charisma versprühte insbesondere Henrik, der eher wie der jugendliche Pennäler von nebenan rüber kam denn als „harter“ EBMler. Aber das wird sich im Laufe der Zeit ganz sicher noch verwachsen und komponieren können die beiden ohne Zweifel!
(TK)

PAIN

Schwedisch ging es auch im Anschluss im Hangar weiter, wo sich Multitalent Peter Tägtgren mit seiner Mannschaft in guter Form präsentierte. Der angegothte Industrial Metal seines Projekts PAIN lockte einige Neugierige ins dunkle Rund, wo zu bekannten Klängen wie „End of the Line“, „Zombie Slam“ oder „Same old Song“ ordentlich gefeiert wurde. Der Meister selbst zeigte sich bei guter Live-Stimme, und auch der Rest der Truppe wirkte vergleichsweise (siehe Osnabrück) agil.
(TK)

ANIMAL ALPHA

Nun war es amtlich: Den Festivalbesuchern wurde mitgeteilt, dass die Norweger ANIMAL ALPHA Hildesheim nicht mehr rechtzeitig für einen Auftritt erreichen würden. Das war auch kein Wunder, denn wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte die Truppe via falsch eingestelltes Navi-Gerät geradewegs das etwas entlegenere Thüringen angesteuert. Sicher ein Tag ihrer Bandhistorie, den die wilde Truppe nicht so schnell vergessen wird, die als Mischung aus MANSON und NO DOUBT promoted wird.
(TK)

CLIENT

Nach ihrem kurzfristigen Tausch mit ASSEMBLAGE 23 waren nun also bereits die britischen Klienten an der Reihe, die für ein wenig weiblichen Charme auf der Bühne sorgten. Neben der Stammbesetzung Kate und Sarah bediente zusätzlich niemand Geringeres als Robert Görl (D.A.F.) das Schlagwerk im Hintergrund, doch noch interessanter war das aparte Wesen am Bass, das anscheinend auf den Namen „Client M“ hört. Zwar nicht ganz so exotisch wie ihre direkte Vorgängerin mit dem Kürzel E, aber dafür sehr lasziv und ebenfalls mit einem asiatischen Touch. In Anlehnung an den Auftritt beim Juicy Beats in Dortmund präsentierte man eine ähnliche, wenngleich leicht gekürzte Setlist, wobei die kleinen Hits wie „Radio“, „Down to the Underground“ oder „Pornography“ natürlich nicht fehlen durften. Outfit und Posen waren altbekannt, doch wie immer sehr unterhaltsam, so dass einer vergnüglichen Dreiviertelstunde nichts im Wege stand. Für die anstehenden Shows im Herbst hat man mit Charlotte Hatherley (ex ASH) bereits einen weiteren interessanten Gast angekündigt, es bleibt also spannend im Lager der exaltierten Britinnen.
(TK)

ASSEMBLAGE 23

Nach seinem unfreiwillig langen Aufenthalt auf Deutschlands Autobahnen konnte Tom Shear nun endlich auf der großen Bühne durchstarten. ASSEMBLAGE 23 gehören seit geraumer Zeit zu meinen elektronischen Favoriten und da man sich live hierzulande etwas rar gemacht hatte, freute ich mich besonders auf den nun folgenden Gig. Und mit mir noch einige andere, die sich dem intelligent arrangierten F-Pop gerne hingaben. Neben dem kahlköpfigen Herren aus Seattle agierten noch 2 Mitmusiker an den Keyboards: Eine junge Dame und der gebürtige Bielefelder Daniel Myer, der an diesem Nachmittag nicht zum letzten Mal zum Einsatz kam. Los ging es mit „Binary“, der ersten Single des aktuellen „Meta“-Albums, das ein paar neue Stilelemente im A23-Kosmos hat aufblitzen lassen. Die darauf folgenden, schon fast als Klassiker zu bezeichnenden „Naked“ und „Opened“ ließen die Stimmung weiter ansteigen. Allerdings konnte man auch erkennen, dass das Trio auf der riesigen Außenbühne ein wenig verloren wirkte, Tom besitzt nicht die Ausstrahlung eines Steve Naghavi und er sucht auch nicht gerade übermäßig den Kontakt zum Publikum. Dafür ist er gesangsmäßig mittlerweile richtig gut unterwegs und die Stücke an sich natürlich über jeden Zweifel erhaben. A23 hätten auch locker 2 Stunden ausschließlich mit Hits füllen können. Wir mussten uns „leider“ mit Knallern vom Kaliber „Erase“, „Document“ oder „Let me be your Armor“ begnügen. So war dann nach 9 Titeln bereits wieder das Ende der Fahnenstange erreicht, was den Appetit auf eine richtige Clubshow merklich forcierte. Hier und heute konnte der Amerikaner mit den Reaktionen durchaus zufrieden sein und die Zuschauer freuten sich schon auf das nächste Electro Highlight im Anschluss.
(TK)

