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M’ERA LUNA 2010 – TAG 1

Ort: Hildesheim - Flugplatz Drispenstedt

Datum: 07.08.2010

Es war „mal wieder“ Anfang August und natürlich stand für den Terrorverlag auch 2010 das M’era Luna auf dem Plan. Und somit waren auch wieder einige hochkarätige Bands der schwarzen Szene ins beschauliche Hildesheim gereist. Und auch wir machten uns am Vormittag des Samstages auf den Weg Richtung Flugplatz Drispenstedt. Bestens gerüstet mit guter Laune und vollem Tank überstanden wir den einen oder anderen kleinen Stau und kamen mit nur geringer Verzögerung auf dem Festivalgelände an. Parken und Bändchen holen klappten reibungslos und so konnten wir noch den letzten Tönen von ANGELSPIT auf der Hauptbühne lauschen. Danach hieß es erstmal Mittagessen nachholen, was wir im folgenden mit Dresdner Handbrot, welches wir schon auf dem Deichbrand Festival schätzen gelernt hatten, taten. Noch schnell etwas getrunken und ein paar Bekannte begrüßt, bevor es für uns in den Hangar ging, zu unserer ersten Band des Tages.

FAITH AND THE MUSE

Das sollten heute FAITH AND THE MUSE sein, die auch schon im Jahre 2000, also beim allerersten M’era Luna mit von der Partie waren. Gegründet wurde die Band bereits im Jahre 1993 von den beiden Amerikanern Monica Richards und William Faith. Zudem hatte man noch ein paar Herrschaften mit wilden Iros an klassischen Instrumenten mit auf der Bühne. Und mit klassisch meine ich hier so etwas wie Geige und ein E-Cello. Begonnen wurde aber zunächst mit einer Trommeleinlage vom Schlagzeuger sowie Herrn Faith höchstselbst, der zunächst nur so tat, als würde er sein Instrument bearbeiten, bevor es dann richtig los ging. Ich muss ja sagen, dass mich das irgendwie ein bisschen an das SAFRI DUO und ihren Song „Played alive“ erinnerte. Durch das extravagante Outfit hatte das Ganze aber auch einen Touch von Performance Kunst. Zum zweiten Song kam nun auch Monica Richards auf die Bühne und griff zum Mikro. Außerdem kam noch ein Geiger im Hintergrund unterstützend hinzu. Die Musik hatte somit durchaus einen neoklassischen Einschlag, klang aber durch die Trommeln auch stellenweise sehr martialisch. Insgesamt gefiel mir das Gesehene bzw. Gehörte ganz gut und ich hätte dem Treiben auch gerne noch etwas länger zugeschaut, aber durch die anfängliche Verzögerung von fast 10 Minuten beim Soundcheck konnte ich FAITH AND THE MUSE nicht länger lauschen, da auf der Hauptbühne einer meiner absoluten Favoriten in den Startlöchern stand und das konnte und wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

