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M’ERA LUNA 2010 – TAG 2

Ort: Hildesheim - Flugplatz Drispenstedt

Datum: 08.08.2010

Einigermaßen ausgeschlafen und mit frischen Kräften machten wir uns gegen Vormittag erneut auf den Weg Richtung Hildesheim. Unsere Hoffnung, die Fahrt ohne Stau zu überstehen und pünktlich zu COLONY 5 auf dem Gelände zu sein, wurde relativ schnell zunichte gemacht, denn die Baustellen auf der A2 und das für einen Sonntag doch recht hohe Verkehrsaufkommen machten uns einen Strich durch die Rechnung. So konnten wir uns leider erst passend zu HANZEL UND GRETYL vor der Hauptbühne einfinden.

HANZEL UND GRETYL

Das sollte somit dann auch unsere erste Band des Tages sein und sicher auch eine der abgefahrensten des Wochenendes. Denn die Amerikaner scheinen eine echte Vorliebe für Deutschland zu haben und zelebrieren diese sowohl in ihrem Outfit, ihrer Bühnenshow als auch in den Songtexten. So kam es, dass Kaizer von Loopy mit Preußenhelm und kurzer Lederhose die Bühne enterte, während Vas Kallas lieber ein neutrales Gothic Outfit bevorzugte, hingegen aber mit ihren knallroten langen Haaren auffiel. Gestartet wurde mit einem zünftigen Prost und einer Runde Bier stilecht aus Maßkrügen, bevor es dann auch mit Musik weitergehen konnte. Und die war hauptsächlich laut und krachig, während Vas röhrte wie ein 100 Kilo Metalhead mit extra langen Haaren. Mein mitgereister Fotograf fühlte sich gleich an HOLY MOSES Frontfrau Sabina Classen erinnert, während ich nur staunend der Perfomance beiwohnten konnte und ein klein wenig das Lachen unterdrücken musste. Was durchaus schwer ist, wenn einem Songs wie „Fikk dich mit fire“, Disko fire Scheiß Messiah“ oder „SS Deathstar Supergalactik“ geboten werden. Erstaunlich fand ich es außerdem, dass sich um diese doch noch recht frühe Uhrzeit (also früh für ein Festival, nicht im normalen Leben) schon so viele Zuschauer eingefunden hatten. Aber eventuell genießt man hierzulande einen gewissen Kultstatus. Ich jedenfalls hatte nach der Bierdusche von Kaizer von Loopy genug gesehen und begab mich auf den Weg in den Hangar, denn dort sollte mal wieder (nicht, dass das zur Gewohnheit wird) eine Band auftreten, die mir bis dato nichts sagte. Und ich bin ja neugierig.

CELINE AND NITE WRECKAGE

Beth Ditto meets Anne Clark meets Punk war der erste Gedanke, der mir zu CELINE AND NITE WRECKAGE einfiel. Am Mikro eine etwas beleibtere aber quirlige Dame, die ihre Lyrics mit der kühlen Stimme einer ANNE CLARK in die Menge rotzte und immer wieder um das Mikrofon herumtänzelte. Das war also CELINE. Die dazugehörige NITE WRECKAGE besteht aus diversen Herren, besonders sicher hier hervorzuheben David Ball, seinerzeit Mitbegründer von SOFT CELL. Zurzeit hat man noch kein Album am Start, dieses ist aber für Anfang 2011eingeplant und soll den schönen Titel „Evolution? Revolution!“ tragen. Unter anderem spielte man die aktuelle Single „Popabawa“ und zeigte, dass bei dieser Band durchaus Potential vorhanden ist. Zumindest mir gefiel das Gehörte ziemlich gut und ich werde sie mal im Auge behalten. Zunächst machten wir uns aber erstmal auf den Weg, um Essen zu erbeuten, denn das hatten wir bisher sträflichst vernachlässigt und viel Zeit sollte am heutigen Tage dafür auch nicht mehr bleiben.