Setlist ASSEMBLAGE 23
Binary
Naked
Opened
Madman’s Dream
Let me be your Armor
Document
Erase
Failure
Decades

CULTUS FEROX

Nun wurde es im Hangar Zeit für ein wenig wilde Lebensart – CULTUS FEROX standen auf dem Programm und sollten angesichts des Ausfalls von ANIMAL ALPHA (die zu dieser Zeit trotz Navi das M’era Luna in Thüringen suchten) ihre Spielzeit um eine Viertelstunde nach vorne verlängern. Leider fraß der aufwendige Soundcheck jedoch die Minuten wieder auf, sehr zum Leidwesen des wartenden Völkchens. So begannen die heute für eine Rockperformance angereisten 9 Berliner Recken doch pünktlich im Zeitplan nach einem Intro mit „Blendwerk“ den proppenvollen Hangar mit auf ihre Reise über alle Weltmeere zu nehmen und das partywillige Publikum ging sofort frenetisch mit. Eine Dreiviertelstunde wechselten sich Klassiker der instrumentalen Sackpfeifenmusik mit launig gesungenen Geschichten wie „Götterdämmerung“ oder „Heimatlied“ ab, auch die „Wolfsballade“ durfte natürlich zur Beruhigung der Gemüter (verstärkt durch weiblichen Gesang der aparten Ivanuschka) nicht fehlen. Mit „Aussatz“ ging es fetzig weiter, währenddessen sich der hl. St. Brandanarius stimmliche Verstärkung aus dem Publikum ans Mikro holte. Viel zu schnell nahte der letzte Tanz einer ausgelassenen Party, die für viele gerne noch hätte länger dauern dürfen.
(CS)

COVENANT

Nachdem die Auftritte von CLIENT und ASSEMBLAGE 23 getauscht wurden, da Tom Shear im Stau stand, konnte es um 16.45 Uhr planmäßig mit COVENANT weitergehen. Eskil Simonsson betrat ganz dandylike im weißen Anzug die Bühne und legte nach der netten Begrüßung „From Sweden with love“ direkt mit „Leiermann“ los. Im Anschluss folgten das wunderbare „Bullet“ und „20Hz“. Da es inzwischen, im Gegensatz zum Vormittag, recht warm geworden war, legte der charismatische Sänger immer mehr seiner Klamotten ab. Zuerst musste das Jackett dran glauben und nach „Ritual Noise“ vom aktuellen Album „Skyshaper“ fielen dann auch Krawatte und Hut. Weiter ging es mit „Invisible & Silent“, laut Eskil sein Lieblingsstück und auch ich hätte es sicher ebenfalls sehr schön gefunden, hätte mir nicht ein „irrer“ Fotograf nebenbei ins Ohr „gejault“. Bei „The Men“ wurde dann auch „my dear friend“ Daniel Myer (HAUJOBB) vorgestellt (nach A23 also ein weiteres Mal auf der Stage), der die Keys bediente und zwischendurch auch auf die bereitgestellten Drums einhauen durfte, und Joakim kam nun auch als zweite Gesangsstimme mit nach vorne. Zum Abschluss folgten dann noch „We stand alone“ und natürlich das obligatorische „Call the ships to port“ (leider nicht der Klassiker „Dead Stars“), bevor ein sichtlich gut gelaunter und zufriedener Simonsson nebst Kollegen die Bühne verließ. Insgesamt gesehen ein sehr gelungener und runder Auftritt, den die Menge augenscheinlich genossen hatte. Eskil wurde dann später noch im Publikum gesichtet und auch am Sonntag ließ er es sich nicht nehmen, einige Auftritte mal aus einer anderen Perspektive als die von der Bühne zu betrachten.
(Death Angel)

Setlist COVENANT
Leiermann
Bullet
20hz
Ritual Noise
Invisible & Silent
The Men
We stand alone
Call the Ships to Port

