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METALTOWN FESTIVAL 2008 – TAG 2

Ort: Göteborg - Frihamnen

Datum: 28.06.2008

Tag 2 war allein wettertechnisch schon besser als der Erste. Kein Tröpfchen Regen ließ sich blicken und obendrein wurde nun ein wirklich astreines Bandpaket aufgefahren. Sowohl auf den Hauptbühnen, als auch auf der kleineren Bühne. Kein Wunder, dass der Samstag bereits im Vorfeld restlos ausverkauft war. Das machte sich dann schon gleich am Einlass bemerkbar, der heute ein wenig länger dauerte. Allerdings sind 10 Minuten Anstehen bei einem Festival dieser Größe ein Klacks, verglichen mit manch anderen Festivals. Kontrolliert wurde in Göteborg auch, aber dennoch ging’s irgendwie zügiger.

Dank der schnellen Einlasskontrollen war ich dann auch auf die Minute pünktlich vor Ort, als LILLASYSTER (ehemals RALLYPACK) die Bühne enterten. Der zahlreich vor der Bühne wartenden Menge nach zu schließen wurden diese wohl bereits sehnlich erwartet. Stimmungstechnisch ging es dann auch gleich hoch her, das hätte ich so beim Opener nicht erwartet. Außerhalb Schwedens dürften die Jungs wohl kaum bekannt sein, allein schon der schwedischen Texte wegen, aber sie rocken einfach. Das Publikum erwies sich als äußerst textsicher und sang brav Texte vom Debütalbum „Hjärndöd Music För En Hjärndöd Generation“ mit. Neben „Berätta Det För Lina“, „Hårdrock“oder „Nu Hard Jag Fått Nog“ durfte die Coverversion von „Umbrella“ nicht fehlen, die sich auf alle Fälle besser hören lassen kann, als die Version von RIHANNA 😉 Der Aufforderung, dass doch die ganze Menge beweisen sollte („Jaaa, auch ihr ganz dahinten! Und hier hier links vorne natürlich auch!“), dass auch bei der ersten Band des Tages alle zum Song hüpfen können, kamen die allermeisten bereitwillig nach.

Wäre nun auf der Big Stage nebenan nicht DARK TRANQUILLITY an der Reihe gewesen, hätte ich so meine Zweifel gehabt, ob der vorangegangene Auftritt so einfach zu toppen gewesen wäre. Aber DT hatten hier ja ein Heimspiel. Sie stürmten die Bühne und nahmen die Menge im Sturm. Ohne Wenn und Aber. Die Stimmung wurde problemlos gehalten und weiter angeheizt, Mikael sprang von einem Ende der Bühne zum anderen und erwies sich wieder mal als absoluter Sympathiebolzen, der fortwährend vom einen zum anderen Ohr grinste.

Verschnaufpausen waren am Samstag definitiv Mangelware und vor lauter Begeisterung über den SOILWORK Gig, habe ich dann leider SIC von den Färöer Inseln auf der Close-Up Stage verpasst. Wie dem auch sei, Björn Strid und seine Mannen haben nahtlos ans Stimmungslevel von DT angeknüpft und eine weitere Portion schwedischen Metal in die Menge gepfeffert.

FINNTROLL – und wieder eine dieser überall anwesenden Festivalbands. Liebt diese Truppe oder hasst sie, aber Partymachen können die Finnen. Überall, sogar im Barbereich, wippten die Zuschauer eifrig mit und feierten eine Humppa-Viking Party mit den Nachbarn. Überraschungen gab’s keine großen, aber den meisten Anwesenden ging es sowieso mehr um den Spaß, als um irgendwelche Neuerungen.

SATYRICON waren der kurz vor dem Festival verpflichtete Ersatz für OPETH, die leider wegen Krankheit ihren Auftritt in letzter Minute canceln mussten. Bereits am Eingang sah man nach dem Lesen dieser Ankündigung viele lange Gesichter, hörte viele nörgelnde Schweden, die eben genau wegen dieser Band gekommen waren. Aber bei den allermeisten stellte sich dann doch eine gewisse Zufriedenheit ein, als man weiterlas und vom Ersatz durch die Norweger von SATYRICON erfuhr. Mal ganz ehrlich, da konnte man nicht meckern. So sehr ich OPETH mag, so sehr freute ich mich auch über die Blackies. Bei ihrem Auftritt legten sie sich dann wohl auch besonders ins Zeug und ballerten mit „K.I.N.G.“, „Mother North“, „Hvite Krists Dod“ und Co. ein paar fiese, kalte BM-Brocken in die Menge, so dass trotz Sonnenschein eine „kühle“ Atmosphäre aufkam. Nach dem Gig waren dann auch kaum mehr nölende Leute auszumachen, die Norweger hatten die Lücke formidabel gefüllt.

