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MIA. (ZELT-MUSIK-FESTIVAL 2009)

Ort: Freiburg - Festivalgelände Mundenhof

Datum: 10.07.2009

Für ein Wochenende voll guter Musik fährt ein Terrorverleger ja gern auch mal runde 1.200 km. Zumindest, wenn im ebenso schönen wie entfernten Freiburg das Zelt-Musik-Festival ausgerichtet wird und neben dem samstäglichen Fest van Cleef mit ELEMENT OF CRIME, TOMTE, WHY?, den KILIANS, MUFF POTTER und GISBERT ZU KNYPHAUSEN am Freitag auch noch MIA. auf dem Programm stehen. Also Diesel in den Tank und einmal quer durch Deutschland gefahren, wo mich doch tatsächlich die Sonne erwartete! Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Abend, der bereits logistisch ein Volltreffer war. Die Macher des ZMF sind nämlich alte Hasen – immerhin jährte sich die Veranstaltung zum 27. Mal – und so fand sich auf dem Gelände selbst nicht nur eine abwechslungsreiche Zeltstadt, in der kulinarische und kulturelle Bedürfnisse jeglicher Art befriedigt wurden, schon die Anfahrt war dank Shuttle-Service bestens organisiert. Zudem hatte ich das Glück, einen Fahrer der Freiburger Verkehrsbetriebe erwischt zu haben, der sogar über vortreffliche Entertainer-Qualitäten verfügte, was bereits auf dem Hinweg für erstes Amüsement sorgte.