SAMSAS TRAUM

Das hatten sich wohl auch ein paar andere Leute gedacht, denn als ich vor der Hauptbühne ankam, war dort schon einiges los. Aber Alexander Kaschte alias SAMSAS TRAUM ist ja auch immer wieder für eine Überraschung gut und sei es nur die, dass er einfach ein brachiales Metalset runterspielt ohne Rücksicht auf Verluste. So war ich also auch dieses Mal gespannt, was mich erwarten würde. Und da man sich ja nach dem WGT über sein grünes T-Shirt beschwert hatte und er dafür auf dem Amphi ganz in Weiß erschien, hatte er sich auf dem MERA LUNA angepasst und kam in einem fröhlichen Schwarz daher. Da es direkt mit „Ein Name im Kristall“ vom „A.Ura“ Album los ging, musste kein Metalgeholze erwartet bzw. befürchtet werden und somit war ich ja schon versöhnt. Obwohl man an dieser Stelle sagen muss, dass Herr Kaschte insgesamt schon mehr auf Gitarren setzt und die Elektronik im Gegensatz zu früheren Jahren etwas vernachlässigt. Fand ich aber eigentlich gar nicht schlecht, denn irgendwie hatte man eine Gute Mitte aus Gebrettere und Elektronik gefunden. Doch – Gefiel mir. Weiter ging es mit den allseits beliebten „Für immer“ und „Stromausfall im Herzspital“, die vom Publikum auch ganz ordentlich abgefeiert wurden. So ganz wollte man dann auf das „Heiliges Herz“ Album doch nicht verzichten und so gab man dann unter wildem Haargeschüttel das Titelstück zum Besten. Inklusive Hinweise auf ansatzweise vorhandene Moshpits und einer Wall of Death. Schön auch zu sehen, dass einige Dinge sich nie ändern und so zückte Alexander zu „Die Zärtlichkeit der Verdammten“ mal wieder (s)eine Handpuppe. War der Vorgänger schon vor längerer Zeit in die ewigen Jagdgründe eingegangen und musste er sich bei dem letzten Konzert von SAMSAS TRAUM, dessen ich ansichtig geworden war, noch eine von einem Zuschauer leihen, konnte er jetzt mit einem plüschigen Waschbär (haha) einen neuen Kameraden präsentieren. Dieser durfte dann auch in dem Dialog zwischen Samuel und Bartholomäus Skarabäus Peingebreck letzteren Part übernehmen (im übrigen auf dem „Tineoidea“ Album intoniert von Chris Pohl). Zu der Gattung der Handpuppe lasse ich mich jetzt nicht aus, aber der ein oder andere wird den Witz vielleicht verstehen. Nach „Ein Foetus wie du“ waren wir dann auch schon wieder am Ende eines eher kurzen SAMSAS TRAUM Auftritts angelangt, aber da man als geneigter Fan ja wusste, dass da noch was fehlte, stimmten die Zuschauer „Ohne Kugel geh´n wir hier nicht weg“-Rufe an und so gab es zum Abschluss noch das WEENA MORLOCH Stück „9mm – Kugel im Gesicht“ auf die Ohren. Super Sache und beim nächsten Mal gerne wieder länger.

Setlist SAMSAS TRAUM
Ein Name im Kristall
Für Immer
Stromausfall im Herzspital
Endstation.Eden
Heiliges Herz
Die Zärtlichkeit der Verdammten
Ein Foetus wie du
9mm – Kugel im Gesicht

BRENDAN PERRY

Für mich ging es dann wieder im Hangar weiter, der bis dahin noch nicht allzu überfüllt war und es somit noch keine Platzprobleme gab (was sich aber im Laufe des Tages noch ändern sollte). Dort hatte gerade BRENDAN PERRY samt Begleitband seinen Platz auf der Stage eingenommen und ich war gespannt, wie der ehemalige DEAD CAN DANCE Sänger live wirken würde. Sein zweites Soloalbum „Ark“ ist im Frühjahr diesen Jahres erschienen und die Hörproben, welche ich mir im Vorfeld des Festivals auf seiner Homepage angehört hatte, klangen ausgesprochen gut. Auf jeden Fall sollte es jetzt etwas ruhiger zugehen als noch wenige Minuten zuvor auf der Hauptbühne und das war für meine Ohren natürlich eine schöne Abwechslung. Noch ein wenig Trivia am Rande: Herr Perry leitet inzwischen eine Samba Schule in Irland und gibt ab und zu Percussion Workshops im alten DEAD CAN DANCE Studio. Heute hatte der Herr sich aber mit einer Gitarre bewaffnet und zur Unterstützung noch eine Keyboarderin, sowie einen Drummer, einen Bassist und einen weiteren Gitarristen im Gepäck. Geboten wurde ruhiger Gothic Rock mit einer absolut starken Stimme, der bei mir ausgesprochen gut ankam und sicher wird sein aktuelles Album irgendwann noch den Weg in meinen Plattenschrank finden. Und ich glaube, dass so auch noch der eine oder andere der doch recht zahlreich erschienenen Zuschauer gedacht hat. Für mich war es dann aber schon wieder Zeit den Weg zur Hauptbühne anzutreten, da es nun wahrlich nicht alle Tage vorkommt, dass ich von einer Band, die relativ hoch im Billing eines Festivals steht, noch nie etwas gehört hatte. Und so ging es dann zwecks Horizonterweiterung wieder an die frische Luft.