AMON AMARTH – die Omnipräsenten. Kaum ein Festival, auf dem die Wikinger noch nicht gespielt haben, kein Festivaljahr ohne die Schweden und dennoch wird’s auf wundersame Weise nicht wirklich langweilig. Auf CD werde ich dieser Band schnell überdrüssig, aber live kommen allseits beliebte Kracher wie „Runes To My Memory“, „Death In Fire“ usw. einfach immer gut. Zudem haben die meist im Midtempo gehaltenen Songs einfach das ideale Tempo zum Headbangen. Synchron Propellerbangen auf der Bühne, massige fliegenden Matten im Publikum – ein solider Auftritt, bei dem es Nichts zu meckern gab.

Zeit für die zweite Schwarzheimer Truppe des Tages: DIMMU BORGIR. Ich habe selten eine derart grinsende BM-Truppe gesehen – Dimmu haben sich definitiv den Orden als fotogenste Truppe des Festivals verdient. Allein Galder schnitt genügend Grimassen, um die Fotografenmeute für eine ganze Weile in Beschlag zu nehmen. Herrlich! Nach einem Intro ging es direkt mit „Spellbound“ los, es folgten „Vredesbyrd“ und der Ohrwurm „Progenies Of The Apocalypse“. Das aktuelle Album „In Sorte Diaboli“ wurde hingegen vergleichsweise wenig berücksichtigt. Ein solide Setlist, ohne allzu große Überraschungen also, aber dafür war die Bühnenpräsenz umso besser.

NIGHTWISH – Nun, den Auftritt hatte ich mit Spannung erwartet, weil ich die Finnen bisher noch nicht mit der neuen Sängerin gesehen hatte. Was bleibt ist trotz eines ordentlichen Auftritts ein leicht fahler Beigeschmack, den die alten Lieder mit neuer Stimme hinterlassen haben. Annettes Stimme ist einfach anders und sie mit Tarja zu vergleichen, wäre falsch. Ausstrahlung hat sie jedenfalls und NIGHTWISH kamen mit wesentlich mehr Spielfreude und Sympathie rüber, als ich sie noch von vor zwei Jahren in Erinnerung hatte. Wie auch schon bei Dimmu zuvor gab’s hier ordentlich Pyros. Nur legten die Finnen noch eine Schippe drauf, mehr Feuer, mehr Funkenregen, mehr Geblitze und Geglitzer – alles recht bombastisch.

Von IN FLAMES bekamen die Fotografen während der ersten vier Songs – außer einer Menge Geknalle und Pyros – nicht viel mit, denn wir wurden zum Pressezelt verfrachtet und durften erst zum 5. Song in den Graben. Die Menge vor der Bühne ging jedenfalls von der ersten Minute an voll und ganz mit, das war die Band, auf die viele den ganzen Tag gewartet hatten – denn so voll war es vor der Bühne während der beiden Tage sonst nicht. Liedtechnisch ließ die Setlist wohl kaum Wünsche offen, neben „Cloud Connected“, „Only For The Weak“ oder „Take This Live“, kam auch „I Am The Highway“ von der aktuellen Scheibe zum Zuge. Kaum verwunderlich, dass da eifrig mitgesungen und geklatscht wurde. Einfach ein perfekter Abschluss eines Metalfestivals mitten in Göteborg, einen passenderen Headliner hätte man da kaum verpflichten können.

Die einzige Band, die ich schmerzlich vermisst habe, waren AT THE GATES, zu schade, dass diese nicht bei einem der größten schwedischen Festivals in der zweitgrößten Stadt des Landes zugegen waren, das hätte dem Ganzen die Krone aufgesetzt. (derartige Kommentare waren des Öfteren auf dem Gelände zu vernehmen…).

Mein Fazit zum ersten (und sicherlich nicht letzten) Metaltown Festival Besuch: Sehr relaxt, trotz vollem Gelände am zweiten Tag, coole Security, eine Menge verdammt guter Auftritte, viel leckeres Essen zur Auswahl und das zu annehmbaren (Festival)preisen, so dass sich letzten Endes der doch recht hohe Ticketpreis von 130 € für beide Tage für die meisten Besucher auf alle Fälle gelohnt haben sollte. Nicht auszuschließen, dass ich dort im nächsten Jahr wieder aufschlage.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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