Nachdem ich mir einen ersten Überblick verschafft hatte, riefen MIA. aus Berlin ihre Fans auch schon ins große Zirkuszelt. In diesem Moment hätte ich mir eigentlich lieber ein Open-Air-Konzert gewünscht, denn die Sonne meinte es wirklich gut mit den eh vom Klima verwöhnten Badensern, doch bereits das lange Intro, welches kurz nach 20.00 Uhr den Abend eröffnete, verhieß nur Gutes und ließ alles andere vergessen. Dass Frontfrau Mieze Katz und ihre vier Mannen unter einer Zirkuskuppel spielten, machte dabei durchaus Sinn, immerhin trägt das dritte Album der Hauptstädter den Titel „Zirkus“ und auch die aktuelle Veröffentlichung „Willkommen im Club“ passte thematisch hervorragend ins Bild. Der letztgenannte Silberling diente wie zu erwarten auch in erster Linie als Songquelle, entsprechend groovte der Fünfer sich mit „100 Prozent“ langsam ein, wobei das Publikum offensichtlich keine lange Eingewöhnungsphase brauchte und ruckzuck an den Lippen der blonden Sängerin hing, die einen ganzen Schrank voller Kostüme präsentierte. Damit das Umziehen überhaupt vonstatten gehen konnte, mussten die Herren wie beim krachenden „Verfolger“ auch schon mal ohne Mieze auskommen, die bei der Gelegenheit ihr Startoutfit, das ein wenig an rhythmische Sportgymnastik erinnerte, gegen ein buntes Hängerchen eintauschte, um dann in die Vollen zu gehen. Nach dem ersten Höhepunkt „Hungriges Herz“ vom 2004er „Stille Post“ (inklusive entsprechender Video-Untermalung und riesigem Glitzerherz, welches Mieze als „Kleidungsstück“ trug), wechselte Gitarrist Ingo Puls zu „Kill For You“ zwar nicht seine Klamotten, aber immerhin das Instrument. Während die Kollegin die treibende Nummer bewegungsfreudig begleitete, griff der stoische Saitenzupfer zum blechernen Horn und sollte im weiteren Verlauf zudem noch die Tasten des E-Pianos bearbeiten. Zuvor standen mit „Tanz der Moleküle“ und „Mausen“ allerdings zwei Lieder auf der Setlist, die ausgiebig abgefeiert werden wollten, wozu die agile Frontfrau ihre zahllosen Leuchtarmreifen an die Zuschauer verschenkte. Ein männlicher Gast hatte sogar die Ehre, mit Frau Katz einen Walzer zu tanzen. Nachdem Andre, seines Zeichens aus Brühl und Sternzeichen Krebs, backstage ein paar Walzerschritte üben durfte, hatte er zu „Mein Freund“ seinen großen Auftritt und das Vergnügen, der MIA.-Fronterin ziemlich nah zu sein. Auch wenn das Auditorium zu ungefähr zwei Dritteln weiblich war, hätten vermutlich einige Herrschaften unter den etwa 1.000 Anwesenden gern getauscht. Das bereits erwähnte Thema „rhythmische Sportgymnastik“ kam bei „S.O.S.“ zum Ende des regulären Sets erneut zur Sprache. Wie es sich gehört, abermals neu eingekleidet (jetzt ganz in schwarz mit durchsichtiger Plastikjacke) tanzten bei Mieze die bunten Bänder und natürlich die Protagonistin selbst, sowie in gleichem Maße auch das Publikum, das wenig später den Holzboden im Zelt mit ausdauerndem Trampeln zum Zittern und die Band zurück auf die Stage brachte. Wie zu Beginn des Gigs, enterte als erster Drummer Gunnar Spies seinen Arbeitsplatz, bevor nach und nach auch der Rest in roten Sportjacken mit MIA.-Emblemen zurückkehrte. Bei Mieze war das Dress deutlich knapper als bei den Instrumentalisten ausgefallen und für alle, die bisher nicht wussten, dass MIA. an der Spree zu Hause sind, hatte sie sich auch noch eine Landesflagge umgehängt, während sie zu „Alles neu“ in eine Saxofon-Tröte blies. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der treibende Elektropop-Sound bisher noch nicht allen Anwesenden in Ohr und Bein gefahren war, legten MIA. mit „Verrückt“ einen Stomper hin, dem man sich nun wirklich nicht mehr entziehen konnte, um im Anschluss mit „Halt still“ etwas ruhiger Töne anzustimmen. Hierfür setzte sich Gunnar erneut an das weiße Keyboard, während Mieze Katz tatsächlich mal ihre Füße still hielt. Als Ersatz lief auf der Videoleinwand eine Aufnahme mit der Dame in Aktion, die derweil auf der Bühne angetan mit einem weiten, silbrig schimmernden Umhang, selbigen schließlich ausbreitete, als wollte sie davon fliegen. Es ging glücklicherweise nur hinter die Bühne, doch durften sich die Freiburger noch über einen zweiten Zugabenblock freuen, den Sechssaiter Andy Penn und Bassist Robert Schütze mit optisch wie akustisch sehr wirkungsvollen „Elektrogeräten“ einläuteten. Das wusste Mieze selbstredend noch zu toppen, denn ihre letzte Kreation des Abends, war nicht einfach nur ein mehr oder weniger durchsichtiger Reifrock, sondern eine Klamotte, die bestückt war zig blinkenden Lichtern, die schließlich bei „Floß“ eindrucksvoll zum Zuge kamen. Blieb noch das finale „Du“, mit dem sich Mieze Katz und Konsorten nach knapp zwei Stunden von ihren restlos begeisterten Fans verabschiedeten.

Wer wollte, konnte im Spiegelzelt noch zur Musik aus der Konserve weitertanzen, ich hatte für meinen Teil für heute genug und nutze den wartenden Bus, um ohne Zeitverluste zu meinem Auto zurückzukehren. Um mich herum gut gelaunte Konzertbesucher, die überlegten, welches Stück ihnen denn am besten gefallen hatte und wie man den Abend noch ausklingen lassen könnte. Letzteres bedurfte von meiner Seite keinerlei Überlegungen mehr, wohingegen ich den ersten Punkt für mich so beantworten konnte, dass bei mir das Temperament und die Energie des MIA.-Gigs in Kombination mit den treibenden Songs durchgängig so gut angekommen sind, dass ich gar keine Favoriten nennen könnten. Schließlich war Mieze kaum zu stoppen und auch die Jungs an den Instrumenten haben ein Übriges getan, um meine lange Anreise zu rechtfertigen.

Setlist
Intro
100 Prozent
Magisch
Hungriges Herz
Sonne
2 Pieces
Z Mix
Verfolger
Kill For You
Tanz der Moleküle
Mausen
Atme
Mein Freund
Kapitän
S.O.S.

Alles neu
Verrückt
Halt still

Deinetwegen
Floß
Du

Copyright Fotos: David Mildenberger/ Ulrike Meyer-Potthoff

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