AMDUSCIA

Mit den Mexikanern AMDUSCIA begann der „große“ harte Elektro-Sonntag im Hangar, der erwartungsgemäß die Fans treibender synthetischer Beats mobilisierte. Dabei hatten die Mittelamerikaner Anfang des Jahres einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften. Ende März verstarb Mastermind Edgar Acevedo an einer kurzen, schweren Krankheit, Polo entschloss sich aber, die Band in seinem Sinne (aktuell) als Ein-Mann-Geschwader weiter zu führen. So lag ein Schatten über dem Auftritt der Aggrotech-Formation, welche noch den Gastkeyboarder Stefan „Ice“ Richter sowie ein tanzendes CyberTech-Girlie auffuhr, die man sich aber auch hätte schenken können. Die harten und bisweilen auch etwas stumpfen Beats verfehlten ihre Wirkung nicht, wobei mir die alten Sachen vom „Melodies For The Devil“-Album deutlich besser gefielen als das neuere Material. Nichtsdestotrotz ein ordentlicher Warmmacher für die Dinge, die noch folgen sollten.

ZERAPHINE

Wohl schon ein wenig zu oft gesehen habe ich die Berliner Düsterrocker ZERAPHINE, die an diesem frühen Nachmittag auf der Hauptbühne spielten. Der Himmel sah gar nicht gut aus, aber das Wetter hielt für Sven Friedrich (DREADFUL SHADOWS, SOLAR FAKE) und seine Mitstreiter Norman (Gitarre), Manuel (Gitarre), Michael (Bass) und Marcellus (Schlagzeug) und glücklicherweise für die vielen Fans vor der Bühne, die ein Set aus vorwiegend neuen Songs des kürzlich veröffentlichten Albums „Whiteout“ und heiß ersehnten alten Hits erwartete. Der Einstieg mit dem neuen Stück „Lieber allein“ brachte auch gleich eine Überraschung. So war ich mir nicht sicher, ob hier der Soundmensch versagte oder aber der Gesang wirklich so verzerrt klingen sollte. Im Nachhinein war ich mir dann sicher, das sollte so. Die folgenden neuen Titel „Out of Sight“ und „Rain Falls“ schlugen aber wieder in die alte harmonische ZERAPHINE-Kerbe. Auch wenn ich mir mal ein neues Wort für die Auftritte einfallen lassen sollte, „solide“ trifft es dann doch immer bestens. Die Stimmung stieg merklich bei den Perlen „Die Wirklichkeit“ und „Be my Rain“ und die Anwesenden lauschten genießerisch den gefühlvollen Klängen. Auffallende Besonderheiten oder Überraschungen blieben mir jedoch nicht im Gedächtnis.

Setlist ZERAPHINE
Intro
Lieber Allein
Out Of Sight
No Tears
I Will Be There
Die Wirklichkeit
Rain Falls
The Stream
Be My Rain
Whiteout

AGONOIZE

AGONOIZE konnten die überdachte Spielstätte erwartungsgemäß noch weiter füllen, fielen aber zunächst mal in Form einer Bemerkung von Sänger Chris eher negativ auf. Die Veranstalter hätten keinen „Arsch in der Hose“ und der Band ihre ausschweifenden Grusel-Effekte untersagt – im Hinblick auf die Ereignisse bei der Love Parade. Nun sollten die Anwesenden zeigen, dass man selber die „bessere Szene“ sei, die mehr auf sich aufpasst. Mein Kommentar dazu: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten. Musikalisch klappte der Auftritt dann auch deutlich gefälliger, wenn man auf griffigen, pseudoprovokativen Electro steht, der zweifelsfrei seine Momente besitzt. Viel Zeit blieb mir allerdings nicht für den Dreier, der beispielsweise „Schaufensterpuppenarsch“ performte und natürlich nicht gänzlich ohne Blut-Spiele auskam.