NOSFERATU

Mit NOSFERATU stand nun im Hangar ein Act an, bei dem es sich laut eigenem Bekunden um „one of the most commercially successful second wave gothic rock bands worldwide“ handelte. Seit Anfang der 90er sind die Engländer am Start und die Bandbio erzählt von einem sich ständig drehenden Besetzungskarussell rund um Gründungsmitglied und Gitarrist Damien DeVille, zertrümmertem Equipment und einer unübersichtlichen Diskographie von ständigen Re-Releasen und Remixen – darunter der aktuellste Output „Anthology“ aus 2006 – auch eine quasi „Best of“ Doppel-CD. Insgesamt viermal wechselte der Posten des Sängers, den nun nach über 10 Jahren wieder Louis DeWray inne hat. Dieser hat offensichtlich den gleichen Frisör wie CURE-Sänger Robert Smith und eröffnete nun die Performance mit „Witching Hour“. Treibend ging es mit „Darkness Brings“ weiter, das Louis JOY DIVISON – Sänger Ian Curtis widmete. Somit ward zum Totengräbertänzchen aufgespielt, dem sich viele der Anwesenden nun die nächste Stunde ausgiebigst widmeten. Unterbrochen von etwas unmotiviert langen Pausen gab es insgesamt 10 Titel auf die Ohren, darunter auch „Inside the devil“, die sich alle im Spannungsfeld zwischen Altmeistern wie SISTERS OF MERCY, THE CURE und JOY DIVISION bewegten, ohne letztlich deren Klasse zu erreichen. In jedem Fall ein solider Gig, bei dem heuer auch alles heile blieb.
(CS)

DIR EN GREY

Mit den Japanern DIR EN GREY folgte ein musikalischer „Exot“ auf der Hauptbühne, der insbesondere bei einigen jungen Mädels für Aufregung sorgte, die sich bereits mit entsprechenden Devotionalien (Flaggen etc.) ganz vorne positioniert hatten. Die 1997 in Osaka entstandene Formation gehört seit einiger Zeit zur Spitze des J-Rocks (oder auch Visual Kei), dennoch waren meine persönlichen Berührungspunkte bislang eher gering, so dass ich die musikalische wie optische Präsentation gespannt erwartete. Der Fünfer bewegt sich im Spannungsfeld von Rock, Nu Metal(core), Gothic etc. und lebt insbesondere von der sehr exaltierten Performance des Shouters Kyo. Ich sehe es ähnlich wie ein unbekannt bleibender Musiker neben mir: „Ist nicht mein Sound, aber dennoch sehr unterhaltsam“. Mit der abgefahrenen Stimme muss man allerdings wirklich erst mal klar kommen. Auf Songtitel muss ich mangels Wissen und Sprachkenntnis verzichten, das neue Werk „The Marrow of a Bone“ wird aber sicher gewürdigt worden sein. Nach einer Weile wurde auch klar, wofür das kleine rote Gitterpodest am Bühnenrand gut war: Kyo nahm dort immer aberwitzigere Posen ein und zuguterletzt gab er der Show auch noch einen blutigen Anstrich. Wobei man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob der Herr nun seinen Oberkörper tatsächlich aufgeschlitzt hat oder ob es sich um Kunstblut handelte. Effektiv war es auf jeden Fall.
(TK)

