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METRIC

Ort: Köln - Luxor

Datum: 05.05.2009

Ich hörte die Single „Help I’m alive“ im Radio auf dem Weg nach Köln. Im typischen BREEDERS- Beat dröhnte der Refrain „my heart is beating like a hammer…“. Das klang vielversprechend. „METRIC heißt die Band“, sagt Ingo Schmoll. METRIC, okay, kannte ich bis dahin nicht. Also, Name abgespeichert und tags drauf die CD geordert. Als der Postbote das Päckchen brachte, ich es auspackte und die CD in das Abspielgerät legte, suchte ich das Lied aus dem Radio vergebens. Ich fand aber den Opener „Grow Up“, der dem Radiosong sehr nahe kam, wenn nicht gar noch gelungener war. Es klang zwar nicht nach den BREEDERS, aber dafür hörte ich die STARS heraus. Eine ebenso gute Referenz. Nun, ich hatte nicht das aktuelle Album „Fantasies“ gekauft, sondern das 2007 offiziell erschienene „Grow Up and Blow Away“. Das Album, das 2001 produziert wurde, aber wegen Streitkram mit der Plattenfirma nie offiziell auf den Markt kam. Ich musste also nachlegen, denn „GUABA“ machte Appetit auf mehr, und ich hatte immer noch nicht das Album zum Radiosong. Folglich lud ich kurze Zeit später „Fantasies“ von der METRIC-Seite, und während der gleichen Onlinesitzung kaufte ich die Konzertkarte fürs Luxor. Die Formation stammt aus Kanada, genauer gesagt Toronto. Noch genauer gesagt: Emily Haines und James Shaw stammen aus Toronto, Joshua Winstead und Schlagzeuger Joules Scott-Key, die aus dem ursprünglichen 2-Personen Projekt eine Band machten, aus Kalifornien. Also Kanada. Indie Rockland Nummer eins unserer Tage. Über die Visions-Reportage zum Thema war ich enttäuscht, erfasst sie doch bei weitem nicht alles, was das Land an tollen Bands zu bieten hat.

Also Köln, Konzertstadt Nummer eins. Über das Luxor kann man viel Negatives sagen, muss man aber nicht. Und wenn man früh genug vor Ort ist, sich also stehplatztechnisch noch gemütlich vor der Bühne postieren kann, ist es okay. Nur ein bisschen laut, wenn man zu sehr nach links oder rechts in Richtung Boxentürmchen abgedriftet wird. Heute war ich früh, und das war gut. Denn zum einen lieferten METRIC ein fulminantes Set ab und zum anderen füllte sich das Luxor gegen neun doch beachtlich, so dass der spätere Zug wieder die falsche Wahl gewesen wäre. Am Nachmittag hatte ich gelesen, dass METRIC eine der besseren Livebands seien. Stimmt. Definitiv, oder in einem Wort ausgedrückt. Puhhh! Das ging sehr gut. Emily Haines ist bis jetzt die Frontfrau des Jahres. In grauverwaschenen Jeans, weißem Top und weißen Knöchelstiefeln vereinnahmte sie sofort jeden und alle. 100 Prozent Rockstar-Energie. Der Maßstab wurde gleich zu Beginn mit „Twilight Galaxy“ und dem Radiosong „Help I’m alive“ hoch gehängt. Besser kann man ein Konzert nicht eröffnen. Das Luxor war da und es durfte auch bei den nächsten Titeln nicht lange Luft holen. Vier Keyboards sorgten dafür, dass der Sound live sehr tastenlastig umgesetzt wurde. Zeitweise spielten Frontfrau Emily Haines und Jimmy Shaw gleichzeitig an drei Keyboards. Damit war der Elektronik-Anteil wesentlich größer als auf Tonträger, aber unterstützt durch das dezente Schlagzeugspiel baute sich ein sehr tanzbarer und hüpfkompatibler Sound auf, ohne dabei elektroclashig rüberzukommen. Typischer kanadischer Indierock. Immer melodiös, meistens tanzbar und nie zu brutal traurig oder fröhlich. Sehr wohltuend. Höhepunkt des Abends war „Dead Disco“ mit ganz, ganz vielen „Bababas“ und einem sehr zarten und schönen Mittelteil. Die beiden Zugaben bildeten den würdigen Abschluss. „Monster Hospital“, vielleicht bekannt aus „Grey’s Anatomy“ und „CSI: Miami“ sowie das semiakustische „Live it out“.

METRIC sind in Kanada und den USA zu recht mittelgroß und bei uns zu unrecht relativ klein. Ihrer Fanbasis können sie sich aber sicher sein. Das Luxor war ohne großartige Konzertvorankündigungen nahezu ausverkauft. Hier greift das Phänomen, das auch die STARS (zufällig auch aus Kanada) oder TEGAN & SARA (ach, ebenso aus dem Holzfällerland) kennen. Kaum Radiozeit oder Medienpräsenz, aber volle Konzerte in Gloria-Größenordnungen. METRICs Hitpotential ist unbestritten und live untermauern sie den guten Eindruck, den – zumindest zwei – ihrer Alben bei mir hinterlassen haben. Neben den STARS werden, ach was sind, METRIC meine zweitliebste Kanadaband. So war es ein sehr lohnenswerter Abend, der das knapp 90 minütige Ohrenflimmern mehr als rechtfertigte. Vorne rechts ist schon ein blöder Platz im Luxor.

Setlist METRIC
Twilight Galaxy
Help I’m alive
Satellite mind
Handshakes
Gold gun girls
Collect call
Gimme sympathy
Sick muse
Empty
Front row
Dead disco
Stadium love

Monster hospital
Live it out

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