THE 69 EYES

Hatte ich mir AMDUSCIA noch angeschaut, konnte ich auf AGONOIZE getrost verzichten und so machte ich mich lieber auf den Weg Richtung Main Stage, denn dort standen schon ein paar alte Bekannte in den Startlöchern. Immerhin zum sechsten Mal sollten THE 69 EYES heute in Hildesheim antreten und das taten sie dann auch voller Elan. Gestartet wurde mit einem tollen Intro, dazu hatte man sich nämlich von JACE EVERETT „Bad Things“ ausgesucht, Titellied der Serie „True Blood“. Und was könnte besser zu den „He(l)lsinki Vampires“ passen als ein Song aus einer Vampirserie voll sexueller Anspielungen?! Nachdem die Herren aus Finnland dann aber die Bühne geentert hatten, legten sie mit ihrer eigenen Musik in Form von „Framed in blood“ los. Eigentlich war es für die fünf Vampire ja noch viel zu hell und auch die Sonne brannte zu der Zeit noch gut vom Himmel, aber da wusste sich Sänger Jyrki 69 mit einer Sonnenbrille zu behelfen und Jussi 69, seines Zeichens Schlagzeuger, saß wie üblich oben ohne hinter seinen Drums. Was sicher auch die deutlich höhere Anzahl weiblicher Fans vor der Bühne erklären würde. Weiter ging es mit dem neueren „Never say die“ und dem allseits beliebten „Gothic Girl“ vom 2000er Album „Blessed be“, welches zwar nicht ihre erste Veröffentlichung war, mit der man aber in Deutschland einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte. Zu letzterem Titel hatte man noch anzumerken, dass dieser gerade neu war, als sie beim ersten M’era Luna auftraten. Im Folgenden tobte man sich dann an „Feel Berlin“ aus dem Jahre 2005 und „The Chair“ aus und auch die Zuschauer gingen gut mit, denn inzwischen war es vor der Main Stage mal wieder ordentlich voll geworden. Wer keine Lust hatte, im Hangar die Glieder zu elektronischer Musik zu schütteln, war bei den THE 69 EYES und ihrem Sleaze/ Goth-Rock sicher auch gut aufgehoben. Und natürlich durfte „Lost Boys“, eine Hommage an den 80er Vampirfilm mit einem damals noch sehr jungen Kiefer Sutherland und dem kürzlich verstorbenen Corey Haim in den Hauptrollen, im Set nicht fehlen. Zwar wurde einem insgesamt an diesem Nachmittag keine überragende Show geboten, aber für einen entspannten Auftritt der Spaß machte, reichte es alle mal. Und sicher dürfen wir die finnischen Herren noch des Öfteren auf dem Flugplatz Drispenstedt begrüßen. Zehn Auftritte müssen sie ja mindestens noch voll kriegen.

FEINDFLUG

FEINDFLUG, in Form von DJ Felix, DJ Banane und Zero Kelvin plus Live Geschwader Matze/ Prosac/ Soli brachten sich im Hangar als nächstes in Stellung. Auf dem M’era Luna Gelände konnte man das ganze Wochenende über einiges an FF-Merchandise-Trägern erkennen und so war es kein Wunder, dass die Lokalität abermals „ausgebucht“ war. Man startete mit einem brandneuen, noch unbetitelten Stück, welches die Massen aber sofort mobilisierte. Auch ohne Gesang gibt es bei den Ostdeutschen genug „Action“ auf der Bühne, das Ganze untermalt noch mit Video-Sequenzen. Von der Seite sah es fast nach einem riesengroßen Techno Rave aus, der sich da vor der Bühne abspielte. Mit etwas mehr Verzerrer plus Gitarren natürlich. Klassiker wie „Roter Schnee“ oder „Truppenschau“ waren in der Setlist enthalten, wohingegen beispielsweise auf das ebenso bekannte „Kahle Bedrohung“ verzichtet wurde. Eine eigenwillige Performance, die von den eingefleischten Fans heftigst abgefeiert wurde. Hoffentlich lässt der nächste Tonträger nicht allzu lange auf sich warten.

