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MIA. – MARIANNENPLATZ

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 11.11.2006

11.11.: Karnevalsanfang und Martinssingen, da schien doch ein MIA.-Konzert in Osnabrück die wesentlich bessere Alternative zu sein. Und so fanden wir uns dann schon kurz nach 19 Uhr am ausverkauften Rosenhof ein, da es relativ früh mit dem Support losgehen sollte, der da auf den Namen MARIANNENPLATZ hörte. Das Berliner Quartett (Pete, Daniel, Micha und Tom) hat sich nach einem bekannten Berliner Platz der linken Hausbesetzer Szene benannt, vielleicht erinnern sich ältere Semester noch an das sogenannte Rauchhaus. Der Sound der Hauptstädter ist allerdings weniger revolutionär, gediegene deutsche Indie Gitarrenmucke, meist relativ ruhig dargeboten. Der Rosenhof war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz gefüllt, doch der sehr hohe Frauenanteil schon jetzt ersichtlich. Wenngleich die präsentierte Musik vielleicht eher ein älteres, studentisches Publikum anspricht, war doch die Response schon recht positiv. Allzu viel Showelemente hatte der Opener nicht zu bieten, ein paar nette Ansagen, der Plewka-Gedächtnishut des Bassisten, das war es dann auch schon. Die Setlist enthielt u.a. „Parallele Welten“ und die bald erscheinende Single „Komm“ vom aktuellen Album „Besser als“, mit „Automatischer Tag“ aber beispielsweise auch einen Titel des Vorgängerwerks. Nach gut 30 Minuten hatten MARIANNENPLATZ ihren Job ordentlich erledigt, für den sie nur einen sehr kleinen Teil der Bühne zur Verfügung hatten.

MIA.s 2006er Scheibe steht unter dem Motto: Der „Zirkus“ und alles, was dazu gehört. Menschen, Tiere, Sensationen also, und all dies sollte dem dichtgedrängten Publikum nun auch geboten werden. Schon erstaunlich, wie sich die Berliner gemacht haben, die vor 2, 3 Jahren noch vor gut 400 Leuten in Bielefeld aufgetreten waren (heute dürften es mehr als doppelt so viel gewesen sein). Die Stage war ein wenig wie eine Manege aufgemacht und dazu passend betrat die Saitenfraktion die selbige dann auch mit kleinen Hüten bzw. „Melonen“. Mieze enterte einige Sekunden später die Stage und hätte eigentlich einschweben müssen, denn an ihrem Rücken befanden sich 2 Engelsflügel. Logischerweise hieß der Opener dann auch gleich mal „Engel“, eins der schönsten Stücke aus der Feder der rockenden Miezen. Das Auditorium fraß der Truppe sofort aus der Hand, die es mit Hit auf Hit dankte. Schon an dritter Stelle folgte „Hungriges Herz“, bei dem Frau Katz kein Mikro gebraucht hätte, so ein lauter Zuschauerchor intonierte dieses wunderbare Liebesstück. Mit einem kleinen Appell an unser aller Umweltbewusstsein wurde mit „Ökostrom“ ein weiterer Song von „Stille Post“ angestimmt, insgesamt lag aber das Augenmerk klar auf dem Nachfolgewerk. Neben unterschiedlichen, natürlich extravaganten Kleidungsstücken der charismatischen Sängerin (inklusive kleinem Zylinder) fiel auch ein gediegener Butler auf, welcher die Herren plus Dame stilgerecht hofierte. Ungefähr in der Mitte der Setlist folgte eine ganz besondere Performance, die uns vorab bereits angekündigt worden war: Die Trapeznummer! Mieze vollführte in luftiger Höhe eine sehr professionelle und artistische Kür an diesem Gerät, die natürlich über alle Maßen abgefeiert wurde. Respekt! Bei der nächsten Single „Zirkus“ kam erwartungsgemäß die bereits bekannte Drehorgel zum Einsatz, die einen Sonderapplaus erhielt, obwohl sie laut M. nicht immer nach Plan funktioniert. „Tanz der Moleküle“ durfte natürlich ebenso nicht fehlen, auch hier agierten Osnabrücker und Zugereiste als beeindruckender Chor. Sichtlich gerührt verließen MIA. das erste Mal die Bühne, doch ohrenbetäubende Zugabenrufe lockten die Musiker schnell wieder nach oben.

Doch was war das? Zunächst standen dort oben nun 2 Bären, einmal Teddy, einmal eher Modell Eispetz würde ich sagen. Und die machten sich doch tatsächlich am Trapez zu schaffen, natürlich steckten unter den Masken Ingo und Andy, die alsbald mit ihren Kollegen 4 weitere Kompositionen zum Besten gaben, darunter das englische „2 Pieces“ sowie das wunderbare „S.O.S.“. Aber auch diese Verlängerung konnte die Fans nicht zufrieden stellen und so kam es noch zu einem 2ten und letzten Zugabenblock. Hier setzte sich Mieze mit Federboa auf einen bereitgestellten Barhocker zum Keyboard, und gemeinsam stimmte man „Was es ist“ an, das wie üblich mit Jagdhorneinlage und Jamsession endete. „Floss“ konnte den Energie Level wunderbar halten und das absolute Ende wurde durch eine zweite Performance von „Zirkus“ eingeleitet, was noch mal das Motto des Abends versinnbildlichte und nicht mehr ganz zu Ende gespielt wurde. Die Fronterin war über die enthusiastischen Reaktionen überaus glücklich und betonte immer wieder, dass jeder Abend der Beste sei – der Gig im Rosenhof war jedenfalls der beste Beweis dafür, welch Einheit MIA. und ihre Anhängerschaft mittlerweile bilden und wie man witzige Showelemente wunderbar mit musikalischer Klasse in Einklang bringen kann. MIA. rocks!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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