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MINTZKOV – THE SILVERFACES

Ort: Utrecht – Tivoli De Helling

Datum: 21.02.2014

Als ich MINTZKOV zuletzt gesehen habe, rockten die Belgier gerade das ehrwürdige Molotow in Schutt und Asche. Das ist jetzt bald vier Jahre her und lange wird es nicht mehr dauern, dann bleibt von den Hamburger Esso-Häusern, in denen sich auch das Molotow befand, tatsächlich nur noch Schutt übrig. Der Abriss hat bereits begonnen und da nicht absehbar ist, wann MINTZKOV überhaupt mal wieder nach Deutschland kommen, habe ich die Gelegenheit genutzt und eine kleine Benelux-Städte-und-Musik-Tour gestartet, die ihren Anfang in Utrecht nehmen sollte und mit dem von mir sehr geschätzten Fünfer startete. Der beendete im Tivoli de Helling ihre Niederlande-Gigs, bei denen natürlich auch die Songs des jüngst veröffentlichten vierten Albums „Sky Hits Ground“ nicht fehlen durften. Nachdem ich mir also tagsüber die Utrechter Grachten uns sonstigen Sehenswürdigkeiten angesehen hatte, war es am Abend an der Zeit, eine neue Konzertlocation kennenzulernen. Neben dem Tivoli im malerischen Herzen der Stadt an der berühmten Oudegracht, gibt es noch eine „Außenstelle“ etwas außerhalb der City namens De Helling, was sich wiederum auf den Straßennamen bezieht. Wasser gibt es hier übrigens auch, aber davon hat der Niederländer ja grundsätzlich reichlich.

Um 20.15 Uhr sollte der Startschuss für THE SILVERFACES fallen und um 20.10 Uhr tummelten sich vielleicht ein paar Dutzend Gestalten in der Halle, die zweifellos Platz für 400 Personen bot. Kaum wurden allerdings die Verstärker unter Strom gesetzt, füllte sich der Saal – die Holländer scheinen auf die Sekunde pünktlich zu sein. Wer erst später kam, hatte zudem wirklich was verpasst, denn die vier Jungspunde, die von LED ZEPPELIN inspirierten psychedelischen Bluesrock servierten, lieferten eine wahrlich mitreißende erste halbe Stunde ab. Gleich mit ihrem Opener „For You My Love“ legte das Kleeblatt krachend los und in diesem Modus blieben Fronter und Gitarrist Jesse Koch, der die Kapelle gemeinsam mit der Bassistin Sonya Vos erst im vergangenen Juni aus der Taufe gehoben hat, sowie Tastenmann Martin Scheppink (ganz edel in Hemd, Krawatte, Weste und Sakko gekleidet) und Drummerin Nienke Overmars auch bei „Thoughts of You“, bevor sie mit „I Have To Have Her“ zunächst einmal einen Gang zurück schalteten, gleichzeitig jedoch äußerst energiegeladen blieben und schließlich das Gitarrengeschwurbel in einem Orgel-Finale enden ließen. Nahtlos schloss sich das temporeiche Blues-Monster „Ballad of Friends“ an, um sich schließlich dank „Honey“ unaufhaltsam mit psychedelischen Klängen ins Hirn zu fressen. „Look Into The Dark“ zeigte abermals das erstaunlich gute Zusammenspiel der noch jungen Truppe, die noch mal jammte als ginge es um ihr Leben und mit „Brother“ ein knackiges Finale inszenierte. Ein großartiger Einstieg in den Abend, der noch besser werden sollte.

Setlist THE SILVERFACES
For You My Love
Thoughts of You
I Have To Have Her
Ballad of Friends
Honey
Look Into The Dark
Brother

