Konzert Filter

METALFEST 2008

Ort: Osnabrück - N8

Datum: 19.12.2008

MORBID ANGEL – KATAKLYSM – MARDUK – ABORTED – KEEP OF KALESSIN – ARSIS – HACKNEYED – DEUS INVERSUS

Wieder mal ein Festival, bei dem der (ungern) arbeitende Teil der Bevölkerung nicht alle Bands zu sehen bekommt. Um 16:30 Uhr an einem Werktag geht es los: DEUS INVERSUS aus dem geliebten Kohlenpott eröffnen einen heute absolut blutigen Reigen. Jede der heute auftretenden Bands knüppelt, lediglich vereinzelt gibt es groovige Songs oder gar griffige Melodien zu hören. DEUS INVERSUS, die auch komplett im eigenen Merchandise auf die Bühne gehen, sind weder beim einen noch beim anderen verdächtig. Hier gibt es klassischen Death Metal vornehmlich amerikanischer Prägung, der die im Darm gekochte Blutwurst nicht neu erfindet, jedoch im Publikum schon einige begeisterte Reaktionen hervorruft. Die großen Idole der Jungs dürften mit IMMOLATION, MORBID ANGEL und AUTOPSY nicht ganz falsch vermutet sein. Die Bühnenshow ist noch etwas steif, zumindest die Gitarristen beschränken sich noch zu sehr aufs Bösegucken und möglichst selten verspielen. Sympathiepunkte erntet die Band jedoch spätestens mit dem Versuch einer Zugabe, die durch einen sehr heftig mit der Running Order wedelnden Ordner unterbunden wird, der die Band reichlich unsanft von der Bühne scheucht. Insgesamt gab es sicherlich schon schlechtere Opener!

Ebenfalls zu völlig un-Death Metallischer Zeit müssen die Shooting-Stars selbiger Szene auf die Bühne: HACKNEYED! Das N8 hat sich trotzdem schon sehr gut gefüllt und von den Pits und Publikumsreaktionen her hat man den nächsten 4 Bands einiges voraus – technisch metert man die allesamt eh schon jetzt locker an die Wand! Auf der nächsten Tour werden die Jungs mit Sicherheit wesentlich weiter oben im Billing stehen… und das völlig zu Recht! Zwar ist die Performance noch etwas hölzern, dafür brilliert man aber auch geschlossen an den Instrumenten, wie ganz alte Hasen. Unfassbar, wie tight vor allem Schlagzeuger Tim seine extremen Blasts raushaut… wenn da mal nicht Meister Sandoval Beifall bekundet hat! Zudem hat man Schädelspaltendes Songmaterial am Start, welches natürlich das Rad nicht neu erfindet, aber ungemein effektiv schreddert. „Gut Candy“ oder „Ravenous“ sind lupenreine Genrehits, die auch die großen Jungs nicht alle Tage einzimmern. Da herrscht natürlich schon mal ordentlich Alarm im Pit, wie er erst später wieder bei KATAKLYSM zu beobachten ist. Fulminanter Abräumer Gig und wenn die beiden Gitarristen noch etwas auftauen auf der Bühne, dann kann sich die Speerspitze des Death Metal mal warm anziehen! Grandios!

Nach den derzeit schon recht angesagten Jungspunden von HACKNEYED auf die Bühne zu gehen ist nicht die allerdankbarste Aufgabe. Da ist es nicht verkehrt, dass mit ARSIS jetzt eine Truppe die berühmten Bretter stürmt, die in den US of A schon einiges an Bühnenerfahrung gesammelt hat und auch eine gute Reputation vorweisen kann. So soll u.a. auch ein Gitarrist namens Kerry King einiges von der Band halten. Dessen ja nicht gänzlich unbekannte Hauptband scheint auch im ARSIS Lager sehr beliebt zu sein. Desweiteren ist hier unbedingt DEATH zu erwähnen, zufällig (???) ähnelt die Bühnen- sowie die Gitarrenhaltung von Cheffe James Malone der des unsterblichen Chuck Schuldiner wie ein Ei dem anderen. Ein weiterer deutlicher und bemerkenswerter Einfluss geht von den unglaublichen ATHEIST aus, die ja dankenswerterweise auch wieder gemeinsam auftreten. Technisch gelingt der Band ein sehr schöner wie auch sehr druckvoller Vortrag, der die Band zumindest für mich zu einem der Gewinner des (langen) Abends macht, insbesondere als die Band ihren Set mit einem Song beschließt, der glorreiche Techno Thrash Zitate aufweist. Fazit: ARSIS sind sehr geil und für mich qualitativ zwar hinter den uneinholbaren KATAKLYSM aber mit vorschriftsgemäßem Sicherheitsabstand vor MORBID ANGEL an diesem Tag.

Für meinen Geschmack eine Stelle zu früh im Billing stehen die Trondheimer KEEP OF KALESSIN. Diese entsprechen den hohen Erwartungen und liefern ebenfalls einen technisch gelungenen Vortrag. Ähnlich wie die Kollegen von SATYRICON, mit denen man ja auch gemeinsam getourt ist, setzt die Band keine Scheuklappen auf und kombiniert munter aus den fruchtbaren Reservaten der härteren Metal Geschichte. Zwar fehlt heute zum richtigen Abräumen der passende klare und druckvolle Sound, jedoch überzeugt die Band mit dem bisher besten Stage Acting: Ab jetzt wird die Bühne zur bewegungserlaubenden Zone. Damit kann die Band auch beim Publikum punkten, jedoch scheint dieses doch eher die reine Schule zu bevorzugen (einleuchtend ob der beiden Hauptbands). Für mich hat die Band jedoch an Attraktivität unbedingt gewonnen.