Setlist FEINDFLUG
Neuer Song
Gulag
Truppenschau
Roter Schnee
AK47
Ersatzteil
Neue Sieger
Selbstsucht
Stukas

EDITORS

Von anderen Besuchern hatte ich inzwischen gehört, dass im Hangar kaum noch ein Durchkommen war und so versuchte ich gar nicht erst, mich zu FEINDFLUG durchzukämpfen, auch wenn ich sie gerne gesehen hätte, sondern behielt meinen gemütlichen Platz vor der Main Stage, auf der sich alsbald die EDITORS die Ehre geben sollten. Musikalisch fielen sie an diesem Wochenende zwar etwas aus dem Rahmen (sieht man mal von PLACEBO ab), aber dennoch freuten sich einige wohl sehr auf die Show der Briten oder waren zumindest neugierig, denn es hatte sich insgesamt eine durchaus ordentliche Zuschauermenge eingefunden. Ich beschloss, das Konzert im Sitzen zu betrachten, denn erstens taten mir inzwischen die Füße weh, zweitens hatte ich sie gerade erst vor einem halben Jahr auf ihrer Deutschlandtour gesehen und drittens finde ich die Musik zwar irgendwie ganz nett, könnte aber auch darauf verzichten. Gute Gründe also, sich nicht ins Getümmel zu werfen und lieber etwas abseits zu bleiben. Außerdem hatte ich noch eine Kollegin eines anderen Magazins neben mir sitzen, die mir so ungestört vorschwärmen konnte, wie lecker die Jungs doch aussähen. Gestartet wurde mit „In this light and on this evening“ vom aktuellen Werk gleichen Namens. In den nun folgenden 60 Minuten spielte man sich durch die drei Alben umfassende Band Historie bis dann mit „Papillon“ (welch ein ausgesprochen schönes Wort) der Höhepunkt und zugleich auch der Abschluss des Sets folgte. Ich vermisste an dieser Stelle „You don’t know love“, die zweite Singleauskopplung aus dem aktuellen Album, denn den Song mag ich wirklich gerne, aber offensichtlich hatte man eben diesen nicht auf der Setlist stehen und so ging ein für mich eher unspektakulärer Auftritt zu ende. Zu erwähnen sei vielleicht noch, dass die EDITORS vor und nach ihrer Show des Öfteren auf dem Gelände gesichtet wurden und sie anscheinend den einen oder anderen Künstler aus der Zuschauerperspektive besichtigen wollten.

Setlist EDITORS
In This Light And On This Evening
An End Has A Start
Bones
Bullets
Eat Raw Meat = Blood Drool
Blood
Munich
The Racing Rats
Smokers Outside The Hospital Doors
No Sound But The Wind
Bricks And Mortar
Papillon

SKINNY PUPPY

Nach dem herausragenden EDITORS-Set auf der Hauptbühne ging es flott zurück in den Hangar. Dank eines guten Bekannten konnte man diesen auch ohne Warteschlange flott betreten und kam fast pünktlich zum mit Spannung erwarteten Auftritt von SKINNY PUPPY. Ich hatte schon vor einigen Jahren (2007) das Vergnügen, allerdings konnten mich damals die beiden Kanadier cEVIN Key und Nivek Ogre auf der Mainstage des M´era Luna nicht wirklich flashen. Anders war es an diesem Sonntag. Geboten wurde eine Show erster Güte, was besonders an der beeindruckenden Lichtorgie lag. Die Videoanimationen waren einfach überwältigend und kamen insbesondere dann zur Geltung, wenn der Körper des Sängers als „Leinwand“ zur Verfügung stand. Ein absoluter Hingucker. Die Maskeraden von Ogre sorgten bei mir ebenso für Begeisterung wie die Einbindung von Live-Drums und den meiner Meinung nach mal ausgewogenen Sound im Hangar. Bei „Assimilate“ kamen dann endgültig die guten Achtziger Erinnerungen durch und es wurde ordentlich abgetanzt. Die kleinere Bühne wie auch das geringere Sonnenlicht trugen definitiv zu Erfolg dieser Bühnenshow bei und ließen mich meine zwiespältigen Erinnerungen aus 2007 vergessen. SKINNY PUPPY überzeugten mich und der Stimmung im Hangar nach auch viele der anderen Zuhörer voll und ganz.