SCHANDMAUL

Mein Mittelalterblock wurde in diesem Jahr durch SCHANDMAUL aus München abgedeckt. Bei immer noch angenehmen Temperaturen, die Anfang der Woche wohl niemand für möglich gehalten hätte, enterten die Folk-Rocker um 19.30 Uhr die Open-Stage, die ein riesiges SCHANDMAUL-Backdrop mit der bandeigenen Narren-Silhouette zierte, und legten mit „Vor der Schlacht“ vom letztjährigen Album „Mit Leib und Seele“ auch ohne große Umschweife los. In Front natürlich Sänger Thomas Lindner, der von den beiden Damen der Truppe, Anna Katharina Kränzlein (Violine, Drehleier) und Birgit Muggenthaler (Dudelsack, Blasinstrumente) flankiert wurde. Für eine bessere Sicht waren am Bühnenrand zwei Podeste platziert wurde , auf denen neben der holden Weiblichkeit gelegentlich auch die Saitenkünstler bestehend aus Martin Christoph „Ducky“ Duckstein (Gitarre) und Matthias „Hiasl“ Richter (Bass) Aufstellung nahm, während dezent im Hintergrund punktgenau und druckvoll Stefan Brunner an den Fellen agierte. Wie es sich anhört, wenn Thomas zu viel Helium abbekommt, konnte man hören, nachdem er den Inhalt eines der zahlreichen schwarzen JESUS ON EXTASY-Luftballons, die über dem Festivalgelände schwebten, inhaliert hatte. Glücklicherweise hielt die Micky-Maus-Stimme beim folgenden „Herren der Winde“ nicht an, das bereits frenetisch abgefeiert wurde. In ähnlich guter Stimmung wurde auch „Leb!“ zelebriert, nachdem das Auditorium auf Thomas’ Geheiß einen Schrei für den Wettergott losgelassen hatte. Offensichtlich wurde selbiger damit sehr gnädig gestimmt, betrachtet man das perfekte Wetterchen, das uns am Sonntag beschwert wurde. Wie üblich suchten die SCHANDMÄULER den Kontakt zu ihrem Publikum und forderten abermals zu lautstarken Schreien auf, um festzustellen, wie viele überhaupt auf dem Flugplatz versammelt waren. Bei „Weit überm Meer“ war dann auch die Zeit für erste Gesangseinlagen der Zuschauerschaft gekommen, während „Die Tür in mir“ speziell für einen Besucher mit langem Rauschebart gespielt wurde, den SCHANDMAUL bei ihrer Autogrammstunde zu Gesicht bekommen hatten und dessen Gesichtsbehaarung perfekt zum Text des Liedes passte. Wird ihm sicher eine Ehre gewesen sein. Immerhin bewegte das Stück die versammelte Meute vor der Bühne zu einem kurzen Massenhüpfen, was später noch in einem gemeinsamen Sprung enden sollte, nachdem Thomas das M’era Luna auf die Knie „gezwungen“ hatte. Die „Walpurgisnacht“ bescherte eine letzte Gelegenheit zum ausgelassenen Klatschen, Tanzen und Singen, dann war auch die SCHANDMAUL-Stunde schon wieder vorbei. Jedoch ließen es sich die Bayern nicht nehmen, noch die lautstark geforderte Zugabe zu spielen, die mit „Dein Antlitz“ eingelöst wurde. Auch hier zeigte sich Hildesheim textsicher und bestritt souverän den Refrain. Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens strahlten SCHANDMAUL wieder jede Menge Spielfreude aus und haben sich so zu Recht mit an die Spitze der Mittelalter-Folkrocker gearbeitet.

Setlist SCHANDMAUL
Vor der Schlacht
Herren der Winde
Leb!
Drachentöter
Feuertanz
Kein Weg zu weit
Weit überm Meer
Die Tür in mir
Lichtblick
Mitgift
Vogelfrei
Walpurgisnacht

Dein Antlitz

MY DYING BRIDE

Nach den doch recht beschwingten Folk Rock-Klängen sollte es in der Halle nun deutlich düsterer zugehen. Die britischen Doom Metal Evergreens MY DYING BRIDE zelebrierten eine dermaßen intensive schwarze Messe, dass sich die Formation um Sänger Aaron Stainthorpe schon nach wenigen Minuten heftigsten Ovationen ausgesetzt sah. Vor allem der sehr charismatische Fronter ging geradezu in seiner Musik auf, als ob er jeden einzelnen Ton quasi erleiden müsste. Sein Outfit inklusive Blutbemalung an den Händen unterstrich noch die morbide Faszination der Insulaner, die gleich mit 2 Frauen im Line Up auftraten (Keyboard und Bass). Man präsentierte „uraltes“ Material wie „A Kiss to remember“ (1996) in derselben Perfektion wie Songs vom aktuellsten Werk, siehe etwa „Thy Raven Wings“ oder „To remain tombless“. Ganz starke Vorstellung von MDB, aber irgendwie hatte ich es auch nicht anders erwartet.
(TK)