Selbiges kann ich von den Belgiern ABORTED leider nicht sagen. Zwar bieten auch diese einen druckvollen und engagierten Auftritt, jedoch ist mir das dauernde „Voll auf die Fresse“ Material schnell zu eintönig. Vielleicht ist dies dem etwas matschigen Sound geschuldet, wer die Website der Band aufschlägt, bekommt viel besseres und abwechslungsreicheres Liedgut zu hören. Heute regiert jedoch der ganz harte Stahlknüppel, der mich nicht mehr sonderlich reizt. Zudem nervt mich die Bühnenshow von Sänger Sven de Caluwe, der die mittlerweile gängige Nummer „Giftzwerg mit Macho Attitüde“ gibt, die zumindest mich nun so gar nicht mehr vom Hocker haut. Nuff said!

Danach erwarte ich mit Spannung die semilegendäre Panzerdivision MARDUK. Lange muss ich jedoch nicht warten, erfreulicherweise halten sich die Umbaupausen während des ganzen Metalfestes in engen Grenzen. Dies führt in diesem Fall leider dazu, dass die Enttäuschung umso früher kommt: MARDUK werden ohne Umschweife zu meinen Festivalverlierern. Damit hätte ich eigentlich auch rechnen können. Schon auf Platte nerven mich die wenig unterbrochenen Rasereien nach oft recht kurzer Zeit. Live ist dies umso fataler, vor allem, wenn die Gitarre, die wenigstens punktuell entlastende Akzente setzen kann und soll, im Sound Inferno untergeht. Dies sieht auch mein Kollege so, der die Band heute zum „zehnten oder elften Mal“ live sieht. Respekt dafür. Ungeachtet der Kritik soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass auch MARDUK motiviert und engagiert auf der Bühne stehen und ihre Anhänger wohl nicht enttäuschen.

Nach diesem eher unwichtigen Zwischengeplänkel folgte mit den Kanadiern KATAKLYSM das erste richtige Kommando des Abends! Und die ließen sich nicht lumpen und zerschroteten die Meute mal gleich mit der Überwalze „Prevail“! War zwar arg laut und sehr schepprig… vielleicht war ich aber auch zu weit vorne oder die Rübe rotierte in Ebenen, wo der Sound halt nicht so gut war. Egal, denn die Kanadier räumten mal wieder nach allen Regeln der Death Metal-Kunst ab, was man nur abräumen kann und hatten die mit Abstand besten Reaktionen zu verzeichnen. Bei unfassbaren Walzen wie „Prevail“, „In Shadows and Dust“, „Crippled & Broken“, „Like Angels (Weeping the Dark)“ oder „As I Slither“ muss man einfach abgehen wie die Band selber auf der Bühne – hier wird die Matte noch für das getragen, wofür sie da ist: Bang that Head that doesn’t Bang! Leider war schon nach einer guten Dreiviertelstunde Schicht. Lieber weniger Bands, dafür die richtig geilen mit vernünftiger Spielzeit…KATAKLYSM waren auch heute die unumstößliche Macht! Seeya@Headlinertour.

Da kamen auch die Alltime-Götter MORBID ANGEL nicht heran, was wie immer an ihrer seit jeher eher unterkühlten Performance liegt. Jeder spielt in seinem eigenen Universum und wer die zweite Klampfe bedienen darf, ist eh völlig wurscht. Jetzt halt einer von ZYKLON… na und? Die Vorreiter der extremen Death Metal-Szene gehören zu den ganz wenigen Bands im gesamten Metalzirkus, die auch ohne aktuellen Kram auf Tour gehen können und trotzdem die Hallen füllen. Und noch nie wurde man enttäuscht! Auch heute war der ganze Gig mal wieder von einem ganz anderen Planeten. Trey zupfte wieder wie ein Wahnsinniger, David ist einfach die Präsenz in Person und Pete verprügelt sein Kit immer noch mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht. Das vornehmlich aus alten Songs bestehende Set begeistert die Meute von der ersten Sekunde an und der eine vorgestellte neue Track „Nevermore“ dreht die Uhren wieder derbe Richtung “Altars of Madness“. Extrem schlürfende Parts wechseln sich mit Ultrablastraserei ab, völlig Granate! Wird das ganze Album so, dann zieht Euch warm an!

Ansonsten regierten natürlich Gottheiten wie „Chapel of Ghouls“, „Lord of all Fevers & Plague“, „Immortal Rites“, „God of Emptiness“, „Where the Slime Lives“, „Fall from Grace“, „Pain Divine“, „Sworn to the Black“, „Rapture“, „Blasphemy“, „Blood on your Hands“ oder „Maze of Torment“ und zwar ohne wenn und aber! Diesen völlig eigenständigen Sound wird es auch in Äonen ausschließlich von MORBID ANGEL zu hören geben! Auf immer und ewig einzigartig und genau deshalb kommen wir auch alle bei den nächsten Touren wieder.

Fazit nach fast 8 Stunden Geknüppel: Viel zu viel! Geiles Fest zwar und auch nahezu ausverkauft, aber 4 Bands hätten auch gereicht. Der Rest ist eh nur schmückendes Beiwerk…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ABORTED auf terrorverlag.com

Mehr zu ARSIS auf terrorverlag.com

Mehr zu DEUS INVERSUS auf terrorverlag.com

Mehr zu HACKNEYED auf terrorverlag.com

Mehr zu KATAKLYSM auf terrorverlag.com

Mehr zu KEEP OF KALESSIN auf terrorverlag.com

Mehr zu MARDUK auf terrorverlag.com

Mehr zu MORBID ANGEL auf terrorverlag.com