STOLEN BABIES

Hier sollten sich alsbald die STOLEN BABIES auf der Bühne austoben und ich war natürlich gespannt, was es dort zu sehen geben sollte. Im Vorfeld hatte ich es munkeln gehört, dass die Band etwas in die Richtung Dark Cabaret machen würde und da dachte ich mir, dass das ja durchaus ganz amüsant sein könnte. Und eigentlich finde ich es auch ganz gut, dass man auch mal unbekanntere Bands einlädt, um sie einem größeren Publikum zu präsentieren. Immerhin hatten sich relativ viele Neugierige vor der Main Stage eingefunden und so enterte Sängerin Dominique Lenore Persi im Gothic Geisha Outfit und mit Akkordeon bewaffnet samt ihrer Mannen Rani Sharone, Ben Rico und Gil Sharone die Bühne. Die Herren hatten sich zum Teil mit stark geschminkt oder sich gleich in ein weißes Tüllröckchen geschmissen. Also Cabaret kam irgendwie schon hin. Und nachdem die Musik einsetzte, hatte auch das Dark vor Cabaret seine Daseinsberechtigung, denn musikalisch ging es sowohl düster als auch recht metallisch zu. Wikipedia nennt das Ganze Avantgarde Metal und diese Bezeichnung finde ich durchaus zutreffend. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil übrigens als „Prog-Pop-Cabaret-Thrash-Quirky-Goth-Rock“ (der mitgereiste Co-Autor würde es als Mischung aus SYSTEM OF A DOWN und EMILIE AUTUMN mit einer Prise American Gothic beschreiben, Anm. des mitgereisten Co-Autors). Nun gut, so kann man es auch ausdrücken. Aber wer aus Los Angeles stammt, darf ja auch ruhig ein bisschen „more crazy“ sein als andere Menschen. Was mir nur irgendwie ein bisschen leid tat, war die Tatsache, dass die STOLEN BABIES musikalisch nicht wirklich meins waren und auch die Show für mich noch ein bisschen unausgegoren anmutete. Aber nichtsdestotrotz hatten einige Zuschauer ihren Spaß an der Sache und so präsentierte man neben älteren Sachen mit „Swimming hall“ auch ihren neuesten Output. Zum Abschluss machte der Herr im Tüllröckchen noch ein Foto von den jubelnden Zuschauern und freute sich schon darauf, dies in seiner Heimat zeigen zu können, weil ihm das sonst keiner glauben würde. Auf jeden Fall eine sympathische Band, die nur einfach nicht meinen musikalischen Nerv getroffen hatte. Aber dennoch ist es schön, auch mal etwas Neues zu sehen.

DAS ICH

Pünktlich um 17:50 betraten die Szenelegenden von DAS ICH die Bühne des komplett gefüllten Hangars. Bruno Kramm und Stefan Ackermann fielen wieder besonders durch ihre extravaganten Frisuren auf, die auch mit spärlich werdender Haarpracht immer noch ein Hingucker sind. Unterstützung gab es durch Marty Söffker an den Keys und Stephan Hauer an den Drums. Das Set startete mit „Kannibale“. Absolut klasse gelang die Einbindung des Live-Schlagzeugs, welches dem gesamten Set richtig Druck verleihen konnte. Mit dem fünften Song „Uterus“ kam dann die gute Performance auch bei den Zuschauern an und es wurde ordentlich mitgefeiert und das auch mal ohne Aufforderung durch Sänger Stefan. Der klagte über einen relativ frischen Rippenbruch, lieferte aber trotzdem 100% Leistung ab. Letztendlich fasste er sich aber immer häufiger an besagte Stelle. Zum Ende hin konnten DAS ICH mit zwei Überraschungsgästen ordentlich punkten. Monica Richards und William Faith von FAITH AND THE MUSE supporteten zu „Gottes Tod“. Beim „Destillat“ wurde nochmals richtig abgefeiert und ein zufriedenes Auditorium dankte es mit ordentlichem Beifall. Dann war ein aus meiner Sicht zu kurzes Set auch schon beendet. DAS ICH überzeugen mich insbesondere live immer wieder und untermauerten mit ihrem M’era Auftritt ein weiteres Mal Ihre Ausnahmestellung innerhalb der Szene.