Setlist SKINNY PUPPY
Love In Vein
Hatekill
Dogshit
Deadlines
Politikil
Pedafly
Rodent
Morpheus Laughing
Ugli
Assimilate
Worlock

IN EXTREMO

Nun wurde es voll auf der Hauptbühne und auch vor derselbigen, denn die Mittelalter Rocker von IN EXTREMO schickten sich an, die Massen in Bewegung zu setzen. Genau wie bei UNHEILIG am Tage zuvor war damit der Stimmungshöhepunkt bei der jeweils vorletzten (und zudem deutschen) Band erreicht, wobei man die Berliner natürlich nicht mit PLACEBO vergleichen kann und sollte. Sänger Micha „Das Letzte Einhorn“ Rhein wusste mit Charakterkopf und derben Sprüchen zu unterhalten, so wurde beispielsweise der „Ausziehen“-Ruf eines Herren mit der Bemerkung gekontert, der Mann solle ruhig nach der Show zur Band kommen, er würde ihm schon ordentlich einen verbraten. Einer Dame wurde aufgrund ihrer Fettleibigkeit geraten, lieber nicht auf die Bühne zu klettern. Unterhaltsame wenngleich uncharmante Rhetorik. Musik wurde natürlich auch gespielt und bei einer Zeit von nur einer Stunde konnte man Hit an Hit reihen. Egal ob der „Erdbeermund“ zu Beginn oder der „Sängerkrieg“ besungen wurde, das Auditorium ging angemessen mit und so endete eine gewohnt engagierte Show viel zu früh mit einer netten Aufforderung namens „Küss mich“. IN EXTREMO sind halt immer eine Bank.

Setlist IN EXTREMO
Erdbeermund
Poc Vecem
Liam
Frei zu sein
Vollmond
Ai Vis Lo Lop
Sängerkrieg
Flaschenpost
In diesem Licht
Mein rasend Herz

Küss mich

COMBICHRIST

TeDer Headliner am 2ten Tag im Hangar war dann Andy LaPleguas COMBICHRIST mit seinem Techno Body Sound, dargeboten unter freundlicher Mithilfe der „verrückten“ Live Musiker Joe Letz (Drums), Z_Marr (Keyboard) und Trevor Friedrich (ebenfalls Drums und Percussion. Party! Party! Party! Und was für eine wilde noch dazu! Das würde COMBICHRISTs Live Show eigentlich schon zur Genüge charakterisieren. Der Hangar war bis zur Decke vollgepackt und bereits der Opener „All Pain is gone“ sorgte für einen massiven Mosh Pit. Scheinbar jeder im Auditorium schien zu tanzen. Zum Glück war auch der Sound nun deutlich besser als z.B. beim Gig von AGONOIZE. LaPlegua, muskelbepackt wie eh und je, saugte die Energie der Menge quasi auf und gab diese gebündelt wieder zurück. Stomper wie „Electrohead“, „Get your Body Beat“ oder „Blut Royale“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Mögen auch intellektuelle Tiefe oder Abwechslung fehlen: Wer erwartet so etwas schon bei einer COMBICHRIST Show? Hier geht es um pures kreatives Chaos und das wurde in Hildesheim mal wieder perfekt zelebriert!

Setlist COMBICHRIST
All Pain Is Gone
Rain Of Blood
Scarred
Electrohead
Without Emotions
Deathbed
Get Your Body Beat
Blut Royale
Fuck That Shit
Never Surrender
What The Fuck Is Wrong With You