Dafür sorgten knapp 20 Minuten später MINTZKOV, die mit „All Names Have Been Changed“ vom aktuellen Silberling „Sky Hits Ground“ gleich sehr überzeugend performten. Im Mittelpunkt stand natürlich Sänger und Gitarrist Philip Bosschaerts, dessen Stimme gern einmal mit der von DEUS-Fronter Tom Barman verglichen wird. Gewisse Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen und wenn dann auch noch der MINTZKOV-Sound zur Geltung kommt, müssen sich Philip, Lies Lorquet (Bass & Gesang), Pascal Oorts (Syntheziser), Daan Scheltjens (Gitarre) und Drummer Minchul Van Steenkiste wahrlich nicht hinter ihren Landsleuten verstecken. In diesem Sinne schlossen sich auch „Author of The Play” vom 2010er „Rising Sun, Setting Sun” und das neue „Weapons” an. Sehr intensiv und mit allerlei Haken und Ösen sorgte „Runner’s High” für Furore, bevor „Ages And Days” und „Word of Mouth” in aller Ruhe sämtliche Synapsen besetzten. Derweil drängte „Old Worlds” mit Schmackes nach vorn, während bei „One Equals A Lot” (2007 auf „360°” erschienen) zunächst einmal die Richtung vom Schlagzeug vorgegeben wurde, ehe ein massives Langaxt-Grummeln einsetzte und es sehr straight zur Sache ging. Zum wiederholten Mal bewies an dieser Stelle auch Lies ihre Qualitäten am Mikro, die insbesondere im Kontext zu Philips Gesang bestens zur Geltung kamen. Als wahres Energiebündel erwies sich das Highspeed-Bass-Spektakel „Arena”, dem das zu Herzen gehende „Mimosa” folgte, das vom Erstling „M For Means I For Love“ aus 2003 stammte und seinerzeit noch unter dem Bandnamen MINTZKOV LUNA firmierte. Lange dauerte es nicht, da hatte sich auch „Arial Black“ in den Gehörgängen festgebissen und beim „Opening Fire“ waren schließlich die Sangesqualitäten der Utrechter gefragt. Immerhin ging es darum, das letzte MINTZKOV-Konzert auf niederländischem Boden zu feiern und da konnte ein kleiner Gesangs-Contest nicht verkehrt sein. Also bewies das Auditorium (übrigens war das Durchschnittsalter etwas höher als die bei gleicher Gelegenheit in Deutschland der Fall gewesen wäre) Textsicherheit und Ausdauer. Das Ergebnis konnte sich nach ein wenig Ermunterung von der Bühne auch durchaus hören lassen, weshalb es zur Belohnung auch direkt einmal das furiose Grummel-Monster „Slow Motion, Full Ahead“ auf die Ohren gab. Bassbetont ging’s gleich darauf mit „The State We’re In“ in die Vollen – eine großartige Nummer, die zudem für eine kurze Bandvorstellung genutzt wurde. Mit „Return And Smile“ folgte der letzte Song des regulären Sets – mit viel Tiefgang und jeder Menge Schmackes!

Keine Frage, dass die Belgier nach dieser wunderbaren Vorstellung nicht einfach so von der Bühne gehen konnten und so war es zunächst einmal Kollege Bosschaerts allein, der erneut die Stage okkupierte und mit „Gemini” im Alleingang nachlegte, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass es im Zuschauerraum ganz leise war (was zudem problemlos gelang – würde ich mir auf so manchem Gig mit deutschem Publikum auch wünschen). Sehr gefühlvoll startete Philip seinen Vortrag und wurde nach und nach von den übrigen Bandmitgliedern unterstützt, um es am Ende in Sollbesetzung wieder krachen zu lassen. Wenig später machte das STROMAE-Cover „Wonderful“ ebenfalls Tempo – inklusive einem kurzen französischsprachigen Part. Blieb noch „In Every Crowd“, mit dem MINTZKOV ihre Show ebenso emotionsreich wie schmissig beendeten.

Es ist mir immer wieder ein Rätsel, warum diese Combo noch nicht bekannter ist. Verdient hätten sie es allemal. Dafür sprechen ihre Platten in gleicher Weise wie ihre mitreißenden Auftritte. Es war mir wieder ein Fest und ich hoffe, dass bis zur nächsten Gelegenheit, MINTZKOV live zu erleben, nicht wieder annähernd vier Jahre warten muss.

Setlist MINTZKOV
All Names Have Been Changed
Author of The Play
Weapons
Runner’s High
Ages And Days
Word of Mouth
Old Worlds
One Equals A Lot
Arena
Mimosa
Arial Black
Opening Fire
Slow Motion, Full Ahead
The State We’re In
Return And Smile

Gemini
Wonderful (STROMAE-Cover)
In Every Crowd

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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