Setlist DAS ICH
Kannibale
Kain Und Abel
Engel
Schwarzes Gift
Uterus
Das Dunkle Land
Atemlos
Kindgott
Gottes Tod
Destillat

LAIBACH

Das slowenische Künstlerkollektiv LAIBACH zählte sicher zu den aufregenderen Acts beim M’era Luna Festival 2010 – zumindest vorab. Aufgrund der Historie und ein paar persönlicher Konzerterfahrungen war meine Vorfreude auf Milan Fras und Kollegen (darunter eine sehr aparte Keyboarderin, die es verstand, selbst ein Megafon erotisch aussehen zu lassen) gross, leider hielt der Auftritt nicht ganz, was er versprochen hatte. Das mag an der generell etwas unterkühlten Art der mittlerweile 30(!) Jahre alten Formation liegen, oder daran, dass ein Slot im Hangar möglicherweise stimmungsvoller gewesen wäre. Aber auch die Setlist trug ihren Teil dazu bei, dass nur selten das Feuer auf die durchaus interessierten Besucher übersprang. Die neueren „Volk“-Sachen sind in meinen Ohren wenig mitreissend. „Anglia“, basierend auf der englischen Nationalhymne, oder natürlich auch „Tanz mit Laibach“ brachten die Zuschauer dann wesentlich mehr in Wallung. Wie üblich wurde der Gig von einem zünftigen deutschen Volkslied („Heidi Heido Heida…“) eingeleitet und war insgesamt definitiv eine Bereicherung des Line Ups, das immer auch etwas unbequeme/ sperrige Namen führen muss, um ein wirklich interessantes Festival zu sein.

ROTERSAND

Schnell wieder hinein in den Hangar, wo sich die deutsche Electro Institution (das kann man mittlerweile wohl so sagen) ROTERSAND aufmachte, die Massen ordentlich in Wallung zu bringen. Mit ihrem abwechslungsreichen, zumeist treibendem aber auch mal verträumtem Electo inkl. Gitarre konnten Rasc, Gun und Krischan wieder einmal punkten, ohne auf blutige Bilder oder Showeffekte zu setzen. Einfach gutes Songwriting und sympathische Musiker, insbesondere der bullige Fronter muss diesbezüglich genannt werden. Die Setlist war eine gut gewählte Reise durch die bisherige Discographie und hielt natürlich gegen Ende auch den Stomper „Exterminate Annihilate Destroy“ bereit, während wir uns wieder Richtung Hauptbühne verabschiedeten. ROTERSAND – immer eine Bereicherung für schwarze Festivitäten jedweder Art.

Setlist ROTERSAND
Bastards Screaming
Electronic World Transmission
Waiting to be born
Almost Violent
Dare to live
Merging Oceans
Lost
War on Error
Exterminate Annihilate Destroy
Undone

NITZER EBB

Endlich ein Lichtblick im Line-Up meines wohl schlimmsten M´era Luna-Samstages bis dato (natürlich rein subjektive Sichtweise). So wartete ich gespannt vor der Mainstage auf die EBM-Legende NITZER EBB, die noch vor einigen Jahren selbst als Headliner auf dieser Bühne standen. Dieses Mal reichte es nur zum vorvorletzten Act des Tages. Drummer Jason Payne und Gründungsmitglied Bon Harris nahmen hinter ihren Drums Platz ein und das Intro erklang, welches direkt in den Klassiker „Warsaw Ghetto“ überging. Zu diesem kam Douglas McCarthy in gewohnt edlem Outfit auf die Bühne. Der Mann scheint nicht zu altern, zumindest schien das aus den hinteren Reihen so. Er bewegte sich so cool und göttlich wie eh und je, was besonders im Licht der untergehenden Sonne fantastisch aussah. Das Publikum taute ebenfalls sofort auf und gerade die ältere Generation genoss diesen energischen Auftritt sichtlich. Kein Wunder, denn Kracher wie „Shame“ und „Lightning Man“ wurden geschickt unter die neuen Songs wie z.B. „Once you Say“ gemischt. Einzig die Ballade „I am Undone“ stellte sich in dem schnellen Set eher als Stimmungsblocker heraus. Dagegen wirkte man auf der Bühne mit aggressiven Shouts, rasanten Drums und rastlosem Tanze bei „Payroll“, „Let your Body Learn“ oder „Control I´m Here“. Zu „Getting Closer“ kam Bon ebenfalls nach vorne, um mit geballter Kraft das Publikum zur Bewegung anzutreiben. Das gelang, denn mit gehobenen Händen gab es laute Mitsingchöre u.a. zu der Textzeile „I´ve got to say that it hurts…“. Wahnsinn und Danke für die Rettung meines Festival-Tages. Da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass die versprochene Cover-Performance zusammen mit einem Überraschungsgast aus terminlichen Gründen leider nicht zustande kam.