PLACEBO

An dieser Stelle sollte nun ein weiteres Highlight des Wochenendes folgen. Die Herren von PLACEBO hatten Ende des letzten Jahres eine größere Tour anlässlich ihres neuen Albums „Battle for the sun“ absolviert und sind in diesem Jahr auf diversen Festivals vertreten und so auch auf dem M’era 2010. Da ich diese Band sehr schätze und ich mich im letzten Jahr von ihren Live Qualitäten überzeugen konnte, freute ich mich natürlich umso mehr, sie dieses Jahr erneut sehen zu dürfen. Da man hier natürlich nicht die Menge an Zeit zur Verfügung hatte wie auf einer eigenen Tour, musste die Setlist ordentlich zusammengestrichen werden und so legte man das Hauptaugenmerk auf die aktuellen Songs. Mister Molko hatte sich an diesem Abend mit einem weißen Anzug, Mütze und Nerd Brille richtig in Schale geschmissen während Stefan Olsdal silbrig glänzte. Los ging es mit „Nancy Boy“ von ihrem ersten Album und irgendwas musste Brian da gestört haben, denn nach dem Song ließ er seinen Aggressionen freien Lauf und attackierte einen Kameraständer an der Bühnenseite. Man war anscheinend also nicht so gut drauf und dementsprechend wortkarg gab sich der Frontmann während des Auftritts. Mit „Ashtray heart“ und „Battle for the sun“ gab es dann zunächst zwei neue Stücke auf die Ohren und wir verzogen uns von direkt vor der Bühne weiter nach hinten, um eine bessere Sicht auf das Geschehen zu haben. Leider war es inzwischen windiger geworden und so wurden manchmal ganze Teile des Gesangs verweht und kamen kaum bei uns an. Selbiges Phänomen trat schon am Vortag bei den SISTERS OF MERCY zutage. Insgesamt fand ich das Festival im Vergleich zu anderen Veranstaltungen angenehm „leise“, so dass ich meinen Ohrschutz kaum benutzen musste und mir später zu Hause dennoch nicht die Ohren klingelten. Aber zurück zum Thema. Auf der Bühne ging es inzwischen mit „Soulmates never die“ und dem nach wie vor sehr beliebten „Every you every me“ weiter. Eben jenes wurde auch von den Zuschauern ordentlich abgefeiert, hatten diese sich doch mehr als zahlreich vor der Main Stage eingefunden. Danach folgten mit „Breathe Underwater“, „The never-ending why“ und „Kitty litter“ wieder drei Songs der aktuellen Veröffentlichung, was mich persönlich nicht sonderlich störte, da ich das Album gut kenne und auch mag. Dennoch denke ich, dass viele Zuschauer in den neuen Stücken nicht unbedingt bewandert waren und es vielleicht angenehmer gewesen wäre, sich mehr an die Klassiker und Hits zu halten. Mit „Song to say goodbye“ und „Meds“ wurde dann aber auch die gleichnamigen Scheibe bedacht und mit „All Apologies“ hatten PLACEBO auch noch ein schönes Cover (im Original von NIRVANA) im Gepäck. Und wie es der Titel schon sagt, war mit „The bitter end“ dann auch das Ende des Hauptteils gekommen. Wir machten uns da schon mal auf den Weg in Richtung unseres fahrbaren Untersatzes, um noch einigermaßen gut vom Gelände zu kommen und nicht ewig in Autoschlangen zu stecken. Auf dem Weg gen Parkplatz trug der Wind als Zugaben noch „Infra-Red“ und mit „Taste in Men“ einen meiner Favoriten zu uns herüber, bevor wir uns dann endgültig vom diesjährigen M’era Luna verabschiedeten.

Setlist PLACEBO
Nancy Boy
Ashtray Heart
Battle For The Sun
Soulmates Never Die
Every You Every Me
Breathe Underwater
The Never-Ending Why
Scared of Girls
Kitty Litter
All Apologies (NIRVANA Cover)
Meds
Song To Say Goodbye
The Bitter End

Trigger Happy Hands
Infra-Red
Taste In Men

Und wieder war ein sehr angenehmes Festivalwochenende vorbei. Im Nachhinein stand zu lesen, dass erneut ein Besucherrekord gebrochen worden war und sich knapp 24.000 Menschen über 40 Bands unterschiedlichster Stile freuen konnten. Und auch wir hatten definitiv unseren Spaß und können auf ein entspanntes Festival zurückblicken, annähernd perfektes Wetter und die wie üblich friedliche Atmosphäre trugen ihren Teil dazu bei, dass das M’era Luna 2010 trotz einiger formelhafter Bands wieder eine dunkel-düstere Erfolgsgeschichte wurde. 2011 sehen wir uns wieder…

Copyright Fotos: Nordfrost außer SKINNY PUPPY/ COMBICHRIST/ FEINDFLUG/ AMBASSADOR 21/ PUNISH YOURSELF (Dani Vorndran)

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