AND ONE

Als heimlicher Co-Headliner standen als nächstes AND ONE auf dem Programm, zur Musik des DEPECHE MODE Titels „Fools“ betraten zuerst Gio van Oli und Chris Ruiz die Bühne und traten hinter ihre Keyboards, deren Ständer aus orangefarbenen Leuchtstoffröhren bestanden. Sänger Steve Naghavi folgte kurze Zeit später im sommerlichen weißen Anzug (der neue Trend des Tages – siehe Eskil), weißem Hemd, passender orangefarbener Krawatte und wurde mit sehr herzlichem Applaus begrüßt. Grinsend erklärte der quirlige Steve das M’era Luna für offiziell eröffnet und legte gleich richtig los. Wie ein Wirbelwind schoss er quer über die Bühne und erfreute sich an der feiernden Menge vor ihm. Vom aktuellem Erfolgsalbum „Bodypop“ machte „Stand the Pain“ den Anfang, gefolgt von dem Klassiker „Technoman“, bei dem Chris seinen Platz in den vorderen Bereich der Bühne verlegte. Die Stimmung steigerte sich merklich, denn diesen Titel schien wirklich jeder zu kennen. Mit den Worten „Bewegt Euch“ lieferten sich Chris und Steve ein wahres Tanz-Duell, während wir alle im Chor „1-2-3 … Technoman“ sangen. Eine weitere Coverversion präsentierte Steve fast schon obligatorisch mit „Timekiller“ und den Worten „Wir sind die wahren PROJECT PITCHFORK“! Dabei tänzelte und flirtete er mit der Kamera, die jede seiner Bewegungen verfolgte. Die Stimmung kochte und eine wild tanzende Menge bejubelte Steves Pirouetten. Etwas härtere Klänge gab es mit „Steine sind Steine“ und poppiger wurde es dann wieder mit „Military Fashion Show“, während Steve hüpfte und wie wild über die Bühne flitzte. Nach der Drohung, zu uns ins Publikum zu kommen, stimmte er mit „The Walk“ von THE CURE eine weitere Coverversion an. Gio hielt sich weiterhin im Hintergrund zurück, während mit „Deutschmaschine“ und „Für“ nochmal zwei alte Hits präsentiert wurden. Ganz im Stile eines DEPECHE MODE-Konzertes schwenkten wir unsere Arme hin und her zu „Recover you“ und wurden von Steve mit den Worten „Ihr müsst nicht alles mit Euch machen lassen…“ ausgelacht. Er vergass sogar ganze Textzeilen vor lauter Amüsement und kriegte sich kaum wieder ein. Das Publikum störte das alles nicht im Geringsten, es feierte, tanzte und sang kräftig weiter, was zusammen mit der Lichtshow ein tolles Bild abgab. Nach „Get you closer“ bildete „So klingt Liebe“ leider schon den Abschluss des Auftritts. Steve ließ uns den Refrain immer wieder alleine singen und erklärte das M’era Luna feierlich für beendet (ein kleiner Gruß an die TOOL-Fans durfte auch nicht fehlen…). Bei den heftigen Beifallstürmen und Schreien mussten ihn seine Bandkollegen mit aller Gewalt von der Bühne zerren, immer wieder riss er sich los und stürmte an den Bühnenrand, um sich verdienterweise ausgiebig feiern zu lassen. Zusammen mit COVENANT der stimmungsträchtigste Auftritt am Festival-Samstag.
(Cath)

Setlist AND ONE
Fools (DEPECHE MODE)
Stand the Pain
Technoman
Enjoy the Unknown
Timekiller (PROJECT PITCHFORK)
Schwarz
Steine sind Steine
Military Fashion Show
The Walk (THE CURE)
Deutschmaschine
Traumfrau
Fernsehapparat
Für
Bodynerv
Recover you
Get you closer
So klingt Liebe

SUICIDE COMMANDO

Den würdigen Abschluss im Hangar gaben danach dann SUICIDE COMMANDO ab, die live immer eine sichere Bank darstellen. Zwar mussten wir heute auf die liebreizende Tanja Richter verzichten, doch Johan nebst Anhang (Torben Schmidt, Mario Vaerewijck…) starteten wie gewohnt aggressiv und tanzbar durch. Zu den Klängen von „Bind, Torture, Kill“ und den bekannten Videoprojektionen im Hintergrund war der sympathische Belgier kaum zu halten – auch eine schöne Herausforderung im Fotograben. „Conspiracy with the Devil“ und das altbekannte „Dein Herz, meine Gier“ folgten, danach mussten wir uns leider schon verabschieden, laut Ohrenzeugenberichten wurde aber noch eine große Electro Party gefeiert. Sicherlich lässt die Faszination von SC ein wenig nach, wenn man sie so wie ich schon „zu oft“ genossen hat, aber das sollte für andere nun wirklich kein Maßstab sein. Jedenfalls schön zu sehen, wie man auch vollkommen ohne Starallüren über Jahre hinweg Erfolg haben kann.
(TK)

TOOL

Danach agierte noch eine amerikanische Formation auf der Hauptbühne, die wir aber genauso behandeln wollen, wie sie vorab mit den Medienvertretern umgesprungen ist… mit Ignoranz! Hier zeigt sich mal wieder, dass musikalisches Genie gerne mit divenhaftem Verhalten einhergeht (so durfte beispielsweise niemand auch nur ein Foto schießen)… Dennoch ein wunderbarer Samstag mit vielen Höhepunkten, und so bettete sich das M’era Luna für kurze Zeit zur Ruhe, nur um am nächsten Tag in noch strahlenderem Sonnenschein wieder aufzuerstehen.
(TK)

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer EMILIE AUTUMN (Sandro Griesbach), CULTUS FEROX (Thomas Nattermann)

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