Setlist NITZER EBB
Intro
Warsaw Ghetto
Down on your Knees
Shame
Hearts and Minds
Once you say
Lightning Man
Hit you Back
Godhead
I´m Undone
Payroll
Let your Body Learn
Murderous
Control I´m here

Getting closer

ELUVEITIE

Eine halbe Stunde, bevor der „Graf“ die Hauptbühne betreten sollte, begannen die Folk Metaller ELUVEITIE im Hangar, welcher trotz der bald auftretenden Konkurrenz erstaunlich gut gefüllt war, was sich auch bis zum Ende des Konzertes nicht ändern sollte. Bereuen sollte man es nicht, dort gewesen zu sein, schafften es die Schweizer doch, das Publikum gut zu unterhalten, was man ja nicht von jeder Metal Formation auf einem Gothic Festival behaupten kann. Erstaunlicherweise schafften sie es sogar, die Anwesenden zu einem Circle Pit sowie einer Wall of Death zu animieren. Ergo fast unnötig zu erwähnen, dass die Band zum Abschluss mit tosendem Beifall verabschiedet wurde.

UNHEILIG

Mit langsam einsetzender Dunkelheit stand nun der heimliche Headliner auf dem Programm: Bernd Heinrich (jetzt darf man es ja sagen) GRAF und seine Gefolgschaft, die allerdings weit hinten auf der Bühne positioniert war, so dass man es quasi mit einer One Man Show zu tun bekam. War ich zunächst noch ein wenig ergebnisoffen, inwieweit die Mainstreamisierung von UNHEILIG möglicherweise die berühmt-berüchtige Szene-Credibility in Gefahr gebracht haben könnte, belehrte mich die Reaktion der allermeisten Anwesenden eines besseren. Im Nachhinein betrachtet konnte man hier wohl die besten Zuschauerreaktionen des gesamten Wochenendes registrieren. Mit einer aus Zeitgründen etwas abgespeckten Setlist im Vergleich zur aktuellen Tour aber dafür mit Leinwand und Schiffsbug an Bord legte der Count in seiner bekannt zappelig-virilen Art los wie die Feuerwehr. Seine Gestik scheint noch immer zu wirken, Abnutzungerscheinungen beim „schwarzen Publikum“ konnte man allenfalls am Rande erahnen. Mit Songs wie „An deiner Seite“, „Unter deiner Flagge“, der überaus rhythmischen „Maschine“ oder auch dem aktuellen Titeltrack „Grosse Freiheit“ kann man ja auch nicht viel falsch machen. Vielleicht als kleine Hommage an die dunkle Gefolgschaft präsentierte UNHEILIG mal wieder den Klassiker „Sage Ja!“, den auch ich in Erinnerung an alte Zeiten gerne goutierte. Zu „Abwärts“ gab es das beliebte „Wir knien alle nieder“-Spiel, andernorts wurde es heimeliger unter Verwendung von Feuerzeugen und Handys. So viele Grufties rauchen ja nicht mehr… Mit der „Freiheit“ als Zugabe beendete der Vierer einen routiniert-engagierten Auftritt, der sicherlich alle unheiligen Anhänger zufrieden gestellt haben dürfte.

