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THE MIGHTY SIEBEN – JORDAN REYNE

Ort: Leipzig - Horns Erben

Datum: 21.03.2015

Zwei Acts mit jeweils einer Person und einem Musikinstrument. Das klingt für den nicht Eingeweihten auf den ersten Blick weniger interessant. Wer aber THE MIGHTY SIEBEN alias MATT HOWDEN und JORDAN REYNE kennt, weiß jedoch, dass dieser Abend etwas ganz Großes erwarten lässt. Denn mit den beiden Künstlern finden sich quasi die Königin und der König der Loop-Performance in den historischen Weinstuben des ehemaligen Leipziger Schnaps-Produzenten Wilhelm Horn ein. Ein angemessenes Ambiente für die beiden in England ansässigen Künstler.

19 Uhr war Einlass im Club Horns Erben. Die wiederhergestellte Glas-Fassade im Art Déco-Stil leuchtet schon von weitem den Weg. Im Erdgeschoss befindet sich eine schöne Bar. Wir gingen eine Etage höher. Der holzvertäfelte kleine Saal mit einer schönen Bar war bestuhlt. Mit etwa 75 Besuchern konnte man alle Plätze besetzen. Es hatte etwas von Wohnzimmerkonzert und die Stimmung war teilweise so bedächtig, dass man sogar das Knarzen der Dielen hören konnte. Die Auftritte konnten beginnen.

Den Anfang machte JORDAN REYNE. Die gebürtige Neuseeländerin wuchs auf einer Halbinsel, drei Autostunden von der nächsten Stadt entfernt, auf. Dort begann sie bereits als Kind, mit ausrangierten Ackergeräten und Eisenstücken Musik zu machen und dazu zu singen. Als den Eltern das zu bunt wurde, kauften sie ihr eine Gitarre. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt in Deutschland zog es sie schließlich weiter nach London. Und für einen Auftritt kam sie nach Leipzig. Ganz allein, nur mit einer imposanten Hörnern auf dem Kopf und einer Gitarre in der Hand, beginnt JORDAN REYNE dann ihren Auftritt. Dabei legt sie mit Hilfe von Loops, die sie mit den Füßen steuert, ihren Gesang Spur für Spur übereinander und erzeugt damit ein Volumen, als stünden viele Musiker auf der Bühne. So wird aus einer Folksängerin mit Gitarre ein halber Chor. Von der ersten Sekunde an zog die Frau mit ihrer sehr sympathischen Art die Zuschauer in den Bann. Mit ihrem süßen Akzent erzählte sie zwischen den einzelnen Stücken viele Anekdoten: „Ich rede viel, zum einen weil ich dann weniger singen muss. Ich muss meine Stimme schonen. Und außerdem erzähle ich gerne Geschichten.“ Bei ihrem nächsten Auftritt in Polen verstehe sie zudem keiner. Ihre Songs sind sehr politisch und richten sich meist gegen den Kapitalismus. Auch ihren „einzigen optimistischen Song“ performte sie („Ja, das war eine sehr kurze Phase. Meine Großmutter sagte mir, ein Optimist ist nur ein schlecht informierter Pessimist“). Viele der Stücke stammen von der EP-Trilogie „Maiden, Mother, Crone“ im Gepäck, von der die finale EP „Maiden“ offiziell erst am 2. April 2015 erscheint. Stimmlich, musikalisch und menschlich ein absolutes Highlight.

Nach einer kurzen Pause betrat MATT HOWDEN alias THE MIGHTY SIEBEN die Bühne. Wie immer unspektakulär im weißen Hemd und Stoffhose gekleidet, sollte die Aufmerksamkeit ganz alleine auf der fantastischen Musik liegen, die er lediglich mit seiner brillanten Stimme und dem famosen Geigenspiel erzeugt. Ebenfalls mittels Loops bauten sich seine Lieder auf, als stünde ein ganzes Orchester auf der Bühne. Drums, Percussion, Gitarre, Bass… alles scheint mit einer Geige möglich. Dazu nutzt Howden sogar seine Bartstoppeln. Und die klingen wirklich gut. Dabei stellte sich uns sofort die Frage, ob ein Drei-Tage-Bart anders klingt als die Fünf-Tages-Variante. Howden hat es sicher ausgetestet. Jedenfalls ist es unglaublich, was für Atmosphären und Stimmungen der Mann musikalisch erzeugt. Und selbst das Zusehen ist ein Genuss. Der neuen Technik, die noch nicht hundertprozentig eingespielt war, geschuldet, endeten einige Stücke recht abrupt. Die Zuschauer störte das in ihrem Hörerlebnis jedoch weniger. Bei THE MIGHTY SIEBEN erkennt man wie auch bei JORDAN REYNE die Leidenschaft und die Liebe zur Musik, die dahinter steckt. Zum Ende performte HOWDEN noch DAVID BOWIEs „Heroes“, natürlich nur mit Geige und nicht weniger schön als das Original.

Ein toller Konzert-Abend mit zwei wirklich leidenschaftlichen Künstlern, die man immer wieder genießen kann. Das Publikum war begeistert.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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