THE SISTERS OF MERCY

Nach UNHEILIG und seiner treuen Gefolgschaft stand nun der nominelle Headliner des Samstags auf dem Programm, auf den hatte ich mich besonders gefreut hatte, denn erstens mag ich die Musik ausgesprochen gerne und zweitens bin ich zwar schon seit einigen Jahren in der Szene unterwegs, hatte aber bisher noch nie die Möglichkeit, die SISTERS OF MERCY live zu erleben. Denn immerhin sind sie DAS Urgestein im Gothic Bereich. Durch Berichte im Vorfeld wusste ich aber schon, dass es bei den SISTERS zwar viel zu hören, aber kaum etwas zu sehen gibt, da die Bühne grundsätzlich und immer in Kunstnebel gehüllt wird. Woran das liegen mag, kann man an dieser Stelle nur spekulieren. Und so war es dann auch. Aber immerhin konnte in dem Nebel die opulente Lichtshow ihre volle Wirkung entfalten. Und stellenweise hatte man sogar ganz kurz Glück und man konnte einen Blick auf die Instrumentalisten Ben Christo/ Chris Catalyst erhaschen (von Herrn Eldritch wollen wir mal lieber gar nicht reden). Gestartet wurde mit „Vision Thing“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 1990. Da dürfte so manch einer der Festivalbesucher wohl gerade erst geboren worden sein oder war noch gar nicht eingeplant. Dennoch hatten es sich die meisten nicht nehmen lassen, sich vor der Main Stage einzufinden, um dem melodischen Goth Rock der Briten zu lauschen, der diesmal auch relativ „live“ und zudem recht metallisch klang, was offensichtlich nicht jedem gefiel. Alsbald ging es weiter mit „Detonation Boulevard“ vom selben Silberling, bevor es mit „First and last and always“ erstmal noch weiter zurück ging ins Jahr 1985. Eigentlich erstaunlich, dass eine Band die 1993 ihr letztes Album veröffentlicht hat, bis heute so populär ist und auch ausschließlich von ihren alten Hits lebt. Auch wenn es von denen nicht gerade wenige gibt. Nach „Time to cry“ gab es dann für mich mein Highlight des Tages, denn Andrew Eldritch stimmte aus den tiefen des Nebels heraus den Song „Alice“ an. Mein absolutes Lieblingsstück (Trivia am Rande: Das hat der Herr Kaschte von SAMSAS TRAUM vor einiger Zeit für das SISTERS OF MERCY Tribute Album sehr gekonnt gecovert), auf das ich mich wirklich gefreut hatte. Im Anschluss folgte dann „Marian“ in dem Herr Eldritch auch einige deutsche Zeilen eingebaut hat, was ihm insgesamt sicher nicht schwer gefallen sein dürfte, lebte der Herr doch einige Jahre in Hamburg. Gecovert wurde „Marian“ übrigens von SCOOTER (auf deren Album „Jumping all over the World“) und wer jetzt laut aufstöhnt, sollte sich die Version erstmal anhören, denn die ist durchaus gelungen, wenn auch außergewöhnlich. Weiter ging es mit „Susanne“ und „Dominion/ Mother Russia“, doch wir traten an dieser Stelle langsam aber sicher den Rückzug Richtung Heimat an, denn es sollte spät werden, bis wir den Heimathafen erreichen und am nächsten Morgen musste es ja wieder früh aus den Federn gehen, denn wir wollten natürlich wieder pünktlich auf dem Festivalgelände sein.

Setlist THE SISTERS OF MERCY
Vision Thing
Crash and Burn
Ribbons
Train / Detonation Boulevard
First and Last and Always
No Time to Cry
Alice
Marian
We Are the Same, Susanne
Arms
Dominion/ Mother Russia
Summer
Logic
Flood II

Rain From Heaven
Lucretia My Reflection
Temple of Love

Der erste Tag des M’era Luna Festivals verlief für uns insgesamt ziemlich reibungslos und wir hatten jede Menge gute und auch interessante Bands gesehen und so freuten wir uns zunächst auf unser Bett und natürlich auf die Fortsetzung, die weitere musikalische Schmankerl bieten sollte.

Copyright Fotos: Nordfrost außer ELUVEITIE (Jessika Wollstein)

M’ERA LUNA 2010 – Teil 2

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